Das ist Hellenismos

Das ist Hellenismos
Stilian Ariston, 30. Anthesterion 2791 / 21. März 2.015

Der Hellenismos ist die eingeborene Kultur Griechenlands inklusive ihres Wertesystems, ihrer Religion („Polytheismus“) und ihrer Sitten. Der Begriff „Hellenismos“ bedeutet „der Griechen, Hellenentum […]. II. Verwendung eines reinen griechischen Stils und Idioms […].“ (H. G. Liddell & R. Scott: A Greek-English Lexicon, S. 536, 9. Aufl., New York 1996). In der Antike „bezeichnete er die Beherrschung der griechischen Sprache, […] die Aneignung griechischer Kultur und Religion.“ (H. Heinen: Geschichte des Hellenismus, S. 9, München 2003). Somit ist der Hellenismos nicht nur Tradition und Religion, sondern die „hellenische Lebensart“ schlechthin (Richard A. Horsley: Paul and Empire, S. 206, Harrisburg 1997).

Im Deutschen kennen wir den Hellenismus „als eigene Epoche der antiken Geschichte“, so eingeführt vom deutschen Altertumsforscher Droysen, aber die griechische Sprache kennt nur den hellēnismós, der im Deutschen mit „Hellenentum“ übersetzt wird und die komplette, epochenübergreifende hellenische Sprache, Kultur und Religion anspricht. So sollte der im Rahmen der Revitalisierung hellenischer Kultur gebräuchliche Terminus des „Hellenismos“ eigentlich vollends für die Bestimmung seines Inhalts genügen. Denn der Hellenismos ist nicht nur die religiöse Tradition der Hellenen, sondern umfasst „die gesamte vom Griechentum geprägte Bildung und Kultur, auch die ethischen und staatspolitischen Vorstellungen“ (Marion Giebel: Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter, S. 8, Düsseldorf: Patmos 2006).

Doch um Missverständnisse zu vermeiden, müssen wir spezifizieren, dass wir mit Hellenismos – immer in seiner genuinen Bedeutung – nicht die Romiosini (griechischsprachige orthodoxe Christenheit), das Oströmische Reich, den griechischen Nationalstaat oder die griechische Staatsbürgerschaft meinen. (Ethnien sind nicht mit Nationalstaaten identisch, selbst wenn letztere den Namen von Ethnien angenommen haben.) Mit Hellenismos meinen wir nichts anderes als die genuine Kultur der hellenischen Ethnie, auch ethnikós hellēnismós genannt, d. h. ethnisches Hellenentum (um zwischen griechischer Kultur und „christlichem Hellenentum“, wie die Romiosini mittlerweile heißen will, zu unterscheiden).

Als Religion liegt der Schwerpunkt des Hellenismos in der Orthopraxie, d. h. dem korrekten Vollzug der Riten. Die Orthopraxie, die Wiederherstellung der hellenischen Lebensweise und die Treue zum Hellenentum sind einige der grundlegenden Merkmale, die alle Hellenen und viele Hellenisten gemein haben, unabhängig ihrer philosophischen Zugehörigkeit. Der Hellenismos ist eine polytheistische, kosmotheistische und animistische Weltanschauung. Die Fäden seiner Vorgeschichte verlieren sich in der Zeit; richtig „greifbar“ wird er erst mit der minoisch-mykenischen Kultur, in der sicher auch sein Ursprung liegt (E. O. James: Der Kult der Grossen Göttin, Bern 2003). Seine Religion ist nicht universell, sondern kulturspezifisch, deshalb gehört er zu den ethnischen Religionen.

Das Hauptziel hellenischer Kollektive ist die vollständige Wiederherstellung und Autonomie der hellenischen Ethnie sowie die Anerkennung des hellenischen Ethnozids. Sowohl der Hellenismos selbst als auch seine Kollektive befassen sich nicht mit den politischen Ansichten, philosophischen Präferenzen oder der sexuellen Orientierung ihrer Mitglieder. Die Ideologien, politischen Parteien oder künstlichen Gegensätze der Moderne (Nationalismus-Internationalismus, Kapitalismus-Leninismus) interessieren den Hellenismos nicht und gehen ihn nichts an. All das ist den ethnischen Religionen fremd. „Mit dem Begriff ethnische Religion meinen wir Religion, Spiritualität und Kosmologie, die fest auf den Traditionen bestimmter Völker fußt. Aus unserer Sicht schließt das moderne okkultistische oder ariosophische Theorien/Ideologien sowie synkretistische Neo-Religionen nicht mit ein.“ (Europäischer Kongress Ethnischer Religionen, ECER).

Der Hellenismos ist eine Religion, eine Lebensweise und ethnische Identität, aber auch eine echte Alternative zum Abendland [1], dem Orient [2] und der Romiosini [3], welche allen aufgeschlossenen und toleranten Menschen offen steht.


1. Christentum, Parlamentarismus, Nationalismus, Internationalismus, Okkultismus, «Neopaganismus», Esoterik.
2. Monotheismus, Theokratie, Mystik, Hermetik, Soteriologie, Dualismus, Mönchtum.
3. Byzanz, Absolutismus, «hellenochristliche» Ideologie, Archäozentrismus.


Weiterführende Informationen unter:
Dr. Evgenia Fotiou: „Wir sind die Indianer Griechenlands“: Indigenität und religiöse Wiederbelebung im modernen Griechenland (englisch)
http://www.ysee.gr/article/Fotiou_WearetheIndiansofGreece_2014.pdf