Griechische Weltanschauung heute

Griechische Weltanschauung heute

Stilian Ariston, 27. Thargelion des 2. Jahres der 699. Olympiade

Was bedeutet griechische Weltanschauung in der heutigen Zeit? Wie sehen die ethnischen Hellenen die Welt? Welches ist das Bezugssystem der Hellenen heute? Diese Frage wird uns nicht selten gestellt. Rein logisch gesehen, ist diese Frage durchaus berechtigt und muss daher auch zufriedenstellend beantwortet werden.

Arete

Griechische Weltanschauung in der heutigen Zeit

Griechische Weltanschauung in der heutigen Zeit bedeutet gleichzeitig griechische Lebensweise in der heutigen Zeit. Denn die allgemeine Lebensweise und die Haltung zur Welt des Werdenden folgen aus der Weltanschauung, aus der Art und Weise, wie wir die Welt sehen und unseren Platz, unsere Stellung darin erfahren. Wir haben bereits oft darauf hingewiesen, dass es nicht unser Anliegen sei, die «Antike» in die «Moderne» zu transportieren, schon gar nicht zurück in die «Antike» zu reisen, zumal für uns, die wir ein zyklisches Verständnis der Zeit besitzen und ein anderes Verständnis von Fortschritt als die westliche Welt, kein Anlass dazu besteht. Für uns stellt sich die Zeitfrage nicht, weil wir nicht in Kategorien der Zeit, sondern der Kulturen denken. Unser Interesse gilt der «Kultur». Wir revitalisieren unsere Kultur, die hellenische Lebensweise, bringen also den hellenischen Menschen zurück in das alltägliche Leben. Dabei kommt uns die Kontinuität der griechischen Sprache, die Kontinuität in vielen Bräuchen und Märchen, die die Zeit unter einem christlichen Deckmantel überdauert und den Kulturmord überlebt haben, zu Hilfe. Die hellenische Kultur zu revitalisieren, bedeutet nicht die hellenische Kultur der Zeit X oder Y zurück ins Leben zu holen, und schon gar nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse der Antike, sondern die hellenische Kultur in ihrem Wesenskern zu revitalisieren und den roten Faden aufzunehmen, der zuletzt in Mystras und dann auf den Ionischen Inseln gesponnen wurde. In diesem Prozess müssen Anpassungen vorgenommen werden, selbstverständlich, jedoch sprechen wir hier nicht von Anpassungen an die heute dominierende Kultur, sondern an die allgemeinen Rahmenbedingungen der Zeit und der Gesetze. Diese Anpassung geht so weit, dass die hellenische Kultur in ihrem neuen Umfeld Wurzeln schlagen, sprich: überleben kann. Das ist das Kriterium: Die Überlebensfähigkeit, nicht nur jetzt, sondern auch für die Zukunft, für die nächsten Generationen. Die Praxis zeigt, dass die Rehellenisierung, die Revitalisierung der hellenischen Kultur nicht nur machbar ist, sondern vor allem in der Familie und in der Gemeinschaft funktioniert. Die Möglichkeit der Rehellenisierung ist durch günstige Konstellationen bereits gegeben, nur darf sie nicht in zu engen Grenzen gedacht und beispielsweise nur auf die Sprache begrenzt werden, sondern das gesamte Spektrum der hellenischen Kultur umfassen. Sie ist als Samen in uns allen angelegt, die wir mit der griechischen Sprache und Mythologie aufwachsen, sei es nun in Griechenland oder in der Diaspora. Diesen Samen gilt es zu gießen und mit Hingabe zum Erblühen zu bringen.

Die Welt sehen – mit welchen Augen?

Doch wie können wir diesen besonderen Samen pflegen und gießen, dass aus ihm der hellenische Mensch erblüht? Durch die Aneignung der griechischen Weltanschauung. Das ist kein Automatismus und geht besonders für Menschen, die nicht in einer hellenischen Familie groß geworden sind, mit Mühen einher, auf die viele nicht vorbereitet sind. Wie denn auch? Schließlich müssen wir uns nicht (nur) von äußeren Instanzen lossagen, sondern vor allem von Ideen und Normen befreien, die viele von uns quasi mit der Muttermilch aufgenommen haben und die wir deshalb für selbstverständlich halten. Das heißt, wir müssen uns unseres kulturellen Blickwinkels bewusst werden und diesen dann aufgeben. Das sind die «Mautgebühren», die wir auf dem Weg zum Allerheiligsten der Hellenen entrichten müssen. Dabei müssen wir nicht nur unseren Blickwinkel verändern, sondern auch unser Verstehen und unsere Rolle in der Welt neu definieren. Den Göttern sei Dank stehen wir damit nicht alleine da, denn die Hellenen haben eine große Menge an schriftlichen und anderen Werken hinterlassen, und viele davon haben ihren Weg in unsere Zeit gefunden und stehen uns zur Verfügung bei unserer Initiation in die hellenische Kultur. Denn die Aneignung der griechischen Weltanschauung ist genau das: eine Initiation. Dabei stellen wir uns immer gewisse Fragen: Wie würde ein «antiker» Grieche in dieser Situation handeln? Wie würde ein «antiker» Grieche dies oder jenes sehen? Diese Fragen sind äußerst erhellend, weisen ständig auf die griechische Literatur hin und erleichtern unsere «Quest» in erheblichem Maße, weil sie unsere Prioritäten bestimmen. Wie würde ein «antiker» Grieche diesen Baum dort drüben sehen? Was würde er sehen? Und was müssen wir in der Folge im selben Baum erblicken? Eine seelenlose Holzpflanze? Nein, das Heilige. Jeder Baum ist beseelt und heilig. Daraus folgt eine bestimmte Beziehung oder ein bestimmtes Verhalten gegenüber diesem Baum, unserer Umwelt insgesamt. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ergibt die Welt einen anderen Sinn, der unserem Leben eine bestimmte Richtung gibt und unser Verhalten bestimmt. Die griechische Weltanschauung – die ein wichtiger Baustein der ethnischen und kulturellen Identität der Hellenen ist – wird im Alltag zur Lebensweise und formt damit unser Leben hier auf Erden und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist eben diese Weltanschauung, die uns befähigt, den religiösen Monotheismus wie auch den kulturellen Monotheismus und den politischen Monotheismus, ob in seinen theistischen oder säkularisierten Formen zu durchschauen und den Ideologien der Moderne (Nationalismus, Internationalismus, Liberalismus, Leninismus usw.) eine Absage zu erteilen, eben weil sie der hellenischen Seele fremd und die sich gegenseitig befruchtenden Nebenprodukte einer anderen, der christlichen Kultur sind. Es ist aber auch diese Weltanschauung die uns befähigt, teils falsch verstandene, teils missbrauchte und misshandelte griechische Institutionen, Konzepte und Begriffe wie «Demokratie» und «Politik» wirklich zu verstehen und sich diesbezüglich neu zu positionieren. Denn das Hellenentum ist nicht nur eine kollektivistische, sondern vor allem auch eine politische Kultur. Doch mit dem Begriff «Politik» meinen wir nicht das heute darunter Verstandene (Parlamentarismus, Parteien, Ideologien), sondern schlicht und einfach «die Beschäftigung mit den öffentlichen Angelegenheiten». Und in dieser Beschäftigung mit der Welt lassen wir uns vom griechischen Wertesystem leiten.

Das Bezugssystem der Hellenen

Das Bezugssystem der heutigen Hellenen ist das Bezugssystem der alten Hellenen: die Arete. Das Wort Arete bedeutet so viel wie Tugend, Exzellenz, Tüchtigkeit und wird als allgemeiner Oberbegriff zur Bezeichnung des hellenischen Wertesystems verwendet. Das ist unser Bezugssystem. Es ist dieses Bezugssystem, aus dem teilweise die heutigen Menschenrechte der Französischen Aufklärung und Revolution hervorgegangen sind. Aber das ist nicht der einzige Bereich, in dem die hellenische Seele «hochaktuell» ist. Auch in der Kosmologie, Biologie und Psychologie ist eine ähnliche Aktualität gegeben, aber das nur am Rande. Schließlich wollen wir uns hier nicht rechtfertigen, sonst wäre unsere Tradition tot. Wenn wir aber vom hellenischen Wertesystem sprechen, von welchen Werten sprechen wir überhaupt? Nun, die vier Haupttugenden der Hellenen sind die Tapferkeit, Gerechtigkeit, Besonnenheit und Weisheit – letztere natürlich nur im menschlichen Maß. Diese Werte werden von der Religion, der Tradition vermittelt, aber vor allem von der Paideia, dem griechischen Bildungs- und Erziehungssystem. Aber das hellenische Wertesystem ist nicht nur die allgemeine Tradition, Homeros und Hesiodos, denn das hellenische Wertesystem liegt auch in den Maximen des delphischen Orakels, in den Sentenzen der vorsokratischen Philosophen, in der Nikomachischen Ethik und vor allen anderen in der Mythologie. Ja, in den Mythen, denn die hellenischen Werte sind zum Teil in Mythen chiffriert. Ohne Arete und Paideia kein Hellenismos. Deshalb ist beispielsweise der Oberste Rat der ethnischen Hellenen (YSEE) bestrebt, hellenische Schulen und Institutionen in Griechenland (wieder) zu schaffen, die im vom YSEE organisierten «Mythologischen Seminar für Kinder», das am alljährlichen «Athens Science Festival» teilnimmt, bereits einen Vorläufer haben. Nur so kann die «Reproduktion» des hellenischen Menschen auf gesellschaftlicher Ebene gelingen. Dieses Anliegen ist schon allein deshalb von äußerster Bedeutung für die Hellenen, weil der Erziehungsauftrag des «griechischen» Staates gemäß Verfassung darauf abzielt, die Schüler zu «guten Christen» zu formen: «In allen Mittel- und Grundschulen bezweckt der Unterricht die sittliche und geistige Erziehung und Entwicklung des nationalen Bewußtseins der Jugend auf der Grundlage der ideologischen Richtlinien der hellenisch-christlichen Kultur» (Griechische Verfassung, Artikel 16.1). Im Gegensatz dazu ist das Ziel der hellenischen Paideia die «Kalokagathia», das heißt: gute und freie Bürger hervorzubringen. Ohne das hellenische Wertesystem ist der Hellenismos tot, jede Anstrengung vergebens, jede Kulthandlung bloßes Reenactment. Da der Hellenismos an keiner «Integration» in die sogenannte «hellenisch-christlichen Kultur», wie die Romiosini gern und häufig bezeichnet wird, interessiert ist, kann das hellenische Wertesystem zu Reibungen mit der Mehrheitsgesellschaft führen, die aber auszuhalten sind, sonst würde der Hellenismos den Baustein seiner Identität preisgeben und zu einem Schatten seiner selbst verblassen. Außerhalb Griechenlands besteht kein solches Reibungspotential, weil die Staaten, in denen sich die griechische Diaspora niedergelassen hat, stark von der Aufklärung beeinflusst wurden, säkularisiert sind und eine in religiöser Hinsicht werteneutrale Verfassung haben. Hinzu kommt, dass viele sozialpolitische Rechte und Werte, die der Westen als seine Errungenschaften betrachtet, aus der hellenischen Kultur stammen. Dennoch kann das hellenische Wertesystem hier und da zu Spannungen kommen, wenn es zum Beispiel mit dem christlichen und islamischen Wertesystem kollidiert oder mit der abendländischen Moral in Berührung kommt, sei es nun in der Schule oder am Arbeitsplatz. Doch Konflikte und Streitereien gehören zum Leben und müssen, auf Vernunft und nicht auf Affekt aufbauend, mit dem besseren Argument und einer gesunden Kompromissbereitschaft beigelegt werden. «Gewinne durch Überredung, nicht durch Gewalt», rät uns Brias von Priene. Wir folgen der anzestralen Weisheit auch im Streit, so fasst der hellenische Mensch im alltäglichen Leben Fuß und ebnet den Weg für die nächsten Generationen. Besonders in solchen Situationen beweist sich das hellenische Wertesystem stets aufs Neue und gibt uns die Kraft, unseren Weg zu gehen, aufrecht zu bleiben und standzuhalten. Unser Ziel ist es nicht, «gute» und besonders biegsame Arbeiter, Konsumenten, Wähler oder gar Untertanen zu sein, sondern gute Menschen, die dem Stück Zeus in uns, der Vernunft Rechnung tragen und in Ehren halten. Das ist der Kern unseres Wertesystems.

Das zentrale Anliegen der Rehellenisierung ist also nicht die Reise in irgendeine «Vergangenheit», sondern die Rückkehr des hellenischen Menschen und logischerweise die Revitalisierung der Kultur, die diesen Menschen hervorbringt und ihm seine Typizität verleiht. Die Antwort der hellenischen Weltanschauung auf das Hier und Jetzt ist die Arete. Dieses Tugendsystem ist für uns von zeitloser Bedeutung und der einzige Weg für den Hellenismos, seine Eigenständigkeit und Eigenheit inmitten einer sich selbst zerstörenden monotheistischen Welt zu wahren und im «Heute» Wurzeln zu schlagen, um den kommenden ungetauften Generationen von «Morgen» Schatten zu spenden und seine süßen Früchte.

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Hymne der Kureten

Hymne der Kureten

Die Diktäische Hymne ist im dorischen und ionischen Dialekt geschrieben und wurde auf Platten in Palekastro in der Gemeinde Sitia eingraviert gefunden. In Palekastro befindet sich das Heiligtum des Zeus Diktaios. Wurde zum ersten Mal von Nikos Zervonikolakis aus dem Altgriechischen ins Neugriechische übertragen.

Drei Kureten tanzen um das Zeuskind
Wilhelm Heinrich Roscher (1845-1923), Drei Kureten, das Zeuskind umtanzend, Terracottarelief (nach A/malid. I. XII (1840) Tav. d’agg. K). Gemeinfrei

Freie Übersetzung

Io,
khaire allerhöchster Kouros,
Sohn des Kronos, Herrscher des Kosmos,
auch dieses Jahr bist du
von den Daimonen geführt
nach Dikte gekommen
komm, und erfreue dich daran
wie wir dich besingen, tanzend
den Aulos spielend,
und nachdem wir vor dem unberühbaren Altar stehen
singen wir die Hymne des Gottes

Io,
khaire allerhöchster Kouros,
Sohn des Kronos, Herrscher des Kosmos,
denn hier haben dich
deine schildertragenden Ernäher
mit ihren stampfenden Schritten versteckt
nachdem sie dich der Rhea genommen

Io,
khaire allerhöchster Kouros,
Sohn des Kronos, Herrscher des Kosmos,
……………………………………
……………………………………
……………………………………
………….. der schönen Dämmerung

Io,
khaire allerhöchster Kouros,
Sohn des Kronos, Herrscher des Kosmos,
mögen die Jahreszeiten jedes Jahr fruchtbar sein
und Gerechtigkeit unter den Menschen weilen
und die wilden Tiere
lasse sie im glücklichen Frieden leben

Io,
khaire allerhöchster Kouros,
Sohn des Kronos, Herrscher des Kosmos,
Tanze, dass unsere Krüge voll sind
Tanze auch für die schönfelligen Herden
Tanze auch für die gute Ernte

Io,
khaire allerhöchster Kouros,
Sohn des Kronos, Herrscher des Kosmos,
Tanze auch für unsere Städte
und für unsere Schiffe, die die Meere überqueren
Tanze auch für die jungen Bürger
Tanze auch für das gerechte Gesetz [themin].

Altgriechisches Original

Ιώ,
Μέγιστε Κούρε, χαίρε μοι,
Κρόνιε, παγκρατές γάνους,
βέβακες
δαιμόνων αγόμενος
Δίκταν ες ενιαυτόν
έρπε και γέγαθι μολπά
ταν τοι κρέκομεν πακτίσι
μείξαντες άμ αυλοίσιν
και στάντες αείδομεν τεόν
αμφί βωμόν ευερκή.

Ιώ,
Μέγιστε Κούρε χαίρε μοι
Κρόνιε παγκρατές γάνους,
ένθα γαρ σε, παίδ‘ άμβοτον,
ασπιδηφόροι τροφήες
παρ‘ Ρέας λαβόντες πόδα
κρούοντες αντέκρυψαν.

Ιώ,
Μέγιστε Κούρε, χαίρε μοι,
Κρόνιε, παγκρατές γάνους,
……………………………………
……………………………………
……………………………………
……………….τας καλάς Αούς

Ίώ,
Μέγιστε Κούρε, χαίρε μοι,
Κρόνιε, παγκρατές γάνους,
Ωραι δε βρύον κατήτος
και βροτούς Δίκα κατήχε
πάντα τ‘ άγρι‘ άμφεπε ζώ
α φίλολβος ειρήνα.

Ιώ,
Μέγιστε Κούρε, χαίρε μοι,
Κρόνιε, παγκρατές γάνους,
Αμιν θόρε, κες σταμνία
και θόρ‘ εύποκ‘ ες ποίμνια
κες τελεσφόρους σίμβλους.

Ιώ,
Μέγιστε Κούρε, χαίρε μοι,
Κρόνιε, παγκρατές γάνους,
θόρε κες πόληας αμών
κες ποντοφόρους νάας
θόρε κες νέους πολείτας
θόρε κες Θέμιν καλάν.

Absichtsloses Beobachten

Absichtsloses Beobachten

Stilian Ariston

Die folgende Übung stammt aus der (vorsokratischen) Naturphilosophie und dient der Gesundheit unserer Psyche. Ziel dieser geistigen Übung ist der Abbau von Stress, die Klarheit des Geistes nach einem Streit oder einer anderen unangenehmen Situation, innere Ruhe und die Bewusstwerdung der Teilnahme am Sein. Wird diese Übung regelmäßig und über einen längeren Zeitraum praktiziert, kann es zu einer Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Beobachtungsgabe kommen, was zwar zu begrüßen, aber nicht Sinn der Übung ist. Im Idealfall wird die Übung nach der Abenddämmerung ausgeführt, wenn die Welt um uns herum in Dunkelheit versinkt und es still wird. Doch das ist kein Muss: Wenn sie entsprechend angepasst wurde, kann sie zu jeder Tageszeit ausgeführt werden, vor allem auch in der Arbeit, etwa wenn wir Mittagspause haben oder unser Denken blockiert ist und wir mit einem Projekt nicht weiterkommen. Sie kann aber auch dann helfen, wenn wir nicht mehr aufnahmefähig sind und Probleme beim Lernen haben.

Das absichtslose Beobachten ist kein Ersatz für medizinische Behandlung oder Therapie.

Die Übung

Wir können diese Übung draußen im Garten, auf dem Balkon oder aber auch in der Wohnung praktizieren. Bevor wir mit der eigentlichen Übung anfangen, sorgen wir dafür, dass wir es bequem haben. Es liegt an uns, ob wir stehen oder lieber gemütlich auf einem Stuhl sitzen oder sogar liegen möchten. Am besten wäre es, wenn wir uns irgendwo hinlegen oder sitzen können, denn die Übung kann 10 bis 15 Minuten dauern. Wichtig ist, dass uns warm ist und wir uns wohl fühlen; dass wir uns nicht unter Stress setzen, die Übung auf Anhieb „richtig“ zu machen oder gar „erfolgreich zu meistern“. Noch müssen wir der Anleitung diktatorisch folgen. Das Prinzip ist wichtig. Der Rest ist Auslegungsmasse.

Wir warten, dass es draußen dunkel und ruhig wird, so dass wir in Ruhe den Himmel betrachten können und dabei nicht abgelenkt werden. Damit wir tatsächlich ungestört bleiben, müssen wir vor der Übung die Kinder zu Bett gebracht haben, unserem Lebenspartner oder unserer Lebenspartnerin sagen, dass wir für die nächsten 10 bis 15 Minuten Zeit für uns brauchen, das Handy ausschalten und dafür sorgen, dass keine Arbeit, kein Teller übrig bleibt, der nach der Übung in die Spüle muss.

Wenn es die Umstände erlauben, sollten wir uns an die frische Luft begeben und einen ruhigen Ort im Garten suchen, wo wir für einige Minuten ungestört und allein sein können. Falls wir keinen eigenen Garten oder Balkon haben, können wir das Licht im Zimmer ausschalten und ein Fenster öffnen, durch das wir den Himmel im Blick haben.

Wir schauen in den Himmel, betrachten die Sterne oder Lichter, die wir sehen können. Wir denken an nichts. Interpretieren nicht. Wenn wir den Himmel sehen, sehen wir nur den Himmel. Wir assoziieren nicht, personifizieren nicht, legen keinen „Film“ auf unsere Augen. Dabei atmen wir tief ein und aus, sodass wir uns entspannen und lockern können. Hier in der Dunkelheit und Stille lassen wir los. Den Tag, unsere Pflichten, Sorgen. Sie sind jetzt nicht. Jetzt muss keine Rechnung bezahlt werden. Jetzt muss keine Miete überwiesen werden. Jetzt wird kein Antrag gestellt. Jetzt atmen wir. Ein. Und aus. Ein. Und aus. Und wir schauen in den Himmel, denken dabei nicht, verfolgen keine Absicht. Lassen uns vom Augenblick auffangen. Es ist nicht schlimm, wenn es nicht sofort klappt. Es kann sein, dass wir uns dabei erwischen, wie wir den Himmel deuten, Gedanken haben, Bilder im Kopf aufblitzen. Das ist nur natürlich. Wenn wir bemerken, dass wir uns aus der Übung ausgeklinkt haben, fangen wir wieder von vorne an.

Jetzt müssen wir keine Leistung erbringen. Jetzt ist kein ICH. Nur das beobachtende Auge. Und dabei atmen wir ruhig ein und aus.

Wir prägen uns die Stellung der Sterne ein, ihre Größe. Wir verfolgen die Flugzeuge oder Vögel am Himmel, falls wir zu der Zeit welche sehen können, und nehmen ihre Größe, Farbe und Bewegung wahr. Wir registrieren ihren Flug, und lassen los. Wir sind ganz Himmel, gehen in der Nacht auf.

Wir beobachten das Dunkel, die Nacht. Absichtslos, ziellos, leer. Und atmen ein und aus. Wir überlassen uns der Nacht, der tiefen Stille. Da ist kein Streit mehr, keine bösen Worte, keine Vorhalten, keine Erwartungen. Jetzt ist es Nacht und über uns ist der Himmel. Es gibt kein schön oder hässlich, gut oder böse. Nur den Himmel.

Wir beobachten den Himmel, von rechts nach links, von links nach rechts, von oben nach unten und von unten nach oben. Und wenn wir den Himmel einatmen und den Himmel wieder ausatmen, wenn wir selber Himmel sind. Atmen wir tief aus. Wenn wir bereit sind, uns erfrischt und leicht fühlen, schließen wir unsere Augen und signalisieren unserem Körper, dass die Übung vorbei ist. Dazu atmen wir bewusst tief ein und tief aus. Dann öffnen wir unsere Augen und sind wieder da. Wir spüren unseren Körper, unsere Füße, strecken uns und sind wieder voll da.

Damit ist die Übung beendet. Da wir die meiste Zeit nur atmen und in den Himmel schauen, hängt es von uns ab, wie lange die Übung letztendlich dauert. Unser Körper sagt uns, wann die Übung langsam zum Schluss kommt. Wir vertrauen der Weisheit unseres Körpers und beenden die Übung, nachdem wir wissen, dass es getan ist und sie ihren Zweck für heute erfüllt hat. Nach der Übung können wir eine Tasse Tee trinken oder direkt zu Bett gehen. Das liegt ganz an uns.

Wenn wir wollen, können wir die obere Übung erweitern. Dafür schlage ich weiter unten eine weitere Übung vor, die wir im Anschluss ausführen können, wenn wir das Bedürfnis danach haben. Diese zweite Übung gehört nicht zum absichtslosen Beobachten.

Zweite Übung

Nachdem wir das absichtslose Beobachten beendet haben, können wir mit der folgenden Übung fortfahren. Wir können in der gleichen Position wie zuvor verharren oder aber auch die Stellung wechseln. Das hängt ganz allein von unserem Wohlbefinden ab.

Jetzt ziehen wir unsere Aufmerksamkeit von den Augen ab und führen sie den Ohren zu.

Wir hören in die Nacht. Wir hören, den Wind in den Blättern, das Flugzeug, das vielleicht in diesem Moment über uns am Himmel fliegt. Die Geräusche der Fledermäuse. Das Flüstern der Nacht. Wir hören. Nicht denken. Interpretieren nicht, fürchten nicht, spannen nicht die Muskeln an. Die Nacht fängt uns auf und wir hören genau zu. Den Geräuschen, die von weit her kommen. Den Geräuschen, die wir vielleicht selber erzeugen. Wir hören, nehmen gewahr, halten aber nicht daran fest. Mal lenken wir unsere Aufmerksamkeit dem rechten Ohr zu, dann wieder dem linken.

Wir denken nicht über die Geräusche nach. Sondern atmen sie ein und wieder aus. Sie gehören uns nicht. Es ist egal, woher sie kommen. Egal, durch was sie ausgelöst werden. Egal, wie sie zu uns kommen. Sie kommen und gehen. Wir atmen ein, wir atmen aus. Wir hören und lassen los. Wir sind ganz Ohr. Wir spüren unseren Körper und hören zu. Die Welt spricht. Wir hören zu. Wir versuchen nicht zu „verstehen“. Es gibt nichts zu verstehen. Wir antworten nicht. Wir atmen. Wir atmen mit den Ohren ein, atmen mit den Ohren aus. Wir nehmen mit den Ohren auf, und lassen dann wieder los.

Wenn wir bereit sind, schließen wir unsere Augen und signalisieren unserem Körper, dass die Übung vorbei ist. Dazu atmen wir bewusst tief ein und tief aus. Dann öffnen wir unsere Augen und sind wieder da. Wir spüren unseren Körper, unsere Füße, strecken uns und sind wieder voll da.

Damit ist die Übung beendet.

Gemma: Wie man Mensch wird

«Gemma: Wie man Mensch wird» von Dimitris Liantinis

Dies ist ein äußerst wichtiges Buch, das in der ethnischen hellenischen Gemeinschaft «klassisch» geworden ist. Eine große Anzahl von Menschen in Griechenland kam erst über «Gemma» in Berührung mit dem Hellenentum. Es war dieses bemerkenswerte Buch, das viele und vor allem junge Menschen überhaupt auf den Hellenismos aufmerksam machte. Auf diese Weise hat Liantinis ihre ersten Schritte in Richtung hellenischer Tradition geleitet und mit seinem kompromisslosen Realitätssinn ihren Weg geleuchtet. Aus diesem und anderen Gründen kann der Wert dieses Buches für den Hellenismos gar nicht zu hoch eingeschätzt werden. Liantinis gehört zusammen mit Cornelius Castoriadis (1922-1997) zu den wenigen zeitgenössischen Denkern und Schriftstellern, die großen Einfluss auf den Hellenismos genommen haben.

Dr. Liantinis wurde bereits in den 1990er Jahren des Werteverfalls in der neugriechischen Gesellschaft gewahr und erblickte in der Rückbesinnung auf das hellenische Wertesystem einen Ausweg aus der neugriechischen Filzokratie, Vetternwirtschaft und den generellen Verfall der Kultur, der 2010 schließlich in der griechischen Wirtschaftskrise gipfelte, die eigentlich eine Kulturkrise ist. In dieser Hinsicht stellt «Gemma» eine einzige deftige Klatsche an die neugriechische Gesellschaft dar. Liantinis zeigt mit absoluter Klarheit die Kluft, den Riesenkontrast zwischen hellenischer und rhomäischer/neugriechischer Kultur auf und zerstört damit das Narrativ vom «Erben der Antike», auf das das heutige Griechenland gerne rekuriert, wenn es keine eigenen Leistungen vorzuweisen vermag. Seine Kritik an der neugriechischen Kultur und am Christentum ist niederschmetternd. Liantinis lässt hier keinen Ausweg und keine Fragen offen. Nach der Lektüre von «Gemma» steht der Weg frei.

Seit 2011 ist «Gemma: Wie man Mensch wird» endlich auch in deutscher Sprache erhältlich. Diesen Umstand verdanken wir dem Verlag Frank & Timme, der die mutige Entscheidung getroffen hat, dieses einzigartige Buch übersetzen zu lassen und in sein Programm aufzunehmen. Dafür gilt dem Verlag wie auch dem Übersetzer unser aufrichtiger Dank.

Wir empfehlen «Gemma» allen Menschen, die ihren Weg zur indigenen hellenischen Kultur suchen und wir empfehlen es denen, die verstehen wollen, warum die ethnischen Hellenen der neugriechischen Gesellschaft so kritisch gegenüber stehen.

Titel: Gemma: Wie man Mensch wird
Autor: Dimitris Liantinis
Herausgeberin: Nikolitsa Georgopoulou-Liantini
Übersetzung: Nikolaos Karatsioras
Verlag: Frank & Timme
Sprache: Deutsch
Seiten: 250

Zum Autor

Dr. Dimitris Liantinis (1942-1998) war Schriftsteller, Philosoph, Dichter und Professor am Institut für Pädagogik der Fakultät Philosophie, Erziehungswissenschaften und Psychologie an der Universität von Athen. Seine Bücher sind in Griechenland zu Bestsellern geworden. Im Juni 1998 schied er durch Suizid aus dem Leben. Das Buch «Gemma» war sein letztes Werk.

Link zum Buch

Eine Zeit des Feierns

Ethnische Hellenen in ganz Griechenland und Zypern haben dieser Tage die alten Feste gefeiert und die Götter mit Hymnen und Opfergaben geehrt.

Der Thiasos Delphys, die Kultgemeinschaft des YSEE, zelebrierte das Fest der Charisia-Aphrodisia in Athen, die kretische Kultgemeinschaft Idaion Ge feierte das gleiche Fest in der heiligen Höhle der Eileithyia auf Kreta, die seit dem Neolithikum besteht und seit der minoischen Zeit der Göttin der Geburt geweiht ist. Die Gemeinschaft Labrys hat das athenische Fest der Delphinia zu Ehren des Apollon und der Artemis auf dem Philopappos-Hügel südwestlich der Akropolis zelebriert, wo mit Genehmigung des Archäologischen Rates (KAS) der Altar der Gemeinschaft steht. Und die ethnischen Hellenen Zyperns haben zusammen mit ihrer Kultgemeinschaft Morpho das Fest der Adonien im Heiligtum des Höchsten Zeus im Dorf Lympia begangen, dem der Bildhauer Philippos Japanis vor wenigen Tagen ein Kultbildnis des Poseidon gespendet hat.

Es ist eine Zeit des Feierns in Griechenland.

Die ethnischen Hellenen feiern die Götter, die Wiederbelebung der Natur und das Leben selbst.

Hymne an den barmherzigen Zeus

Zeus, Vater Zeus,
Höchster Gott, der du ewig in Seligkeit weilst,
khaire!
Du bist der Tag und du die Nacht,
Sonne und Mond,
Mann und Frau,
Anfang und Ende aller Dinge.
Dein Wille durchwaltet das All,
schafft Ordnung im Strudel der Unendlichkeit,
Vernunft und Weisheit sprudeln aus der Quelle,
die dein Blitz schlägt.
Du schaust das Geschick der Völker,
siehst das Leid auf Erden und das Herz aller Sterblichen,
die Tiefen der Meere und Hoheit der Berge.
Du verstehst die Sprache der Tiere,
kennst die Ursache aller Irrwege.
Zeus, Allgebender, Vater der Götter und der Menschen,
gib, dass alle Völker Frieden und das Leid ein Ende findet.
Erbarme dich der Schutzflehenden,
deren Pein kein Gehör findet.
Banne Krankheit und Trauer auf die einsamen Spitzen der Berge,
die Verwirrung aus unserem Geist, die Härte aus unseren Herzen.
Möge deine Weisheit unser Dunkel erhellen,
deine Kraft uns aufrichten, wenn wir straucheln,
und deine Wärme unseren Mut entfachen,
Wahres anzuerkennen, gemäß der Natur zu leben.
Mögen wir dich immer mit den gebührenden Opfern ehren,
vor deinem heiligen Altar die Arme zum Himmel ausstrecken,
deine Großzügigkeit besingend.
Und mögest du uns in deiner immerwährenden Güte
die Gabe empfangen lassen,
unseren Lebensweg bis zum Schluss zu gehen
in Tapferkeit, Gerechtigkeit,
Besonnenheit und Weisheit.

Der barmherzige Zeus

 

Kalender «2018»

Allmonatliche feste Tage

Der Neumondtag, die Tage 2, 3, 4, 6, 7, 8 und der jeweils letzte Tag eines Monats sind «feste Tage», will heißen: diese Tage gelten für jeden Monat des Hellenischen Kalenders und fallen eher unter die Kategorie Hauskult. Im Kalender werden sie nicht extra erwähnt, eine Ausnahme bildet der Neumondtag.

Noumenia (panhellenischer Neumonatstag): Apollon Noumenios, Artemis Noumenia, Zeus, Hermes, Hera, Hekate, Agathos Daimon und die Ahnen. Dieser Tag ist quasi den Hausgöttern gewidmet. Ihnen wird Weihrauch geopfert und ihre Bildnisse werden mit Lorbeerzweigen und Kränzen geschmückt.

  • 2er Histamenos: Agathos Daimon, Heroen und alle Daimonen und chthonischen Götter.
  • 3er Histamenos: Tritomenis Athena und Chariten; Geburtsfest der Athena.
  • 4er Histamenos: Herakles, Hermes, (Geburtsfest der) Aphrodite Pandemos, Eros.
  • 6er Histamenos: Artemis (der 6. Tag eines jeden Monats ist der Artemis gewidmet), Selēnai (Familienrunden mit traditionellem halbmondförmigen Gebäck).
  • 7er Histamenos: Apollons Geburtsfest (dieser Tag war bei allen Hellenen dem Apollon geweiht).
  • 8er Histamenos: Poseidon und Theseus.
  • 9. Ist der Muttergöttin Rhea, den Musen und Helios geweiht.
  • 18.-19er Mesuntos: Apotropäische und Reinigungsriten (vor allem nach der Mittagszeit gemäß Proklos, Kommentare zu Hesiods Werke und Tage, 810)

Letzter Tag eines jd. Monats: Hekates Deipnon. (Dieser letzte Tag eines Monats heißt Triakas, Hene kai Nea: «Dreißigster, alter und neuer» Tag.)

Die Monate (Das neue Jahr beginnt zum 1. Hekatombaeon. Eine jede Olympiade dauert von Hekatombaion bis Skirophorion.)

  1. Hekatombaion (Εκατομβαιών, Juli/August)

  2. Metagitnion (Μεταγειτνιών, August/September)

  3. Boēdromion (Βοηδρομιών, September/Oktober)

  4. Pyanepsion (Πυανεψιών, Oktober/November)

  5. Maemaktērion (Μαιμακτηριών, November/Dezember)

  6. Posideon (Ποσειδεών, Dezember/Januar)

  7. Gamēlion (Γαμηλιών, Januar/Februar)

  8. Anthestērion (Ανθεστηριών, Februar/März)

  9. Elaphēbolion (Ελαφηβολιών, März/April)

  10. Munikhion (Μουνυχιών, April/Mai)

  11. Thargēlion (Θαργηλιών, Mai/Juni)

  12. Skirophorion (Σκιροφοριών, Juni/Juli)

Die Tage (Traditionell besteht jede Woche aus zehn Tagen.)  

  1. hēméra Selénēs – Tag der Selene (Montag)

  2. hēméra Áreos – Tag des Ares (Dienstag)

  3. hēméra Hermou – Tag des Hermes (Mittwoch)

  4. hēméra Diós – Tag des Zeus (Donnerstag)

  5. hēméra Aphrodítēs – Tag der Aphrodite (Freitag)

  6. hēméra Krónou – Tag des Kronos (Samstag)

  7. hēméra Hēlíou – Tag des Helios (Sonntag)

Jeder Monat besteht aus drei Wochen, die ihrerseits aus zehn Tagen bestehen: die erste Woche ist die des zunehmenden Mondes, die zweite die des vollen Mondes und die dritte die des abnehmenden Mondes. Das griechische Wort für Woche heißt Dekás (Dekade). Die alten Griechen fingen ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte an, ihren Tage-Woche-Rhythmus der Sieben-Tage-Woche aus dem ptolemäischen Ägypten anzugleichen. So wurden nicht nur die Tage, sondern auch die damals bekannten fünf Planeten nach den Göttern Ares (Mars), Hermes (Merkur), Zeus (Jupiter) und Aphrodite (Venus) genannt. Manche der heutigen Hellenen greifen diese Entwicklung wieder auf und ersetzen auf diese Weise die christlichen Namen der Wochentage (Paraskevi, Sabbato, Kyriaki etc.) durch die hellenischen, während andere dem Sieben-Tages-Rhythmus überhaupt keine Beachtung schenken und auch in dieser Frage dem Attischen Kalender folgen. Die Tage beginnen im Hellenentum traditionell mit bzw. nach Sonnenuntergang. Der letzte Tag eines jeden Monats, ob mit 29 oder 30 Tagen, wird Triakas genannt («Dreißigster-Triakás» bzw. «Dreißigster, Erster und Neuer-»). Der Neumond liegt grundsätzlich auf dem letzten oder vorletzten Tag (weshalb der Kalender auch «beweglich» oder «flexibel» sein musste). Alle Monatstage sind in 12 Nacht- und in 12 Tagesstunden aufgeteilt.

«Der 1. Tag des Monats wurde ‹neuer Monat [Tag]› genannt. Die Tage 2 bis 10 wurden mit ‹der zweite [Tag] des zunehmenden Monats›, ‹der dritte [Tag] …› und so weiter nummeriert. Die Tage vom 11. bis zum 20. wurden einfach durchnummeriert: ‹der elfte [Tag]› und so weiter, und markierten die Zeit des Vollmondes. Aber vom 21. Tag bis zum Ende des Monats wurden die Tage rückwärts gezählt: der Tag 21 wurde ‹der zehnte [Tag] vom sterbenden [Monat]›, Tag 22 ‹der neunte …› und Tag 29 ‹der zweite …› genannt. Den letzten Tag des Monats, den Tag 30, nannte man ‹den alten und neuen›, um den Übergang von einem Monat zum nächsten kenntlich zu machen. In einem Monat von 29 statt 30 Tagen, war es der Tag 29, der weggelassen wurde. Der Begriff ‹der alte und neue› (hene kai nea) für den letzten Tag des Monats spiegelt die Vorstellung wider, dass der Mond vom Vorabend teilweise der Mond des alten Monats war, der zu Ende ging, und teilweise der Mond des neuen Monats, der im Aufkommen begriffen ist. Obwohl Hesiodos den letzten Tag des Monats als ‹den Dreißigsten› bezeichnet, nennt er den ersten des folgenden Monats ‹den alten› (Werke und Tage 766, 771), als sei der alte Monat im Beginn des neuen eingedrungen.» Robert Hannah, Greek and Roman Calendars: Constructions of Time in the Classical World, S. 43-44, London 2005.

Die Wochen (Jeder Monat hat drei Wochen.)

Erste Woche (Istaménou = Zunehmender Mond): noumēnía, diytéra oder deutéra istaménou, tritomenís, trítē istaménou, tetrás istaménou, pémptē istaménou, héktē istaménou, evdómē istaménou, ogdóē istaménou, henátē istaménou, dekátē istaménou oder dekáte protéra.

Zweite Woche (Mesúntos = Mittmond): prôtē, deutéra, trítē etc. Mesúntos. Der zehnte Tag der zweiten Woche oder zwanzigste des Monats heißt hēkás oder auch hēkosas.

Dritte Woche (Fthínontos = Abnehmender Mond): prôtē, deutéra, trítē etc. fthínontos. Der zehnte Tag der dritten Woche oder dreißigste des Monats heißt hénē kai néa oder Triakás.

(Für die zweistelligen Tage eines Monats gibt es auch Namen, so zum Beispiel für den 21. Tag eines Monats: hēkás prôtē.)

(Die allgemein relevanten Festtage des Hellenismos sind in blauer Farbe dargestellt.)

Trennlinie

JANUAR «2018» / 2793
Posideon B –
Gamelion
Erstes Jahr der 699. Olympiade

  • 03. Zeus Horios
  • 13. Haloa
  • 17. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 18. Noumenia Gamelion
  • 24. Opfer an Apollon Delphinios und Lykeios, Kourotrophos
  • 25. Opfer an Apollon Apotropaios und Nymphegetes, Nymphen
  • 26. Opfer an Athene Erosouriois («der milden Winde»)
  • 27. Opfergaben an Demeter, Kore und Zeus Boulaios
  • 29. Lenaia (bis zum 02. Februar), Wettbewerbe für Dramaturgie, Opfer an Dionysos Lenaios auf Mykonos

24. Januar: Geburtstag von Epikuros

FEBRUAR «2018» / 2793
Gamelion – Anthesterion
Erstes Jahr der 699. Olympiade

  • 02. Opfer in den Heiligtümern der Artemis, Opfergaben an Wegkreuzungen
  • 05. Die Statuen des Dionysos werden mit Epheu bekränzt (kittóseis)
  • 10. Trankopfer an Aphrodite
  • 13. Theogamia (Hieros Gamos von Zeus und Hera). Opfer an Poseidon und Kourotrophos
  • 15. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 16. Noumenia Anthesterion
  • 17. Opfer an Dionysos Eriphos
  • 26. Anthesteria Pithiogia
  • 27. Anthesteria Khoēs
  • 28. Anthesteria Khýtroi (Opfer an den chthonischen Hermes, Hydrophoria)

7. Februar: Geburtstag von Proklos Diadochos

MÄRZ «2018» / 2793
Anthesterion – Elaphebolion
Erstes Jahr der 699. Olympiade

  • 07. Kleine Mysterien (bis zum 13.)
  • 10. Diasia zu Ehren des Zeus Meilichios und Trankopfer an Hephaistos
  • 14. Artemiria oder Amarynthia zu Ehren der Artemis Amarysia, Musikalische Wettbewerbe
  • 17. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 18. Noumenia Elaphebolion
  • 23. Elaphebolia (?)
  • 25. Asklepieia Proagon, Opfer an Asklepios
  • 27. Dionysia ta astika (Die städtischen Dionysia; bis zum 04. April), Opfer an Dionysos und Gaia

APRIL «2018» / 2793
Elaphebolion – Mounykhion
Erstes Jahr der 699. Olympiade

  • 01. Opfer an Kronos
  • 03. Pandia
  • 04. Anakeia
  • 07. Trankopfer an Artemis
  • 08. Galaxia zu Ehren der Rhea
  • 14. Sotēria (Panhellenisches Fest in Delphi zu Ehren des Zeus Soter und Apollon Pythios; Wettkämpfe und Opfergaben)
  • 15. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 16. Noumenia Mounykhion, Sponde an Artemis Mounykhia
  • 19. Eroteia (Fest des Eros), Ehrenopfer an Hermaphroditos
  • 21. Delphinia zu Ehren Apollons, Opfer an Artemis Soteira

26. April: Geburtstag von Marc Aurel

(In diesem Monat begeht der YSEE das Fest der Charisia-Aphrodisia)

MAI «2018» / 2793
Mounykhion – Thargelion
Erstes Jahr der 699. Olympiade

  • 01. Munikhia (Artemis) in Peiraieus, Fest der Brauronian Artemis, Gedenktag an den Sieg bei der Schlacht von Salamis
  • 03. Katharmoi (Reinigungsriten)
  • 04. Olympieia, Opfer an Zeus Olympios, Anthypasiai (Wettkämpfe)
  • 05. Opfer an Leukaspis und Trankopfer an Apollon
  • 06. Opfer an Tritopatores
  • 13. Geburtsfest der Göttin Athena
  • 15. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 16. Noumenia Thargelion
  • 19. Opfer an Zeus, Apollon Pythios und Päon, Leto, Hermes und die Dioskuren
  • 20. Fasten auf Thargelia
  • 21. Opfer an Demeter-Khloe auf der Akropolis. Delia zu Ehren der Artemis und des Apollons auf Delos
  • 21. Thargelia (bis zum 22. Am 22. finden Wettkämpfe statt)
  • 22. Heiliger Tag des Apollon Delios, Pythios, Patroos und Alexikakos, des Helios und der Horen. Eine Eiresione wird am Tempel des Apollon Pythios und an allen Häusern in Athen angebracht
  • 31. Opfer an Zeus Epakrios

JUNI «2018» / 2793
Thargelion – Skirophorion
Erstes Jahr der 699. Olympiade

  • 09. Kallyntēria & Plyntēria zu Ehren der Athena
  • 10. Opfer an Zeus
  • 13. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 14. Noumenia Skriophorion
  • 16. Arrephoria zu Ehren der Athena Polias
  • 16. Opfer an Zeus Polieus, Poseidon, Kourotrophos, Aglauros und Pandrosos
  • 22. Opfer an Herakles, Tritopatores, Hyakinthiden (Nymphen)
  • 25. Skirophoria (Opfer an Athena Skirada, Poseidon Erechtheus, Helios); Opfer an die Tritopatores (Marathon)
  • 27. Dipolieia zu Ehren des Zeus Polieus

JULII «2018» / 2794
Skirophorion – Hekatombaeon
Zweites Jahr der 699. Olympiade

  • 07. Sponde an Athena
  • 12. Diisoteria zu Ehren des Zeus Soter, Opfer an Zeus Soter, Athena Soteira, Asklepios, Hygeia
  • 12. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 13. Noumenia Hekatombaeon, Hellenisches Neujahr (Jahr 2794 nach der ersten Olympiade / Zweites Jahr der 699. Olympiade)
  • 16. Charēsia-Aphrodisia
  • 24. Kronia, Wettkämpfe zu Ehren des Chronos und der Moiren in Olympia
  • 27. Synoikia, jährliches Opfer an Eirene
  • 29. Private Opferungen an die Heroinnen und Heroen
  • 31. Nemesia megala zu Ehren der Nemesis und Themis, Nackt-Wettkämpfe der Epheben

Dioskouria & Ehrung der Thermopylen-Kämpfer (YSEE)

AUGUST «2018» / 2794
Hekatombaeon – Metageitnion
Zweites Jahr der 699. Olympiade

  • 01. Delphisches Fest zu Ehren Apollons
  • 02. Opferungen an Kourotrophos und Artemis (im Demos Erchia)
  • 04. Sponde an Hermes, Opfer an den Heros und Seher Amphiaraos
  • 04. Panatheneia (bis zum 12.; Pferderennen, musikalische und andere Wettkämpfe für Erwachsene, Epheben und Kinder)
  • 09. Opfergaben an Athena Polias, Athena Hygeia, Athena Nike und Eros. (Es wird der Peplos der Athena gezeigt und ein Fackellauf organisiert.)
  • 11. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 12. Noumenia Metagitnion
  • 13. Herakleia (?)
  • 18. Metageitnia zu Ehren des Apollon Metageitnios (?)
  • 23. Opfergaben an Zeus Polieus, Athena Polias, Demeter und Apollon Lykeios (?)
  • 25. Private Opfergaben an Dionysos
  • 26. Kosmesis des Agalmas der Hera, Heraia (auf Delos)
  • 26. Eleusinia (die dreijährigen; bis zum 30.)
  • 27. Kourotrophos, Hekate und Artemis (im Demos Erchia)
  • 30. Opfer an die Heroinnen
  • 31. Opfer an Hera Telchinia

SEPTEMBER «2018» / 2794
Metagitnion – Boedromion
Zweites Jahr der 699. Olympiade

  • 05. Opfer an Zeus Epoptes (im Demos Erchia)
  • 08. Trankopfer an Persephone und Demeter
  • 09. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 10. Noumenia Boedromion
  • 11. Nikētíria
  • 12. Plataia (ist der Hera Daidala heilig)
  • 13. Opfer an Zeus Eleftherios
  • 14. Genesia zu Ehren der Vorfahren
  • 15. Artemis Agrotera, Marathon-Tag (Ehrung der Krieger, die in der Schlacht bei Marathon für die Heimat fielen)
  • 16. Boedromia zu Ehren des Apollon Boedromios
  • 21. Charisteria, Opfer an Athena (Dankesgaben für die Freiheit)
  • 21. Demokratia zu Ehren der Demokratie und Freiheit
  • 22. Private Opfer an Demeter, Kore, Dionysos u.a.
  • 24. Eleusinia ta megala / Die großen Eleusinischen Mysterien (bis zum 01.10.; Reinigungen, Große Opferriten, Pompe/Prozession, Die heiligen Riten, Fasten, Zeremonie im Telesterion, Heimkehr der Mysten)
  • 26. oder 27. Epidauria / Asklepieia zu Ehren des Asklepios
  • 27. Private Opfer an Dionysos und die anderen Götter

OKTOBER «2018» / 2794
Boedromion – Pyanepsion
Zweites Jahr der 699. Olympiade

  • 06. Opfer an Nymphen, Acheloos, Alochos, Hermes, Gaia (Erchia) und Athena (Teithras)
  • 07. Trankopfer an Poseidon
  • 08. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 09. Noumenia Pyanepsion
  • 14. Poerosia (Fest der ersten Früchte), Oschophoria/Oskhophória zu Ehren der Athena Skira
  • 15. Pyanepsia (eine Eiresione wird an der Haustür angebracht), Private Opfer an Apollon und Artemis
  • 16. Theseia, Kybernesia
  • 17. Stenia zu Ehren der Demeter und Kore
  • 18. Opfer an Demeter
  • 19. Thesmophoria (bis zum 22.; Fest der Demeter; nur für Frauen), Opfer an Demeter und an die Heroinnen

In diesem Monat gedenkt der YSEE der Krieger, die bei der Schlacht bei Marathon für Hellas gefallen sind

NOVEMBER «2018» / 2794
Pyanepsion – Maimakterion
Zweites Jahr der 699. Olympiade

  • 03.-05. Apatoureia (03. Dorpia, 04. Anarrhusis, 05. Koureotis), Festgelage zwischen Verwandten und den Phratrien zu Ehren des Zeus Phratrios, Athena Phratria und Dionysos
  • 06. Chalkeia (Fest zu Ehren der Athena Ergane und des Hephaistos), Opfer an Athena Archegetida
  • 07. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon
  • 08. Noumenia Maemakterion
  • 09. Sponde an Ares
  • ?. Zeus Meilichios (für einen milden Winter und eine gute Ernte für das neue Jahr). Der Verfasser opfert dem Zeus Meilichios am 16. oder 29. Memakterion. Das traditionelle Datum ist nicht überliefert
  • 17. oder 30. Pompaia zu Ehren des Zeus (Kathartische Riten)
  • 21. Nyktophylaxia zu Ehren der Demeter und Kore auf Delos
  • 23. Sponde an Zeus und Hermes; Sponde an alle, die in der Schlacht bei Plataiai ihr Leben für die Freiheit von Hellas opferten
  • 24. Dramaturgische Wettbewerbe
  • 27. Opfer an Zeus Georgos
  • Maimakteria, das traditionelle Datum ist unbekannt

DEZEMBER «2018» / 2794
Maemakterion – Posideon
Zweites Jahr der 699. Olympiade

  • 07. Trankopfer an Dionysos
  • 07. Triakas, Hene kai Nea, Hekates Deipnon, Trankopfer an Dionysos
  • 08. Noumenia Posideon
  • 12. Plerosia (Opfer an Zeus)
  • 15. Poseidea zu Ehren des Poseidon (am 21. auf Delos)
  • 17. Die ländlichen Dionysia (?)
  • 21. Opfer an Poseidon Asphaleios, Orthosios, Themeliouchos. Box-Wettkämpfe.
  • 23. Opfer an Zeus Horios und Petreus
  • 26. Private Opfergaben an die Anemoi (Winde)
  • 29. Galaxia zu Ehren Apollons (?)

15. Dezember: Geburtstag von Kaiser Nero

Die letzte Nacht des Posideons ist Nyx und Dike geweiht

 

 


Geburtsdaten von Forschern und Wissenschaftlern, die mit ihrem Werk zur Rehabilitierung des Hellenismos beigetragen haben:

4. Januar: J. P. Vernant

16. Januar: Kostas Papaioannou

20. März: Johann Christian Friedrich Hölderlin

2. Mai: Johannes Geffcken

11. Mai: Cornelius Castoriadis

23. Mai: Karlheinz Deschner

25. Mai: Jacob Burckhardt

22. Juni: Walter Friedrich Otto

26. Juli: C. G. Jung

28. August: Johann Wolfgang von Goethe

9. September: Jane Ellen Harrison

21. September: Hugh Lloyd-Jones

15. Oktober: Friedrich Wilhelm Nietzsche

19. Oktober: Louis Menard

22. Dezember: Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff

 

Quellen:

HMEPA

Sacred Attic Calendar

Baring the Aegis

Hellenismos Today

Hellenischer Kalender «2018» (PDF)