Michael Stahl erklärt die Religion der Griechen (Video)

1 Griechische Mythologie und Religion

2 Tempel und Heiligtum

3 Riten, Opfer und Gebet

4 Die Götter

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Die größte Errungenschaft der griechischen Religion

R. L. Farnell: «Das hohe Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Familie als größte Errungenschaft der griechischen Religion», in: diipetes.ysee (Themenauswahl), zuletzt abgerufen am 21. Elaphebolion 2792 / 29. März 2016. Aus dem Griechischen ins Deutsche von Stilian Ariston.

Der Polytheismus Griechenlands stellte alle Mittel für den Schutz eines jeden Aspekts des Familienlebens zur Verfügung. Keine andere Religion kümmerte sich mehr um die Sakralisierung der Familienpflichten, der Pflicht des Vaters gegenüber dem Sohn und des Sohnes gegenüber dem Vater, der Brüder gegenüber den Schwestern, des einen Verwandten gegenüber dem andren, aller, die sich rings um den Altar des Zeus «Herkeios» versammelten. Tatsächlich stellt die Verwirklichung dieses Zwecks vielleicht die primäre Aufgabe der griechischen Religion dar. Dieser gesamte Bereich untersteht restlos dem höchsten Gott, Zeus höchstpersönlich.

Erwähnenswert an dieser Stelle ist der Kontrast zwischen der alten Religion Griechenlands, welche ursprünglich den Glauben an konkrete Gottheiten mit unterschiedlichen Eigenschaften entwickelt hatte, und der eher unkonkreten römischen, welche mehr mit Numina und schattenhaften Mächten zu tun hatte. Die Familienethik Roms wurde hauptsächlich durch den religiösen Respekt gegenüber den Ahnengeistern in Schutz gestellt, deren Zorn der Sohn auf sich zog, der seinem Vater Schaden zufügte oder der Ehemann, der seiner Gattin Unrecht tat [1].

Dieselbe Idee finden wir in einigen Passagen der griechischen Literatur, beispielsweise in Platons «Gesetzen», wo die Sorge der Totengeister um die Erfüllung der Familienpflichten eindringlich vor Augen geführt wird.
 
Die ganze Ethik der griechischen Familie sammelt und konzentriert sich auf den Gott Zeus. Er ist der «Genethlios», Anführer der «häuslichen» Götter. Als «Patroos» wahrt er das Recht des Vaters und als «Omognios» schützt er das Band zwischen Brüdern und anderen engen Verwandten. Diese Namen sind keine leichtfertigen Titel, aus dichterischer Fantasie geboren, sondern Ausdruck der lebenswichtigen Überzeugungen des griechischen Kultes. Der ungerecht behandelte Verwandte, Vater, Sohn oder Cousin konnte den Gott mit diesen Namen anrufen und die Anrufung hätte die Macht eines Zaubers, fähig den göttlichen Zorn gegen den Unrechttuenden in Bewegung zu setzen. Tatsächlich sind diese Namen wahre Worte der Macht aus den Tiefen des religiösen Gefühls, welches dem alten Familiensystem Leben und Stärke verliehen hatte.
Zeus heißt nicht «Omognios», weil etwa geglaubt wurde, dass er mit der jeweiligen Familie verwandt sei. In den «Wolken» des Aristophanes nennt ihn Strepsiades «Patroos», als ihn sein Sohn beleidigt, nicht weil Zeus wirklich sein Vorfahre ist, sondern weil der ungerecht behandelte Verwandte oder Vater die Hilfe des Gottes benötigt, und um dessen Interesse zu wecken, verleiht er ihm die menschlichen Titel, welche die Beziehung, die missachtet wurde, definiert, damit die emotionale Verbindung zwischen ihm und dem Gott gefestigt wird.
 
Genau das verleiht vielen griechischen göttlichen Titeln ihre einzigartige Macht und durch ihr Studium entdecken wir die Bedeutung der Wahrnehmung des inneren religiösen Gefühls. Wir können nun den merkwürdigen Satz in den «Choephoren» des Aischylos verstehen [2], wo Orestes dem Zeus zur Anklage gegen die Mörder seines Vaters ruft: «καί πότ‘ άν αμφιθαλής Ζεύς επί χείρα βάλοι, φεύ φεύ, κάρανα δαϊξας;» («Wann mit vollstreckender Hand / Trifft sie denn vollbürtiger Zeus, um ihr Haupt / Weh! weh! zu spalten?»). Das Adjektiv «vollbürtig» (αμφιθαλής) wird nur in Attika für Kinder gebraucht, deren beide Elternteile am Leben sind. Zeus schützt die Rechte solcher Kinder und um die Beziehung des mit ihnen leidenden Gottes zu betonen, wird er selber als «vollbürtig» bezeichnet. Mit diesen Namen wird der Mächtige angerufen, Rache für das Kind zu nehmen, dessen Vater zu Unrecht getötet wurde [3].
 
1. siehe Wissowa, «Religion und Kultus der Römer», S. 187. Plutarchos, «Leben der Römer», 22
2. «Choephoren» des Aischylos, 394-396, übersetzt von Err. Hatzianesti
3. siehe meinen Aufsatz im «Classical Quartely», 1910, S. 186

R. L. Farnell
(aus seinem Buch «The higher aspects of Greek religion»)

 

Der YSEE, die ethnischen Hellenen und der Hellenismos

Der YSEE, die ethnischen Hellenen und der Hellenismos
Stilian Ariston

ΣΤΕΦΑΝΙ ΕΛΛΗΝΙΣΜΟΥ

Der Oberste Rat der ethnischen Hellenen (im Folgenden YSEE) ist eine hellenische Dachorganisation in Griechenland mit Zweigstellen im Ausland, die für die Rechte der ethnischen Hellenen und für die Restauration der genuinen hellenischen Kultur und Religion kämpft, welche seit etwa vierzig Jahren in Griechenland wieder öffentlich aktiv ist. Er ist die einflussreichste hellenische Organisation und gehört zur alten Garde des Europäischen Kongresses Ethnischer Religionen (ECER). Der YSEE vertritt die eingeborene hellenische Religion und Kultur in der Öffentlichkeit. Der Oberste Rat der ethnischen Hellenen ist eine «nativistische Bewegung».

Das erklärte Ziel des YSEE ist «die Verteidigung und Wiederherstellung der ethnischen hellenischen polytheistischen Tradition, Religion und Lebensweise in der gegenwärtigen griechischen Gesellschaft», die Rückkehr des «hellenischen Menschen» ins alltägliche Leben, die Einstufung der hellenischen Religion als Körperschaft des öffentlichen Rechts (Griechenland) ebenso wie die Bekämpfung des Antihellenismus. Außerdem ist ihm die gesellschaftliche Anerkennung des kulturellen Völkermords an den Hellenen ein besonderes Anliegen («324»-«988»). Der YSEE schützt und verteidigt die hellenische Identität gegen die mannigfaltigen zersetzenden Auswirkungen des romäischen Nationalismus und orthodoxen Extremismus auf ihre öffentliche Wahrnehmung. Mit Seminaren, Kundgebungen, Pressemitteilungen, juristischen Mitteln, Aufklärungsarbeit, sozialem und ökologischen Engagement und der Tradierung der hellenischen Religion durch den ihm nahestehenden Thiasos (Kultgemeinschaft) «Delphys», hält der YSEE die hellenische Tradition am Leben, schärft ihr Profil nach außen und beschützt sie vor Entartung und Einflüssen, die Christentum, Okkultismus und «Neopaganismus» mit sich brachten.
Aus dem Aktivismus der ersten Jahre wurde eine «Bewegung», die, früher noch schwach aufgestellt, in unseren Tagen zunehmend an aussagekräftigen Konturen gewinnt. Es handelt sich hierbei um einen konkreten Fall von Reindigenisierung, der sich am Kontakt mit den Ureinwohnern Nordamerikas entzündete. Bezeichnenderweise wird die Revivalisierung hellenischer Kultur, Religion und Lebensweise
Rehellenisierung genannt (Επανελλήνιση, Epanhellínisi).

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Die ethnischen Hellenen könnten lapidar als die «antiken Griechen» der Neuzeit umschrieben werden; sie stellen eine kleine religiös-kulturelle Minderheit mit eigener kultureller Identität und Tradition dar, nämlich der indigenen hellenischen. Ethniker heißen im Griechischen alle Menschen, die – von ihren Gegnern auf den religiösen Aspekt ihrer ethnischen Identität reduziert – als «Paganisten» und «Götzendiener» verleumdet in die Geschichte eingingen (Hellenen, Germanen, Kelten, «Indianer», Shintos, Hindus etc.), die fremde Eroberer geschrieben haben.
Die ethnischen Hellenen bezeichnen sich selber einfach nur als «Hellenen», während das Adjektiv «ethnisch» allein zur Konkretisierung und Abgrenzung nach außen dient. (Begriffe wie «Polytheist» und «Animist» erfüllen ähnliche Funktionen, finden der Verständlichkeit halber Verwendung.) In Übereinstimmung mit seiner Etymologie wurde der Ethniker (lat. Ethnicus) wieder seiner ursprünglichen Semantik zugeführt, bedeutet nicht länger den abwertenden «Götzendiener», sondern bezeichnet den «Träger einer ethnischen Identität», eines «indigenen Ethos», welcher an der «semantischen Welt» seiner Ethnie angeschlossen, voll und ganz an ihrem Ethnismus (lat. Ethnicum) partizipiert.
«G. W. Bowersock deftly draws out the vicissitudes of this vocabulary of ethnicity and religion and its later permutations in Christian Greek texts, wherein ethnikos (‹ethnic›) becomes the standard word for ‹pagan›. This usage ‹suggests at one and the same time the local character of pagan cults … and the role of Greek culture in sustaining those cults› (Hellenism in Late Antiquity, 10-11)» (Paula Fredriksen, Augustine and the Jews: A Christian Defense of Jews and Judaism, S. 388-389, New Haven/Connecticut: Yale University Press 2010).

«ethnisch Adj., seit früherem 16. Jh. selten nachgewiesene Entlehnung aus kirchenlat. ethnicus (< griech. εθνικός) in der Bed. ‹heidnisch› (vgl. 1), […]. 1 Zunächst in der heute veralteten […] Bed. ‹heidnisch, abgöttisch (im Unterschied zu christlich; jüdisch)› (vgl. paganisch). Dazu die gleichzeitig nachgewiesene, auf gleichbed. lat. ethnicus zurückgehende veraltete Personenbezeichnung Ethnikus, auch in der eingedeutschten Form Ethniker, in der Bed. ‹Heide›.»
Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch, Band 5. S. 289, Berlin 1974.

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Die Kultur der ethnischen Hellenen ist das Hellenentum: die Kultur der antiken Griechen und hellenischen Ethniker der nach-christlichen Zeit. Infolge der Verfolgung durch die Romiosini bzw. «Ostrom» sah die hellenische Tradition sich genötigt, das Parkett der Geschichte zu verlassen, um mit Georgios Gemistos-Plethon wieder ans Licht zu treten. Plethons Versuch einer Restauration der hellenischen Kultur konnte zur damaligen Zeit nicht realisiert werden. Seinem Tod folgte die Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen und die Wiederherstellung des Hellenentums rückte erneut in weiter Ferne.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Romiosini – «das (ost)römische Kaisertum und vor allem eine auf das byzantinische Christentum gegründete Identität» (Tessa Hofmann:
Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich: 1912-1922. S. 190, Münster 2004) – unter der Feder einer griechischsprachigen nationalistischen Geschichtsschreibung mit der hellenischen Geschichte verknüpft. Schließlich wurde die Romiosini zur Fortsetzung des Hellenentums («neues Griechentum») umgedeutet bzw. mit diesem identifiziert. Insofern überrascht es nicht, dass romäischen Legenden zufolge die «Türken die Gegner der Griechen in der Marathonschlacht gewesen sein» sollen (Johannes Theoph. Kakridis: Die alten Hellenen im neugriechischen Volksglauben, S. 81, München 1967). Seit zweihundert Jahren wird die hellenische Geschichte und Kultur in Neugriechenland missbraucht, bewusst verfälscht und vereinnahmt, teilweise neu erfunden und mit Hilfe «frommer Lügen» der rhomäischen angeglichen, um eine vermeintliche Kontinuität zu suggerieren, die unkritisch als Selbstverständlichkeit gehandelt wird. Dabei werden nicht nur die alten Lügen als für die «Stärkung des Nationalgefühls» notwendig verteidigt, die vor allem die soziale Stellung der Kirche gestärkt haben, sondern darüber hinaus auch neue erfunden (zwecks einer Identifizierung der heutigen Bewohner Griechenlands mit den alten Griechen). «Einen besonderen Fall stellt der Versuch dar, das Bild der Hellenen dem stereotypen Bild von den zeitgenössischen Griechen bewusst durch Fälschung anzupassen. Der in Deutschland akademisch ausgebildete Gelehrte und konservative Politiker Konstantinos Tsatsos (1899-1987) publizierte 1954 einige Auszüge aus einem vermeintlich spätantiken Brief eines römischen Senators, der darin seinen Eindruck von den Griechen schildert. In diesem Brief, der vorgeblich aus der Gruppe der Oxyrrhynchus Papyri stammen sollte, wurden alle negativen Merkmale der Hellenen aufgeführt: Egoismus, Zwietracht, Habgier, Arroganz gegenüber allem Nicht-Griechischen oder Gesetzesungehorsam. Der Haupteffekt, der dadurch beim griechischen Leser dieses von Tsatsos selbstkomponierten Textes erzeugt werden sollte, war die kopfnickende Identifikation mit seinen antiken ‹Vorfahren›. In einem zweiten Schritt sollten aber genau durch die Aufzählung der negativen hellenischen Wesensmerkmale die Gründe für die Missgeschicke der Griechen in Antike und Gegenwart in didaktischer Absicht geliefert werden» (Anna Heinze, Sebastian Möckel, Werner Röcke (Hg.), Grenzen der Antike: Die Produktivität von Grenzen in Transformationsprozessen, S. 282, Berlin/Boston 2014). Doch obwohl sich Tsatsos im Jahr 1983 gezwungen sah, seine Fälschung «nach dreißig Jahren in einer Zeitschrift» öffentlich zuzugeben, wird sie heute auf Blogs fleißig weiter verbreitet. Wer Einwände gegen solche Fälschungen erhebt, wird nicht selten als «Antihellene» [!] abgestempelt und mit den typischen Verschwörungstheorien zugeschüttet. 

Der neue «griechische» Staat verlangte nach einer gemeinsamen «nationalen Identität» aller griechischsprachigen orthodoxen Christen innerhalb seines Hoheitsgebietes. Ungleichgewichte und Widersprüche mussten harmonisiert, in Einklang gebracht werden. Dementsprechend wurde die Geschichte des Landes, die eigene Kultur und schließlich die Orthodoxie in ein neues «griechisches» Nationalbewusstsein «gegossen». Bereits im Jahr 1830 hatte man damit begonnen, das orthodoxe Christentum in diese neue nationale Identität zu integrieren (Thomas W. Gallant, Modern Greece, S. 69, London 2001). Die heute weit verbreitete Vorstellung einer unteilbaren Einheit von Hellenentum und Christentum, hellenischer Identität und christlich-orthodoxem Glauben macht die Kernüberzeugung des «Hellenenchristentums» aus, wie die offizielle Ideologie von Staat und Kirche auch genannt wird. Das heißt, dass der rhomäische Staat quasi von der Verfälschung und Anpassung der hellenischen Kultur und Geschichte lebt und deshalb kein Interesse daran hat, irgendetwas daran zu ändern.

Deshalb heißen und verstehen sich heute auch die Romäer [m./si. Romiós] bzw. die griechischsprachigen orthodoxen Christen als «Hellenen». Geschuldet den Auslassungen der offiziellen Geschichtsschreibung und nationalistischer Rückspiegelungen, identifizieren sie ihre eigene Kultur und Identität mit dem Hellenentum, als dessen Fortsetzer und kulturelle Erben sie sich heute wähnen. Es ist gar nicht so lange her, da nannten die griechischsprachigen Christen «sich selbst ‹Rhomäer›, d.h. Römer, nicht ‹Hellenen›, weil so Anhänger des altgriechischen Heidentums bezeichnet wurden. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert unter europäischem Einfluß» (Alexander Demandt: Kleine Weltgeschichte. S. 107, 2. Aufl., München 2004).

Doch auch in der Zeit davor war ein Trend zu verzeichnen, ausgelöst von byzantinischen Intellektuellen, welche die hellenische Kultur für sich entdeckten und zum eigenen Erbe erklärten. In zunehmendem Maß glaubten sie, von den alten Griechen abzustammen und nannten sich deshalb «Hellenen». An ihrer Religion und Identität änderte dies freilich nichts. Tatsache ist, «daß im Mittelalter jede bewußte Verbindung … mit dem alten Griechenland aufgelöst wurde. Hellene bedeutete nun den Heiden, eine Bedeutung, die sich auf Kreta bis auf den heutigen Tag erhalten hat.» (Kakridis, S. 10).

«Der bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein gebräuchliche Begriff [Anm: Romios] hat seine Wurzeln in der Bezeichnung, welche die Byzantiner, oder ‹Rhomäer› sich selbst gaben. Die Bezeichnung ‹Hellene› hatte dagegen fast ausschließlich die Bedeutung ‹Heide›, ‹Nichtchrist›. In osmanischer Zeit wurden die ‹Hellenen› zu mythischen Gestalten eines naiven Volksglaubens, denen übermenschliche Kräfte zugeschrieben wurden.»
Ioannis Zelepos:
Die Ethnisierung griechischer Identität 1870 – 1912: Staat und private Akteure vor dem Hintergrund der Megali idea. S. 43, München 2002.

Andere «Legenden» und «Überlieferungen» besagten wiederum, dass die Hellenen vom «Erzengel im Krieg niedergemetzelt», «von Gott verflucht bzw. in Dämonen verwandelt», «von bösen Mücken gestochen» worden waren; Riesen gewesen sind, die einmal hingefallen, nicht mehr aufstehen konnten (Westmakedonien, 20. Jh.) oder laut einer Überlieferung aus Epirus (20. Jh.) von Mücken, ausgestattet «mit eisernen Stechrüsseln», niedergemäht wurden (Kakridis, S. 27, 43). Solchen und andere Geschichten dienten den Romäern als Erklärung für den Untergang des hellenischen Geschlechts.
Nun muss man wissen, dass Romäer und Hellenen die gleiche Sprache sprechen, das gleiche Land bewohnen und so manch andere Gemeinsamkeiten haben. Sogar die eigenen Eltern können Romäer sein, man selber aber Hellene. Denn wenngleich auch zum Romäer erzogen, kann das Kind sich später für die hellenische Tradition entscheiden und Hellene werden. Die wenigsten ethnischen Hellenen sind in einer hellenischen Familie aufgewachsen. Diese «Identitätskonvertierung», mag sie vorerst auch seltsam klingen, speist sich aus dem Unterschied zwischen «Kulturnation» und «Staatsnation», und leuchtet nur dann ein, wenn dieser Unterschied berücksichtigt wird.

Denn was beide Seiten unterscheidet, ist die Kulturtradition. Es sind keine verschiedenen «Nationen» im heutigen Sinn des Wortes. Der biologische Hintergrund ist der gleiche, selbstverständlich, doch bilden sie im Grunde verschiedene Menschentypen bzw. Ethnien (wenn auch nicht alle ethnischen Hellenen dies so formulieren würden, erst recht, wenn sie von der modernen Semantik des Wortes Ethnos ausgehen). Im Hellenentum heißt es: «eine Ethnie ist eine Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Ethos» (= Charakter, Verhalten, Sitte, Verhalten, Gepflogenheit). Demzufolge ist die Ethnie ein «Kulturvolk», eine «Menschengruppe […] mit einheitlicher Kultur», sprich: Ethos (Duden online, Stichwort: «die Ethnie», zuletzt abgerufen am 25.12.«2012»), zu dem, begründet durch den holistischen Charakter der Ethnien, auch eine gemeinsame Religion gehört. Das Wort έθνος/Ethnos stammt von έθος/Ethos ab (Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch, 9. Aufl., S. 241, München 1908, Neuaufl. 1965). Demnach bestimmt der Begriff Ethnos tatsächlich ein Kollektiv, dessen Mitglieder über die eigene Kultur zueinander in Beziehung stehen. Kurz: Das Ethos ist identitätsstiftend.

Was aber nicht heißen soll, dass die hellenische Ethnie homogen sei; wie alle gewachsenen Ethnien, war auch sie polymorph und inhomogen. Vielfältigkeit ist ein charakteristisches Merkmal des Ethnismus (= bed. ethnische Identität, Polytheismus), da bei ihm das Moment des Lokalen prägend ist. Ethnie und ethnisch werden im Hellenentum also anders verstanden, als es heutzutage üblich ist, nämlich mit Blick auf die ursprüngliche Etymologie des griechischen Wortes Ethnos (→ Ethos). Das Adjektiv ethnisch hingegen verhält sich synonym zu indigen, eingeboren, autochthon, polytheistisch, animistisch etc. Dieses Hintergrundwissen rückt Begriffe wie «ethnisches Hellenentum» (= indigene hellenische Kultur), «ethnische hellenische Religion» usw. in die richtige, sinngebende Perspektive. Im Übrigen sind Begriffe wie «ethnische Hellenen», «hellenische Ethniker» und «ethnisches Hellenentum» keine neuen Wortschöpfungen und auch außerhalb der Schriften der Kirchenlehrer bezeugt.

Die «Ethnien» (Kulturvölker) werden auch mit dem Prädikat «echt» oder «wirklich» von den «Nationen» (Staatsvölkern) unterscheidet. Mit dem Begriff sind nicht alleinig die sogenannten «Naturvölker» angesprochen, sondern alle gewachsenen Ethnien, die gemäß ihrem eigenen Ethnismus untereinander und zur Welt in Beziehung treten. Der Götterkult ist also nur ein Aspekt des Hellenismos, durchdringt dieser ja auch die Weltanschauung, die Sitten und den Charakter der hellenischen Kultur.

Ethnie: Ethnie (E.) stammt aus dem Frz. und geht zurück auf das griech. éthnos, i.e.S. Volk als Abstammungsgemeinschaft, i.w.S. eine Gruppe von Menschen, die durch verschiedene gemeinsame Eigenschaften (Sprache, Kultur, Tradition, Religion, Gebräuche etc.) verbunden ist bzw. sich verbunden fühlt, die ein bestimmtes Gemeinschaftsbewußtsein besitzt und die sowohl in ihrer Selbst- als auch in der Fremdwahrnehmung durch andere als kulturell unterscheidbar gilt. Bei ethnischen Gruppen handelt es sich i.d.R. um Teilbevölkerungen innerhalb eines Staates, die sich in einer zahlenmäßigen Minderheitenposition befinden (z.B. Arbeitsmigranten, religiöse Gruppen, autochthone Volksgruppen, indigene Völker).
Dieter Nohlen (Hg.), Rainer-Olaf Schultze (Hg.): Lexikon der Politikwissenschaft, Band 1, A-M: Theorien, Methoden, Begriffe. S. 227, 4. Auflage, München 2010.

«Seit Mitte 19. Jh. als zentraler Begriff der Geschichtswissenschaft/Völkerkunde in der Bed. ‹zu einer durch gemeinsame historische, religiöse, kulturelle, sprachliche, politische und soziale Merkmale geprägte, verstreut oder zusammenlebende größere Menschengruppe, Volksgemeinschaft gehörend, diese betreffend, dadurch bedingt, charakterisiert› […].»
Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch, Band 5. S. 289, Berlin 1974.

Im Gegensatz zur Ethnie, bildet die Rasse eine «Bevölkerungsgruppe mit bestimmten gemeinsamen biologischen Merkmalen» (Duden online, Stichwort:«die Rasse», zuletzt abgerufen am 25.12.«2012»). Im krassen Gegensatz zum heutigen Nationalmodell des Nationalismus, der das («reine») Blut, die Gene und die Staatsbürgerschaft in den Vordergrund stellt und ihnen eine beinahe sakrale Bedeutung zukommen lässt, drückt in einer Kultur wie dem Hellenentum das Ethos die Kultur- und Volkszugehörigkeit aus, zumal die Ethnien nicht mit Nationalstaaten identifiziert werden können.
Viele ethnische Hellenen betonen immer wieder, dass die Weltanschauung des Hellenismos in keinster Weise am «griechischen» Nationalstaat gebunden ist.
Nicht die Staatsbürgerschaft ist entscheidend, sondern der Ethnismus. Auf
Paideia und Arete wird großen Wert gelegt, nicht auf das Erbgut. Die Gene bestimmen nicht den Charakter eines Volkes und sind auch kein Träger von Ethnismus, Ethos oder Arete.
Dem hellenischen Menschen liegen keine besonderen Körperflüssigkeiten zugrunde, sondern ein spezifisches individuelles und kollektives Verhalten. Nicht von ungefähr war z.B. Thales ein Hellene, obgleich seine Eltern Phönizier gewesen sind (Diogenes Laertios, 1, 22).

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Die Rückkehr zum Hellenismos bringt es mit sich, die engen Vorstellungen des Nationalismus zu Staat, Nation und nationaler Identität über Bord zu werfen, weil sie das indigene Verständnis von der Ethnie erschweren, ja geradezu verhindern und dazu noch ein von Außenstehenden konzipiertes Modell vermitteln. Jedoch muss man sich von Fremdes distanzieren, um zum Eigenen zu finden. Der Nationalismus ist ein fremdes und paradoxes Modell «nationalen Bewusstseins». Das Hellenentum hatte sein eigenes. So gesehen, ist die bewusste Differenzierung zwischen Hellenen und Romäern eine logische Konsequenz der Rückkehr zur hellenischen Tradition. Sinn und Zweck der Rehellenisierung ist schließlich die Aufgabe der semantischen Welt, die den Hellenen aufgezwungen wurde und die Wiederaneignung hellenischer Weltanschauung und Denkweise, wie von Kaiser Julian einst unter anderen Bedingungen vorgemacht.
Auf die Grenze zwischen den beiden Identitäten, der hellenischen und romäischen, wurde auch nach dem Fall von Byzanz großes Gewicht gelegt. «Das Patriarchat wandte sich dezidiert gegen jene Hellenisierungstendenzen, die ein neues Identitätsmodell zum Nachteil des christlich-orthodoxen propagiert hatten. Es gab also eine unübersehbare Spannung zwischen diesen beiden Identitätsentwürfen, die aus der Debatte um die altgriechische Namensgebung an orthodoxe Kinder erkennbar ist […], die das Patriarchat von Konstantinopel 1819 offiziell verurteilte» István Keul:
Religion, Ethnie, Nation und die Aushandlung von Identität(en): Regionale Religionsgeschichte in Ostmittel- und Südosteuropa. S. 81, Berlin 2005.

So wandte sich auch der «apostelgleiche» orthodoxe Mönch Kosmas von Aitolien (1714-1779), der heute noch hohes Ansehen im orthodoxen Christentum genießt, mit folgenden Worten an seine Glaubensbrüder: «Ihr seid keine Hellenen, keine gottlosen Menschen, sondern fromme Christen!» (nach Kakridis, S. 9-10). Die Eigenbezeichnung der Romäer veränderte sich erst im Laufe der Zeit, vor allem aus politischen Gründen. Trotz allem wurde zwischen der hellenischen und der christlich-orthodoxen Identität strikt unterschieden. Indes konnten manche Romäer, Keul führt Johannes von Damaskus als Beispiel an, in der griechischen Sprache und Philosophie versiert sein,

«ohne dass man sie ethnisch als Griechen bezeichnen dürfte. Die Byzantiner verstanden sich bekanntlich nicht als Hellenen/Griechen, sondern einfach als Romaioi (Rhomäer) […]. Der Begriff ‹Hellene› … war damals meistens negativ gefärbt (als Synonym für Heide); eine Anklage wegen Hellenismus galt in orthodox-kirchlichen Kreisen sogar als Häresie … [Der] Zerfall des … Byzantinischen Reiches … zur Entstehung von Regionen, in denen ausschließlich griechisch gesprochen wurde. Begleitet wurde dieser Prozess im ausgehenden Byzanz von Versuchen einer Revitalisierung der griechischen Antike und eines hellenischen Bewusstseins einschließlich der altgriechischen Religion. Verbunden sind diese mit dem Namen Georgios Gemistos-Plethon (ca. 1360-1452). Die Orthodoxie … wollte die Grenze zu den alten Hellenen aufrechterhalten. Sie beharrte auf der Selbstbezeichnung ‹Rhomäer› … Der Begriff ‹Hellene› wurde dann in einem sehr bestimmten Sinn verwendet (aufgrund der allgemein benutzten griechischen Sprache usw.) … Dies machte Georgios Scholarios … deutlich. Was die Sprache angehe, sei er natürlich Grieche, doch sei seine ganze Ausrichtung überhaupt nicht die griechische, sondern die christliche, deshalb nenne er sich Christ und nicht Hellene.»
István Keul: Religion, Ethnie, Nation und die Aushandlung von Identität(en): Regionale Religionsgeschichte in Ostmittel- und Südosteuropa. S. 77-79, Berlin 2005.

Diese Fakten sind der Mehrheit heute noch relativ unbekannt und den jungen Menschen dürfte der Begriff «Romiosini» nicht mehr viel bedeuten, auch wenn sie sich mit dem Terminus «christliches Hellenentum» – meist unbewusst – auf sie beziehen. Um Irritationen zu vermeiden und sich gegenüber der Romiosini abzugrenzen, aber auch die ureigene hellenische Identität in den Vordergrund zu stellen, führten die Hellenen die Bezeichnung des «Ethnikers» wieder ein. Denn ihre Absicht besteht ja nicht in der Definition der Romiosini, sondern in ihrer Alterität, Differentiation und Eigenständigkeit wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Die Bezeichnung ethnikoí Héllenes («ethnische Hellenen») ist sinnverwandt mit Héllenes Ethnikoí («hellenische Ethniker»), wobei letztere häufiger Anwendung findet.

«Ethniker – Das Griechische Wort Ethniker bedeutet eigentlich zum Volk gehörig. Im Neuen Testament kommt es bloß zweimal bei Mathäus vor (6, 7. 18, 17.), zur Bezeichnung von solchen, die sich weder zur jüdischen noch christlichen Religion bekennen. Ethniker in der lateinischen Überlieferung find dann bloß gentiles, und es fragt sich, ob man pagani und im Teutschen Heiden dafür gebrauchen dürfe. Als das Christentum Staatsreligion geworden war, und die Tempel und Bilder der alten Götter in den Städten nicht mehr geduldet wurden, flohen deren treue Anhänger auf das Land, und erhielten von den Dörfern (pagi), wo sie ihre alten Gottesdienste fortsetzten, den Namen pagani, Dörfler, wovon der teutsche Name Heiden eine bloße Überlieferung ist. […] Vor dem Jahr 365 kann dieser Ausdruck nicht vorkommen.»
Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Gruber: Sämmtliche Werke: Philosophische und kulturhistorische Werke, Band 6. S. 439-440, Göschen 1825.

Der Ethnismus wird oftmals auf seinen religiösen Aspekt reduziert. Dieses Stück Identität wird gemeinhin mit der pejorativen Bezeichnung «Paganismus» bestimmt. Indes ist der hellenische Polytheismus nicht «pagan», er wurde in den hellenischen Stadt-Staaten (Poleis) ausgeformt und verdankt ihnen seinen Charakter. Die Ethniker bekennen sich als solche zum «väterlichen» Wertesystem, in diesem Kontext wären das dann die «Aretai». Ethnischer Hellene sein, heißt Hellene «dem Ethos und der Weltanschauung nach» zu sein (Rassias). Die heutigen ethnischen Hellenen folgen der Tradition, die von der hellenischen Ethnie selbst abstammt und die durch selbsttragende Prozesse zustande kam.

https://hellenismosheute.files.wordpress.com/2013/07/cf86ceb8ceb9cebdcebfcf80cf89cf81ceb9cebdceae-ceb9cf83ceb7cebcceb5cf81ceafceb1-5.jpg?w=640&h=480
(Alljährliche Hommage zu Ehren der Krieger, die in der Schlacht bei Marathon für die Heimat gefallen sind. Athen, «2012». Quelle: YSEE)

Zudem ist ihr «Bekenntnis» zum Hellenismos eine dezidierte Absage an Romiosini und orthodoxer Kirche, die in Griechenland als selbstverständliche Fortsetzung der hellenischen Kultur verstanden und im Ausland als solche akzeptiert sein will («Es gibt kein Hellenentum außerhalb der Orthodoxie»), von den ethnischen Hellenen aber als «Fremdherrschaft», «Besatzerin» wahrgenommen wird, der sie das Hellenentum als Alternative gegenüberstellen. Die Gründe für diese Haltung sind vielfältig; einerseits sind sie dem kulturellen Genozid der Hellenen durch das Oströmische Reich, andererseits aktuellen Zwistigkeiten geschuldet, die wiederum aus den Verbrechen der Vergangenheit gespeist werden, zumal in Griechenland die Verunglimpfung und Abwertung der «Götzendiener», des «Götzendienstes» nie eingestellt wurde. In einer Erklärung des YSEE, aus der die Anthropologin Dr. Evgenia Fotiou zitiert, heißt es: «wir befinden uns unter kultureller Besatzung, welche vor 22 Jahrhunderten mit dem Römischen Reich begann, vor 16 Jahrhunderten mit der gewaltsamen und blutigen Auferlegung des römischen Christentums gefestigt wurde und die sich bis heute fortsetzt». Fotiou erklärt: «Ein ethnographisches Beispiel, das dies veranschaulicht, ist, dass im Anschluss an die Zeremonie zur Sommersonnenwende, die ich 2013 beobachtet habe, die Teilnehmer sich gegenseitig gewünscht haben, nächstes Jahr frei zu sein (‹Και του χρόνου λεύτεροι›).» (Evgenia Fotiou, «We are the Indians of Greece»: Indigeneity and Religious Revitalization in modern Greece, CrossCurrents, Juni 2014, S. 220).

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Der YSEE arbeitet schrittweise auf die Renaissance des hellenischen Menschen und seiner Lebensweise hin, schließlich beschränkt er sich ja nicht auf einzelne Segmente des Hellenentums, wie z.B. die «Religion» oder «Philosophie»; seine Aufgabe, aber auch die der andren hellenischen Verbände, besteht in der vollständigen Restauration der hellenischen Kultur auf der Grundlage des stoischen Humanismus und der plethonischen Tugendhierarchie. Restauration bedeutet Wiederherstellung der Weltanschauung, der «Religion», des Brauchtums, in erster Linie aber der «mentalen Landschaft» der Hellenen.

Demnach ist die Rehellenisierung keine rein religiöse Angelegenheit, sondern die holistische Entwurf einer Restauration der ethnischen Identität. Dabei ist jedes «Stück» Hellenentum zu berücksichtigen, das überliefert ist, denn das Christentum hat von der hellenischen Kultur wenig übrig gelassen.

«Fast überall werden die herrlichsten Adoratorien des Heidentums zerstört, kostbare Bauwerke eingeäschert, geschleift, nicht zuletzt in Rom, wo man die Tempelreste als Steinbrüche benutzt, noch im 10. Jahrhundert haufenweise herumliegende Bildsäulen, Architrave, Gemälde zertrümmert, schöne Sarkophage als Waschwannen oder Schweinetröge gebraucht.»
Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums Band 1, Die Frühzeit: Von den Ursprüngen im Alten Testament bis zum Tod des hl. Augustinus (430). S. 26, 6. Aufl., Reinbek bei Hamburg 2006.

Der YSEE organisiert seit vielen Jahren Vorträge, Reden und Gesprächsabende über die Geschichte, die philosophischen Schulen, über die Mythologie und die Götter des Hellenentums, und auch über andere relevante ethnologische und historische Themen (z.B. über die Geschichte des «American Indian Movement»). Die Vorträge werden in der ihm nahe stehenden philosophischen Einrichtung «Hekatevolos» (Athen) gehalten.

Der satzungsmäßige Zweck des Hekatevolos besteht in der «moralischen Unterstützung und Wiederherstellung des Hellenentums, mit dem keine moderne Staatsbürgerschaft oder eine gewöhnliche nationale Kontinuität gemeint ist, sondern eine kohärente Weltanschauung und ein aus ihr hervorgehendes Wertesystem, das in allen Bereichen des Lebens verwirklicht werden kann; […] ein Hellenentum», welches allen «gesitteten und zivilisierten Menschen» von überall auf der Welt offen steht.

Das Hellenentum ist demzufolge eine formulierte Alternative zum Abendland, Orient und zur Romiosini und ihren «Nebenprodukten», religiösen Bewegungen und Ideologien. Eine Lebensweise. Er ist keine ausschließlich religiöse Angelegenheit. Unter den Hellenen gibt es auch Agnostiker, obwohl die meisten Hellenen, sofern philosophisch interessiert, entweder zur platonischen oder stoischen Schule gehören.
Der YSEE organisiert «frei zugängliche, öffentliche Riten an heiligen Plätzen der Vorfahren in ganz Griechenland». Zudem hat er sich dem neugriechischen Staat offiziell vorgestellt («2006») und von ihm die Einstufung der eingeborenen hellenischen Tradition als Körperschaft des öffentlichen Rechts gefordert.

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Fundamentalisten und Extremisten haben sich mehrmals gegen eine solche Anerkennung ausgesprochen. Diese und andere Ereignisse (Diskriminierung; Verleumdungen als «Satanisten» und «Neuheiden», Brandstiftungen, Morddrohungen) haben die Fronten zwischen der Kirche und der hellenischen Gemeinde in den letzten Jahren extrem verhärtet. Die häufigen Konflikte und Auseinandersetzungen, «ein regelrechter Krieg zwischen den Christen und den Anhängern der väterlichen Religion ausgebrochen» (Journalist Minas Papageorgiou), werden zum großen Teil online ausgetragen.

Die hellenische Gemeinschaft ist inhomogen, was man ihr auch im politischen Bereich ansehen kann. Die «Politik» («Beschäftigung mit den öffentlichen Angelegenheiten») ist ein fundamentaler Aspekt hellenischer Identität und von außerordentlicher Bedeutung für das hellenische Selbstverständnis, zumal der politische Mensch ein hellenisches Geschöpf ist. Die allermeisten Hellenen sind Demokraten, manche zeigen eine Nähe zum Anarchismus («Herrschaftslosigkeit») oder bekennen sich zur platonischen Aristokratie. Ihre ökologische und anti-totalitäre Gesinnung fällt besonders ins Auge. Des Weiteren ist eine deutliche Ablehnung des Parlamentarismus, der Oligarchie, des Kapitalismus sowie des Leninismus erkennbar.
Der YSEE wurde in der griechischen Lokalzeitung «Kolonaki-Press» sogar «antifaschistisch» genannt, was sicherlich zutreffend ist. Außerdem besteht bei den meisten Mitgliedern des YSEE eine fast ausschließlich positive Haltung zur Französischen Revolution, die er als die «Phase der Rückkehr des politischen Menschen, der Demokratie und der Idee der Heimat» bezeichnet. Vlassis G. Rassias schrieb ein Buch und viele Artikel über die Französische Revolution.
In sozioökonomischer Hinsicht können die meisten ethnischen Hellenen sicherlich als «Frühsozialisten» bezeichnet werden. (Plethon und Menard waren Sozialisten.)

Die weltfremden Vorwürfe mancher Kleriker und Intellektueller, die Ethniker würden mit den Neonazis paktieren, eine «gemeinsame Ideologie» mit ihnen teilen, dienten wohl eher dem Zweck, von Problemen «im eigenen Hause» abzulenken. Denn Hellenismos und Nationalismus stammen aus zwei verschiedenen Welten.
Die Unterschiede machen sich vor allem in der Wahrnehmung der «Ethnie», des Volkes und seiner Identität bemerkbar, im Erkennen und Anerkennen dessen, was hellenisch ist und zum Hellenentum gehört (von hellenischer Seite kulturell, nicht ideologisch verstanden). Bedeutet z.B. «Nationalbewusstsein» bei den Nationalisten Identifikation mit dem «griechischen» Nationalstaat, ist die Ethnie für die Hellenen niemals mit einem Nationalstaat identisch. Auch im politischen Denken kristallisierten sich unlösbare Differenzen heraus; während der «hellenische» Nationalismus sich als Gegner der Globalisierung oder als «Erneuerer des Volkes» versteht, sieht der YSEE im Nationalismus den «Zwillingsbruder der Globalisierung», nennt Nationalismus und Internationalismus «künstliche Dipole», und betrachtet diesen auf Grund seines Homogenisierungsbestrebens als eine Gefahr für die Freiheit, Entfaltung und natürliche Lebensweise der Ethnien. Eine «naturgestiftete Vielfalt», so der YSEE, ist für alle Kulturvölker charakteristisch. Die Pluralität in der Ethnosphäre steht hier in Analogie zur Vielfalt in der Biosphäre. Nicht der natürliche Pluralismus ist «krank», wie manche behaupten, sondern Personen oder Gruppen, die die echte Natur durch eine neue, «erfundene» und die gültige, physische Wirklichkeit durch eine ideologische ersetzen möchten. Die Wirklichkeit wird verachtet, folglich ist der Nationalismus unnatürlich.
Der Hellenismos sieht es als die Aufgabe «aller geistig gesunden Menschen» an, den naturgegeben Pluralismus zu verteidigen und sich allen Systemen in den Weg zu stellen, die die Pluralität, die Vielfalt unter und innerhalb der Ethnien abschaffen wollen.

Die hellenische Religion bekennt sich zu keiner Partei noch hält sie irgendwelchen Ideologien die Treue. Die griechische Kultur gehört keiner Ideologie, keiner Partei, keinem modernen Nationalstaat. Die ethnischen Hellenen machen klar, dass sie immer zur Stelle sein werden, wenn ihre Symbole, ihre Geschichte und ihre Weltanschauung politisch missbraucht wird.

Der Hellenismos ist und bleibt eine selbstständige Kulturtradition, die allen Menschen offen steht. Die in Briefen und Pressemitteilungen hellenischer Organisationen an Presse und Staat zum Ausdruck gebrachten soziopolitischen Positionen (die Forderung nach Religionsfreiheit, Demokratie, Gleichheit vor dem Gesetz und Redefreiheit etc.) sind unabhängig von bestehenden politischen Parteien und Ideologien verfasst worden.

Wie die politische Haltung selbst, wird auch die Philosophie durch – keinesfalls endlose – Vielfalt ausgezeichnet. In der hellenischen Gemeinschaft werden alle philosophischen Schulen und Richtungen (vom Hylozoismus und Panpsychismus bis zum Pyrrhonismus) geachtet und geschätzt. Zwar ist eine Bevorzugung des Platonismus zu verzeichnen, doch liegt dies einerseits in dessen spätantiken Funktion als Bewahrer und Verteidiger der hellenischen Tradition begründet, andererseits in der Fülle seiner überlieferten Schriften.

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Als wichtigstes Organ der hellenischen Gemeinde liegt es am YSEE, das Profil der Hellenen nach außen hin zu schärfen und ihnen in öffentlichen und «politischen» Debatten eine Stimme zu geben. Auf diese Weise ist es ihm gelungen, dem besonderen, soziopolitischen Charakter des Hellenismos Rechnung zu tragen. Seine Aufgabe erschöpft sich nicht darin, Einsprüche zu erheben, Demonstrationen zu planen, an Regierungen, Ministerien, Parteien, Menschenrechtsorganisationen, Medien etc. zu schreiben, Pressemitteilungen zu verschicken oder Artikel zu verfassen, sondern Freiraum für hellenische Kultur und Lebensweise zu schaffen. Insbesondere sind seine Beiträge auf dieser soziopolitischen Ebene zu würdigen, ohne jedoch den falschen Eindruck entstehen zu lassen, dass er das einzige hellenische Kollektiv ist.
Der YSEE hängt keinem romantischen Archaismus nach, noch strebt er eine Rückkehr zu den sozioökonomischen Zuständen der Antike an, denn sein Ziel ist nicht die Rückkehr in die Vergangenheit, in irgend eine «Zeit», sondern die Heimkehr zum Hellenentum, zum Ethnismus der Hellenen. Zwar sind die ethnischen Hellenen Traditionalisten im weitesten Sinn des Wortes, doch gilt der Kampf ihrer Kollektive nicht der «Zeit» oder dem Fortschritt. Sicherlich ist der YSEE nicht modern, geht nicht mit der Zeit, lebt aber in ihr. Genau das sichert dem Hellenismos sein Überleben: seine unverkrampfte Anpassung an aktuelle gesellschaftliche Rahmen; eine Anpassung die nur so weit reicht, wie es für das Überleben des Hellenismos notwendig ist.

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Es gibt keinen Grund in die Antike zurückzukehren, denn hellenische Ethniker hat es auch nach dem Ende der Antike gegeben. Georgios Gemistos Plethon (1355-1452), Michael Marullus Tarchaniota (1554-1500) und, nach eigenen Angaben, der Folklorist Nikolaos Politis (1852-1921) sind Hellenen gewesen.

«Aus Liebe und aus Überzeugung bin ich auch in meinen religiösen Anschauungen ein Hellene.»
Nikolaos Politis, zitiert nach Alexis Politis: Romantische Jahre: Ideologien und Haltungen in Griechenland von 1830-1880. Vlg.: Εταιρεία Μελέτης Νέου Ελληνισμού, Athen 2003, Sprache: Griechisch (Hinweis und Zitat verdanke ich einem in Griechenland lebenden ethnischen Hellenen.)

Plethon, sein Schüler Juvenalius, der den Foltertod starb, und Marullus waren nicht allein. Gemäß Konstantinos Sathas formierte sich im Untergrund eine ganze Organisation, die für nur ein Ziel kämpfte: die Wiederherstellung des Hellenentums («Attische Gesellschaft»). Manche seiner Mitglieder, vornehmlich Söldner (Stratioten), gaben ihrer Hellenizität einen christlichen Anschein, so verehrten sie Helios in Gestalt des christlichen Heiligen Georgios. Jedoch konnte die Attische Gesellschaft ihr Ziel nicht verwirklichen. Sie löste sich auf und hinterließ kaum Spuren. Die Vision einer Wiederbelebung des Hellenentums sollte viele Jahrhunderte später wieder Feuer fangen. Im Rahmen der kurzweiligen Franzosenherrschaft auf den Ionischen Inseln (1797/8-1799), wurde von seitens der hellenischen Jakobiner die Abschaffung des christlichen Regimes und die Einführung des Sozialismus, der Demokratie und der «alten Religion» angestrengt (Vlassis G. Rassias: Ιακωβίνοι, «Λέσχη των Ιακωβίνων», mit Verweis auf Jovanovic S. 56, Goldstein und Kitromilidis, in Rassias: «Κείμενα», zuletzt abgerufen am 28.8.«2015»). (Hierdurch erklärt sich die positive Haltung vieler Hellenen zur Französischen Revolution, insbesondere zu den Jakobinern.) Doch wie die Bemühungen und partiellen Erfolge der Jakobiner, fand auch der im Dorf Eleusis bei Athen bis ins Jahr 1801 andauernde Kult der Demeter, die in den Märchen als heilige Frau erscheint, die nach ihrer entführten Tochter Aphrodite sucht, ein gewaltsames Ende (John Cuthbert Lawson: Modern Greek Folklore and Ancient Greek Religion, S. 79-80, Cambridge 1910), indes bezeugen beide eine eigentümliche Kontinuität hellenischer Tradition.

«Noch im 19. Jahrhundert glitten schwangere Athenerinnen einen Felsen beim Aeropag hinab, indem sie Diana anriefen.»
Gisela Graichen: Das Kultplatz Buch: Ein Führer zu den alten Opferplätzen, Heiligtümern und Kultstätten in Deutschland. S. 74, Hamburg 1990.

Offenbar ist dieser «stille Fluss» nicht mit Plethons Ableben versiegt, statt dessen strömte er im Untergrund an den Jahrhunderten vorbei. Insofern bleibt das Auge des Beobachters zu oft an der klassischen Zeit hängen, und vernachlässigt dabei sträflich die Neuzeit, die gemeinsam mit der ausgehenden Spätantike doch den Anknüpfungspunkt des heutigen Hellenismos darstellt. Hier knüpfen die Hellenen an, nehmen an dieser Stelle «den Faden» auf, so muss die Suche nach den Anfängen des neueren Hellenismos auch hier beginnen.

Fernab vom Vaterland, fand der Hellenismos in Frankreich eine zweite Heimat. Louis Menard, französischer Autor und Sozialist, Historiker und Entdecker des Kollodiums, blieb bis zu seinem Tod ein hellenischer Polytheist, «Verehrer der olympischen Götter» (Vlassis G. Rassias, in: Vorwort zur griechischen Ausgabe von Rêveries d’un paien mystique, S. 7, Athen 1999). Menard gehörte zu den Menschen, die hinter den Schleier der Mythen geschaut, die Lebensweise hinter den hehren Gestalten erblickten.

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In seinen «Pressemitteilungen» klärt der Oberste Rat die Öffentlichkeit bezüglich der Religion und Weltanschauung der Hellenen auf, indem er Fragen beantwortet, die hellenischen Ethnikern häufig in Griechenland gestellt werden. Er scheut sich nicht, seinen «Sehepunkt», seine Positionen offenzulegen und Antworten auf hartnäckige Ressentiments, Vorhaltungen, vermeintlich «peinliche» Fragen, Ridikülisierungen und «Selbstverständlichkeiten» zu geben, die mitunter noch großen Einfluss auf die öffentliche Meinung haben. Dabei tritt er selbstbewusst auf und bedient sich einer spitzen und harschen Sprache, die für ihn typisch ist, schreckt auch vor Konfrontationen und Auseinandersetzungen mit dem Staat oder der Kirche nicht zurück. Fotiou resümiert: «Auch wenn ihre Ausdrucksweise gegenüber der orthodoxen Kirche und dem griechischen Staat bisweilen harsch ausfällt, kann argumentiert werden, dass diese Sprechhaltung die Ungerechtigkeit, Verspottung und Irrationalität widerspiegelt und mitunter zurückgibt, der sie durch den griechischen Staat und der griechischen Gesellschaft allgemein ausgesetzt wurden. In der Vergangenheit wurden Mitglieder oder Verbündete des YSEE zum Beispiel Opfer von Gewalttätigkeiten seitens mutmaßlich namenloser Gegner, dazu gehört auch die Brandstiftung einer pagan-freundlichen Buchhandlung in den 1990er Jahren. Dennoch befürworten sie keine Gewalt, sondern plädieren für einen religiösen Pluralismus.» (a.a.O., S. 227)

Ungeachtet der Vielzahl an «Antworten» und Erörterungen, sollte sich der Leser nicht zum Eindruck verleiten lassen, der YSEE würde für alle ethnischen Hellenen sprechen. Die autochthone hellenische Tradition kennt weder Oberhaupt noch religiöse «Führer» oder «Lehrer». Abgesehen von den religiösen und weltanschaulichen Antworten – über die man sich nicht streiten kann, denn entweder sind sie kulturhistorisch korrekt oder eben nicht –, können hellenische Ethniker auf verschiedene Probleme des menschlichen Lebens sehr wohl unterschiedlicher Meinung sein; die Inhomogenität des Hellenismos kann nicht von der Hand gewiesen werden.

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In seinen Artikeln begegnet einem oft der Begriff «Ethnische Hellenische Religion» (EHR); diese, der «Hellenismos» und die «Religion der Hellenen» sind Bezeichnungen, die der religiösen Tradition des Hellenentums am ehesten gerecht werden. Während andere die Bezeichnung EHR ablehnen und dem YSEE auf die Finger schauen, besteht letzterer hartnäckig darauf. Der Hellenismos ist keine Religion im heutigen Sinn des Wortes, doch wird er «Religion» genannt, auf dass sich die Hellenen verständlich machen und ihr Anliegen kommunizieren können. Die alten Hellenen kannten den «Glauben» nicht, «‹glaubten› nicht im christlichen Sinne an die Götter […].» Friedrich Wilhelm Korff: Vorwort zum Wahren Wort des Celsus, in: Celsus, Th. Keim (Übers.): Gegen die Christen. S. 10, München 1984.

In seinem Nachwort zu Platons Apologie des Sokrates erläutert Manfred Fuhrmann diesen Punkt: «In dem Hauptvorwurf, der eigentlichen Asebie-Anklage, verwendet das griechische Original für ‹anerkennen› das Wort νομίζειν ‹in Brauch haben, an etwas festhalten›. Man hat diesen Ausdruck oft mißverstanden und durch ‹glauben› wiedergegeben – Sokrates verstoße gegen das Recht, indem er nicht an die staatlichen Götter glaube» (Manfred Fuhrmann, Platon: Apologie des Sokrates. Griechisch/Deutsch. S. 100, Ditzingen 1986). Diesem Missverständnis entspringen Sätze wie: «Die Hellenen glaubten an Mythen» oder «Die griechischen Götter sind Mythen». So gehört die Übersetzung der hellenischen Religion mit «Glaube» oder ihre Verwechslung mit der Mythologie immer noch zur «Allgemeinbildung».

Der hellenische Polytheismus ist zwar an die Vorstellungen der griechischen Kultur, an ihre Mentalität gebunden, kommt aber wunderbar ohne Glaubensbekenntnisse zurecht, denn im traditionellen Polytheismus dreht sich alles um die Orthopraxie («richtige Praxis»), will heißen traditionstreu oder «nach der Sitte der Väter» zu praktizieren, Götter und Heroen zu ehren und die Riten einzuhalten (Martin P. Nilsson: Griechischer Glaube. S. 13, Bern 1950). Die Orthopraxie festigte die Ordnung in den Poleis, gehörte selber zur gesellschaftlichen Ordnung und versprach auch in Krisenzeiten Stabilität und Halt, so geschehen bei den Athenern nach ihrer Niederlage im Peloponnesischen Krieg. Im Ritualismus findet die hellenische Pietät ihren vollkommensten Ausdruck.

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Der «Hellenismos» ist heute die meist gebrauchte, verständliche und mit Abstand charakteristischste Bezeichnung für die eingeborene hellenischen Tradition. Er ist jedoch kein Neologismus. «In der Antike bezeichnete er die Beherrschung der griechischen Sprache, darüber hinaus auch die Aneignung griechischer Kultur und Religion. In diesem letzteren Sinne wurde der Begriff von denjenigen negativ verwendet, die Polytheismus, den ‹Götzendienst›, der Griechen ablehnten, zunächst von Juden, später von den Christen» (Heinz Heinen: Geschichte des Hellenismus: Von Alexander bis Kleopatra. S. 9, München 2003). Aber erst mit Kaiser Julian wurde der «Hellenismos» zum offiziellen Namen der hellenischen Tradition. Julian gab der hellenischen Tradition diesen Namen, spezifizierte somit den Begriff selbst, weil der Hellenismos «die gesamte vom Griechentum geprägte Bildung und Kultur, auch die ethischen und staatspolitischen Vorstellungen» umfasst (M. Giebel: Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter. S. 8, Düsseldorf 2006). Er ist also weder «Glaube» noch ausschließlich «Religion».

Im heutigen Griechenland konnte der Hellenismos sich nicht als Name der eingeborenen hellenischen Tradition durchsetzen, im Gegensatz dazu hat er sich im deutsch- und englischsprachigen Raum bereits als offizieller Name der hellenischen Tradition etabliert. In Neugriechenland bezeichnet der «Hellenismos» nicht nur die romäische Geschichte und Kultur, sondern auch die «griechischen» Staatsbürger und Affären des «griechischen» Staates, wird vom Volk sogar mit der Orthodoxie assoziiert, weil sie den Kern der romäischen, als «griechisch» ausgegeben, Identität ausmacht. So wird gelegentlich unter «hellenischer Religion» die christlich-orthodoxe geführt. Ein weiterer Grund, der den Terminus «ethnisches Hellenentum» (ethnikos Hellenismos) notwendig machte. Und ein weiterer Grund für den YSEE, auf den Begriff der EHR zu beharren.
Der Sekretär des YSEE erklärt, was man sich unter dem Begriff «Ethnische Hellenische Religion» vorzustellen hat. Dies ist von Bedeutung für das Verständnis der hellenischen Kultur. Denn die indigene hellenische Religion ist vielmehr, als der Begriff zunächst vermuten lässt.

«Mit dem Begriff ‹ethnische hellenische Religion› wird die Summe der ‹Nomizómena› [Anm. d. Übrs.: der tradierten bzw. überlieferten Sitten und Anschauungen] der ethnischen (nicht-christlichen) Griechen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, über den Kosmos, die Götter, die Natur, die Tiere und die Menschen gemeint. Die ethnische hellenische Religion ist eine polytheistische, indigene, organische und allen voran eine natürliche Religion. Sie wurde nicht von einem oder mehreren Menschen, ‹Propheten› oder ‹Gottmenschen› gegründet. Es handelt sich bei ihr um eine anfangs- und endlose geistige ‹Koevolution› des biologischen, sozialen, politischen und kulturellen Wesens, das unter dem Begriff der griechischen Ethnie bekannt ist.«
Vlassis G. Rassias: Unterschiede zwischen der ethnischen hellenischen Religion und dem Christentum, in: Rassias (Artikel), zuletzt abgerufen: 15.2.«2012», griechisch.

In der Encyclopædia Britannica wird die hellenische Religion folgendermaßen definiert.

«Griechische Religion: die religiösen Anschauungen und Praktiken der antiken Hellenen. Die griechische Religion ist nicht identisch mit der griechischen Mythologie, welche von traditionellen Erzählungen handelt, jedoch sind beide eng miteinander verknüpft. Merkwürdigerweise hatten die Griechen, für ein so religiös gesinntes Volk, kein Wort für die Religion selbst; die naheliegendsten Begriffe waren eusebeia (‹Pietät›) und threskeia (‹Kult›).»
Encyclopædia Britannica Online, Stichwort: «Greek religion» (zuletzt abgerufen am 24. Januar «2013»), englisch.

Die verschiedenen Bezeichnungen wie «EHR», «Hellenischer Polytheismus», «hellenische Religion», «Hellenismos» etc., sollten die Leser nicht irritieren, denn es sind Synonyme und daher auswechselbar. Im christlichen Neugriechenland ist die hellenische Tradition den meisten als «Dodekatheismus» («Religion der zwölf Götter») bekannt und die ethnischen Hellenen werden dort meistens, auch in den Medien, mit den scheinbar neutralen, pejorativen Bezeichnungen «Götzendiener» und «Dodekatheisten» bestimmt, die – wie im Falle des «Paganismus» – die Hellenen auf ihre (falsch verstandene) Religion und die hellenische Ethnie zu einer «Glaubensgemeinschaft» reduziert, weshalb der «Dodekatheismus» von den Hellenen nur als Adjektiv, aber nicht als Substantiv akzeptiert werden kann.

Mit dem Begriff «Hellenismos» meinen die Hellenen ausschließlich das reale, historische Hellenentum, welches nicht von neuzeitlichen Ideologien und Nationalstaaten entworfen, sondern von der hellenischen Ethnie in Zeit und Raum getragen wurde. Der «Hellenismos» ist summa summarum die historische und dokumentierte hellenische Kultur. Alles andere, ob neuere religiöse Bewegungen wie auch Ideologien, betrifft und interessiert ihn auch nicht.

Der YSEE, die ethnischen Hellenen und der Hellenismos (PDF)

Hellenismos: Was er ist und nicht ist

Hellenismos: Was er ist und nicht ist
Ein umfassende Darstellung des weltanschaulichen Gebäudes des heutigen Hellenismos, wie dieser sich seit dem Ende der Antike in Griechenland entwickelt hat. Ein unvollständiger Auszug aus einer unveröffentlichten Publikation. (Die fettgedruckten Begriffe fungieren als eine Art «Stichwörter», die den Text in lose umrissenen Sparten gliedert, so dass das Lesen und Erfassen des Textes erleichtert wird. Der Autor erstrebte keine Aufstellung aller Inhalte des Hellenentums auf, da eine solche illusionär erscheint, und allein der Versuch den festgelegten Rahmen sprengen würde. Eine Andeutung einer Querverbindung zwischen Begriffen, die zufällig nebeneinander stehen, ist nicht beabsichtigt.)

«Er nannte die religiöse Tradition ‹Hellenismus›, weil sie nicht aufs Theologische beschränkt war. Sie umfaßte vielmehr die gesamte vom Griechentum geprägte Bildung und Kultur, auch die ethischen und staatspolitischen Vorstellungen» …
Marion Giebel, Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter, S. 8, Düsseldorf: Patmos 2006.

«Der Terminus hellenismos hingegen ist alt. In der Antike bezeichnete er die Beherrschung der griechischen Sprache, darüber hinaus auch die Aneignung griechischer Kultur und Religion.»
Heinz Heinen, Geschichte des Hellenismus: Von Alexander bis Kleopatra, S. 9, München: Beck 2003.

«Der Hellenismos ist ein Ethnismus … Er ist eine Verhaltensart auf kollektiver und individueller Ebene.»
Vlassis G. Rassias

(«όμαιμόν τε και ομόγλωσσον, και θεών ιδρύματά τε κοινά και θυσίαι ήθεά τε ομότροπα») «Bluts- und Sprachgemeinschaft, die Gemeinsamkeit der Heiligtümer, der Opferfeste und Lebensweise.»
Herodotos, 8.144

Nike

Ufnbenannt DER HELLENISMOS IST …

Homeros, Hesiodos, Philosophie von Thales bis Plethon [1], Eusebeia («Religion»), Kosmotheismus, Polytheismus, Agnostizismus, Ritualismus, Heroenkult, Orthopraxie, Mysterien, Orphik (z.T.), Kosmogonie und Weltanschauung der hellenischen Ethnie, Hylozoismus, Panpsychismus, Animismus oder Pandaimonismus, Ehrung der Toten. Attischer Kalender, Symbolismus, Mythologie, Architektur, Musik; Politik («Beschäftigung mit den öffentlichen Angelegenheiten») [2], Aristokratie [3], Demokratie [4], Kollektivismus, «Sozialismus» [5], die soziale Frage, Kosmopolitismus (spätere Stoa), Betonung der Pflicht vor den Gefühlen, Individuation (im psych. Sinn des Wortes und inn. d. eig. Kulturkreises). Theater, Sprache, Literatur [6], ta Patria [7]. Iatromantie [8], Theurgie (im weitesten Sinne) [9], Orakel [10], «Papyri graecae magicae» (z.T.; Schutzgebete etc.); Holismus [11], Ethnismus, historischer Optimismus, Objektivität [12], Ethik & das väterliche Wertesystem [13], Paideia & Kalokagathia, Beitrag zur Reindigenisierung und Revitalisierung der Ethnosphäre; die schönen Künste, Ernährung [14], Musik [15], Heilkunde [16], hellenische Medizin [17], Wissenschaft [18], Sport [19]. Zeitrechnung [20], kata physin zein [21], Polymorphie [22]; Toleranz, dialektisches Denken, Mitempfinden, Achtung vor den Bedürftigen und Schutzflehenden, Gastfreundschaft, Verständnis für andere ethnische Kulturen, Offenheit; Inhomogenität [23], Eklektizismus [24], aristokratische Gesinnung, organisches Verständnis des Universums, lineares Zeitverständnis [25], Bereitschaft zur Aufopferung für das Gemeinwohl, die Freiheit und die Heimat, und zum Kampf [26]. Akzeptanz der Wirklichkeit [27], Recht auf Suizid, Humanismus, Lebensbejahung, Diesseitigkeit; Akzeptanz des Todes, traditionelle Vorstellungen über den Tod und das Leben danach [28], Bewahrung der Tradition [29], Restauration der Ethnie nach großen Niederlagen und Katastrophen oder Verfolgungen und Völkermorden [30].

Ufnbengggannt DER HELLENISMOS IST NICHT …

Glaube, Hellenistische Religion, Mithraismus, Synkretismus, Naher Orient, Mittlerer Osten, Goetia [31], Hermetik, Kabbala, Gnostizismus, die Chaldäischen Orakeln [32], Mystizismus, Soteriologie, Messianismus, Monachismus, Monotheismus [33], Fanatismus, christlicher «Platonismus», Deisidaimonia («Aberglaube») [34], die spätere Orphik [35], der spätere «Kepos» [36], Schicksalsergebenheit, Jenseitsorientierung, orientalische Einflüsse. Fernöstliche Traditionen, Karma, Yoga. Romiosini [37]; Byzanz [38], Neugriechischer Staat [39], Neugriechische Staatsbürgerschaft & Identität [40]. Abendland, sein Politikwesen [41], seine religiösen Bewegungen und neuen Kulte (Okkultismus, «Neopaganismus» etc.) [42]. Moralismus, Fakelore, Ideologisierung [43], Subjektivität [44], Materialismus, Militarismus [45]. Theokratie, Gottkönigtum, völkisches Gedankengut. Parlamentarismus, Feudalismus, Industrialisierung, Kapitalismus, Liberalismus, Konservativismus, Neoliberalismus [46], Nationalismus, Internationalismus, Marxismus, Historischer Materialismus, Leninismus, Absolutismus, Totalitarismus [47], , neuzeitliche (künstliche) Dipole [48]. Emotionalität [49], Technophobie, Resignation, Demut, Selbstgeißelung, Dualismus [50], Individualismus [51]. Biologismus [52], Homophobie [53], Rassismus [54], Antisemitismus [55]. Ökumenismus, Universalismus, Homogenisierung, heutiges Politikverständnis [56], antinatürliches Gedankengut [57]; Zynismus, Verlogenheit [58], Verdrängung des Todes. Abendländische und romäische Version bzw. Deutung der Geschichte; unhellenische und unwissenschaftliche Deutung oder Interpretation des Hellenentums und all seiner Inhalte, Pseudowissenschaft, Intellektualismus [59]; romantische Verklärung und Glorifizierung oder Instrumentalisierung der Antike [60].

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ANMERKUNGEN: Erster Teil
1. Ionische Schule, Pythagoreer, Eleatische Schule, die Atomisten, die Sophisten, die Akademie oder «Platonismus» (exkl. orientalischen Denkens), die Kyniker, die Kyrenaiker, die Peripatiker oder «Aristoteliker», der Kepos oder «Epikureismus», die Stoiker, der Pyrrhonismus oder «die Skeptiker». Philosophie versteht sich als «Lebenspraxis».
2. Will heißen: mit dem öffentlichen Leben und den Problemen der Gemeinschaft, mit Ökologie und Ökonomie, statt mit Parteien, Parlamenten, Ideologien etc.
3. «Herrschaft der Besten».
4. «Volksherrschaft»; die Demokratie ist ein «Konglomerat» aus Selbstverwaltung (Autonomie), Isonomie, Isotimie, Isagorie, Isopoliteia und Parrhesia. In der Demokratie ist der Mensch ein mündiges Subjekt, d.h. ein Bürger.
5. Akzentuierung des Sozialpolitischen gegenüber dem Privaten, heißt: die Gemeinschaft hat den Vorrang vor dem Individuum.
6. Epos, Lyrik, Dichtung, Komödie, Tragödie, Rhetorik, Geschichtsschreibung, Astronomie, Siegeslieder, Geographie, Zoologie, Mineralogie, Phytologie, Medizin, Physik et cetera.
7. die väterlichen Sitten.
8. «Schamanismus» (Abaris, Epimenides etc.). Von «Iatromantis»: «Iatros» (Heiler, Arzt) + «Mantis» (Seher, Orakel). Trance, Ekstasis, Weissagung, rituelle Heilungen, kathartische & apotropäische Riten u.a. Auch Iatromantik(e).
9. Zeremonielle Iatromantie; philosophisch-religiöse Praxis, die auf eine persönliche Beziehung zu den Göttern abzielt; findet ihren Gegenpart in der Goetia, d.h. «schwarzen Magie». Theurgie ist hier abgekoppelt von den sog. Chaldäischen Orakeln und auf die Begriffsbedeutung bezogen. (Außersinnliche Fähigkeiten, Grenzerfahrungen des Seelenlebens.)
10. Traumdeutung, Bibliomantie (Homeros, Hesiodos), Pendel (Amm. Marc. 29,1,25), Kristallomantie (Beryll), Los-Orakel (Würfel, Hölzchen, Bohnenorakel), Arithmologie, Libanomantie (Weissagung aus dem Weihrauch), Dendromantie (Weissagung durch Bäume bzw. dem Rascheln ihrer Blätter im Wind), Antike Astrologie (Ptolomäus, Manilius), Pythagoras-Orakel (Astrampsychos), Kata Stoikheion Khrêsmoi Ek Olumpou (Alphabet-Orakel).
11. Einheit von Iatromantik, Medizin, Wissenschaft, Philosophie (Empedokles, Sosipatra, Asklepiodotos). Organische ethnische Identität (Weltanschauung, Sprache, Sitten, politisches Bewusstsein, Religion).
12. Bewertung oder Beurteilung von Phänomenen oder Ereignissen nach objektiven bzw. wirklichkeitsadäquaten Kriterien (Vernunft, Ethnologie, Biologie, Medizin, Physik). Achtung und Akzeptanz der Wirklichkeit, so weit diese erkennbar ist. Der «antike Mensch», sagt Egon Friedell, obwohl in seiner christlichen Perspektive begrenzt, «beseelt die Natur ganz objektiv … der moderne höchst subjektiv … Er fragt nicht: was sind [die Dinge] für mich, sondern: was sind sie für sich?». Seine Welt «durchblutet [ist] von Wirklichkeit», «sein Begriff der ‹Heimat› … ganz unromantisch». «Die Natur und überhaupt die ‹Wirklichkeit› ist amoralisch» (Egon Friedell, Kulturgeschichte Griechenlands, S. 49, 58, 69, 120, 11. Aufl., München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2009).
13. Ethik: die delphischen Maximen, Solons Gebote, Fragmente des Demokritos, Nikomachische Ethik. Wertesystem: die Aretai. Dazu gehören die vier Kardinaltugenden der Weisheit, Besonnenheit, Tapferkeit und Gerechtigkeit sowie auch allgemeine Aretai wie Stolz, Selbstachtung, Bescheidenheit, Güte, Selbstbeherrschung und vor allem die Aufrichtigkeit, ohne die ein Mensch nicht stolz auf sich sein kann. Wir wissen, dass «die Griechen eine Aufrichtigkeit besaßen, die unserer Gesellschaft zum größten Teil abhanden gekommen ist» (Egon Friedell, Kulturgeschichte Griechenlands, S. 53, 11. Aufl., München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2009).
14. Feigen, Käse, Olivenöl, Wein, Oliven, Wassermelonen, Kichererbsen, Fisch, Leberwurst etc.
15. Lyra, Kithara, Harfe, Syrinx, Aulos, Salpinx.
16. Seelenheilkunde, Diät, Kuren, Traumdeutung, Hypnose, Inkubation, Bäder, Phytotherapie, Aroma-Therapie, Kräuterumschläge, Psychosomatik («Gesunder Geist im gesunden Körper»), Philosophie (Pneumatische Schule), inneres Gleichgewicht herstellen, Harmonie. Könnte heute traditionelle Meditation (zur Entspannung und Stressreduktion), Aktive Imagination (wird u.a. bei Traumata eingesetzt) und neue natürliche Heilverfahren mit einschließen.
17. Chirurgie, Pharmakologie, Naturtherapie, Narkose, Pulslehre, Hygiene, gesunde Lebensführung [Sport, Diät], medizinische Forschung (Asklepiades), Kombination von Heilkunde und Schulmedizin.
18. Erforschung der Wirklichkeit. Astronomie, Kosmologie, Biologie, Ethnologie, Psychologie, Evolutionstheorie (Anaximandros). Heute auch Mikrobiologie, Psychoanalyse (Freud, Jung, Fromm), Neurowissenschaften, Quantenmechanik, und Wissenschaften, welche zwar bereits in der Antike existierten, seitdem aber deutlich weiter entwickelt, z.T. revidiert, erweitert, verfeinert wurden. Neben dem obligatorischen Interesse an wissenschaftlicher Literatur zum Hellenentum, ist im heutigen Hellenismos ein außergewöhnliches Interesse für die Ökologie, Astronomie und Ethnologie zu verzeichnen.
19. Athletik, Wettkämpfe, Olympische Spiele, Kampfsport, Wagenrennen.
20. Beginn der Zeitrechnung seit der ersten Olympiade im Sommer des Jahres 776 vor der christlichen Zeitrechnung. Hellenischer Jahreskalender mit hellenischen Monatsnamen (der Attische, wie er von der Akademie in Harran und von Plethon weitergegeben wurde).
21. «Gemäß der Natur leben»; Vertrautheit mit dem Körper und der Natur. Akzeptanz des Alterns und des Todes. In der Zeit leben, aber nicht unbedingt mit ihr gehen. (Der Terminus der «Moderne» ist relativ; so wird ein «primitives» Land als modern bezeichnet, wenn es sich dem Abendland anpasst und «verwestlicht» wird. Gemessen am wissenschaftlich hoch entwickelten «Westen» mag dieses Urteil berechtigt sein, aber doch nur dann, wenn der «Westen» zum Maßstab erhoben, an dem alle anderen gemessen werden sollen.)
22. Vielfalt und Diversität der Kulturen, Religionen, Lebensweisen, Anschauungen, sexuellen Orientierungen, Lebensformen (Artenvielfalt, Biodiversität) und Ökosysteme, wie es die Natur seit Anbeginn der Zeit lehrt.
23. Vielfalt und Diversität innerhalb und zwischen den Ethnien oder «Kulturvölkern» (Ethnodiversität). Die Inhomogenität ist das prägnanteste Merkmal der Ethnien und unterscheidet sie am meisten von den Nationen oder «Staatsvölkern» des Nationalismus. (Ethnien heißen die gewachsenen Kulturvölker, Gruppen von Menschen, welche ein gemeinsames Ethos, eine gemeinsame Kultur teilen.) Die Vielheit der Ethnosphäre reflektiert die Vielfalt und den Reichtum der Biosphäre. Die Polymorphie ist das augenfälligste Gesetz Gäas.
24. Eine spätere Denkrichtung der Philosophie.
25. Zyklizität der Zeit; das Universum ist organisch und selbstentstanden, seine Gesetze sind: Sympathie, Ananke, Antipeponthόs und der physikalische Determinismus. Gemäß der «hellenischen kosmischen Pietät … ist das Universum beseelt, lebendig und göttlich. Die ‹Welt voller Götter› in Platons 10. Buch der Gesetze bietet uns ein klassisches Beispiel für den Fortbestand des vorplatonischen Panpsychismus und Hylozoismus, die schrittweise ihren Weg zum proklischen Platonismus und zu Plethons Nomoi fanden.» Niketas Siniossoglou, Radical Platonism in Byzantium: Illumination and Utopia in Gemistos Plethon, S. 257, New York: Cambridge University Press, 2011.
26. So antworteten die Athener dem makedonischen König Alexandros I., der im Auftrag des Mardonius, ihnen das Angebot der Perser vorlegte, den Athenern «ihre alten Fehler» zu verzeihen, sie zu verschonen, sogar die Kosten für den Wiederaufbau ihrer Polis und Heiligtümer zu tragen, wenn sie sich Persien ergäben: «Wir wissen selber, daß die persische Macht vielmehr größer ist als die unsrige; es war nicht nötig, uns das vorzuhalten. Trotzdem werden wir um unsere Freiheit kämpfen, solange wir noch Kraft haben … Im Vertrauen auf den Beistand der Götter und Heroen, deren Häuser und Bilder er [Xerxes] gottlos verbrannt hat, werden wir ihm fest entgegentreten.» Herodotos, 8.143 (Übrs. A. Horneffer). Denn es ist besser für die Freiheit zu sterben, als in Knechtschaft zu leben. Der Echo dieser klaren, kompromisslosen Worte begleitet die Hellenen im Kampf gegen Vereinnahmung, Assimilation und Verzerrung der eigenen Identität und des weltanschaulichen Gebäudes durch andere Personen oder feindliche Kollektive. Hierzu zählen insbesondere der Monotheismus, der Nationalismus und der «Neopaganismus».
27. Anpassung der Gedankenwelt an die Wirklichkeit; Überprüfung und Begründung der Überzeugungen (Kelsos), ob sie in rechter Beziehung zur Wirklichkeit stehen.
28. Eingehen in das Reich des Hades. Endgültigkeit d. T. bei Aristoteles und Epikuros; Weiterleben einer persönlichen Seele und Palingenesie (Wiedergeburt) in der pythag.-plat. Schule; Weiterleben einer unpersönlichen Seele bzw. ihre Vereinigung mit dem All bei den Stoikern.
29. Wie von den Hellenen Konstantinopels im 7. Jh. und den Hellenen Lakoniens bis zum 10. Jh., später von Plethon, Juvenalios, den beiden «Stradiotti» Marullus und Kallentzis, wahrscheinlich auch vom Volkskundler Nikolaos Politis, dem bis zum Ende des 19. Jhs. anhaltenden Demeter-Kults im Dorf Eleusis bei Athen und den hellenischen Polytheisten während der kurzen «Franzosenherrschaft» auf den Heptanisa-Inseln Ende des 19. Jhs. vorgemacht.
30. Aktuell: Bevorstehende Anerkennung hellenischer Kollektive als religiöse Gemeinschaften in Griechenland, anschließend: Aufbau einer hellenischen Schule, des ersten hellenischen Tempels im neuzeitlichen Athen und einer ebensolchen Bibliothek.

ANMERKUNGEN: Zweiter Teil
31. Hexerei, Schadenszauber. Magie. Totenbeschwörung, Leichenschändung.
32. Die Chaldäischen Orakeln gewannen in der Spätantike an enormen Einfluss auf den Hellenismos, leider fanden sie auch ihren Weg in die Philosophie. Ursprünglich in einer anderen Sprache verfasst, sind wir heute nur um Besitz der griechischen Übersetzung. Ihnen kommt im heutigen Hellenismos keine Bedeutung zu. Als ihr Verfasser gilt Julian der Theurg; der Überlieferung zufolge, soll er der erste gewesen sein, der den Titel des Theurgen trug. Anscheinend ist er ein Zeitgenosse Marc Aurels gewesen. Die Chaldäischen Orakeln, wurde geglaubt, sollen von den Göttern offenbart worden sein (The Chaldaean Oracles: As set down by Julianus, S. vij, Übrs. von F. Patrizzi und Th. Stanley). Viel wahrscheinlicher ist, dass sie das Endergebnis spiritistischer Aktivitäten sind.
33. Judentum, Christentum, Islam und ihre Sekten.
34. Angst vor Gott, übertriebenes Interesse an der «Magie», übermäßiger Glaube an das «Übernatürliche», Wunderglaube.
35. Pseudo-Orphiker.
36. Pseudo-Epikureer.
37. Kultur und Identität der orthodoxen Christenheit des byzantinischen Ritus. Ursprünglich nannten sich die griechischsprachigen Christen Romioi, Romäer, doch in den späteren Jahren des Byzantinischen Reiches setzte sich in manchen Kreisen der Intellektuellen der Trend durch, sich als «Hellenen» zu bezeichnen, da man immer stärker davon ausging, Nachfahren der antiken Griechen zu sein. Die Bedeutung dieses Trends wird zuweilen überzeichnet. Diese Entwicklung betraf nicht das gemeine Volk, welches sich natürlich weiterhin seiner romäischen Identität bewusst gewesen ist. «Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert unter europäischem Einfluß.» (Alexander Demandt, Kleine Weltgeschichte, S. 107, München 2004). Heute wird die Romiosini in Griechenland einerseits als Weiterentwicklung der hellenischen Kultur ausgegeben, andererseits mit ihr gleichgesetzt. Viele nationale Legenden fungieren als Stützen dieser Theorie. Neue quasi-religiöse Bewegungen der Romiosini: Archäozentrismus, Epsilonismus (Omada-Epsilon), ein auf christlichem Fundament und Rassenmystik gebildeter Ufokult mit soteriologischen Zügen vermischt mit Konzepten aus der antiken Philosophie.
38. Das Oströmische Reich. Die Byzantiner bezeichneten sich selber nie als solche, sondern als Romäer.
39. Der im Londoner Protokoll 1830 anerkannte Staat der «Hellenischen Republik». Sein Territorium erstreckt sich über weite Teile des Hellenenlandes, schließt aber auch Thrakien und Teile Makedoniens ein. Seine Staatsbürger sprechen die griechische Sprache.
40. Die «Hellenische Republik» will sich als Fortsetzung des Hellenentums verstehen und ihre Bürger als Erben der hellenischen Kultur. Die Sprache, das Land, nationale Mythen und die vom neugegründeten Staat angefertigte Nationalidentität, sollen die Richtigkeit und Beständigkeit dieser Theorie garantieren; in den Schulbüchern als Tatsache gehandelt, suggeriert sie eine Einheit orthodoxen Glaubens und griechischer Identität. Bereits im Jahr 1830 hat man begonnen, das orthodoxe Christentum in diese neue nationale Identität zu integrieren (Thomas W. Gallant, Modern Greece, S. 69, London 2001).
41. Nationalismus* (Staatsvolk; Gleichsetzung von Ethnie und Nationalstaat), Kapitalismus, Parlamentarismus. Beschäftigung mit Personen oder Parteien anstatt mit Institutionen. *Der Nationalismus (und sein auf Staatsbürgerschaft und Pass begründetes Volksverständnis) ist eine neuzeitliche Erfindung (Enzyklopädie Britannica, Stichwort: Nationalism) und markiert die Geburt der modernen Nationalstaaten. Er «bezeichnet eine Reihe von Glaubenssätzen über die Nation (S. 5) … Der Nationalismus schafft die Zuvorkommenheit und die Unterschiede ab, welche von ihr toleriert werden, mittels einer Vernichtungsabsicht aller unterschiedlichen Ansichten und Interessen um des einen Ideals willen, was die Nation gewesen und sein soll (S. 17) … der Nationalismus ist eine relativ neue Ideologie (S. 18)» (Steven Grosby, Nationalism: A Very short Introduction, New York: Oxford University Press, 2005).
42.
Okkultismus, Spiritismus, Theosophische Gesellschaft, Satanismus, Anthroposophie, Ariosophie, New Thought und New-Age-Bewegung, «Neuheidentum» (Hexenkult, Göttinnen-Bewegung usw.), «Church of all worlds», Esoterik, «Neoschamanismus», UFO-Kulte, Engelskulte, Luziferianismus, Satanismus et cetera. Freimaurerei, der Orden der Rosenkreuzer und des Golden Dawn u.a.
43. Verformung der Wirklichkeit (des «Seins») durch Vorurteile und Dogmen; Ersetzung der Natur durch die Ideologie, wie erstere angeblich sei oder sein soll.
44. Bewertung oder Beurteilung von Phänomenen oder Ereignissen nach subjektivem Empfinden bzw. irrationalen Kriterien (Glaube, Ideologie, Dogma, Verschwörungstheorien, Pseudowissenschaft).
45. Dem Kriegerwesen kam bei den Lakedaimoniern eine zentrale Bedeutung zu und die Ausbildung des Jungen zum Krieger fing schon in jungen Jahren an. Das ist Tatsache. Aber Sparta war weit davon entfernt, eine Militärjunta oder ein imperialistisches Kriegslager zu sein, wie manche sagen. Im großen Ganzen haben wir es hier mit einem Klischee zu tun. «In Hellas wünschten sie nur die moralische Vormacht zu sein» (Egon Friedell, Kulturgeschichte Griechenlands, S. 112, 11. Aufl., München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2009). Abgesehen von der Tatsache, dass der Begriff «Militarismus» abwertend konnotiert ist, ist er nach dem 1. Weltkrieg und dem Dritten Reich mit Vorsicht zu gebrauchen. Ist mit M. eine Gesellschaft gemeint, im Zentrum derer die Kriegerausbildung und das Kriegerhandwerk steht, dann würde dieser Begriff auf Sparta zutreffen. Wird aber mit M. eine Gesellschaft beschrieben, in welcher die Schlacht zelebriert und feindliche Überfälle an der Tagesordnung stehen, wäre es wohl unangemessen, die spartanische Gesellschaft mit dem Prädikat «militaristisch» zu versehen. Grundsätzlich war der Imperialismus den Hellenen fremd. Die Makedonier, ein zurückgebliebener hellenischer Stamm, bildete lediglich eine Ausnahme, nicht umsonst wurden sie wegen ihres Kulturzustandes von den Hellenen «hartnäckig als Barbaren» bezeichnet (Friedell, S. 307).
46. Die Ordnung entfesselter Märkte; der Glaube, dass der Markt sich selbst regulieren und die Arbeitstätigen entsprechend ihrer Leistung entlohnen könne. Die Regierungen bemühen sich, falls Krisen in Aussicht sind, die «Märkte», die Investoren zu beruhigen und ihr Vertrauen in die Finanzstabilität zu festigen.
47. «White Power», Faschismus, totalitäre Regime und Theokratien.
48. Nationalismus-Internationalismus, Kapitalismus-Leninismus etc.
49. Sentimentalität; bei Entscheidungen aufs «Gefühl» setzen, diesem übermäßige Beachtung zukommen lassen und dabei das Dialektische vernachlässigen.
50. Vorstellung oder Lehre von zwei Prinzipien, die sich gegenüberstehen. Das «Böse» gegen das «Gute», das «Licht» gegen die «Finsternis»; eine angenommene scharfe Trennung oder sogar ein kompromissloser Antagonismus zwischen Materie und Geist, Seele und Leib, Einheit und Vielheit, des Apollonischen und Dionysischen; Denken und Fühlen; 1 und 2, A und Z, Ich und Du, Schwarz und Weiß, der «Legionen des Lichtes» und der «Finsternis» usw. Über den Orient fand der Dualismus seinen Weg auch nach Griechenland (Materie-Geist, Leib-Seele), hielt sich in den Kreisen der Denker auf, ohne groß auf das Denken des normalen Griechen einzuwirken. Der Dualismus verbreitete sich über die Orphik in mehrere Teile Griechenlands. Seine Bedeutung wurde im Verlauf der Jahrhunderte heruntergeschraubt bzw. gedämpft und das Verhältnis der «Prinzipien» zueinander verschoben, nicht ohne ein Echo in der «orphisch-platonischen» Denkschule zu hinterlassen. Der Dualismus ist dem Hellenentum insgesamt gesehen fremd.
51. Übertriebene Betonung des Individuums gegenüber dem Kollektiv; die «Person» hat den Vorrang vor der Gemeinschaft. Hervorhebung der Bedeutung des Privateigentums.
52. Vulgärbiologie; Induktion von Aussagen aus der Biologie.
53. Abneigung gegen Homosexuelle, Furcht vor Homosexuellen, Schwulenfeindlichkeit. Moralisierung und Pathologisierung der Homosexualität begründet mit subjektiven Kriterien (Religion, Ideologie, Vulgärbiologie), ungeachtet der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus den entsprechenden Forschungsfeldern der Anthropologie, Biologie und Psychologie.
54. Allgemeine Abneigung gegen Alterität oder Hass und Vorurteile gegen andere Menschen allein aufgrund ihrer Abstammung; Fremdenfeindlichkeit. Auch: Rassenwahn mit hohem soziopathologischem Potential.
55. Judendiskriminierung, Judenfeindschaft, Judenhass, allgemeine Judenfeindlichkeit allein aufgrund von Identität oder Herkunft. Gefangen in ihren Dipolen, Dualismen, Ideologien und den oft dazugehörigen Verschwörungstheorien, suchen viele Menschen mit rechter oder nationalistischer Gesinnung ihren Weg zurück zu den «Wurzeln» mit einer einhergehenden, nicht nur pauschalen, d.h. unsorgfältigen Abkehr von der jüdisch-christlichen Weltanschauung, aber auch einer Feindschaft, zuweilen auch eines intensiven Hasses gegen die Juden. Da sie den Ethnismus («Heidentum») als einen Glauben oder eine Religion auffassen, erscheint ihnen eine Lösung vom christlichen Glauben genug, dabei übersehen sie aber ihre weiterhin abendländischen respektive romäischen Denkkategorien, das «Christentum» in ihren Köpfen. Denn sie verstehen nicht, dass nicht sie aus der Kirche austreten, sondern die «Kirche» aus ihrem Innern entfernen müssen. Ohne eine rechte Vorstellung vom «Heidentum», sehen sie darin eine «reine», «nationale» Alternative zum «internationalistischen» Judäochristentum. Weil ihre «Suche» sich im Abendland begrenzt, mit gleichem «Kopf» verläuft, kommen sie nie beim Ethnismus an, sondern landen in einer politisierten «neopaganen» Weltanschauung, bleiben weiterhin am System haften, welches sie zu überwinden suchten, zu dem auch der Antisemitismus selbst gehört. Ihr Hass richtet sich an Menschen, «Personen», Gruppen, ist in keinster Weise eine Kritik oder formulierte Alternative zu Anschauungen oder Institutionen. Es hat den Anschein, dass viele mehr gegen, als für eine Sache sind. Augenscheinlich gilt ihr Interesse dem Fortbestand und der «genetischen Reinheit» der «weißen Rasse», nicht der Reindigenisierung und Revitalisierung der Ethnosphäre. Der Antisemitismus ist nicht mit einer Kritik am Judentum oder der Ablehnung seiner Weltanschauung oder seines Wertesystems zu verwechseln.
56. Parlamentarismus, Großprivateigentum; der Untertan, Steuerzahler, Wähler, Konsument im Mantel des Bürgers.
57. Gegen die Natur gerichtetes Denken und Handeln; so zum Beispiel der Nationalismus, Nährboden völkischer Paranoia, und seine Homogenisierungs- und Gleichschaltungsbestreben der Völker, oder der Monotheismus und seine Ersetzung der natürlichen Vielheit durch das Gedankenkonstrukt «einzig wahrer Gott» und der Weltanschauungen durch den «einen wahren Glauben». Vereinheitlichung, Gleichschaltung, Liquidierung der Alterität; Taten wider die Ethnodiversität, die natürliche Polymorphie und Vielheit der Arten und Kulturen; Kulturimperialismus. Wirklichkeit aufkündigende Verschwörungstheorien. Ideologien als Maßstäbe dafür, was «richtig» und «falsch», «natürlich» und «widernatürlich», «gut» oder «schlecht» sei, ungeachtet dessen, was naturgestiftet ist, d.h. in der natürlichen Ordnung der Dinge seinen Bestand hat. Abwesenheit der Absicht, möglichst nahe an der Wirklichkeit zu «bauen», das am ehesten der Wirklichkeit entsprechende Argument gelten zu lassen, das «Sein» zu achten und die Weltanschauung an der Wirklichkeit zu orientieren, und nicht umgekehrt. Die fehlende Absicht im rechten Verhältnis zum Wirklichen zu stehen.
58. Beispielsweise: die Sklaverei, am besten die antike, verurteilen, aber eine moderne Variante davon einführen. (Man nennt die Sklaverei heute auch «Leiharbeit». Weil der Lohnsklave entlohnt wird, sieht diese Institution auf den ersten Blick nicht wie Sklaverei aus. Bedenkt man aber, dass die Sklaven in der Antike auch entlohnt wurden, erweist sich dieser Schluss als unhaltbar. Der Lohnsklave kommt mit seinem Lohn für seine Ernährung, Bekleidung und Unterkunft auf, ohne dass der Vorgesetzte für ihn verantwortlich wäre oder ihn verpflegen müsste. Weder lässt er ihn unter dem Fließband nächtigen noch muss er für sein Wohl sorgen. Der Arbeiter traut sich nicht, ob der realen Gefahr seiner Entlassung, auf die «Anfrage» des Chefs, Überstunden zu schieben oder auch am Wochenende zu arbeiten, mit Nein zu antworten. Aufgerieben und erschöpft nach langer Arbeit, ist an einer Beschäftigung mit Politik, der Frage, wie er sein Leben gestalten oder in was für einer Gesellschaft er leben möchte, nicht zu denken, insbesondere wenn er eine Beziehung zu pflegen oder Kinder zu erziehen hat. Dafür kommen ihm die sog. Berufspolitiker solidarisch entgegen, an die er dann die Last der Verantwortung abgeben und seine «Stimme» delegieren kann. Jetzt muss er sich nicht mehr für seine Gemeinschaft kümmern, kann seine ganze Aufmerksamkeit auf die Arbeit richten, denn nun steuern andere sein Leben stellvertretend oder «repräsentativ» für ihn). Eines sagen, aber etwas anderes meinen. Demokratie sagen, aber Parlamentarismus meinen. Liberalismus sagen, Kapitalismus meinen. Sozialismus sagen, Leninismus meinen. Anarchismus sagen, Gesetzlosigkeit meinen. Aristokratie sagen, Monarchie meinen. Ethnische Identität sagen, Nationalismus meinen. Rechtsstaatlichkeit predigen, aber Waffen an totalitäre Regime verkaufen. Mit der Diplomatie auf der Zunge, Feigheit kaschieren und zur hohen Kunst potenzieren. Auf diese Weise werden Worte unklar und den Begriffen wird zu neuen Inhalten verholfen; Feigheit und Rücksichtslosigkeit hinter Ehrenwürden, Titeln, Alter, gesellschaftlicher Position, Schulabschlüssen und nebulösen Worten verbergen.
59. Theorie abgekoppelt von der Praxis; Philosophie als Gedankenspiel, nicht als Lebenspraxis. Gefühle auf eine unreife Pathosäußerung reduzieren, den irrationalen Anteil der Psyche abwerten oder ignorieren.
60. Von Nationalstaaten (Mazedonien, Griechenland, Türkei), Parteien (NSDAP, Goldene Morgenröte), Ideologen. Macht und Rechtfertigung aus einer glorifizierten und in ihrer Größe überzeichneten Vergangenheit oder absichtlich verzerrten Geschichte beziehen. Politische Instrumentalisierung von Mythen, Symbolen und Epen einer Kultur. Begründung eigener Ansichten mit der Behauptung, in einer Linie mit der beinahe vergöttlichten Antike oder Vergangenheit der «Nation» zu stehen. Vorbehalte oder Neigungen auf die Antike projizieren; die Antike verformen oder nach Belieben gestalten, um erwünschte Schlussfolgerungen aus ihr ziehen zu können.

Hellenismos – Was er ist und nicht ist

Das ist Hellenismos

Das ist Hellenismos
Stilian Ariston, 30. Anthesterion 2791 / 21. März 2.015

Der Hellenismos ist die eingeborene Kultur Griechenlands inklusive ihres Wertesystems, ihrer Religion („Polytheismus“) und ihrer Sitten. Der Begriff „Hellenismos“ bedeutet „der Griechen, Hellenentum […]. II. Verwendung eines reinen griechischen Stils und Idioms […].“ (H. G. Liddell & R. Scott, A Greek-English Lexicon, S. 536, 9. Aufl., New York 1996). In der Antike „bezeichnete er die Beherrschung der griechischen Sprache, […] die Aneignung griechischer Kultur und Religion.“ (H. Heinen, Geschichte des Hellenismus, S. 9, München 2003). Somit ist der Hellenismos nicht nur Tradition und Religion, sondern die „hellenische Lebensart“ schlechthin (Richard A. Horsley, Paul and Empire, S. 206, Harrisburg 1997).

Im Deutschen kennen wir den Hellenismus „als eigene Epoche der antiken Geschichte“, so eingeführt vom deutschen Altertumsforscher Droysen, aber die griechische Sprache kennt nur den hellēnismós, der im Deutschen mit „Hellenentum“ übersetzt wird und die komplette, epochenübergreifende hellenische Sprache, Kultur und Religion anspricht. So sollte der im Rahmen der Revitalisierung hellenischer Kultur gebräuchliche Terminus des „Hellenismos“ eigentlich vollends für die Bestimmung seines Inhalts genügen.

Doch um Missverständnisse zu vermeiden, müssen wir spezifizieren, dass wir mit Hellenismos – immer in seiner genuinen Bedeutung – nicht die Romiosini (griechischsprachige orthodoxe Christenheit), das Oströmische Reich, den griechischen Nationalstaat oder die griechische Staatsbürgerschaft meinen. (Ethnien sind nicht mit Nationalstaaten identisch, selbst wenn letztere den Namen von Ethnien angenommen haben.) Mit Hellenismos meinen wir nichts anderes als die genuine Kultur der hellenischen Ethnie, auch ethnikós hellēnismós genannt, d. h. ethnisches Hellenentum (um zwischen griechischer Kultur und „christlichem Hellenentum“, wie die Romiosini mittlerweile heißen will, zu unterscheiden).

Als Religion liegt der Schwerpunkt des Hellenismos in der Orthopraxie, d. h. dem korrekten Vollzug der Riten. Die Orthopraxie, die Wiederherstellung der hellenischen Lebensweise und die Treue zum Hellenentum sind einige der grundlegenden Merkmale, die alle Hellenen und viele hellenische Polytheisten gemein haben, unabhängig ihrer philosophischen Zugehörigkeit. Der Hellenismos ist eine polytheistische, kosmotheistische und animistische Weltanschauung. Die Fäden seiner Vorgeschichte verlieren sich in der Zeit; richtig „greifbar“ wird er erst mit der minoisch-mykenischen Kultur, in der sicher auch sein Ursprung liegt (E. O. James, Der Kult der Grossen Göttin, Bern 2003). Seine Religion ist nicht universell, sondern kulturspezifisch, deshalb gehört er zu den ethnischen Religionen. 

Mit dem Begriff Ethnische Religion meinen wir Religion, Spiritualität und Kosmologie, die fest auf den Traditionen bestimmter Völker fußt. Aus unserer Sicht schließt das moderne okkultistische oder ariosophische Theorien/Ideologien sowie neue synkretistische Religionen nicht mit ein.“ (Europäischer Kongress Ethnischer Religionen, ECER).

Der Hellenismos ist eine Religion, eine Lebensweise und ethnische Identität, aber auch eine echte Alternative zum Abendland [1], dem Orient [2] und der Romiosini [3], welche allen aufgeschlossenen und toleranten Menschen offen steht.


1. Christentum, Parlamentarismus, Nationalismus, Kapitalismus, Okkultismus, Neuheidentum
2. Mystik, Hermetik, Soteriologie, Dualismus, Mönchtum
3. Byzanz, Rassenmystik, Archäozentrismus 


Weiterführende Informationen unter:
Häufig gestellte Fragen zur ethnischen hellenischen Religion und Tradition (englisch)
http://www.ysee.gr/index-eng.php?type=english&f=faq

Dr. Evgenia Fotiou: „Wir sind die Indianer Griechenlands“: Indigenität und religiöse Wiederbelebung im modernen Griechenland (englisch)
http://www.ysee.gr/article/Fotiou_WearetheIndiansofGreece_2014.pdf

Die hellenische Alternative / The hellenic Alternative

«Der Hellenismos ist die eingeborene hellenische Tradition und Weltanschauung, und die Identität der ethnischen Hellenen, also jener Griechen, die nicht nur dem Namen, sondern vor allem dem Ethos und der Weltanschauung nach Hellenen sind. Der Hellenismos ist gleichzeitig auch eine Religion, denn er umschließt den väterlichen Götterkult der Hellenen und betont ihn gleichzeitig. Der Hellenismos ist eine Religion, indigene Weltanschauung und macht den harten Kern des Hellenentums aus, das nicht an moderne Nationalstaaten, Staatsbürgerschaften usw. gebunden ist. Aber vor allem ist der Hellenismos eine Alternative zum Abendland[1] und Orient[2] darstellt, die allen Menschen zugänglich ist.»

1. Parlamentarismus, Nationalismus, Christentum, Okkultismus, Neopaganismus, New Age.
2. Mystik, Hermetik, Soteriologie, Dualismus, Mönchtum.

Hellenismos is the native cultural Tradition of Greece, including greek Way of Life, virtue System, Religion («Polytheism»), Identity and Ethos. Hellenismos is also the indigenous identity and worldview of the ancient and medieval Hellenes. Hellenismos is an ethnic Tradition.

The term «Hellenismos» means «of the Greeks, Hellenism […]. II. use of a pure Greek style and idiom […].» (Henry George Liddell, Robert Scott: A Greek-English Lexicon, p. 536, 9th edition, Oxford University Press, New York 1996). In order to avoid ambiguities, we must specify that by Hellenismos, in its true hellenic meaning, we don´t mean Romiosyni (greekspeaking orthodox Christianity), Eastern Roman Empire (Byzantium), Modern Greek Nation State, Citizenship, and Affairs. By Hellenismos we mean nothing but the genuine Culture of Hellenic Ethnos, also known as ethnic Hellenismos (in order to distinguish carefully between Hellenic Culture and «christian Hellenism», meaning Romiosyni). 

Hellenismos is also an orthopraxic religion. Orthopraxy, the restoration of Hellenic tradition and worldview, and the loyalty towards Hellenism are some basic characteristics all Hellenes and Hellenic Polytheists have in common, regardless of whether they are platonists or stoics. Hellenismos is polytheistic, cosmotheistic and animistic. It’s not a universal religion, but a culturally specific one. Greek Religion has its origin in the minoan culture (E. O. James). «By Ethnic Religion, we mean religion, spirituality, and cosmology that is firmly grounded in a particular people’s traditions. In our view, this does not include modern occult or ariosophic theories/ideologies, nor syncretic neo-religions» (ECER).

Hellenismos is a religion, a way of live and indigenous identity, but also an authentic alternative to Occident [1] and Orient [2].

________
1) Parliamentarianism, nationalism, christianity, occultism, neopaganism, New Age etc.
2) Mysticism, hermeticism, soteriology, dualism, monasticism, etc.

Revivalismus und Anpassungsfähigkeit der griechischen Religion

Revivalismus und Anpassungsfähigkeit des Hellenismos

Stilian Ariston

11/7/»2013«

Ein US-hellenischer Polytheist stellte mir neulich die Frage, bis zu welchem Grad der Hellenismos eine Anpassung an heutige Gegebenheiten zulasse. Athen sei zwar ein »konstruktiver Ausgangspunkt«, denn das religiöse System Athens ist sehr gut dokumentiert und der attische Kalender ist vollständig erhalten, aber die Religion war damals eine extrem lokale Angelegenheit. Die Frage lautet nun, ist es besser die religiöse Praxis Athens fehlerfrei zu rekonstruieren oder wäre es nicht besser, zwar dem athenischen Modell zu folgen, aber nur dahingehend, eine religiöse Praxis zu schaffen, welche der eigenen lokalen Umgebung entspricht? Sollen wir den »Ritualkalender« Athens befolgen, auch wenn wir in Somalia, England oder in Kalifornien (USA) leben oder sollte die religiöse Praxis in all diesen Städten eine andere sein, weil auch in der Antike von Polis zu Polis ein anderer Hellenismos gepflegt wurde?

Die Frage ist berechtigt, denn wie sollst du den Hellenismos revivalisieren, wenn du nicht weißt wie du vorgehen oder wo du anfangen sollst? Ich antwortete, dass ich in der BRD lebe und den heutigen – nicht den antiken Hellenismos – praktiziere, ohne neue Elemente in das religiöse Gefüge einzubauen, also ohne den Hellenismos zu verändern oder zu modernisieren, was ihn seiner Identität berauben würde. Aber es versteht sich von allein, dass jeder Hellenismos nur ein angepasster sein kann. Der Kern des Hellenismos ist und bleibt, trotz aller Anpassung, im klassischen Athen zu finden, also in der Zeit bevor der willkürliche/ungefilterte Synkretismus, die anatolischen Elemente, der irrationale spätantike Mystizismus, die Hermetik und das Christentum, der antiken Seele das »Genick« brachen, d.h. als der hellenische Stil unverfälscht war.

Und Athen bietet sich deshalb als Grundlage an, weil sie die einzige Polis ist, über die wir so viel wissen. Klar, auch der spartanische, kretische etc. Kult ist hellenisch und gehört zum Hellenismos, denn dieser ist schließlich eine ethnische Religion, und wie alle ethnischen Religionen ist auch er vielfältig und beinhaltet alle traditionellen religiösen Praktiken, Anschauungen und die Weltanschauung seiner Ethnie. Aber wir wissen nicht so viel über Sparta wie über Athen. Es war nur Athen, das diese Rolle übernehmen konnte.

Doch der Hellenismos ist nicht nur Athen; wir müssen auch die späteren Entwicklungen berücksichtigen, und damit ist die Spätantike (Sallustius, Julian) und das Mittelalter gemeint (Plethon, Marullus). Wir können nicht nur auf die klassische Zeit schauen und die spätere Entwicklung ignorieren, schon deshalb nicht weil der Hellenismos im Mittelalter auf philosophischer Grundlage erneuert wurde und nicht die Religion des klassischen Athen war. Der Hellenismos beinhaltete seit der Spätantike auch die Bildungstradition, Weltanschauung, die politischen Ansichten und das Tugendsystem der Hellenen, aller Hellenen, nicht nur der Athener der klassischen Zeit. Zwar veränderte sich der Hellenismos nicht, aber er entwickelte sich weiter. Und wir knüpften an der Zeit an, als der Hellenismos offiziell aufhörte zu existieren. Wir können also nicht in Athen verharren, auch wenn diese die Grundlage bildet. Das zum Thema Athen.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass der Hellenismos bereits an die heutige Zeit angepasst ist, aber eben nicht an die Moderne. Deshalb kann er schließlich funktionieren. Da wir keine Tempel haben, konzentrieren wir uns eben auf die Altäre (die sowieso im Zentrum stehen). Wir opfern keine Tiere den Göttern, denn wir folgen der Spätantike in diesem Punkt und meinen, dass diese Vorgehensweise auch eine perfekte Lösung ist Miasma (»Befleckung«) zu vermeiden. Wäre der Hellenismos nicht an das Hier und Heute angepasst, könnten wir ihn gar nicht praktizieren, deshalb scheint die Frage etwas »künstlich«. Wir konnten und können nicht alles rekonstruieren, denn vieles ist für immer verlorengegangen und anderes ist nur zum Teil erhalten. Doch alles, was wir rekonstruiert haben, ist seiner Abstammung nach antik griechisch. Es steht allen Hellenen frei, auch spartanische (Menschen die aus der Umgebung abstammen) oder andere Feste zu zelebrieren und Kulte zu pflegen, die in ihrem Ursprungsort abgehalten wurden. Und ein Bürger von Rhodos kann Feste rekonstruieren, die früher in seiner Nähe zelebriert wurden, also ist auch das Lokale nicht gänzlich verschwunden, allerdings machte es einem breiteren Konsens Platz und hält sich im Hintergrund auf.

Solange wir historisch und kulturell richtig praktizieren und den Hellenismos am Leben erhalten, wird dieser natürlich wachsen, sich entwickeln und automatisch anpassen, denn der Hellenismos ist eine natürliche Religion. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Hellenismos bereits vor mehr als 30 Jahren (eigentlich anfang der 70er) revitalisiert wurde. Die erste öffentliche Orthopraxia fand im Sommer des Jahres »1987« in Griechenland statt. Außerdem eint uns ein gemeiner Kalender, also bleibt er wie er war, nur eben angepasst. Wenn einer keine Bienenwachskerze kaufen kann, dann nimmt er eben eine weiße Kerze, wenn er keine Opfergaben verbrennen kann, wird er sich mit Weihrauchgaben begnügen müssen usw. Die Anpassung an heutige Gegebenheiten, die tatsächlich von lokalen und persönlichen Faktoren abhängig sind, fand nicht um der Erneuerung, Anpassung oder Entwicklung willen statt – der entscheidenden Faktoren sind immer Überlebensfähigkeit und Machbarkeit gewesen. Wir mussten den Hellenismos bis zu genau dem Punkt an Heute anpassen und erneuern, dass er in der modernen Welt überleben kann. Darum ging es, ihn so zu gestalten, dass er leben und zu einer Option für Menschen werden kann, die durch seinen Traditionalismus angesprochen werden.

Unser Ziel bleibt die vollständige Restauration der griechischen Kultur auf der Grundlage des antiken Humanismus, und das schließt eben auch die Religion mit ein, die vom Rest nicht abgespalten werden kann, da sie ein Aspekt des Hellenentums ist.

Doch eine Restauration des Hellenismos hätte es nie geben können, ohne Anpassung und Erneuerung. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir keine Reenactment-Bewegung oder antike Griechen sind. Wir leben Heute, gehören in diese Zeit und weder wollen noch können wir in die Vergangenheit (welche denn?) zurückkehren oder diese ins Heute überbringen. Wir wollen die Kultur wiederherstellen, nicht eine Periode dieser Kultur. Dabei war es unerlässlich den Hellenismos ins Heute zu »übersetzen«. Es musste so sein. Aber der Anpassung und Erneuerung mussten auch Grenzen gesetzt werden, denn der Hellenismos durfte nicht modernisiert werden, ist er doch eine Alternative zum Christentum und zur heutigen westlichen Kultur, Denkweise und Mentalität. Modernisieren wir ihn und passen ihn der modernen Welt an, hört er auf eine Alternative zu sein.

Wir sollten uns also nicht über die Machbarkeit eines solchen Revivalismus den Kopf zerbrechen, denn sie ist längst Realität – dank des Obersten Rates der ethnischen Hellenen (YSEE). Sogar Evangelos Voulgarakis musste zugeben, dass der YSEE bezüglich der Orthopraxie »doing its best«.

Hier noch einmal, was die hellenische Religion ist und was sie alles beinhaltet:

»Mit dem Begriff ›ethnische hellenische Religion‹ wird die Summe der ›Nomizomena‹ [Anm.: der gebräuchlichen bzw. traditionellen Anschauungen und Sitten] der ethnischen (nicht-christlichen) Hellenen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft über den Kosmos, die Götter, die Natur, die Tiere und die Menschen gemeint. Die ethnische hellenische Religion ist eine polytheistische, indigene, organische und allen voran eine natürliche Religion. Sie wurde nicht von einem oder mehreren Menschen, ›Propheten‹ oder ›Gottmenschen‹ geschaffen. Es handelt sich bei ihr um eine anfangs- und endlose geistige ›Koevolution‹ des biologischen, sozialen, politischen und kulturellen Wesens, das unter dem Begriff der griechischen Ethnie bekannt ist.« Vlassis G. Rassias: Unterschiede zwischen der griechischen und christlichen Religion, griechisch.

»Griechische Religion: die religiösen Überzeugungen und Praktiken der antiken Hellenen. Die griechische Religion ist nicht identisch mit der griechischen Mythologie, welche von traditionellen Erzählungen handelt, jedoch sind beide eng miteinander verknüpft.« Encyclopadia Britannica: Greek religion, in: Encyclopadia Britannica Online (zuletzt abgerufen am 24. Januar »2013«).

Das heißt, auch die religiöse Praxis der Spartaner der klassischen Zeit oder der Thebaner der archaischen Zeit und ihre Feste und Anschauungen gehören zum Hellenismos, nicht nur Athen. Aber der Hellenismos ist vielmehr als Athen, Sparta oder Theben: er ist all das und noch viel mehr. Denn der Hellenismos schließt auch das indigene Hellenentum der Spätantike, des Mittelalters und der Neuzeit mit ein.


Anmerkung zum Artikel.

Mit Ethnos wird im Hellenentum eine Gemeinschaft oder Gruppe von Menschen gemeint, die ein gemeinsames Ethos haben, also gleiche Sitten. Die Ethnie ist also eine Gruppe von Menschen mit gleicher Kultur, nicht aber unbedingt gleicher Abstammung. Das unterscheidet sich von heutigen Ansichten, wonach das »Blut« oder der Pass entscheiden, welche Ethnie die eigene ist. Das Konzept der Nation hat keinerlei Bedeutung im Hellenismos. Ein »ethnischer Hellene« ist also ein Mensch, der nicht nur dem Namen nach, sondern auch der Weltanschauung, den Sitten, also der Kultur nach hellenisch ist, weil er dem Ethos der Hellenen folgt. Und es ist das ETHOS, das die ETHNIE ausmacht, weder Blut noch Pass. Damit ist auch gesagt, dass man der Kultur und Religion folgt, die VON den Hellenen selbst abstammen und geschaffen wurden, nicht das ÜBER sie gekommene Byzanz, seine orthodoxe christliche Kultur, welche sich immer Romiosini nannte, sich aber seit 200 Jahren als Hellenentum definiert und als die Fortsetzung der griechischen Kultur gelten will, und damit im Grunde, eine andere Kultur, zur Vergangenheit der eigenen macht.

Mit »ethnischer Hellene« oder »hellenischer Ethniker« (Ethniker sind Menschen, die ihrem indigenen Ethos folgen, d.h., die Polytheisten) differenziert man sich von den griechischsprachigen orthodoxen Christen, die sich Heute als Hellenen sehen, ihrer Kultur, die sie auch Hellenentum nennen, weil sie angeblich von den Griechen abstammt (somit wird aus Byzanz die Weiterentwicklung des Hellenentums gemacht) und ihrer Religion. Somit differenziert man zwischen der eingeborenen hellenischen Kultur, die wir ethnisches Hellenentum nennen, und Byzanz, Hellenismos und Christentum.  Das ethnische Hellenentum ist die Kultur und Tradition der antiken Griechen und die Tradition und kulturelle Identität der hellenischen Ethniker der nach-christl. Zeit. Somit werden Byzanz, Romiosini und Christentum ausgeschlossen. »Ethnischer Hellene« bedeutet also Hellene dem Ethos nach zu sein, nicht »griechisches« Blut zu haben. Dieses ist sowieso kein Träger von Tugend und Ethos. Thales (phöniz. Abstammung), Äsop (phryg. Abstammung), Zenon (hebr. Abstammung), Julian (röm. Abstammung), Plotin (ägyptischer Abstammung), Porphyrios (syrisch. Abstammung) usw. waren Hellenen, weil ihr Ethos und ihre Weltanschauung hellenisch war. Ihre Kultur (schlie. auch die Sprache mit ein) war die griechische und ihre Ethnie auch, weil ihr Ethos ein solches war. »Hellenismos« bedeutet eigentlich »griechisch sein«. Und diese Menschen waren hellenisch durch und durch. »Ethnisch« wird deshalb im Sinne von »eingeboren, indigen« verwendet, auch, um Worte wie »Ethnie« und »ethnisch« den Nationalisten zu entreißen, die immer die Staatsbürgerschaft und das Blut in den Mittelpunkt stellen, um das Hellenentum zu definieren (Byzanz inbegriffen).

Was also ethnische Hellenen und griechischsp. orth. Christen unterscheidet, ist nicht nur die Religion, sondern die Kultur und Weltanschauung. Die Hellenen sind eine kulturelle Minderheit, sie sind eine Ethnie mit eigener Religion. Deshalb reden wir Hellenen von der Auferstehung der europ. Ethnien und Kulturen und verbinden diese mit der Restauration der eingeborenen Traditionen Europas.