Die Struktur der göttlichen Hierarchien – ontische Struktur

Empedotimos: «Η ΔΟΜΗ ΤΩΝ ΘΕΙΩΝ ΤΑΞΕΩΝ – Οντική Δομή», in: empedotimos.blogspot (März 2008). URL: https://empedotimos.blogspot.com/2008/03/blog-post_02.html (zuletzt abgerufen am 18.04.2020). Aus dem Griechischen ins Deutsche von Stilian Korovilas.

Die ontische Struktur der göttlichen Hierarchien besteht aus aufeinanderfolgenden kontinuierlichen Ebenen, auf denen sich das Seiende manifestiert und fortschreitet, bis zur endgültigen Materie (Hyle).

Diese Ebenen werden Taxeis [Hierarchien, Ordnungen] genannt, deren Namen, wie bereits erwähnt wurde, die folgenden sind:

– Noetische Taxis
– Noetisch-noerische Taxis
– Noerische Taxis
– Überkosmisch oder Assimilative Taxis
– Hyperkosmisch-enkosmische oder Absolute Taxis
– Enkosmische Taxis

Auf jede dieser Ebenen sind die Götter (Henaden) aktiv, was bestimmte Ergebnisse zur Folge hat. Jede Taxis hat ihre Monade [Ureinheit, unteilbare Einheit], von der alle Mitglieder der Taxis die ihnen gemeinsame Eigenschaft erhalten.
Die Monade einer jeden Taxis befindet sich in der unmittelbar vorhergehenden Taxis.
So befindet sich die Monade der enkosmischen in der hyperkosmischen Taxis, die Monade der hyperkosmischen in der noerischen Taxis und die Monade der noerischen in der noetischen Taxis. (Es wird erneut angemerkt, dass die Taxeis Noetisch-Noerisch und Hyperkosmisch-Enkosmisch kohärent sind und in die jeweils nächste Taxis hinübergreifen.)
Proklos, Platonische Theologie, Β 44.25

Der Verlauf der Manifestation des Seienden vollzieht sich in Taxeis, indem er sich von der einen zur nächstniedrigeren bewegt, z.B. von der noetisch-noerischen zur noerischen und schließlich zur unmittelbar folgenden niedrigeren Hypostase.
Erinnern wir uns daran, dass die Hypostasien in absteigender Reihenfolge die folgenden sind: (EN-HENADEN)-NOUS-SEELE-NATUREN-KÖRPER.

Dieser vertikale Verlauf wird PROODOS [Hervorgang] genannt. Es sollte beachtet werden, dass das Wort Proodos hier nicht die Bedeutung hat, die es heute besitzt [Fortschritt], sondern die genau gegenteilige Bedeutung, nämlich die der abnehmenden Entwicklung.
Beim Übergang von der einen zur anderen Taxis findet eine Veränderung der OUSIA [Substanz, Essenz] statt.
Zum Beispiel ist der Übergang von der Hypostase des Nous zur Hypostase der Seele eine PROODOS, die mit einer Veränderung der Ousia einhergeht.

Aber auch innerhalb einer jeden Taxis findet eine Differenzierung statt, mit dem Ergebnis, dass in der Taxis «Schöpfungen» mit verminderten Kräften geschaffen werden. Diese Differenzierung wird HYPOBASIS [Abstufung] genannt.
Zum Beispiel werden innerhalb der Hypostase des Nous mit Hypobasis merische Noes [Teilwesen] geschaffen, die Teiläußerungen des Nous bilden.

«Alle Monaden der Wesen, die in irgendeiner Weise existieren, bringen durch Abstufung kleinere Teilwesen aus der Ganzheit ihres Selbst hervor, da ihr Status derselbe bleibt und sich in diesen in noch kleineren Teilen zeigt. Doch schaffen sie diese durch die Veränderung ihrer Ousia, sodass die Bilder aus der Innerlichkeit der Vorbilder hervorgehen [Proodos]. Denn alle Bilder wollen sich in Bezug auf ihre Ousia von den Vorbildern differenzieren und nicht die gleiche, aber eine ähnliche Definition [horismos] wie die haben, aus denen sie hervorgegangen sind.»
Proklos, Kommentare zum Parmenides, 745

Im Dialog «Parmenides», in dem Platon die göttlichen Hierarchien niederschreibt, liefert er in gewisser Weise Codewörter, um jede Ebene zu charakterisieren. Mit diesem lässt sich die pythagoreische Tabelle mit den Gegensätzen kombinieren, die Aristoteles in seiner «Metaphysik» beschreibt.

Auf diese Weise ergeben die verschiedenen Charakterisierungen einen Sinn, wie z.B. Gleichheit-Verschiedenheit, Ähnliches-Unähnliches, Gleiches-Ungleiches usw. Wir werden später ausführlicher darauf eingehen.

Leider sprechen manche von zwei Ousies, denen sie diese Namen zuschreiben, und verzerren dabei das griechische Denken. Es ist klar, dass diesen Leuten, die solche Aussagen tätigen, zumindest vorzuwerfen ist, die griechischen philosophischen Texte nicht gründlich durchgelesen haben.

Das Seiende (Ousia) besitzt Mächte, die bei ihrer Manifestation Energien generieren.

«Die Identität eint Ousies, die Ähnlichkeit eint Mächte und die Gleichheit und Ungleichheit eint Energien
Proklos, Kommentare zum Parmenides, 736.15

Zur Person: Vyron Zattas, bekannt als Empedotimos, ist ein hellenischer Autor und Blogger, der an der Fakultät für Physik und Mathematik der Universität Athen studierte und aufgrund seiner Artikel über die platonische Philosophie und die archäologischen Ausgrabungen in Amphipolis einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte. Empedotimos gehört zur Schule der Orphisch-pythagoreisch-platonischen Philosophie (OPPP). Durch seinen Blog hat er die OPPP in Griechenland bekannt und einer breiteren Masse zugänglich gemacht.