Noumenia – Neumondritus (für die Gemeinschaft)

Noumenia – Neumondritus (für die Gemeinschaft)

Der griechische Kalender ist bekanntermaßen ein Lunarkalender, das heißt, der Beginn vaseeines jeden Monats wird durch das Erscheinen des Neumonds gekennzeichnet (dieser kann in einer bestimmten Region einen Tag nach dem astronomischen Neumond erscheinen). Der erste Tag des Monats heißt Noumenia; es ist ein heiliger Tag. Die ersten Tage eines griechischen Monats sind bestimmten Göttern und Göttinnen gewidmet, so auch die Noumenia, der erste Tag des griechischen Monats, der vor allem den Hausgöttern gewidmet ist: Hestia, Zeus, Apollon, Hermes und Hekate.

Da dies der heiligste Tag des Monats ist und seinen Beginn markiert, ist es ratsam, diesem Ritus besondere Aufmerksamkeit und ausreichend Zeit für die Pflege der Götterstatuen und Kultobjekte zu widmen. An diesem Tag ist es üblich, die Götterfiguren zu reinigen und zu beweihräuchern und die Opfergaben auf den verschiedenen Hausaltären zu erneuern. Dieser Hausritus kann auch in der Gemeinschaft, außerhalb des engen Familienkreises vollzogen werden. Wie das geht, wird weiter unten vorgestellt. Der Ritus wurde so modifiziert, dass er die Familienriten der ersten Monatstage auf bestmögliche Weise ergänzt.

BEGINN

Erhört uns, oh ihr seligen Götter,
ihr großartigen Freunde der Sterblichen,
mächtige Stützen der Welt,
erhört uns, ihr unsterblichen Götter
und spendet der Trankopfer wegen
den Sterblichen untadelige Tugend,
größtes Glück und die ersehnte Glückseligkeit.

* Es wird (roter) Wein geopfert.

HYMNE AN HESTIA
Opfergaben: Rauchopfer (Duftstoffe)

Hestia, Königstochter des mächtigen Kronos,
welche die Mitte bewohnt des Hauses der ewigen Glutkraft
erhebe die ehrerbietigen Bittenden,
die dich in ihren heiligen Zeremonien verehren.
Gewähre ihnen immerblühendes Glück, reich an lauterer Freude.
Du Sitz der seligen Götter, mächtige Stütze der Sterblichen,
Ewige, von allen Ersehnte, reich an Gestalt,
Lächelnde, Selige, neige deine Huld diesen Gaben.
Hauche uns Segen und sanfte Gesundheit.

* Es wird Wein geopfert.

PLETHONS GEBET

Ihr seligen Götter, möge ich nimmer aufhören,
euch Dankbarkeit zu zollen
für alles Gute, das ihr mir gabt und gibt,
zusammen mit dem großen Zeus.
Möge ich niemals das Wohl meiner Sippe vernachlässigen,
soweit es in meiner Macht steht.
Bereitwillig dem Gemeinwohl zu dienen,
soll auch als mein großer Vorteil gelten.
Möge ich niemals Urheber eines Übels sein,
das die Menschen trifft,
sondern von etwas Gutem,
soweit es mir möglich ist,
damit auch ich glücklich sein kann,
indem ich euch ähnlich werde.

* Es wird Wein geopfert.

HYMNE DES MUSAIOS

Vernimm, Musaios, des Opfers heiligen Weihegesang,
dem der reichste Preis gebührt.
König Zeus, Gaia und ihr reinen Himmelsflammen,
Helios, Menes’ heiliger Glanz und all ihr Gestirne.
Du auch, Poseidon, dunkelgelockter Erdumfasser.
Reine Persephone, du, und ährenumglänzte Demeter.
Pfeilfrohe Artemis, Jungfrau, und treffender Phoibos,
Delphis heiliges Tal bewohnend, und du,
der die höchsten Ehren gewann in der seligen Schaar,
Chortänzer, Backhos.
Ares des stürmenden Mutes und des Hephaistos reine Kraft.
Schaumgeborene Göttin mit hochgepriesenen Gaben,
und du, Herrscher der Unterwelt, gewaltiger Daimon,
Hebe, Eileithyia und des Herakles gewaltige Kraft.
Und der Dikaiosyne und Eusebeia mächtiger Beistand,
Ruf’ ich die herrlichen Nymphen zugleich und den großen Pan.
Und Hera, die blühende Gattin des Zeus, des Weltbeherrschers.
Liebenswürdige Mnemosyne, dich, und auch die hehren neun Musen rufe ich an;
Und die Chariten auch und die Horen und den Eniautos;
Die lockige Leto und die liebliche Dione.
auch die waffenkundigen Kureten, die Korybanten und Kabeiren,
die großen Helfer, des Zeus ewige Söhne.
Idas Götter, die Himmelsboten
Hermes den Herold auch und Themis,
der Menschen heilige Seherin,
Auch die Nacht, die Älteste, rufe ich und den leuchtenden Tag
Die Pistin und Dike, die edle Gesetzgeberin.
Rhea und Kronos sodann, Tethys in dunklem Gewande,
Und den großen Okeanos samt seinen Töchtern
Des Atlas und Aions übermächtige Kraft,
den endlos währenden Chronos
und des Styx hellen Gewässer.
Die milden Götter, die gute Pronoia.
Den segnenden Daimon und den schädlichen Daimon der Menschen,
Die himmlischen Daimonen und die Daimonen der Gewässer,
der Erde, der Unterwelt und des Feuers,
Und die Semele des Bakhos samt dessen Festgenossen,
Ino, Leukothea und den glückspendenden Palaimon.
Die süßtönende Nike und die Herrin Adrasteia,
und den großen König Asklepios, den lindernden,
Pallas, die jungfräuliche Kämpferin, und alle Winde.
Den Donner und des Alls viersäulige Anteile rufe ich,
die Mutter der Unsterblichen, Attis und Mene auch.
Himmlische Göttin, auch dich, und den unsterblichen, reinen Adonis,
Arche und Peras, in Bewegung und Größe,
kommt huldreich und milden Herzens
zu diesem heiligen Opferritus und bescheidenen Trankopfer!

* Es wird Wein geopfert.

HYMNE AN HERMES
Opfergaben: Caduceus, Bildnis einer Zunge, Rosmarin, Tanne, Mandelbaum, Weihrauch, Styrax, Weinopfer.

Höre mich, Hermes der Wege, Bote des Zeus,
Freund der Sterblichen mit dem allbezwingenden Herz,
mit dieser bescheidenen Libation bitte ich dich,
komm und beschütze mein Heim und meinen Wohnort,
oh du rascher Verkünder der Götter Willen!

* Es wird Wein geopfert.

HYMNE AN APOLLON
Opfergaben: Lorbeer, rote Rosen. Wir opfern roten Wein, Weihrauch und Manna unter Musikbegleitung.

Ich besinne mich auf Apollon den Fernwirkenden,
ihn vergesse ich nicht.
Seit ältester Zeit ist es heiliger Brauch, dich anzurufen.
Komm, oh seliger Paian, strahlender Phoibos, tönender Spender des Segens,
Ackerbauer, Pythier, delphischer Seher, lichtbringender Daimon.

Du, der du von weit oben
auf den unermesslichen Äther
und die glückliche Erde blickst,
deine Augen sind die Sterne,
du zerstreust die Dunkelheit.
Mit deinem Lorbeerzweig
erschütterst du den Himmel.

Apollon, der du dich nicht jedem zeigst,
sondern nur denen, die rein sind,
groß ist, wer dich gesehen,
klein, wer dich nicht gesehen.
Dich werden wir sehen, oh Hekatebolos (Ferntreffender),
und in Zukunft nimmer klein sein.
Aus deinem Schopf tropfen duftende Öle auf die Erde,
die Heilung bringen.
Hii Paieon, hii Apollon, hii Noumenios.

* Es wird Wein geopfert.

ENDE

Khairete, ihr seligen Götter
seid immer bei uns,
verlasst uns nie,
beseitigt die Krankheiten
und verscheucht den Kummer.

* Es wird Wein geopfert.

 

Quelle: Labrys: Νουμηνία, in: Labrys (Artikel), zuletzt abgerufen am: 07. Februar «2019». Aus dem Griechischen ins Deutsche von Stilian K. Ariston.