Hypatia und der Sturm

In Griechenland ist irgendeiner auf die Idee gekommen, das Sturmtief, welches das Land lahmlegt, nach der hellenischen Philosophin «Hypatia» zu benennen, die im März 415 von einem christlichen Mob auf bestialische Weise ermordet wurde. Dieser wurde vorher von Kyrill, dem Patriarchen von Alexandria und Heiligen der Orthodoxie, ein Krimineller sondergleichen, aufgepeitscht und aufgehetzt. Nun sprechen alle vom Sturm oder Unwetter (kakokairia) «Hypatia». Dieser Vorgang ist unerhört und für uns Hellenen in jeglicher Hinsicht inakzeptabel. Hypatia ist kein Unwetter, sondern eine «Märtyrerin des freien Geistes» (YSEE, Pressemitteilung Nr. 360), ein Mordopfer der damals aufkommenden Barbarei, die im Laufe der Geschichte Ethnien, Kulturen, ganze Länder verschlungen hat. Das derzeitige Unwetter in Griechenland nach ihr zu benennen, ist nicht nur geschmacklos, sondern offenbart eine Schamlosigkeit und despektierliche Haltung, die tief blicken und vom kümmerlichen Rest des Narrativs des heutigen Griechenland «als Erben der Antike» nicht viel übrig lässt.

Winterlich: viertes Sturmtief innerhalb einer Woche über Griechenland