Über die Trankopfer

Labrys: «Περί Σπονδών», in: Labrys (Artikel), zuletzt abgerufen am: 20. September «2018».

Eine Libation oder Sponde ist das Vergießen von Flüssigkeiten auf den Altar, in das Feuer, auf die Erde, auf Bäume oder in das Meer, in Flüsse und Seen. Die Sponde ist ein integraler Sakralakt der hellenischen Religion. Die Sponde ist an sich ein höchst religiöser Akt, durch den wir den besten Teil von uns selbst anbieten, indem wir unseren Respekt in der Gemeinschaft mit dem Göttlichen ausgießen.

Durch das Trankopfer (Sponde) bekräftigen wir unsere Worte, unsere Bitten, unsere Handlungen. So wie das Ausgießen des Trankopfers nicht zurückgenommen werden kann, kann auch das gesprochene Wort nicht zurückgenommen werden. Das Trankopfer ist eine heilige Bindung, die die Menschen mit dem Göttlichen eingehen. Was einmal verschüttet wurde, kehrt nicht mehr zurück.

Homer erwähnt das Trankopfer vor der Nachtruhe, während Hesiod sowohl morgens als auch abends ein Trankopfer empfiehlt.

Gemäß der Reihenfolge, die uns Empedokles vorgibt, können Libationen aus Wasser, Honig, Olivenöl, Wein, aromatischen Ölen, Milch und Fruchtsaft bestehen. Die überwiegende Anzahl der Trankopfer, die in der Kommunikation mit den Göttinnen und Göttern Verwendung finden, bestehen aus Rotwein, weil dieser den Nektar der Götter symbolisiert.

Also sprach Kalypso, und setzte dem Gott die Tafel
Voll Ambrosia vor, und mischte rötlichen Nektar.

Homer: Odyssee (5. Gesang, Vers 92)

Der Rotwein ist ein Symbol der thysia (Opfer), Jugend, Ewigkeit und der heiligen Berauschung.

Geopfert wird aus einer Oinokhoe, einem Skyphos (Trinkschale), einem Krateras (der das Ganze symbolisiert; die Einheit einer Gruppe, einer Gesellschaft, einer Stadt, eines Landes) und einem Depas (Becher, Trinkgefäß). Die Gefäße für das Trankopfer werden immer sauber gehalten und und dienen nur diesem heiligen Zweck.

Neben den Wein-Libationen gibt es auch alkoholfreie bzw. nicht-alkoholische Trankopfer, die je nach gebrauchter Flüssigkeit Melisponda (Honig), Hydrosponda (Wasser), Elaiosponda (Olivenöl) usw. heißen.

Alkoholfreie Trankopfer spenden wir den Heroen, der Mnemosyne, den Musen, den Eumeniden, der Aphrodite Ourania, den Nymphen, der Eos, der Selene und dem Helios.

Während der Sponde wird die Flüssigkeit langsam aus dem heiligen Gefäß ausgegossen, noch bevor irgendjemand davon gekostet hat. Nach der Zeremonie wird der restliche Wein ausgelassen unter den Teilnehmern geteilt, damit das Fest beginnen kann.

Den chthonischen Göttern, den Ahnen und den Toten spenden wir khoés. Während der khoés kippen wir mit einer schnellen Handbewegung die heiligen Gefäße um, so dass die Flüssigkeiten abrupt und schnell ausgeschüttet werden. Was für die Libations-Gefäße gilt, gilt auch für die heiligen Gefäße für die khoés.

Bei der khoé gießen wir die Flüssigkeiten auf die Erde, auf ein Grab oder in ein kleines Loch im Boden. Die khoés werden vollständig ausgegossen und nicht verzehrt.

In der Odyssee gibt uns Homer ein Beispiel für eine khoé an die Toten, als Odysseus als Bittsteller zu den Toten geht und seine khoé in eine Grube schüttet.

An dem Fels, wo die zween lautbrausenden Ströme sich mischen;
Nahe bei diesem Orte gebiet‘ ich dir, edler Odysseus,
Eine Grube zu graben, von einer Ell‘ ins Gevierte.
Rings um die Grube geuß Sühnopfer für alle Toten:
Erst von Honig und Milch, von süßem Weine das zweite,
Und das dritte von Wasser, mit weißem Mehle bestreuet.

Homer: Odyssee (10. Gesang, Verse 515-520)

Unseren Toten spenden wir dreifache khoés aus Honig, Milch und Wein.

Der Wein, der bei einem Orkos (Eid) vergossen wird, wird ebenfalls nicht verzehrt. Hier wird der ganze Wein ausgeschüttet und zum Schluss wird der Krug zerbrochen. Der Bruch des Kruges besiegelt die Unumkehrbarkeit des Eides.

 

Libations-Gefäße

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