Re-Indigenisierung

Lila 2

Als Re-Indigenisierung (Ethnologie) wird der Prozess der Wiederherstellung der autochthonen Kultur einer Ethnie und die damit einhergehenden Revitalisierung von Ethnizität (Ethnismus) bezeichnet. Die Ethnizität bildet ein vielschichtiges Komplex aus Sprache, Symbolik, Mythologie, Religion, Weltanschauung, Feste, Kosmologie, Ethnomedizin, Kunst, Geschichte, Brauchtum und sozialen Strukturen. Im Folge einer Re-Indigenisierung grenzt sich eine Ethnie vom Abendland oder der Kultur der Eroberer ab, hebt das Eigene hervor und als Alternative der Alterität gegenüber. Ein solcher Prozess wird durch eine nativistische Bewegung organisiert und kann nur gelingen, wenn er von der großen Mehrheit der Ethnie befürwortet wird, was aufgrund von wirtschaftlichen Zwängen nicht immer selbstverständlich ist. Die Re-Indigenisierung kann den vollständigen Bruch mit den kolonialistischen Strukturen oder Normen bedeuten und den Kampf gegen Armut, Kriminalität oder um Landrechte beinhalten. Die Hauptziele einer solchen Politik bestehen in der Rückbesinnung auf die eigene Kulturtradition, die Orientierung am eigenen Wertesystem und letztlich in der Autonomie der eigenen Ethnie. Dies ist nur durch eine Abwendung vom Westen zu bewerkstelligen. Die Verdrängung fremder kultureller Elemente schafft neuen Raum für die Regeneration der kollektiven mentalen Landschaft, sprich: die Identitätsstiftung. Ein solcher Freiraum entsteht erst durch die Differenzierung von der dominierenden Kultur und erweist sich insbesondere dann als äußerst hilfreich, wenn das von der dominierenden Kultur negativ gezeichnete Bild von der eigenen Kultur im Zuge der Assimilierung internalisiert wurde und die Zugehörigkeit zum jeweiligen Stamm Scham erzeugt. Hier kann die Identifizierung mit den traditionellen Werten oder den Helden aus der Mythologie heilend auf das ethnische Bewusstsein wirken und dabei helfen, sich nicht mehr über westliche Kategorien und Denkarten zu definieren. Durch eine positive Hervorhebung der eignen Andersheit und Eigenart kann das Kollektiv seine Mitglieder dabei unterstützen. Es ist sehr wichtig, dass die jeweilige Ethnie einen Schritt zurück geht, sich selber zuwendet, findet und akzeptiert, und sich erst dann öffnet, wenn sie dazu bereit ist und sich entschieden hat, in welcher Beziehung sie zur dominierenden Kultur stehen möchte. 

Von besonderer Bedeutung ist dabei das Erlernen oder die Wiederaneignung der eigenen Sprache, der Mythen, Sitten, der Musik, Medizin, Mode, Literatur, kurz: der Folklore. Gleiches gilt für die Weltanschauung und Religion, von der Außenstehende auch ausgeschlossen sein können, um beispielsweise die Riten vor Imitation und Ausbeutung zu schützen. Die Kriegserklärung der Lakota gegen die New-Age Bewegung (Neopaganismus, Okkultismus) vom 10.06.1993, fand ihre Triebfeder in der Sorge der Lakota um ihr kulturelles Erbe und wird deshalb auch von den Hellenen geteilt. Wird die Re-Indigenisierung von der Mehrheit getragen, ist der Wandel vollzogen. Das Heranführen der Jugend an die eigene Kultur und die Wiedereinführung von traditionellen Strukturen soll die Nachhaltigkeit des Vorhabens garantieren. Doch Re-Indigenisierung umfasst nicht nur die Wiederbelebung der ethnischen Identität innerhalb der eigenen Gemeinschaft, sondern auch die Öffentlichkeitsarbeit, den politischen Aktivismus in der Außenwelt, sowie die Gründung von Schulen und Institutionen, die Zurschaustellung von Ethnizität durch das Tragen von Schmuck, traditioneller Kleidung oder durch öffentliche Zeremonien, die Botschaften nach innen und außen senden. Eine besondere Bedeutung kommt der Anerkennung der eigenen Kultur als eine eigenständige Größe von der Weltöffentlichkeit zu, weil nur dann andere Völker, Menschenrechtsorganisationen und internationale Instanzen im Hinblick auf politische Missstände und Verwerfungen sensibilisiert werden können. Die Re-Indigenisierung dient nicht nur einzelnen Ethnien, sondern stellt eine Erholung für die gesamte Ethnosphäre dar. Denn über den Weg der Re-Indigenisierung lässt sich die Vernichtung der eigenen Lebensweise und Identität so weit wie nur möglich rückgängig machen und der Schalter der Globalisierung durch Maßnahmen zur Indigenisierung der Wirtschaft, wie z.B. in Simbabwe und Tansania, ein Stück weit zurückdrehen.

 

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