Timothy Jay Alexander, A Beginner’s Guide to Hellenismos

Rezension zu: Timothy Jay Alexander, A Beginner’s Guide to Hellenismos, Lulu 2007.

Dies ist das zweite Buch von T. J. Alexander zum Hellenismos. In seinem letzten Buch versuchte er den Hellenismos zu definieren und zu erklären, aber jetzt führt er den Leser in den Götterkult ein, vergisst dabei erfreulicherweise nicht zu erwähnen, wie wichtig die Orthopraxie im Hellenismos ist. Leider stammen nur 103 Seiten aus der Feder des Autoren. Danach folgt Sallustios mit seinem “Über die Götter und den Kosmos”, Julians “Rede an die Mutter der Götter” und die Homerischen Hymnen (S. 85-121).

Nach einem kurzen Ausflug in die Theologie, stellt er die drei Facetten der hellenischen Religion vor (Hauskult, Gemeinschaftskult, Mysterien), wobei er dem Hauskult verständlicherweise mehr Raum einräumt. Zu diesem gehören die Gebete, Hymnen, die Opfergaben und der hellenische Feiertagskalendar. Leider nimmt er den Faden aus seinem letzten Buch wieder auf, ergeht sich erneut über den “Rekonstruktionismus”, den er (zurecht) mit der neuen religiösen Bewegung “Neopaganismus” kontrastiert, die im Gegensatz zu den ethnischen Religionen (Hellenismos, Kemetismus, Asatru u.a.) keine Alternative zum Abendland ist, weil aus diesem entsprungen.

Theologie und Kosmologie werden nur gestreift, denn der Autor will den Kult erhellen. Er macht deutlich, dass Akte der Pietät im Mittelpunkt des sakralen Geschehens stehen. Im Hellenismos ist Pietät gleichbedeutend mit Orthopraxie, d.h. im Sinne der Väter die Götter zu ehren. “Der Hellenismos ist Orthopraxie” (S. 21): der Umfang der Lektüre reicht nicht, um auf alle Aspekte der Praxis einzugehen, dennoch begleitet der Autor den angehenden hellenischen Polytheisten in seinen ersten Schritten auf dem Pfad des Hellenismos. Er zeigt, wie Hymnen verfasst werden können und wie Opfergaben an die Götter überreicht werden.

Richtig ist auch, dass der Hellenismos sich durch seine Orthopraxie auszeichnet. Wer den Hellenismos korrekt praktizieren will, muss ihn aus griechische Weise praktizieren. Doch gibt es viele Wege der korrekten Praxis, denn der Hellenismos ist die Summe aller religiösen Praktiken und Anschauungen der alten Griechen. Die kulturelle Besonderheit des Hellenismos wird deutlich herausgestellt, ist er doch nicht nur der Götterkult, sondern Identität und Tradition der Hellenen. Er erklärt auf eine sehr einfache, aber klare Weise, weshalb der Orthopraxie dabei eine so gewichtige Rolle zukommt.

In den Riten wird eine Beziehung zu den Göttern aufgebaut. Diese Beziehung wird mittels den Opferriten hergestellt, ohne die, Gebete und Hymnen leere Worte sind. Alexander versäumt nicht, auch jene Methode anzusprechen, mit der eine persönliche Beziehung zu den Göttern aufgebaut wird. Die Theurgie, Alexander nennt sie hier “Mystik”, heißt diese Methode. Im Abendland oft als Hexerei verkannt, ist sie in Wirklichkeit eine sehr persönliche Angelegenheit, über die allgemein nicht öffentlich gesprochen wird. Leider geht Alexander meines Erachtens nicht an den Kern der Sache ran, weil er die Theurgie, oder “Mystik”, nicht ausgiebig genug erklärt. Theurgie ist nicht nur Kontemplation oder Divination. Natürlich hat die Theurgie den Zweck, Zeichen von den Göttern zu bekommen, Wahrträume von ihnen zu erhalten etc. Aber genauso wichtig, wenn nicht bedeutender, ist die Angleichung an Gott, die damit angestrengt wird. Auch auf die inneren Voraussetzungen wird hier leider nicht eingegangen, was ich sehr schade fand. Theurgie ist ohne Arete nicht möglich.

Alexander schließt das Buch mit persönlichen Gedanken zur hellenischen Tradition ab.

A Beginners Guide to Hellenismos” verschafft einen guten Überblick über die Anschauung, Praxis und Kosmologie des Hellenismos. Manche Stellen hätten nicht unbedingt Aufnahme im Buch finden müssen, andere sind äußerst wichtig für das Verständnis dieser Weltanschauung. Leider sind manche Themen zu kurz gekommen, trotzdem kann ich das Buch bedenkenlos weiterempfehlen. Der Autor fasst sich kurz, der Text liest sich fließend und ist klar. Persönliche Meinungen sind als solche gekennzeichnet, was ich Alexander hoch anrechne.

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