Marion Giebel, Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter

Rezension zu: Marion Giebel, Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter, Düsseldorf: Patmos, 2006.

Wie sehr ich mich gefreut habe, als ich bei Amazon dieses Buch gefunden habe. Die Kurzbeschreibung weckte den Wunsch in mir, das Buch so schnell wie möglich zu lesen. Nachdem ich mehr über die Autorin in Erfahrung brachte, mir die Anzahl der Seiten notierte und das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis zur Kenntnis nahm, gab es keinen Grund weiter zu zögern. Das Buch ist sehr gut geschrieben. Der Schreibstil fließend, die Autorin drückt sich ganz unkompliziert aus, das Buch ist gut gegliedert und vor allem sehr informativ. Besonders gefallen hat mir die Unvoreingenommenheit der Autorin. Sie projiziert das Abendland nicht auf das Hellenentum bzw. auf die ausgehende Antike.

Giebel zeichnet hier ein sehr gutes Bild von Julians Leben, seines Charakters und seiner Lebensführung als erwachsener Mann (Hingabe an die Götter, Meditation, Enthaltung, karger Lebensstil). Auch seine Kindheit wird durchleuchtet, gezeigt, wie er sie erlebt und empfunden hat. Seine ersten Lebensjahre waren tragisch, überschattet vom Mord an seiner Familie. Marion Giebel versucht, allen Aspekten seines Lebens gerecht zu werden, und das ist sicherlich keine leichte Arbeit.

Am Anfang wird erklärt wer Kaiser Julian eigentlich war, dann geht die Autorin dazu über, einige Worte über die Zeit vor Julian, über die Tetrarchie und Kaiser Konstantin fallen zu lassen. Erst dann startet sie mit dem eigentlichen Thema durch: Julians Kindheit, seine militärische Laufbahn in Gallien und sein Weg zur Philosophie und zum Hellenismos (Hekate erwartete Julian an der Übergangsgrenze vom Christentum zum Hellenismos). Wir erfahren, wie es dazu kam, dass Julian Kaiser wurde; sein Wirken und Leben als Kaiser wird detailreich beschrieben. Mir imponierte das Bestreben Giebels, sein Leben, seine Persönlichkeit und seine Motive richtig darzustellen. Sie räumt mit den alten Schauermärchen auf, mit den von Christen in Umlauf gebrachten Lügen, Kaiser Julian hätte die Christen verfolgen lassen, sogar Menschenopfer erbracht. (Diese Lügen werden im heutigen Griechenland immer noch verbreitet, ihr vermeintlicher “Wahrheitsgehalt” von Apologeten verteidigt.) Wir lesen, wie Kaiser Julian gestorben ist und auf welche Weise er der Nachwelt in Erinnerung blieb.

Wie wir wissen, gab Kaiser Julian der hellenischen Religion den offiziellen Namen “Hellenismos”. Doch ist damit nicht allein der väterliche Götterkult gemeint. Wie M. Giebel klarstellt, ist der Hellenismos die Einheit hellenischer Paideia, Politiktradition, “Religion” und Identität (S. 8). Wissen wir das, begreifen wir Julians Bemühung nicht als Versuch, einen “Glauben” zu retten, sondern eine die hellenische Kultur, zu der eben auch der Götterkult gehört. Heliopolis und Mani zeigen, Julians Arbeit wäre von Erfolg gekrönt, hätte er nicht so früh sein Leben lassen müssen. Kaiser Julians Tod, zum Teil selbst verschuldet, hatte nicht nur für das Hellenentum schreckliche Folgen, sondern für ganz Europa. Hätte er weiter gelebt, hätte es den Ethnozid an den Hellenen höchstwahrscheinlich nie gegeben.

Dieses Buch vermittelt, wie der letzte hellenische Kaiser gelebt und gedacht hat; stellt Julian ins recht Licht. War aber auch Zeit! Julian war nicht, wie behauptet wird, ein Christenhasser oder ein Fanatiker – ganz im Gegenteil: er war tolerant und gerecht. Er war nicht der letzte, wohl aber der entschiedenste Hellene, der sein Leben der Verteidigung des Hellenentums widmete.

Inhalt des Buches:
Das Zeitalter Konstantins
Julians Jugend: Philosophie contra Religion
Die Tore tun sich auf
Ein Caesar für den Westen
Augustus und Usurpator
Als Kaiser in Konstantinopel
Religion und Politik
In Antochia
Der Perserkrieg
Der Tod – Rätsel und Legende
Zwischen Himmelfahrt und Höllensturz: das Nachleben Julians
Anhang (Anmerkungen, Zeittafel, Stammtafel, Karten, Auswahbibliographie, Bildnachweise)

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