Odinistenverfolgung im Dritten Reich

Am 08. Dezember «2012» hat der hellenische Schriftsteller Vlassis G. Rassias in Athen einen Vortrag gehalten über «Die Verfolgung der germanischen Paganisten durch die Nazis».

Unbenannt2
Aus dem Vortrag: «Die Verfolgung der germanischen Paganisten durch die Nazis»

Der Vortrag «Die Verfolgung der germanischen Paganisten durch die Nazis» reiht sich in eine Serie von hellenischen Reaktionen auf die Gleichstellung des «Paganismus» mit dem Nationalsozialismus, die seit dem Einzug der faschistischen «Goldenen Morgenröte» ins «griechische Parlament» bei Kirche und Massenmedien in Griechenland Konjunktur hat. Im Rahmen dieser Verleumdungskampagne, die im Sommer «2012» eine tragisch-komische Dimension erreichte, ist die vermeintliche Verflechtung von NS-Staat und germanischer Religion zum Tagesthema geworden, eine Debatte, welche von «rechts» und «links», von Kirche und «Wissenschaftlern» mit diversen Beiträgen, Vorträgen und Artikeln befeuert wurde und in der neuerdings auch der Hellenismos reingezogen wird.

Da ganz offensichtlich unfähig oder nicht willens, zwischen germanischer Religion einerseits und Okkultismus, Ariosophie und «Neopaganismus» andererseits zu unterscheiden, wird der Odinismus in die Nähe des Faschismus gerückt, seine vermeintliche ideologische Nähe zum NS-Staat in Analogie zur angeblichen Verwandtschaft des Hellenismos zum Nationalismus gesetzt, um daraus bequem schlussfolgern zu können, dass die offen zur Schau gestellte Loyalität der Goldenen Morgenröte zum orthodoxen Christentum Fassade sei und Hellenismos und Nationalismus sich im Geheimen die Hände reichen. Dabei wird die Fülle hellenischer Artikel gegen den Nationalismus geflissentlich übersehen. «Merkwürdig» ist diese Geschichte schon aufgrund der Tatsache, dass bekannt und durch Fotos und Videos bewiesen ist, dass die Nazis der Goldenen Morgenröte im Parlament ihren Eid auf die «hl. Dreifaltigkeit» ablegten, Parteibüros von christlichen Priestern segnen ließen, mehrere Politiker der Partei innige Beziehungen zur Mönchsrepublik Athos unterhalten, ihre öffentlichen Reden regelmäßig von christlichen Priestern frequentiert werden und sie ganz normal am sonntäglichen Gottesdienst teilnehmen. Das wiederum ist nicht merkwürdig, sondern konsequent: denn die Goldene Morgenröte ist der politische Arm der reaktionären Orthodoxie. Die Partei setzt seit Jahren auf ein «hellenisches Profil», bedient offen weitverbreitete antisemitische Ressentiments, instrumentalisiert Symbole der hellenischen Kultur (Lorbeerkranz), übt sich in Blutkult und Faschistenkitsch, betont immer wieder ihre Nähe zur «hellenisch-orthodoxen Tradition» (nicht der einzige Terminus, den sie sich mit der Kirche teilt) und plant bereits jetzt, im Falle einer künftigen Regierungsbeteiligung, die Mönchsrepublik Athos zu subventionieren (Agioritiko Vima, 28.04.«2014»). Während sie in den 1980er Jahren zunächst mit Aufmerksamkeit heischenden Artikeln der Art «Wir sind Paganisten, wir sind Satanisten» (für viele heute noch ein «Beleg» für ihre «neopagane» oder satanische Ideologie) und ein rebellisches Auftreten alternative Wahlkreise auf sich aufmerksam zu machen suchte, offenbarte sie spätestens im Jahre 1.997 ihre wahre Identität, als sie sich auf ihren Wahlbroschüren die Förderung der «hellenisch-christlichen Ideale» auf die Fahne schrieb.

Für die Kenner der Szene war das gewiss keine Überraschung. Es ist ja bekannt, dass die Goldene Morgenröte mit der Kirche gelegentlich gemeinsame Sache machte. «In reality, Golden Dawn has aligned with the church on multiple occasions in the past, most notably during two blasphemy cases in 2012. The first case was one of a play depicting Jesus as gay (Tagaris 2012) against which neo-nazis protested side by side with church officials until the theatre closed. The second one was the case of a young man who created a satirical page on facebook mocking a monk who is believed to be a saint. What is interesting in this case is that the arrest was the result of the efforts of Golden Dawn who brought the case to the parliament (Tsimitakis 2012) … Moreover, a casual browsing through their publication is remarkably similar to what Steigmann-Gall (2003) describes when he discusses Nazism in Germany. That is, their ideology is not an attempt to turn to paganism but to reinvent Christianity as ‹Positive Christianity,› that simultaneously has a superficial relationship to paganism.» (Evgenia Fotiou, «We are the Indians of Greece»: Indigeneity and Religious Revitalization in modern Greece, CrossCurrents, Juni 2014, S. 231).

Der romäische Faschismus fischt in trüben Gewässern. Trüb ist auch seine Vorstellung vom Völkerrecht. Denn während die Goldene Morgenröte auf der einen Seite den Genozid an den verschiedenen christlich-orthodoxen Völkern beklagt und verurteilt, verschweigt und übergeht sie selbstverständlich den an den Hellenen, ja, sie feiert sogar den heiliggesprochenen russischen Admiral Uschakow, der die ethnische hellenische Revolution auf den Ionischen Inseln blutig niederschlug, als «großen Hellenenfreund». Schon allein aus diesem Grund ist die Unterstellung einer Verwandschaft zwischen dem Hellenentum und der Goldenen Morgenröte blanker Zynismus. Bereits seit den frühen 1990er Jahren bezog das ethnische Hellenentum eine klare Position gegen Nationalismus und Nationalstaat-Verherrlichung: Ethnien können nicht mit Nationalstaaten gleichgesetzt werden. Die vom Nationalismus propagierte Gleichschaltung der Völker innerhalb der Grenzen der modernen Nationalstaaten widerspricht der Natur sowie der antiken Auffassung von Ethnie und ethnischer Identität, welche sich nicht anhand von «Blut» und «Genen» ausmachen lässt, wie wir am Beispiel von Thales, Aisopos, Porphyrios oder Kaiser Julian sehen können, sondern an gemeinsamen Sitten, Anschauungen und Lebensweisen. Demnach stellen die Hellenen dem Nationalismus den Ethnismus entgegen («Heidentum», Ethnizität, Ethos als Grundlage ethnischer Identität). Die vom Nationalismus betriebene Gleichsetzung von Hellenentum und Romiosini stützt und folgt in stählerner Treue der offiziellen Geschichtsschreibung des «griechischen» Staates, der den Ethnozid an den Hellenen verleugnet und Geschichte im Sinne der Kirche schreibt. Schließlich ist die Ideologie des sogenannten «Hellenochristentums» der gemeinsame Nenner zwischen der Goldenen Morgenröte, der orthodoxen Kirche und des «griechischen» Staates. Stellt man dann noch den Antijudaismus, die Verschwörungsrhetorik und den Revanchismus der Partei auf die Waage, bleiben über ihre Kulturzugehörigkeit keine weiteren Fragen offen.

Nimmt man anschließend auch noch die Treue der Nationalisten zum völkermordenden Monotheismus und schlussendlich auch die widernatürliche monotheistische Homogenisierungspolitik und die Umwandlung der «Kulturvölker» zu «Staatsvölkern» in die Rechnung mit auf, die den natürlichen Urzustand der Ethnosphäre deutlich kontrastiert (Ethnodiversität) und vom Nationalismus fleißig weiter verfolgt wird, den Kampf des romäischen Nationalismus für die «Ideale» der «hellenochristlichen Zivilisation», des «Hellenenchristentums» (zu Zeiten Hitlers hieß es «Deutschchristentum»), bereits von der Militärdiktatur (1967-74) vielfach beschworen, und seine Ausbeutung und Verzerrung hellenischer Kulturgeschichte, erkennen wir im Nationalismus einen reinblütigen Feind der Ethnien und den Zwillingsbruder des Internationalismus (Rassias), als dessen Gegner er sich ausgeben will. Seine Falschheit zeigt sich insbesondere anhand seiner Protektion eines Phantasiehellenentums und seiner Anfeindung des real existierenden, sprich historischen Hellenentums. Das ist wiederum «hellenochristliche» Tradition: kaum war ein Monat nach dem erfolgreichen Militärputsch in Athen vergangen, verhängte das von der Goldenen Morgenröte innig geliebte und für seine angebliche Wirtschaftskompetenz in den Himmel gelobte Regime das Verbot von Büchern, die «unter Gesichtspunkten der Revolution schädlich für die Seele der Griechen» gewesen sein sollen: unter ihnen «Der Frieden» des Aristophanes, «Die Hilfeflehenden» und «Die Troerinnen» des Euripides. Aber im Vergleich zum ebenfalls hochgelobten monarcho-nationalistischen «Regime des 4. August», an dessen Spitze der General Ioannis Metaxas saß, könnte man mit viel Phantasie die Militärdiktatur des Papadopoulos tatsächlich «hellenenfreundlich» nennen, schließlich ließ Metaxas nicht nur die «Die Antigone» des Sophokles, den «Staat» Platons oder den «Epitaphios» des Perikles aus den Schulen verbannen, sondern organisierte die öffentliche Verbrennung dieser und anderer Schriften. Abgesehen davon ist auch das «Wirtschaftswunder» der orthodoxen Obristen eine fromme Schönfärberei: die Klientelpolitik und Korruption des Regimes bescherte dem Land einen Anstieg der Schuldenquote auf über 20% des BIP.

Der Nationalismus, «eine moderne Bewegung» (Encyclopadia Online Britannica), ist Erzeugnis des monotheistischen Totalitarismus und dem echten Europa fremd. Er entsprach vollends dem frühkapitalistischen Produktionsbedürfnis nach einer homogenisierten Masse und war den indigenen europäischen Traditionen nie eine Stütze. Bei ihm handelt es sich um eine weitere Chimäre des Monotheismus, denn er gehört zu seiner Kultur wie das Unrecht zum NS-Staat, ist alles, was Europa überwinden muss, um wieder europäisch zu werden. Auf der anderen Seite bedeutet der wiederaufflammende Ethnismus in Europa den vollständigen Bruch mit dem Christentum, der Romiosini und dem Abendland. Dies wird auch durch Rassias’ Vortrag eindrucksvoll kommuniziert, der nicht bloß «Positionen» bereinigt, sondern auch der Ehrenrettung der germanischen Tradition dient und der Entkräftung jener Behauptungen, die die Grenzen zwischen Hellas und Drittem Reich einfältig verwischen, Adolf Hitler zum Schutzpatron der germanischen und Bewunderer der hellenischen Tradition erklären. Die Not spielte die Geburtshelferin für den Widerstand. Zumal die Goldene Morgenröte getreu dem Goldenen Zeitalter des Faschismus nicht nur die hellenische Kultur zur Zierde ihrer Partei gemacht, sondern auch germanische, bereits vom NS-Staat missbrauchte Symbole in ihre «Dienste» nimmt und diesbezüglich wahrlich großes Gewicht auf die «Tradition» legt.

Allerdings gibt es tatsächlich eine Analogie zwischen Odinismus und Hellenismos, jedoch von einer anderen Art als in den Medien dargestellt, wenngleich sie im gleichen Zusammenhang anzusiedeln ist. Wie einst der Odinismus wird der Hellenismos heute von neuzeitlichen Ideologien missbraucht, von seinen Gegnern belagert, seine Symbole instrumentalisiert, seine Geschichte in den Dreck gezogen, auf eine Ebene mit seinen Übeltätern gesetzt, für ihre Untaten verantwortlich und auf diese Weise zum «Vergewaltiger» seiner selbst gemacht. Und das, wohlgemerkt, obwohl er die selbstregierte Gesellschaft (Demokratie), den politischen Menschen, die Gewissens- und Redefreiheit «zur Welt gebracht», ja, diese geradezu aus seinem Inneren emaniert sind. Aus diesem Grund begegnete Rassias den Organisatoren der Veranstaltung «Der neonazistische Paganismus und die orthodoxe Kirche», die am 26. November 2012 an der Juristischen Fakultät der Universität Athen durchgeführt wurde, mit den Worten: «Was Sie ‹Paganismus› nennen, hat die Demokratie hervorgebracht».

Die indigenen europäischen Traditionen repräsentieren das untergegangene Europa der Ethnien und nicht die Ideologien und Imaginationen des politischen Monotheismus, der einer anderen Zeit und Kultur angehört. Ein Grund mehr dafür zu kämpfen, dass dem Hellenismos nicht zustößt, was dem Odinismus im Würgegriff der Faschisten widerfahren ist. Ein Grund mehr dafür zu kämpfen, dass die Grenzen zwischen den revitalisierten autochthonen europäischen Traditionen und den vielen Gesichtern des Monotheismus, heißen sie nun Nationalismus, Faschismus, Okkultismus, Archäozentrismus oder White Supremacy, nicht weiter verwischt werden. In diesem Sinne «wurde alles, was gesagt werden musste … von unserer Seite bereits gesagt, und zwar genauso, wie es gesagt werden musste» (Vlassis G. Rassias: Έθνος, Εθνισμός, Εθνοκράτος, Εθνικισμός, S. 87, 2. Aufl., Athen 2006).

«Der Gott des Monotheismus fordert absoluten Gehorsam gegenüber jedermann auf Erden, denn er meint, dass ihm nicht nur ein Volk, sondern die ganze Menschheit gehört. Alle, die ihn ablehnen, müssen zu ihrem eigenen Wohl entweder bekehrt oder abgeschlachtet werden. Letztlich ist der Totalitarismus die einzige Form der politischen Macht, die die Anforderungen dieses Gottes wirklich erfüllen kann.» (Gore Vidal, 1925-2012)

«Der Krieg um die Herrschaft über die Welt ist ein Krieg der Definitionen … Der Kampf um die Festlegung und Kontrolle über Bedeutungen ein Kampf ums Überleben…, derjenige, der zuerst die Bedeutung einer Situation definiert, zwingt dem anderen seine Wirklichkeit auf und bestimmt über ihn, ist der Sieger … dieserart herrscht und überlebt er. Wer fremdbestimmt lebt, wird unterjocht und vielleicht sogar ausgerottet …» (Thomas Szasz, 1920-2012)

(Zitate aus dem Vortrag von Vlassis G. Rassias: «Die Verfolgung der germanischen Paganisten durch die Nazis»)

Advertisements