Mutter Erde achten, in Harmonie mit der Natur leben

Mutter Erde achten, in Harmonie mit der Natur leben
Stilian Ariston, 21. Anthesterion 2791 / 12. März «2.015»

Nordgriechenland

Wie in allen ethnischen Kulturen ist die Natur auch den Hellenen heilig. Gaia, Rhea, Demeter, Hera erinnern ständig daran. Die «Natur» («Phýsis») bedeutet für uns Wirklichkeit, sie ist der «Stoff», aus dem alles wächst; ihr Wirken bedeutet Geburt, Wachstum, Tod. Die natürliche Umwelt und die Tierwelt, Ursache und Wachstum allen Entstehens sind im Begriff «Physis» inbegriffen. Unsere Heimat, unser Vaterland, das Stück Land, welches wir bevölkern, ist unsere Lebensgrundlage. Die Qualität unseres Leben steht im Verhältnis zur Qualität der Biosphäre. Unsere Lebensweise zerstört oder schont das ökologische Gleichgewicht. Unsere Entscheidungen bringen Tod und Zerstörung. Unsere Entscheidungen zählen.

Die Erde ist keine «Schöpfung», sie wurde uns nicht «geschenkt», sie gehört uns nicht. Wir gehören der Erde. Wir sind ihr entsprungen, haben uns durch irdische Prozesse entwickelt. Wir sind ein Teil der Natur, wenn auch nun ein verkrüppelter. Lehnen wir uns gegen sie auf, gegen uns, wird uns unser Kleingeist eines Tages heimsuchen und unsere behütete «Welt» aus den Angeln reißen. Weil wir sie nicht gebaut oder erzeugt haben, dürfen wir sie auch nicht zerstören oder ihre Ordnung durcheinander bringen. Doch attackieren «wir» (bewusst oder unabsichtlich) diese Ordnung jeden Tag, allen voran die Industriestaaten auf Kosten anderer Ethnien und der gesamten Biosphäre.

Die natürliche Ordnung können wir wahrscheinlich nicht gänzlich wiederherstellen, aber Eskalationen und Flüchtlingswellen wegen unhaltbarer klimatischer Bedingungen vorbeugen, die Folgen etwas abfedern. Dies kann allein dadurch verwirklicht werden, wenn wir wieder zu Ordnung kommen, unser Leben auf dieser Welt in Ordnung bringen. Individuelle Bestrebungen und lokale Projekte zum Schutz der Umwelt sind zwar lobenswert, dafür aber wenig effizient. Allein das Kollektiv kann verändern, was verändert werden muss. Einige Vorschläge von hellenischer Seite für Familien oder alleinstehende Individuen werde ich weiter unten unterbreiten. Zu aller erst geht es mir um den kollektiven Rahmen.

Was folgt, kann keinen Anspruch auf universelle Gültigkeit oder Relevanz haben, weil der Verfasser als Hellene einer kollektivistischen Kultur angehört und aus seiner hellenischen Perspektive schreibt. Nichtsdestotrotz meine ich, dass allein die Vergangenheit der Gegenwart adäquat antworten kann.

Unser Verhalten entspringt einer Lebensweise, unsere Lebensweise einer Weltsicht, unsere Weltsicht einer Kultur. Demnach haben wir es bei ökologischen Problemen immer mit kulturellen und politischen Fragen zu tun (1). Inwieweit müssen wir uns verändern, und in welche Richtung, um die kommende Katastrophe abzumildern, vielleicht sogar abzuwenden? Zu aller erst müssen wir mit klaren Worten das «Subjekt» Mensch im Verhältnis zu seiner Umwelt definieren und Licht auf unser Selbstverständnis werfen.

Der heutige westliche Mensch ist ein Untertan, ein Steuerzahler, ein Wähler, vor allem aber ist er ein Konsument. Er wird ständig angeleitet und mit irrationalen Werbungen dazu verleitet Güter zu konsumieren, Geld auszugeben, zu kaufen, zu nehmen, zu haben und zu besitzen. Soll ein Wirtschaftssystem, das auf endloses Wachstum in einer begrenzten Welt und Exportüberschuss baut, am Leben erhalten werden, muss das Leben des modernen Menschen entsprechend geordnet sein. Besitzt der nicht das nötige Kleingeld für den Erwerb einer neuen Rolex oder anderer überflüssiger Artikel, weil seit Jahren die Reallöhne, Sozialleistungen und Renten sinken, kann er die sinkenden Löhne mit Schulden ersetzen bzw. kompensieren oder seinen Konsum einschränken, trotz der Tatsache, dass er zum Konsumenten domestiziert wurde, was wiederum nicht im Interesse dieser Wirtschaftsordnung sein kann. Daher meine ich, müssen wir zu aller erst den Kapitalismus (Betonung des Privatbesitzes) abschaffen, somit auch den Wert des Individualismus neu bewerten, ohne sich in den Sumpf beschworener Dipole ziehen zu lassen (2). Der Kapitalismus begünstigt eine kleine Minderheit von Menschen, die zum großen Teil von der Arbeit und Kreativität anderer Menschen leben, konzentriert immer mehr Reichtum in wenigen Händen, und zerstört dabei den Planeten. Ein radikaler Kapitalismus muss in einer ebenso radikalen, heißt: konsequenten Ökologie seinen Gegenpart finden. Diese radikale Ökologie ist keine Ideologie, sondern die notwendige Antwort auf die Vergiftung der Gewässer, die Verschmutzung der Ozeane, die Zerstörung des Planeten. Ein Prinzip, eine Lebensweise, welche der Bedeutung sauberen Wassers und gesunder Nahrungsmittel für alle Lebewesen Rechnung trägt. Ich nenne dieses Prinzip «Planetonomie» in Anlehnung an den Begriff der «Ergonomie» und definiere es wie folgt: 1. Die Anpassung des Menschen an den Planeten. 2. Das Primat des objektiven Wohls des Kollektivs, der Menschen, Tiere und Pflanzen über die Wünsche und Begehrlichkeiten einzelner Individuen.

Die Selbstverständlichkeit von Umweltschutz und die derzeitige Irrationalität menschlicher Lebensweise muss deutlich herausgezeichnet und vor Augen geführt werden. Dann muss jede Gesellschaft, jede Familie und jeder einzelne von uns seine Konsequenzen daraus ziehen. Wir alle werden aufgerufen zu überlegen, nein, zu entscheiden, was im Leben wichtig, entscheidend und vorrangig ist. Der Markt, der den Westen diktatorisch regiert, darf nicht unser Leben bestimmen, Menschen in Batterien oder «Human Capital» umwandeln, keine Instanz sein, deren «Vertrauen wir gewinnen müssen», sondern im Dienst aller Lebewesen stehen. Privatwirtschaftliche Grundsätze sollen nicht unser Denken kolonisieren und uns zu «Kostenfaktoren» verkrüppeln (Ökonomismus). Mit Erich Fromm gesprochen: Wir müssen vom Haben zum Sein und zu der Entinstrumentalisierung von Subjekten kommen. Nun aber stellt sich die Frage, wie realistisch eine solche Perspektive ist.

«Realität» ist das Resultat politischer Entscheidungen. «Unsere» Realität ist das Ergebnis spezifischer politischer Beschlüsse. Wären diese Beschlüsse anderer Art, wäre auch unsere «Realität» eine andere. Hinter Beschlüssen stehen Interessen und Dividenden. Wir können selbstverständlich weiterhin Filme anschauen und ihre immanenten Weltbilder konsumieren, Restaurants besuchen, Tanzen gehen, Autos kaufen, unsere Wohnungen und Häuser neu einrichten, auf Reisen gehen, uns auf unser «persönliches Leben» beschränken, weiterhin der abendländischen Ich-meins-mich-Ideologie frönen, aber unsere Unverantwortlichkeit hat ein Verfallsdatum. Der Hybris folgt immer die Nemesis. Von allen Tieren besitzt allein der Mensch die Unvernunft, seine Existenzgrundlage zu zerstören, freudig jauchzend der Katastrophe ins Gesicht zu blicken und sich gegen sich und seine Natur aufzulehnen. Nur die Vernunft kann dieser Degeneration die Stirn bieten (3). Das ist die «Baustelle» der Bildung.

Wir brauchen einen Markt, eine Wirtschaftsordnung, die den Fragen unserer Zeit Rechnung trägt. Eine solche bestand bereits bei den alten Griechen und betrat mit Plethon und den sog. «Frühsozialisten» wieder die Bühne politischer Überlegungen. Wir kennen sie heute, und gleichzeitig kennen wir sie nicht, unter dem Namen des «Sozialismus» (Betonung von Gemeinschaftseigentum) (4). Die Volksmehrheit muss über die Schlüsselbereiche der Wirtschaft verfügen können, ansonsten ist sie nicht regierungsfähig. Wir können nur über eine Sache verfügen, wenn sie unserem Willen unterstellt ist. Wenn Kernbereiche des wirtschaftlichen Lebens außerhalb der kollektiven Einflusssphäre stehen, können sie nicht vom Volk kontrolliert und geführt werden. Erst die Vergesellschaftung befähigt die Gemeinschaft zur Autonomie. Aber eine solche kann es ohne Demokratie nicht geben. Damit stehen wir vor der nächsten «Baustelle». Die Industriestaaten haben sich im Westen entwickelt, sind quasi «Produkte» des Abendlandes und werden von anderen Staaten zunehmend als Vorbilder wahrgenommen, denen es nachzueifern gilt. So gibt es nicht wenige Länder außerhalb der westlichen Welt, die den Wandel zum Industriestaat wagen. (Dies mag dem BIP des jeweiligen Landes zugute kommen und einige punktuelle Verbesserungen des Lebensstandards bewirken, doch für das ökologische Gleichgewicht der Region ist das eine Katastrophe.) Doch derzeit liegt der Westen in punkto Industriestaatlichkeit unangefochten am längeren Hebel und könnte rein theoretisch eine ökologische Neuwende einleiten. Doch die Voraussetzungen für eine wirkliche ökologische Wende, die nicht immer wieder von privatwirtschaftlichen Interessen torpediert und von Lobbyisten weichgespült wird, können nur in einer Demokratie geschaffen werden. Nur Bürger können die Weichen für eine Umkehr von der geltenden Politik stellen. Untertanen können das schon deshalb nicht, weil nicht sie die Entscheidungsträger sind, sondern andere, an die sie alle vier oder fünf Jahre ihre Willensfreiheit delegieren. Das Abendland ist aufgrund seiner Kultur mit Demokratie unvereinbar. Demokratie kann nur dort blühen, wo es keine Parlamente, keine Parteien, keine christliche Kultur gibt, die den Planeten zur «Schöpfung» erklärt und einem autoritären außerweltlichen Schöpfergott unterstellt. Das ist die «Baustelle» der Kultur und die eigentliche Frage.

Ich sagte bereits, wir müssen uns über unser Selbstverständnis Gedanken machen. Welche Art von Subjekt züchtet die heutige Kultur hervor? Diese Frage ist von äußerster Bedeutung. Welche Art von Subjekt müssen wir sein, um der Lage gerecht zu werden? Wir müssen Bürger werden, sprich: mündiges Subjekt. Das bedingt die Abschaffung des Parlamentarismus (und die Ablehnung jeder Art von Oligarchie) und die Einführung der Institution der Demokratie (5). Demokratie, wörtlich: «Volksherrschaft», heißt eine Gesellschaftsordnung, in der die Menschen Bürger sind und sich selbst regieren. Weil politische Entscheidungen alle betreffen, werden sie auch von allen Bürgern getroffen. Gesetzgeber ist die Volksversammlung. Damit das Kollektiv über sich selbst bestimmen kann, ist die Befehlsgewalt über die Schlüsselbereiche der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens unerlässlich. Wenn es nichts zu entscheiden gibt, gibt es auch keine Demokratie. Ohne die entsprechende Zuständigkeit kann die Gemeinschaft nicht über Wasser, Strom, Gas etc. entscheiden, weil die «Fäden» in privaten Händen zusammenlaufen (6). Demokratie bedingt die Erziehung zum mündigen Subjekt, zum Bürger. Ohne Bildung (Paideia) droht die Demokratie zu einer Pöbelherrschaft zu verkommen. Die Qualität der Bildung entscheidet über den Zustand der Demokratie. Niemand kann eine richtige Entscheidung treffen, wenn er nichts über den Sachverhalt X oder Y weiß und kein Verständnis für die Tragweite seines Entschlusses hat.

Im Hellenentum weisen die Institutionen die Menschen in diese Richtung. Mythos, Religion, Weltanschauung und kulturelles Umfeld haben Demokratie generiert, weil in ihnen alle Ideen zur Entstehung einer Demokratie enthalten sind, von der Gewaltenteilung im Mythos bis zur Gültigkeit des Gesetzes für Amtsinhaber in Gestalt der gnadenlosen Ananke in der Weltanschauung. Die Griechen haben den politischen Menschen hervorgebracht, und er ist einer der wichtigsten Gründe für die Notwendigkeit einer Rückbesinnung auf das Hellenentum gewesen (Rehellenisierung).

Demonstrationen, Kundgebungen, Öffentlichkeitsarbeit, Petitionen, finanzielle Unterstützung weltweit agierender menschen-, tier- und naturfreundlicher Organisationen (Survival International, Unicef, Attac, Animal Equality,  IFAW, Vier Pfoten, Rettet den Regenwald e.V. etc.) und eine ökologisch bewusste Lebensweise bis zu den Grenzen unserer Möglichkeiten und finanziellen Spielräume sind adäquate Aktionen gegen die Zerstörung und für die Sensibilisierung anderer Menschen für den Schutz der Welt. Eine solche Gesellschaft wäre gut beraten, sehr harte Gesetze gegen Ölbarone, Tierquäler und dergleichen zu beschließen. Eine gesunde Gesellschaft ist auf gerechte Gesetze angewiesen. Nicht auf viele. Zu viele Gesetze ersetzen das Denken und verblöden langfristig das Volk.

Was können wir Hellenen und hellenischen Polytheisten tun?
Es gibt eine Reihe von Entscheidungen, die jeder einzelne von uns treffen kann, um der Natur den nötigen Respekt zu erweisen. Ein naturschonendes Leben hat viele Komponenten, vom Einkauf bei ökologisch gesinnten Lebensmittelläden zur Bevorzugung biologischer Lebensmittel und Pflegeprodukte bis zur artgerechten Müllentsorgung gehört alles dazu. Der YSEE säubert in Griechenland zugemüllte verlassene archäologische Stätten (z.B. den Tempel der Aphrodite bei Thessaloniki), wir können solche Aktionen auch auf öffentlichen Parks, Grünanlagen und Naturschutzgebieten ausweiten. Wir machen uns für die Rechte der Tiere stark, legen uns an, nehmen an Protesten teil und machen Druck. Nehmen wir uns an den antiken Griechen ein Beispiel, und urinieren nicht in Gewässern, entsorgen nicht unseren Müll im Bach oder Fluss um die Ecke, so zollen wir der Natur und ihren Daimonen unseren Respekt (7).

Wir unterstützen gleichgesinnte Organisationen mit Geldspenden, wir nutzen alle verfügbaren Netzwerke für die Verbreitung entsprechenden Infomaterials, unterzeichnen Petitionen, starten eigene, wir unterstützen örtliche Bio-Läden und Bauernhöfe, nachdem wir Erkundigungen über diese eingeholt haben, kaufen bei lokalen Anbietern ein und schonen damit die Umwelt, reduzieren unsere Wünsche auf unsere tatsächlichen Bedürfnisse, senken den Verzehr von Fleisch, greifen eher auf Naturheilprodukte zurück, um Gebrechen Linderung zu verschaffen, wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, senken unseren Strom-, Wasser- und Gasverbrauch, ziehen die Kabel ausgeschalteter Elektrogeräte aus der Steckdose, kaufen Autos, nur wenn wir welche brauchen, beschränken unsere Flüge und die Fahrten mit Bus und Zug auf ein rationales Maß, kaufen nur die Produkte von Unternehmen, die nicht gegen das Ökosystem sündigen und unterstützen jene Unternehmen, die ökologisch und nachhaltig produzieren, besuchen erst das örtliche Repair-Cafe, bevor wir uns für den Kauf einer neuen Waschmaschine entscheiden. Wir lesen Ratgeber und andere Bücher über naturschonende Lebensweisen, leisten unseren Beitrag zum Erhalt und Schutz des Planeten. Es reicht nicht, wenn ein Produkt vegan ist, seine Produktion muss auch ressourcenschonend und durch fairen Handel (Fair Trade) seinen Weg in die Regale der Supermärkte finden. Im Übrigen ist besonnenes und bewusstes Konsumentenverhalten die Chance auf eine Reformierung des Marktes, die neue Unternehmer und Ingenieure zu zukunftsorientierten Investitionen und Innovationen ermutigen. Wir tun also unser Möglichstes, um den Planeten und seine Ressourcen zu schonen. Wenn wir alle das Richtige im Rahmen unserer Möglichkeiten tun, können wir langfristig sehr viel bewegen, vor allem dann, wenn das Richtige nicht nur unser Konsumverhalten reguliert, sondern unserem gesamten Leben eine Richtung und Orientierung gibt. Die Betonung liegt auf «unser Möglichstes», der Schlüssel liegt in einem achtsamen Konsumverhalten, nicht in einem neurotischen. Der Planet braucht besonnene Konsumenten, keine «Märtyrer».

Wir lernen unsere Abhängigkeit von der Natur neu kennen. Dazu können wir Bauernhöfe besuchen und uns für Rundgänge und Besichtigungen anmelden, die Herstellung von Lebensmitteln observieren, uns die Abhängigkeit der Bauern von ihren Feldern und den Tieren vor Augen führen, ein Verständnis über Massentierhaltungen und die Behandlung von Tieren bekommen und Konsequenzen ziehen. Wir können selber Land bestellen, um wieder eine Verbindung zur Natur aufzubauen. Uns mit unserer natürlichen Umgebung, den Tieren in unseren Wäldern, unseren heimischen Pflanzen etc. vertraut machen und uns den abhandengekommenen Respekt für die diversen Ökosysteme neu aneignen. Die Natur in unser Leben integrieren, unser Leben bestmöglichst an die Natur anpassen und versuchen, ein Leben in Harmonie mit ihr zu führen. Dies sind nur ein paar Gedanken zur Praktikabilität eines naturschonenden Lebens, aber da «draußen» gibt es weit bessere Ideen und Ratschläge, die sich sehr leicht umsetzen lassen.

Verzicht, Freundlichkeit, Entschiedenheit üben.

Wir werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu den Avantgardisten einer neuen Revolution werden. Das sollen wir auch nicht. Wenn wir aber das Richtige aus den richtigen Gründen tun, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Weil unser Verhalten im Hinblick auf die übergeordnete Ordnung der Biosphäre richtig ist, fahren wir damit fort. Wir brauchen kein anderes Motiv für ein solches Leben, als dass es richtig ist. Wir haben nicht das Recht die Erde zu zerstören und damit die Lebensräume unzähliger Tierarten auszulöschen, deshalb tun wir es nicht. Anders können wir nicht in Freundschaft mit dem Kosmos leben, nichts zur Harmonie beitragen. Wir müssen Interessenkonflikte mit einkalkulieren, mit Kritik rechnen und uns auf diverse Vorwürfe argumentativ vorbereiten.

Die Kraft, den Weg weiter zu gehen, werden wir aus der Richtigkeit und Notwendigkeit des Bruchs mit den gegenwärtigen Verhältnissen beziehen. Sie legitimieren eine solche radikale, sprich kompromisslose Lebensführung. Halten wir es mit Marc Aurel, werden zu Felsen, an denen sich die Wellen brechen. Wir fragen nicht nach der Wirkung oder Reichweite unserer Lebensweise nach außen oder auf die Politik. Das ist nicht das Entscheidende und lenkt nur den Fokus von unserer Verantwortung und unseren Beitrag für einen gesunden Planeten ab.

Es ist die richtige Entscheidung, das ist Grund genug.

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Anmerkungen zum Text:
1. Weit entfernt von der heutigen vulgären Bedeutung des Wortes «Politik», bedeutet dieses hellenische Wort «Beschäftigung mit den öffentlichen Angelegenheiten». Politis, das griechische Wort für «Bürger», ist aus der «Politik» abgeleitet. Also kann es nur in einer Demokratie, in einer autonomen, sprich selbstregierten Gesellschaft «Politik» geben.

2. Als bestünde die einzige «Alternative» zum Kapitalismus im Staatskapitalismus (Leninismus), wer ersteren also abschaffen will, gedenkt letzteren einzuführen. Diese Demagogie ist deshalb so gefährlich, weil sie zum «Selbstläufer» geworden ist. Es gehört zur heutigen parlamentarischen Realität, dass eines gesagt, aber anderes gemeint wird. Die politische Landschaft krankt an dieser Verkehrung der Begriffe in ihr Gegenteil. Wir reden von Demokratie und meinen Parlamentarismus, wir reden von Aristokratie und meinen Monarchie, wir reden von Sozialismus und meinen Leninismus, wir reden von freier Persönlichkeitsentfaltung und meinen den Kapitalismus. Auch das ist eine Baustelle, die nach unserer Aufmerksamkeit verlangt.

3. Die Lage sieht aussichtslos aus, weil die Völker dumm, feige und träge geworden sind. Wir können der Natur danken, dass das Tier Mensch vernunftbegabt, also zum vernünftigen Denken befähigt ist. Wie Heraklitos sagt, der menschliche Geist muss nicht gefüllt, sondern gezündet werden. Wir müssen uns der Vernunft zunutze machen. Wir bringen mehr Leid in die Welt, als wir imstande sind zu ertragen. Mehr Probleme, als wir lösen können. Am Ende wird nicht nur die Menschheit für diesen Unfug büßen müssen, sondern alle Lebewesen des Planeten. An der zerstörerischen Gewinnerbringung leiden in erster Linie die Tiere, unschuldige Opfer einer immer absurder werdenden Zivilisation. Gegenwärtig sind die Pandabären vom Aussterben und die Waldelefanten vom Genozid bedroht. Aber auch die Not der Meeressäuger darf nicht unserer Aufmerksamkeit entgehen. Delfine, Wale, Roben brauchen irgendjemanden, der sie beschützt und sich für ihre Belange kümmert. Erinnern wir uns an die Worte des Oppianos, wer auch immer Hand an Delfine legt, sich nicht in der Nähe der Götter wähnen noch ihre Altäre berühren darf. Hören wir auf Aristoteles, lernen wir von den Beziehungen der Delfine zueinander. Die zerstörerischen Auswirkungen menschlicher «Markterschließung» auf die Tierwelt sind enorm. Unsere kranke Gesellschaft macht andere Arten krank, traumatisiert sie durch Gewaltakte und beraubt sie ihrer naturgebenen Freiheit zum Zwecke des menschlichen Vergnügens. Der Kampf gegen die Natur verwundet unschuldiges Leben. Das ist Grund genug für Veränderung.

4. Es versteht sich von selbst, dass der Verfasser damit nicht den Leninismus meint, auch wenn dieser sich weiterhin als «Sozialismus» ausgibt; seine kulturelle Identität entstammt nicht den ehemaligen Ostblockstaaten.

5. Weil die Demokratie heutzutage mit Parlamentarismus gleichgesetzt und auf Parteienherrschaft reduziert wird, müssen die Unterschiede hier kurz genannt werden. In der Demokratie regiert das Volk sich selbst, «Politik» ist Angelegenheit und die Pflicht aller Bürger. Gesetzgeber ist das Volk. Im Parlamentarismus regiert das Volk nicht, darf aber eine überschaubare Anzahl von Menschen in ein Parlament wählen, das dann über das Volk regieren soll. Das Volk wählt Regierungen, weil es selbst nicht regieren darf. «Politik» ist die Arbeit Erwählter, die Angelegenheit einer Minderheit. Gesetzgeber ist das Parlament. Die Mitglieder einer parlamentarischen Gesellschaft sind «Untertanen». Das System selbst steht nicht zur Wahl. Den Untertanen wird das Recht gegeben oder zugestanden, zu entscheiden, welche Partei sie regieren und das System verwalten soll. In den politischen Entscheidungen wird es nicht miteinbezogen. So oder so, der Untertan ist zur Unmündigkeit verdammt, wird weiterhin seine Verantwortung gegenüber seiner Gemeinschaft und seine Autonomie an Parteien delegieren müssen. Deshalb: Wer auch immer die Demokratie mit dem Parlamentarismus gleichsetzt, weiß nicht wovon er spricht. Oder er lügt. Jedenfalls schlägt er allen Hellenen ins Gesicht, die im Kampf gegen den persischen, makedonischen, römischen und byzantinischen Absolutismus ihr Leben für die Autonomie der Heimat ließen.

6. Eine Zuständigkeit, folglich auch Verantwortung und Befehlsgewalt, ist in der Demokratie nur bei Gemeinschaftseigentum gegeben. Die Demokratie selbst ist eine Institution, welche auf fünf Säulen steht: Autonomie, Isonomia, Isagoria, Isotimia, Isopoliteia. Das sind die charakteristischen Merkmale der Demokratie. Sie bedingen eine andere Art Mensch. Oberste Pflicht des Staates muss die Erziehung der Kinder zu mündigen Subjekten, zu Bürgern sein.

7. Wenn wir schon bei den antiken Griechen sind, nehmen wir uns auch an ihrem Tieraktivismus ein Beispiel, auch unter Gefährdung unseres eigenen Wohls. Über solche Entscheidungen können wir uns freuen und stolz sein. Im Rahmen unserer Möglichkeiten können wir versuchen den Göttern ähnlich, Ursache für Gutes und Nützliches in der Welt zu werden. Wie die Götter für das Wohl des Kosmos sorgen, so folgen wir ihrem Beispiel, meiden keine Wohltat für das Allgemeinwohl, achten aber auch darauf, nichts in Werk zu setzen, das wir anschließend nicht schultern können.

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