Der Nationalismus und seine Zermalmung der Ethnien

Vlassis G. Rassias: »Ethnos, Ethnismus, Nationalstaat, Nationalismus«, in: Rassias (Startseite: Texts and Interviews Translated into German), zuletzt abgerufen am 6. Gamelion 2791. Auszug aus der gleichnamigen Publikation, übersetzt von Simon Zavrakidis. Von Stilian Ariston korrigiert.

Ethnos, Ethnismus

Nach dem Zusammenbruch des Reiches Karl des «Großen» im Westen, dieses bestialischen Schlächters der europäischen Ethnien, wurde die Welt Jahwes feudalistisch organisiert und strukturiert und überdauerte in dieser Form einige Jahrhunderte, führte dann aber schließlich in eine Sackgasse, aus dem einfachen Grund, weil ihre Zerstückelung aufgrund von Konflikten zwischen ihren Teileinheiten, aber einfach auch weil die Aufstände der unzufriedenen lokalen Untertanenbevölkerung sie verwundbar machte. Dementsprechend beugte sich im Osten das theokratische Byzanz, das nur noch auf dem Papier ein Imperium war, dem Feudalismus, fähig nur noch Steuern einzutreiben, um die unersättlichen Bedürfnisse des Palastes, der Bürokratie und des parasitären Klerus und Parallel-Klerus, «Mönchtum» genannt, zu befriedigen.

Jedenfalls vollzog dieses Modell gleichzeitig den Bruch mit der Epoche, die man heute das «Mittelalter» nennt. Dem verwundbaren Feudalismus des Westens folgte im 16. Jahrhundert der unverwundbare «Nationalstaat», welcher aus den umstürzlerischen Aufständen der Untertanen hervorgegangen ist. In den nachfolgenden zwei Jahrhunderten wurde ganz Europa gezwungen, bis in seine letzten Winkel diesem Beispiel zu folgen. Währenddessen brachte die Menschheit, ungefähr zur gleichen Zeit, auf dem Gebiet der Ideen nicht nur nichts Neues hervor, sondern blieb in der gleichen schauderhaften, geistestötenden Weltanschauung verhaftet und versank zugleich in noch größere Brutalität und Verrohung (wie viele wissen denn, dass die überwältigende Mehrheit der Millionen Opfer der intoleranten Jahwe-Religion nicht im «dunklen» Mittelalter, sondern in der… «leuchtenden» Renaissance ihr Leben verloren haben?).

Fast alle, schon lange selbstentfremdeten europäischen «Ethnien» vereinnahmend, die meisten davon mit erniedrigenden Namen und verfälschter vorchristlicher Geschichte, und Angehörigen, benannt nach Gestalten aus der hebräischen Mythologie und ihrem Priestertum, die sich Hymnen an Jahwe aus dem Hals schreien («Hallelujah» = «Preiset Jahwe!»), gründete sich der neu aufkommende «Nationalstaat» auf zwei Pfeilern. Auf der einen Seite auf einen absolutistischen, gewaltsamen und zentralistischen Herrschaftsapparat, zu Beginn nur «monarchistisch» und natürlich immer «christlich», und auf der anderen auf einer gewaltsamen Homogenisierung seiner Staatsangehörigen; Staatsangehörige, die von nun an sowohl die gleiche Sicht- und darauf basierende Verhaltensweise haben mussten, als Glieder einer homogenen «Nation», in einer Welt, deren erster und eigentlicher Feind die Existenz der Vielfalt war, d.h. der «Ethnien», natürlich im ursprünglichen Sinn des Begriffes (d.h. Gruppen mit eigenen «Sitten und Gesetzen, Sprache und Lebensweise», wie vor langer Zeit von Apollonios festgehalten wurde).

Jedoch wurde diese Schizophrenie überwunden durch die verdrehte, willkürliche Definition des staatlich geschaffenen Pseudo-«Ethnos», einer homogenen Masse von Staatsangehörigen, und nicht einer Stammes- oder Geschlechtsgemeinschaft, die einem gleichen und eingeborenen «Ethos» (Verhalten, Sitte) folgt. Eine kleine Gruppe von Herrschenden entscheidet nach eigenem Gutdünken, dass der kreirten Pseudo-Ethnie einige große Volksgruppen angehören müssen, die natürlich gar nicht gefragt werden, ob sie diesem «Ethnos» überhaupt angehören möchten.

So wurde ein monströser Mechanismus zur physischen und geistigen Unterwerfung geschaffen, der gleichzeitig staatlich wie auch christlich ist: die eigenartige (d.h. von eigener oder besonderer Art) Person oder Gruppe wird in der unerbittlichen Produktion von Untertanen (griech. Ypíkoos = Untertan, bed. einem anderen gehören, unterworfen sein), aber auch ihrer geistigen Unterwürfigkeit endgültig zermalmt (Nietzsche beschrieb im Detail die Weltanschauungen, die Untertanen hervorbringen). Zum ersten Mal in der langen Geschichte der Menschheit wurde aus der ethnischen Identität ein verfallenes Produkt der Gewalt und des Schreckens.

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