Rückforderung der europäischen Identität

Rückforderung der echten europäischen Identität

Vlassis G. Rassias: «Rückforderung der echten europäischen Identität». Rede beim Europäischen Kongress ethnischer Religionen (ECER) «2014» im Litauischen Parlament (Lietuvos Respublikos Seimas) in Vilnius, Litauen am 9. Juli «2014», in: Rassias (Artikel, Interviews, Veranstaltungen), zuletzt abgerufen am 25. September «2014». Aus dem Englischen ins Deutsche v. Stilian Ariston. In seiner Funktion als Sekretär des Obersten Rates der ethnischen Hellenen (YSEE), vertrat Vlassis G. Rassias den Hellenismos auf dem Europäischen Kongress Ethnischer Religion «2014» in Vilnius, Litauen.

Europa ist ein Kontinent, der für Jahrhunderte, viele bemerkenswerte Kulturen, ethnische Traditionen und Zivilisationen hervorgebracht hat, deren gemeinsamer Nenner die Würde und Selbstbestimmung des Menschen war, das Streben nach Tugend und Wahrheit; Ehrfurcht vor dem Heiligen, Respekt vor der Natur; die lebenslange Bestätigung des eigenen Werts und die damit einhergehende Wertschätzung sowie das Ideal der Freiheit.

Doch leider hörte dieser Wandteppich vielfältiger, jedoch sich ähnelnder und ergänzender polytheistischer Kulturen, ethnischer Traditionen und Zivilisationen auf zu existieren, als eine östliche, eigenartige, expansive und intolerante Religion mit Gewalt Einzug fand und die komplette Auslöschung von allem forderte, was die Menschen kannten, heilig gehalten, an sozialen und spirituellen Werten bewahrt hatten. Was dieser beispiellosen Invasion Europas folgte, ist mehr oder weniger bekannt. Vollständiger kultureller und kognitiver Zerfall, Barbarei, Monotheismus, Aberglaube, Hass auf alles, was davor bestanden, politische Autokratie und eine wahnsinnige, überall einfallende Theokratie, moralischer Verfall, Erniedrigung, Völkermord und Ethnozid – und natürlich die Fackeln. Flammen, die gelegt und unglückliche Menschen, Meisterwerke der Kunst und Literatur gleichermaßen verzehrt haben, alles, das direkt oder indirekt die alte «heidnische» Welt verkörperte, deren Vernichtung sich die neuen Machthaber ersehnten.

(© Vlassis G. Rassias)
(© Vlassis G. Rassias)

Die schlimmste Folge all dieser Kalamitäten, war die Zerstörung, der Verlust des Selbstbewusstseins der polytheistischen «Ethnien» Europas und die allmähliche Auslöschung ihrer ethnischen Erinnerungen. Zahlreiche Generationen von unglücklichen Menschen verbrachten ihr ganzes Leben ohne eine rechte Ahnung von Identität zu haben, oder wer ihre Vorfahren gewesen sind und wie diese sich selbst gesehen haben, ohne die Geschichte des Landes zu kennen, das sie bewohnten. Sie vergaßen sogar den Begriff «patris» (patria, Vaterland), und für Jahrhunderte erlebte der Kontinent, wie seine Kinder ihr Leben völlig entfremdet von seiner Seele  fristeten; wie ihnen weisgemacht wurde, sie hätten ihre «Zivilisierung» den bluttriefenden Schwertern Konstantins, Karls des Großen und andrer monotheistischer Schlächter zu verdanken. So preisten sie die Finsternis Licht. Sie gingen sogar so weit, ihre Barbarei und Intoleranz zu exportieren, zunächst in Form von blutrünstigen Kreuzzügen Richtung Osten, später in Form von blutrünstigen «Erkundungen» in die, von ihnen genannten, «neuen Welten».

Flüchtige Eindrücke des verlorengegangenen Lichts der vorchristlichen Ära kehrten erst in den letzten Jahrhunderten in unser geliebtes Europa zurück, und das auch nur durch eine lange, schmerzhafte Reihenfolge von Wiedereinsetzungen, Wiederbelebungen, Revolutionen, Aufklärungsbewegungen und, natürlich auch, durch die schrittweise Wiederaneignung der aufgegebenen echten europäischen Identitäten vonseiten mancher intellektueller Avantgarde der verschiedenen europäischen Ethnien. Seit dem 19. Jahrhundert der Zeitrechnung der arroganten Religion, die es wagte, selbst die Geschichte der Menschheit zu spalten, sind sich die meisten Menschen in Europa der Tatsache bewusst, dass sie nicht eine herkunftlose und amorphe Menschenmasse unter dem Banner des Kreuzes oder des Korans sind, sondern die Nachkommen von historisch existenten und, in ihrer Mehrheit, glorreichen, fortschrittlichen antiken Ethnien sind.

Doch haben einige dieser Europäer, darunter auch wir, ein tieferes Verständnis der Thematik entwickelt. Alle, die den Fluss der Zeit zirkulär und nicht linear wahrnehmen, wissen sehr gut, dass die Geschichte kein Endziel hat, sondern bloß den Trends und Spannungen folgt, die in ihrem Verlauf durch historische Subjekte bei jeder Umdrehung des Rades der Ewigkeit geschaffen werden.

Und sie wissen auch ganz genau, dass jemand, der den Titel des «historischen Subjekts» gewinnen will, in der Lage sein muss, seine Vorschläge und Ideen lebendig und appetitlich auf den Tisch zu bringen, jedes Mal, wenn die Menschheit aufgerufen wird, ihren nächsten Kurs in der unendlichen, stark gegliederten Geschichte einzuschlagen. Für uns ist jede einzelne Tatsächlichkeit ein Link. Jeder einzelne Moment belebt die ganze Vergangenheit und umfasst das Potential der gesamten Zukunft.

Gemäß dieser Anschauungsweise der Dinge, arbeiten wir, die Vertreter der eingeborenen, ethnischen, indigenen, alten, aber immer noch lebendigen Traditionen und Religionen Europas, hart daran, die Frage unserer komplementären Kollektividentitäten aus einem spirituellen Privileg einer aufgeklärten Avantgarde in ein stolzes Bewusstsein und eine Identifikation aller Europäer mit diesem bewundernswerten Mosaik der indigenen Kulturen, eingeborenen Traditionen und Zivilisationen ihrer Ahnen zu wandeln. Wir fordern die europäische Identität zurück. Wir fordern unser echtes Wertesystem und unsere echten Lebensweisen zurück. Unser Ziel ist klar: die einst besiegten, aber nicht gestorbenen Kulturen der Freude, Freiheit, des Polytheismus, der Würde, Pietät, Rechtschaffenheit und, lasst mich noch als Hellenen hinzufügen, der Vernunft, des Humanismus, der guten Gesetzesordnung und Vielherrschaft wiederherzustellen.

Möge das Licht Apollons immer auf Sie scheinen.
Ich danke Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit.

(© Vlassis G. Rassias)
(© Vlassis G. Rassias)
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