Der häusliche Zeus-Kult (Hieropraxie)

DIAS
Göttervater Zeus

THEOLOGIA (Einleitung)

Der Kult des Göttervaters nimmt bei den Hellenen eine besonderen Platz ein, sowohl bei sich zuhause (Oikos), nämlich in der Gestalt von Zeus Hérkeios und Ktēsios, als auch in der Gemeinschaft (Polis). Zeus ist die höchste Instanz im Universum, seine Haupteigenschaften, welche von uns ins Menschliche übersetzt zu Aretai werden (Tugenden), sind Ordnung und Gerechtigkeit. Bei Plethon ist er das hóntos On, das Sein par excellence (Nomoi, zit. in V. G. Rassias, Thyrathen: Das Philosophielexikon, Stichwort: Ontos on, Athen: Anichti Poli, 2006). Darüber hinaus stehen Tapferkeit, Weisheit, Besonnenheit und Gerechtigkeit, die hellenischen Haupttugenden, für die olympische Ordnung des Zeus.

Bevor heutige Menschen ihren Geist auf Zeus fokussieren können, müssen sie in Erfahrung bringen, was Zeus ist. Wie alle anderen Götter auch, ist Zeus eine kosmische Macht, ein Wesen, aber keine Person. Die Gottheiten bilden eine komplexe Einheit. Aus Zeus «ist alles entstanden … Zeus war der zeugende Mann und der ewige Zeus auch die Jungfrau … der Odem des Alls und der Strom nie rastender Wärme … Zeus selbst der Urerzeuger des Weltalls. Eine Kraft, Ein Geist, des Weltalls gewaltiger Urgrund.» (Pyth. Diatheken. Übers. E. Baltzer. zit. in: Inge von Wedemeyer, Die Goldenen Verse des Pythagoras, 4. Aufl., Heilbronn: Verlag Heilbronn, 1993. Von St. Hk. editiert.)

Zeus erscheint u.a. auch als Logos; der kosmische Nous, der Ordnung verleiht. ΖΕΥΣ ΗΝ, ΖΕΥΣ ΕΣΤΙ, ΖΕΥΣ ΕΣΕΤΑΙ. («Zeus war, Zeus ist, Zeus wird sein», verkündet das Orakel des Zeus in Dodona, das wohl älteste hellenische Orakel, Ernst von Lasaulx, Das pelasgische Orakel des Zeus zu Dodona, S. 15, Würzburg 1840.), so auch seine Herrschaft. Aus dem oben Gesagten geht die Haltung hervor, welche wir gegenüber den Göttern, allen voran Zeus, einzunehmen haben. Weder demütig noch überheblich (Hybris) sein oder vor Angst zittern (Deisidaimonia, Aberglaube), dennoch die scharfe Linie zwischen Sterblichen und Unsterblichen achten; mit Aidos, heiliger Scheu an sie herantreten, und doch unseren Stolz bewahren. So beten wir zu Zeus.

HIEROPRAXIA (Ausführung)

Dieser Gottheit opfern wir u.a. Nelken und Styrax-Weihrauch (oder Olibanum). Wein, Früchte und Getreide. Rauchopfer waren und sind im Hellenentum sehr verbreitet.

Ich stelle hier eine Hieropraxie vor, die innerhalb des Hauskult-Rahmens liegt, von der gesamten Familie oder einzelnen Mitgliedern ausgeführt werden kann. Wir bitten Zeus oder Dias, so genannt, weil «durch ihn alles in Erscheinung trat» und Zenas, weil er die «Ursache des Lebens» ist (Diogenes Laertios, 7.147), um Euméneia (Segen), Gesundheit und Aretē. Dieser Ritus kann an dem zu Ehren der Hestia anschließen. (Dieser opfern wir Weihrauch und eine kleine Portion aus unserem Frühstück oder Mittagsmahl.) Das Gebet eignet sich wunderbar, um den neuen Tag zu beginnen; Halten wir uns dabei die Schönheit des Universums, die goldenen Strahlen der Sonne oder die frische Morgenluft vor Augen, wissend um die göttliche Präsenz um uns herum.

 

Die ersten Schritte.

1. Wir waschen uns (vor allem Hände und Gesicht, am besten den ganzen Körper), um Miasma zu vermeiden, und ziehen saubere Klamotten an. Wir zünden eine Bienenwachskerze an (und können dabei auch Hestia anrufen und ihr ein paar Weihrauchkörner opfern).

2. Wir reinigen den Ort oder Raum, bevor wir mit der Hieropraxie beginnen. (Die nähere Umgebung des Altars sollte immer sauber sein.)

3. Haben wir einen Altar und eine Statue des Zeus, bildet er das sakrale Zentrum und fungiert als solches im Ritus, der um diesen gestaltet wird. Am Kultbild können wir einen Kranz anbringen, in das wir purpurne Bänder geflochten haben,

4. Wir besprenkeln die Opfergaben und alle Utensilien mit khérnips (Quellwasser, in das wir Meeressalz gegeben haben). Weil wir unsere Bitte an einen (himmlischen) Olympier richten, halten wir unsere Arme seitwärts gen Himmel gestreckt, die geöffneten Handflächen nach oben zeigend, so dass unser Körper dem Buchstaben Y ähnelt.

5. Wir grüßen den Gott mit «Khaire» (Sei mir gegrüßt). Nennen wir eine (geweihte) Statue unser Eigen, können wir verfahren wie bei W. Burkert beschrieben: «Einem Kultbild oder Heiligtum gilt, auch wenn man ohne besonderes Anliegen vorbeikommt, ein Gruß, ein chaire wie einem Bekannten, oder die Geste eines Kusses, indem man die Hand an die Lippen führt;BB ein kurzes schlichtes Gebet kann sich immer anschließen. Soktates grüßt in dieser Weise auch die aufgehende Sonne.» (Walter Burkert: Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche, 2. erw. Aufl., S. 120, Stuttgart: Kohlhammer, 2011 [org. 1977]. Serie: Die Religionen Der Menschheit, Bd. 15, herausgegeben v. Antes/Gladigow u.a.)

6. Kurz gefasst gehen wir, wenn wir die Götter allein verehren, so vor: Grüße den Gott, bringe deine Opfergaben vor, bete zur Gottheit unter Verwendung ihrer Kulttitel, berichte der Gottheit wie du ihr früher bereits geopfert hast und wie sie dir geholfen hat, trage deine Bitte vor und danke dem Gott am Ende. Ich erinnere daran, dass wir unsere Gebete (Bitten) oder Hymnen (bei großen Zeremonien) laut und klar rezitieren (als Akt der Pietät).

Das von mir verfasste Gebet (siehe unten) ist im Grunde eine Symbiose der Hymne des Kleanthes, der orphischen Hymnen und derjenigen Plethons. Als Alternative dazu kann man die erste Hymne Plethons rezitieren, welche unter der ersten liegt.

«Heil dir,
Höchster unter den Unsterblichen,
du Fürst der Natur,
Anfang und Ende aller Dinge,
ewiger Weltenherrscher,
der du das All lenkst.
Sei mir gegrüßt, Zeus,
und spende uns deinen Segen,
Gesundheit und Aretē.»

oder

«Ζεύ πατέρα, αυτοπάτορα, πρεσβύτατε και δημιουργέ,
πανυπέρτατε βασιλέα, που τα γέννησες όλα, επιφανέστερε από όλους,
εσύ που εξουσιάζεις τα πάντα και είσαι αυτοόν και αυτοένα και το ίδιο το αγαθό·
εσύ ο οποίος από τον άπειρο αιώνα γέννησες αυτά όλα,
όσα μεν (είναι) μεγαλύτερα ο ίδιος και με αυτά τα άλλα,
(έκαμες) όπως και όσο δυνατόν, πιο καλά·
σπλαχνίσου, σώζε,
οδηγώντας μαζί με όλα τα άλλα και εμάς,
διά των επιφανών παιδιών σου, πάντοτε, στα οποία μας ανέθεσες,
όπως ώρισες το πεπρωμένο μας, καθώς έπρεπε.»

Erste Hymne an Zeus von G.-G. Plethon, für das ganze Jahr

«Vater Zeus, Selbstgeschaffener,
erhabenster Gott und Demiurg,
Allerhöchster, der du alles geboren,
und von allen der Größte bist,
über alles herrschst.
Du bist das Sein, das Eine, das Gute selbst,
der du seit unendlicher Zeit alle Dinge erzeugst,
die größten Dinge schaffst aus dir selbst, die anderen
so gut wie möglich,
sei uns gewogen, rette und führe uns zusammen mit
allen anderen Dingen durch deine unfehlbaren,
immerherrlichen Kinder,
denen du uns anvertraut,
so wie du auch unser Schicksal bestimmst,
wie es erforderlich war.»
(Übrs. Stilian Ariston)

Die Reste vergraben wir am nächsten Tag, legen sie in fließendes Gewässer oder gießen sie in Gefäße mit Blumenerde, im Falle von Trankopfern, verbrennen sie (falls dies möglich ist).

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