Der Götterkult darf nicht in den Tempeln abgehalten werden

Hellenen dürfen ihre Götter nicht mehr in ihren Tempeln verehren

Von Stilian Ariston, Freitag, den 5. Juli »2013«

Ab sofort dürfen die ethnischen Hellenen in Griechenland nicht mehr aus religiösen Gründen antike Anlagen und Heiligtümer betreten, um dort die Götter ihrer Vorväter zu verehren. Der Oberste Rat der ethnischen Hellenen (YSEE) beschreibt diesen Akt des »griechischen« Staates als »die eklatanteste Verletzung der Rechte der hellenischen Ethniker durch den der christlich-orthodoxen Theokratie unterwürfigen ›griechischen‹ Staat«. Nun dürfen die Polytheisten nicht mehr aus religiösen Gründen die heiligen Stätten ihrer Ahnen aufsuchen, denn ihnen wird der Eintritt verwehrt. Es scheint, als ob der »griechische« Staat inmitten der Krise sich immer wieder die Zeit nimmt, das Hellenentum zu belästigen und die eingeborene hellenische Religion direkt oder indirekt zu unterdrücken, wodurch der neo-byzantinische Staat, der sich sehr gern als Erbe der griechischen Kultur ausgibt, erneut seinen Anti-Hellenismus unter Beweis stellt.

Während dem Obersten Rat von »2004« bis »2006« der Eintritt in hellenische Tempel-Anlagen erlaubt wurde, soll ihm nun dieses Recht wieder entzogen werden, um angeblich die antiken Anlagen zu schützen. Als stünden diese in Gefahr, auf Grund des Styrax oder der Hymnen an die Götter sich in Luft aufzulösen. Dabei vergisst der neugriechische Staat, dass diese Tempel von den echten Hellenen aus genau diesen Gründen ursprünglich gebaut und verwendet worden sind – um die Götter des Hellenentums zu verehren und ihnen Ehre und Achtung zukommen zu lassen.

Das Verbot wurde vom »Archäologischen Zentralrat« (KAS) in Griechenland in die Wege geleitet. Dieser »wissenschaftliche« Rat untersteht dem Kulturministerium und meint, entscheiden zu dürfen, wer, wo und wann dem religiösen Aspekt seiner indigenen Identität Ausdruck verleihen darf. Das Verbot betrifft nur die Hellenen, nicht die Christen. Diese dürfen weiterhin in alten Kirchen Gottesdienste abhalten, schließlich hat sich der KAS nie mit den religiösen Aktivitäten der Rhomäer/griechischsprachigen orthodoxen Christen befasst. Selbst als das Kloster der orthodoxen Theokraten in Böotien, »in den letzten zehn Jahren die letzten Überbleibsel des Altars des Zeus auf Nimmerwiedersehen verschwinden ließ«, hat sich der »wissenschaftliche« Rat nie eingeschaltet – zehn Jahre lang hat er geschwiegen. Und als der Tempel des Dionysos im gleichnamigen Ort in Athen von christlichen Fundamentalisten demoliert wurde, hatte sich der »wissenschaftliche« KAS nicht zu Wort gemeldet.

Welche ist die »wissenschaftliche« Haltung des KAS, fragt der YSEE, bezüglich der Entwürdigung des Areopag in Athen durch den Abendgottesdienst der Theokraten zu Ehren des Paulus von Tarsus, der der christlichen Legende nach dort gepredigt und seine ersten missionarischen Erfolge verzeichnet haben soll? Welche ist die Position des »wissenschaftlichen« KAS, fragt der YSEE in seiner Pressemitteilung, für die Versammlung der christlichen Priester und das Aufstellen des riesigen Kreuzes auf dem Areopag?

Doch auch diese Fragen werden sicherlich nicht beantwortet werden, wie alle anderen davor auch nicht, denn alle staatlichen Institutionen versuchen so gut wie möglich sich an die »Anweisung« der Theokraten zu halten, die Hellenen systematisch zu ignorieren und zu tun, als gäbe es sie nicht, folgert der Oberste Rat. Das zeigte sich erst vor kurzem wieder, als der angeblich »anderen Religionen tolerante« Bürgermeister von Athen sich weigerte, ein Schreiben der hellenischen Gemeinschaft »Thyrsos« zu beantworten, obwohl er dazu eigentlich verpflichtet ist. Und die Fragen, die die Hellenen von Thyrsos ihm stellten waren eigentlich keine allzu schwierigen:

Sie fragten ihn, ob er die Isonomie und Gleichbehandlung aller Bürger auf religiöser Ebene anerkennen würde und ob er die gleiche Sensibilität, die er für die religiösen Rechte der Moslems in Griechenland an den Tag legt, auch für die religiösen Rechte der Polytheisten Griechenlands gelten lässt.

Doch der Bürgermeister von Athen hat ihnen die Antwort unerklärlicherweise verwehrt, so wie er auch nicht auf die Glückwunsch-Karte der Gruppe reagierte, als diese ihm zu seiner Wahl zum Bürgermeister gratulierte. Wahrscheinlich wird er auch nicht die Frage des YSEE beantworten, ob er einen angemessenen Ort in einem Platz von Athen zur Verfügung stellen würde, damit die ethnischen Hellenen dort auf eigene Kosten eine Bronzestatue des Philosophen Georgios Gemistos Plethon und einen Altar aufstellen können. Dort sollen dann alljährliche philosophische Gedenkveranstaltungen zu Ehren des Philosophen stattfinden.

Wahrscheinlich wird weder der Bürgermeister noch sonst irgend ein Verantwortlicher den Hellenen antworten. Da der selbsternannte »griechische« Staat bisher keinen Finger gerührt hat, um den Hellenen etwas entgegenzukommen oder ihnen bei der Realisierung eines Tempelbaus zu helfen, obwohl er von den antiken griechischen Tempeln und Anlagen, der Geschichte und indigenen Kultur Griechenlands profitiert (Tourismus) – mit denen er seine touristischen Werbungen schmückt, sich selber als »Erbe« des Hellenentums profiliert und sich für die Taten der antiken Griechen selber auf die Schultern klopft, als bestünde ein Band zwischen der griechischen Kultur und dem heutigen griechischen Staat der Romiosini – und die Hellenen ungewollt mit ihren Steuern die Löhne der christlichen Priester mitfinanzieren, damit diese sie dann im Gegenzug besser bekämpfen können.

Eigentlich wäre es die Pflicht des »griechischen« Staates sein vermeintliches »Erbe« zu schützen, zu erhalten und zu verteidigen, doch wirft man einen Blick auf die Behandlung, die er der Kirche angedeihen lässt, muss man schon wieder sein Urteil revidieren, denn man stellt fest: er beschützt sehr wohl sein »Erbe«, nur ist dieses nicht das Hellenentum, sondern die Romiosini.

Wer die Existenz einer Gruppe in Abrede stellt, ihre Religion unterdrückt und nicht anerkennt, der hat kein Recht auf deren Loyalität zu hoffen oder von ihr irgend etwas zu verlangen, vor allem nicht der »griechische« Staat von den ethnischen Hellenen, deren Kultur ihm weder wichtig ist noch zu kümmern scheint – vor allem dann, wenn dieser Staat vom YSEE, dem wichtigsten Träger der hellenischen Kultur und Religion, Gewerbesteuer verlangt, als wäre dieser ein Unternehmen, nicht eine kulturelle Körperschaft, als die er bis dato nicht anerkannt wird.

So liegt der Schutz, die Verteidigung und vollständige Restauration der griechischen Kultur auf den Rücken weniger Hellenen, die auch in Zukunft weiter für das Hellenentum streiten und sich für seinen Erhalt einsetzen werden.

Wer die Entscheidung des »griechischen« Staates bezüglich der Verwendung von antiken Tempelanlagen unerträglich findet, kann gegen diese Entscheidung protestieren und beim KAS seine Beschwerde einlegen: http://www.law-archaeology.gr/Index.asp?C=129

Quellennachweise:

  1. YSEE: Die Profanierung unserer Heiligtümer und die eigentümliche Priesterschaft des Archäologischen Zentralrats, in: Rodos Report (Griechenland). URL: http://rodosreport.gr/bebiloseis-ton-naon-mas/ (zuletzt abgerufen am 5.7.»2013«). Pressemitteilungen Nr. 273 vom 2.7.»2013«. Originalsprache: Griechisch (Titel und ausgesuchte Stellen wurden von mir ins Deutsche übersetzt).

  2. YSEE: Zwei schwierige Fragen an den »anderen Religionen gegenüber toleranten« Bürgermeister von Athen, in: Pan Syrinx (Pressemitteilungen 2013, Nr. 274 vom 3.7.»2013«). URL: Pansyrinx.org/δυο-δυσκολα-ερωτηματα-προσ-τον-ανεξι/ (zuletzt abgerufen am 4.7.»2013«). Originalsprache: Griechisch (Titel und ausgesuchte Stellen wurden von mir ins Deutsche übersetzt).

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