Hellenismos und Neopaganismus

Stilian Ariston, 22.5.»2013«. Aktualisiert und erweitert am: 24.12.»2016«

 

1. Einleitung

2. »Neo-Hellenic Polytheism«

3. Okkultismus und »Neuheidentum«

4. Kirche, Esoterik und neugriechische »New-Age-Bewegung«

5. Schlusswort

Pan und Psyche (24)

1. Einleitung

Ein sehr lang anhaltendes und scheinbar weit verbreitetes Missverständnis, dessen Ursprung im Internet zu finden ist, war mir Anlass diesen Artikel zu schreiben. Der entscheidende Impuls zu diesem Schritt hat in der lexikalischen Datenbank Wikipedia und in der mangelnden Sensibilität seitens eines Teils ihrer Autoren seinen Ausgang genommen. Die Thematik ist eigentlich eine die den Hellenismos nicht beschäftigt, aber indirekt betrifft, weil er von außen damit in Verbindung gebracht wird. Damit ist der »Neopaganismus« gemeint (»Neuheidentum«), eine neue religiöse Bewegung, welche aus dem Okkultismus hervorgegangen ist, ein Sammelbegriff für die magischen Vorstellungen, Lehren und Praktiken des Abendlandes. Der »Neopaganismus« orientiert und beschäftigt sich hauptsächlich mit antiken Religionen, Göttern, Mysterien und Mythen, wie von Okkultisten und »Neuheiden« verstanden bzw. ausgelegt, und bezieht sie in sein System und in seine dem Okkultismus entnommene rituelle Grundstruktur mit ein. Zwischen dem »Neopaganismus« und der New-Age-Bewegung gibt es viele Überschneidungen und unübersehbare Gemeinsamkeiten (z.B. Synkretismus, Berufung auf antike Traditionen, uneinheitliche Weltanschauung), insbesondere im Hinblick auf Struktur und Mentalität, immerhin stammen beide aus der gleichen Quelle. »Die New-Age-Bewegung ist ein Sammelbegriff, der sich auf eine Vielzahl von Personen, Organisationen, Veranstaltungen, Praktiken und Gedanken bezieht. Soziologisch ausgedrückt, handelt es sich nicht um eine zentral organisierte Bewegung mit einer Person als Führer. Obwohl sie Sekten, religiöse Splittergruppen und sogar Denominationen einschließt, ist sie nicht auf irgendeine davon eingegrenzt.«[1] Dieses Zitat ließe sich problemlos auf den »Neopaganismus« übertragen, der wie die New Age Bewegung ständig im Wandel begriffen ist. Der Duden definiert ihn als die »Gesamtheit verschiedener Strömungen moderner nichtchristlicher Religiosität«.[2] Dem »Neopaganismus« werden nicht nur neuere religiöse Bewegungen zugeordnet, wie zum Beispiel die »neue Hexenbewegung«[3] (die sich aus dem Wicca-Kult abgezweigt hat), aber auch wiederhergestellte kulturspezifische Religionen und Traditionen wie die ägyptische (Kemetismus), germanische (Odinismus, Asatru) und römische (Religio Romana) werden mit dem Etikett »neopagan« versehen und dem »Neopaganismus« zugeordnet, obwohl sie zu einer anderen Kategorie von Religion gehören und aus einer anderen Kultur angehören.

Auch der Hellenismos, die eingeborene Religion des Hellenentums[4], wird beispielsweise im Artikel über den »Neopaganismus« auf Wikipedia[5] in die aufgestellte Liste »neopaganer« Glaubensgruppen mit aufgenommen und auf diese Weise zu einer »neuheidnischen« Religion gemacht. Dabei ist er keine »neue Religiosität«, existierte vielmehr bereits in der Antike. Der Hellenismos ist die Kulturtradition der hellenischen Ethnie, also nichts Neues. Doch im Wikipedia-Artikel, in dem mehrere ungenaue und fehlerhafte Angaben gemacht werden, sehen wir ihn zusammen mit diversen anderen ethnischen Religionen aufgelistet, aber auch mit Bewegungen und Gruppen mit Terminologien, Konzepten und Theologien, die Produkte einer komplett anderen Kultur sind (Abendland); Gruppen, die dem Hellenentum fremd und deren Weltanschauungen und Ansichten, von ihren bekanntesten Vertretern einem breiten Publikum zugänglich gemacht, unvereinbar mit seinen Prinzipien sind (z.B. der Eusebeia). Auf der einen Seite ethnische Religionen und auf der anderen »Hexenglauben«, Wicca-Kult, Göttinnenspiritualität, Gaia-Religion, die »Church of all worlds«: »Neopaganismus«. Sogar »okkultistische Strömungen« [sic!] wie A. Crowleys »Thelema, der Luziferianismus, Temple of Set«, die Gnosis, Kabbala und sogar die Hermetik finden im gleichen Wikipedia-Eintrag eine explizite Erwähnung. Obendrein ist von nebulösen »Überschneidungen« zwischen diesen okkultistischen Strömungen und manchen »neopaganen« Gruppen die Rede, wodurch bei den Lesern der Eindruck entstehen könnte, der Hellenismos würde in irgendeiner Form Beziehungen zu diesen Gruppen unterhalten, dabei befürwortet er den Kampf gegen die Ausbeutung und Kommerzialisierung indigener Traditionen, wie zum Beispiel die der Lakota durch die New-Age-Bewegung, und lehnt folgerichtig auch das »Neuheidentum« und den Okkultismus, »Erzeugnisse« des christlich-esoterischen Monotheismus, ab.[6] Ebenso wird zwischen Hellenismos und dem »Neopaganismus« in Griechenland überhaupt nicht differenziert, wie uns das Bild vom sogenannten »Tempel der Hellenisten in Thessaloniki« in den Wikipedia-Einträgen »Neopaganismus« und »Hellenismos (Religion)« vor Augen führt. Und das wohlgemerkt, obwohl auf der Diskussionsseite zu den Einträgen mehrmals Weblinks zum Abruf bereitgestellt und darauf hingewiesen wurde, dass besagter »Tempel« nicht hellenisch ist und von Anhängern des »Archäozentrismus« gebaut wurde. Selbst der christliche Theologe und Religionswissenschaftler Vasilios Makrides, der sicher nicht zu den Freunden der ethnischen Hellenen gehört und zwischen ihnen und den griechischen »Neuheiden« offenbar nicht unterscheiden möchte, weiß zwischen Hellenen und »Hellenozentristen« zu trennen (Vasilios N. Makrides: Hellenic Temples and Christian Churches, S. 269, New York/London 2009). Das will den Wikipedia-Autoren anscheinend nicht gelingen.

Der Hellenismos wird mit Gruppen in eine Schublade gesteckt, die ihm genauso fremd sind wie beispielsweise der Islam oder das Mormonentum. Das einzige, das die ethnische hellenische Religion mit den erwähnten »neuheidnischen« zu verbinden scheint, ist ihr vermeintlich »heidnischer« Charakter, will heißen: sie alle sind nicht christlich. (Wie sie auch alle nicht-islamisch, nicht-buddhistisch, nicht-hinduistisch und nicht-jüdisch sind.) Diese Deutung und Klassifizierung bzw. Kategorisierung unterschiedlichster Kulturen und religiöser Traditionen ist ganz offensichtlich von einem christlich-zentrierten Vorverständnis geprägt und kann auf Grund der gegebenen Willkür keinen Anspruch auf Gültigkeit erheben. Die ermittelte Haltung und Beziehung der jeweiligen animistischen Religion zum Christentum liefert kaum brauchbare Daten für ihre Klassifizierung oder Identität. Eine nicht-christliche Identität oder Verneinung des Christentums sagt bloß aus, was eine bestimmte Religion nicht ist. Aus der nicht-christlichen Identität einer Religion lassen sich keine essentiellen Gemeinsamkeiten zwischen ihr und anderen nicht-christlichen Religionen konstruieren, die obendrein auch noch eine gemeinsame Religionskategorie bilden sollen. Das gilt insbesondere für den Hellenismos, der nicht nur Kult und Pietät ist, sondern auch die hellenische Bildungstradition (Padeia), die Identität und das identitätsstiftende Ethos der hellenischen Ethnie mit einschließt[7]. Die Religion ist nur ein Element der hellenischen Identität und die kann nicht auf dieses eine Element reduziert werden. Den Hellenen geht es bekanntermaßen nicht nur um die traditionelle Götterverehrung, sondern um die Rückkehr zu ihrer eigenen Identität, die eben auch diese Religion umfasst – inwiefern hierin ein »Neuheidentum« ausfindig gemacht werden kann, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber das betrifft nicht nur den Hellenismos, sondern auch andere ethnische Religionen wie die Romuva und Dievturi. Auch in diesen Fällen wird die Kontinuität in der Sprache, in den Sitten und Bräuchen einfach übergangen. Wenn Menschen, die zu ihrer genuinen Kultur zurückkehren automatisch zu »Neuheiden« werden, nicht etwa Angehörige einer Ethnie, sondern Anhänger einer neuen religiösen Bewegung sein sollen, was sagt das dann über die Lakota aus? Sind das auch »Neuheiden«? Denn gemäß Wikipedia landen Völker oder Gruppen, welche sich auf ihre eigene Weltanschauung und Kultur besinnen, automatisch im »Neopaganismus«. Aber die fehlende Einsicht in die Relativität der eurozentristischen Sichtweisen gewährt uns wiederum einen tiefen Einblick in den religionswissenschaftlichen Dilettantismus hinter der Maske der Wertneutralität.

Selbstverständlich wird kein einziger Nachweis gebracht, der die These oder den Schluss stützen würde, inwiefern eine Religion wie der Hellenismos der Kategorie »Neuheidentum« zugeführt werden müsste. Einen solchen Nachweis kann es auch nicht geben, doch kann diese Tatsache nur dann einleuchten, wenn das Wesen des Hellenismos und die Kontinuität der hellenischen Sprache zur Kenntnis genommen wird. Kein einziger wissenschaftlicher Beleg wird angeführt, der die Auflistung des Hellenismos als »Neuheidentum« rechtfertigen würde. Weshalb sind die ethnischen Hellenen denn »Neuheiden« und keine Neu-Hinduisten oder Neu-Mormonen? Weshalb soll der Hellenismos, eine ethnische Religion, zu dieser und nicht zu einer anderen Bewegung gezählt werden? Ich hätte sehr gern die dahinterstehende Logik erklärt bekommen, aber leider war niemand auf Wikipedia bereit, mir vernünftige Antworten auf diese Fragen zu geben. Abgesehen davon zeugt der Artikel von einer außerordentlichen Geschmacklosigkeit und Ignoranz gegenüber der Geschichte der hellenischen Ethnie. Vor dem Hintergrund des kulturellen Völkermordes des Byzantinischen Reiches und seiner Kirche an den Hellenen, zeugt die Bezeichnung des Hellenismos als »neopagane« Religion im glücklichsten Falle von fehlender Sensibilität, wenn nicht sogar von einer Verhöhnung der Opfer, wie sie von kirchlichen Kreisen betrieben wird, die etwa Juvenalios einen »Neu-Götzendiener« und »Neopaganisten« nennen. Der »Paganismus« ist eine von den alten Christen eingeführte Bezeichnung für die traditionellen Kulte, die damit gedemütigt und in die Gosse gezogen werden sollen. Ein derartig definierender Gebrauch dieses Begriffes für die ethnischen Hellenen gleicht der »Bezeichnung« eines Afro-Amerikaners als »Neger«, eines Juden als »Judensau« oder eines Lakota als »Wilder«. Nicht zu vergessen, dass die Kirche in Griechenland die Hellenen weiterhin als »Neopaganisten«, »Götzendiener« und »Teufelsanbeter« denunziert. Aber Wikipedia ist schließlich keine neutrale Quelle.

Der Hellenismos ist keine »religiöse Bewegung«, sondern die Kultur und Lebensweise des hellenischen Volkes, seine Identität. Der zeitgenössische Hellenismos verdankt seine heutige Existenz zwar der Rehellenisierungsbewegung (Rehellenisierung), jedoch stellt er selbst keine Bewegung dar. Die Rehellenisierungsbewegung selbst wird zu den europäischen Revitalisierungsbewegungen gezählt und unterscheidet sich als solche fundamental vom »Neopaganismus« (Evgenia Fotiou, »We are the Indians of Greece«: Indigeneity and Religious Revitalization in modern Greece, CrossCurrents, Juni 2014, S. 219). Die Hauptträger und Repräsentanten des Hellenismos sind der Oberste Rat der ethnischen Hellenen (YSEE) und die Kultgemeinschaft LABRYS. Beim YSEE handelt es sich im Kern um eine nativistische Bewegung. Eine nativistische Bewegung ist: »Jedes bewusste, organisierte Bestreben von Mitgliedern einer Gesellschaft, ausgewählte Aspekte ihrer Kultur zu revitalisieren oder weiterzuführen« (Ralph Linton: Nativistic Movements, in: American Anthropologist, Band 45, Nr. 2, 1943, S. 230). Diese »Bewegung« wurde von Kaiser Julians Restaurationspolitik angestoßen und von Plethon fortgesetzt. Zwar stellt die Rehellenisierung keine ungebrochene Bewegung dar, zumindest lässt sich das Gegenteil aufgrund fehlender Verbindungslinien schwer nachweisen, sondern vielmehr einen polydimensionalen organisierten Handlungsstrang, der nur ein einziges Ziel kennt: die Wiederherstellung der hellenischen Kultur und Lebensweise. Der Aufsatz der Anthropologin Dr. Evgenia Fotiou ist diesbezüglich von großer erhellender Bedeutung.

Der Hellenismos wurde von Menschen wiederhergestellt, die sich auf den Weg zu ihrer eigenen Kultur und zu ihrem »väterlichen Ethos« machten. Zur eigentlichen Kultur Griechenlands. Unsere Progressivität darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir Traditionalisten sind. Das alles steht in keiner signifikanten Relation zum »Neuheidentum« oder zum Okkultismus (»moderne nicht-christliche Religiosität«), welche keine traditionellen Religionen, sondern eher Sammelbegriffe für religiöse Gruppen, Praktiken und Anschauungen des Okzidents darstellen. »Neuheiden« und Okkultisten sind weder Ethniker noch kümmert sie die Restauration von indigenen Religionen. Zudem ist ihre Nähe zum jüdisch-christlichen Monotheismus evident, selbst wenn dies gelegentlich verleugnet wird. (»Die Verleugnung gehört zur Industriegesellschaft«, schreibt der deutsche Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer in seinem Buch Die Angst vor Nähe, S. 142, Reinbek bei Hamburg 1985.) Beide sind Geschöpfe der christlichen Welt. Aber die hellenische Kultur ist eine Alternative zum Christentum, zum Abendland und seinen religiösen Splittergruppen. Gerade weil er eine Alternative zum Christentum, seinen Werten, Prinzipien und seiner Kultur insgesamt ist, kann der Hellenismos nicht allen Ernstes mit Gruppen assoziiert werden, die völlig andere Ziele verfolgen, von Okkultisten entworfenen Theologien anhängen (etwa den Duotheismus[8]) und zum Abendland gehören.

Aber, dass die entfremdenden und aus einer anderen kulturellen Perspektive herrührenden Begriffe »Neopaganismus und Neuheidentum … vom Hellenismus und einigen altheidnisch-germanischen und neokeltischen Gruppen … als pejorative Fremdbezeichnungen völlig abgelehnt« werden, scheint letztlich auch auf Wikipedia zur Kenntnis genommen worden zu sein. »Als Eigenbezeichnung favorisieren diese, wie auch Teile der Wicca-Bewegung, den Begriff ›Alte Religion‹ oder ›Naturreligion‹«. Diese Aussage ist wiederum falsch. Der Hellenismos ist »keine Naturreligion« (Stilian K. Ariston: Ein kurzer Einblick in den Hellenismos, vom 29.3.»2013«). Wie es zu dieser Aussage gekommen ist, bleibt ein Geheimnis; jedenfalls gibt es weder einen Vermerk hierzu noch wird ein entsprechender Beleg angegeben. Doch trotz fehlender Belege besteht Wikipedia weiterhin auf das Dogma: der Hellenismos ist ein »Neuheidentum«. Schauen wir uns also die angeblichen (»zentralen«) Ziele des »Neuheidentums« genauer an.

Die Ziele des »Neuheidentum« (Quelle: Wikipedia)

Die Ziele des »Neuheidentums« sollen gemäß Wikipedia folgende sein: 1. Schutz der Umwelt, 2. »Erleben der Kräfte der Natur, die sich in Gestalt der Göttinnen und Götter anrufen lassen«, 3. »besondere Bedeutung des weiblichen Prinzips«, 4. »Abwendungen von einer Priesterreligion, Betonung des direkten Glaubenserlebnisses und dezentrale Organisationsform«, 5. »kein dogmatisches Glaubensbekenntnis, stattdessen individualisiertes Erleben von Gläubigkeit und Vielfalt gleichberechtigter Kulte«, 6. »möglichst naturnahe Lebensweise in einer hoch technisierten« Welt, 7. Kritik an monotheistischen Religionen wie dem Christentum, 8. »weltweite Verbreitung neuheidnischer Kulte als Glaube an viele Gottheiten, in Europa Bezug auf germanisches, keltisches, wendisches Neuheidentum, in Amerika auch Bezug auf indianische Stammesreligionen«, 9. »Betonung der Freiheit des Einzelnen«.

Wikipedia stützt sich hier auf zwei Quellen, die beide nichts über den Hellenismos aussagen: 1.) die private Webseite eines gewissen Eric S. Raymond: Neopaganism-FAQ und 2.) Kathrin Fischer: Das Wiccatum: Volkskundliche Nachforschungen zu heidnischen Hexen im deutschsprachigen Raum, Würzburg 2007. Raymond stützt sich wiederum auf Veröffentlichungen von Margot Adler, Starhawk, Robert Shea und Robert Anton Wilson, Joseph Campbell und Isaac Bonewits, die in der »amerikanischen neuheidnischen Szene« hohes Ansehen genießen, aber den ethnischen Hellenen unbekannt und für den Hellenismos irrelevant sind.

1. Der Schutz der Umwelt ist den ethnischen Hellenen wie allen anderen verantwortungsbewussten Menschen ein wichtiges Anliegen, nicht nur aus Respektgründen gegen den Oreaden und Dryaden, sondern auch wegen unserer Verantwortung gegenüber unserer Heimat und den zukünftigen Generationen, die es sicher nicht verdienen, toxische Müllberge zu erben. Aber das ist kein ausschließlich »neuheidnisches« oder hellenisches Anliegen, sondern eher ein Gebot der Vernunft 2. Das würde nur dann auf den Hellenismos zutreffen, wenn seine Götter personal gedachte Naturkräfte wären. Wer die raue Natur erleben will, der braucht keinen Hellenismos; mit einem Skiurlaub, Bergsteigen oder Surfen wäre ihm/ihr am besten gedient. 3. Ein solches »Prinzip« interessiert nicht. Unsere Götter sind geschlechtslos und die aus der Zeit gefallene Frage nach der Gleichstellung von Frau und Mann wird mit der Aussage beantwortet, dass sie vorliegt, unabhängig davon, ob Gesellschaften sie anerkennen oder leugnen. 4. Der Hellenismos war nie eine Priesterreligion, dennoch ist er organisiert. Im Mittelpunkt steht nicht der »Glaube«, sondern die Opferriten. 5. Das Hellenentum ist kollektivistisch strukturiert. Das bedeutet, dass die Gemeinschaft an erster Stelle steht und dem Individuum übergeordnet ist 6. Kommt darauf an, wie man »natürlich« definiert. Wir definieren als natürlich, was von Natur aus gegeben war und vom Monotheismus zerstört wurde (»Ethnozid«): dass jedes Volk seine eigene Identität hat (»Ethnismus«) und eine seinen ureigenen Sitten und Tugenden entsprechende Lebensweise pflegt. Davon kann heute keine Rede sein, zumindest nicht in Europa. Diese natürliche Vielfalt der Ethnosphäre muss wiederhergestellt werden. Natürlich ist, dass Völker ihrem genuinen Ethos folgen, nicht einer Identität, die ihnen aufgezwungen wurde. 7. Man versucht den Monotheismus zu überwinden, nicht zu kritisieren. Es würde den Völkern zum Vorteil gereichen, wenn sie erfahren, wie ihre Ahnen christianisiert wurden und dass die antike Christianisierung in vielen Fällen eigentlich nichts weiter war, als eine kulturelle Massenvernichtung; durch das Aufzeigen von Wahloptionen sollen sie in die Lage versetzt werden, zu ihrer ureigenen Kultur zurückzukehren, falls dies möglich und erwünscht ist. 8. Wird auf keinen Fall beabsichtigt. Wünschenswert wäre eine Rückkehr der Völker zu sich selbst und zu ihren eigenen Kulturen, Tugenden und Religionen, nicht zu neuen religiösen Bewegungen. Der Bezug auf die hellenische oder indianische Tradition ist zwar evident, wird aber weder von Hellenen noch von den amerikanischen Ureinwohnern begrüßt, ganz im Gegenteil. Die Hellenen sehen es wie die Lakota-Indianer: Symbole, Götter und Mythen ihres Volkes sollen nicht verzerrt, kommerzialisiert, der Lächerlichkeit preisgegeben und mit widersinnigen Inhalten besetzt werden. 9. Das Gemeinschaftswesen wird betont. Freiheit kann nur dann existieren, wenn die Gedanken in unseren Köpfen tatsächlich unsere eigenen sind und uns nicht vom Eroberer »indoktriniert« wurden.

Ziele hellenischer Kollektive

Die Ziele des Hellenismos sind andere: Verständnis für alle anderen ethnischen Kulturen. Anerkennung des Hellenismos als Körperschaft des öffentlichen Rechts in Griechenland. Bau eines hellenischen Tempels, öffentlicher Altäre, Heiligtümer und einer polytheistischen Bibliothek. Gründung einer hellenischen Schule. Gesellschaftliche Anerkennung des hellenischen Genozids. (Vlassis G. Rassias über die Anerkennung der hellenischen Religion und Tradition, am 05. April »2014« in den Hallen des Ekatyvolos. Siehe auch: Ziele des Hellenismos.) Die gravierenden Unterschiede zwischen Hellenismos und »Neuheidentum« sind nicht von der Hand zu weisen, dafür sind sie viel zu offensichtlich. Als sich mehrere hellenische Kollektive zum YSEE zusammenschlossen, geschah dies nicht der Förderung der eigenen Kreativität, der Betonung des »weiblichen Prinzips« oder der Naturverbundenheit wegen. Die Gründe waren der Schutz der eingeborenen Tradition Griechenlands, die Rückkehr zur eigenen Kultur und Lebensweise und die Verteidigung des Hellenentums vor seinen Gegnern (Nationalismus, Fundamentalismus). Nur für diese Ziele haben einige Hellenen in Griechenland »Kopf und Kragen« riskiert.

Wie kann also eine Religion wie der Hellenismos »neuheidnisch« sein, wenn er sich vom »Neuheidentum« unterscheidet? Das »Neuheidentum« ist keine ethnische Religion, hat keine indigene Identität oder antike Wurzeln. Das »Neuheidentum« ist keine Alternative zum Abendland und nicht an der Restauration der Ethnosphäre interessiert. Das »Neuheidentum« ist nicht im Europäischen Kongress der ethnischen Religion (ECER) vertreten und seine Verbände widmen sich gänzlich anderen Zielen. Das »Neuheidentum« speist sich aus dem Okkultismus, der New-Age- und New-Thought-Bewegung, deren Pioniere alles Christen gewesen sind (Cornelius Agrippa von Nettesheim, William Wynn Westcott, Samuel Liddell MacGregor Mathers, William Robert Woodman, Doreen Fortune und viele andere mehr). Wo genau sollen da Überschneidungen liegen? Als ich auf Wikipedia auf diese Fakten aufmerksam machte, wurde ich darüber unterrichtet, dass alle antiken Religionen, die in der heutigen Zeit rekonstruiert wurden, »neuheidnisch« seien. Wie kann es aber ein neues (noch dazu romantisch verklärtes) »Heidentum« geben, wenn es kein altes »Heidentum« gegeben, jedes vermeintliche »Heidentum« nur in den Köpfen der Monotheisten existiert hat? Oder weiß man nicht, dass das »Heidentum« eine Erfindung des Christentums ist? »Der sehr komplexe, sowohl den religiösen Kult wie die Intelligenz umfassende Begriff ›Heidentum‹ […] entstammt natürlich nicht der Wissenschaft, sondern der Theologie, geht auf spätjüdisch-neutestamentliche Zeit zurück und ist entsprechend negativ abgestempelt.«[9] Folglich kann es sich beim »Neuheidentum« nur um eine andere religiöse Strömung handeln, eben um eine neue, keine antike. Den Hellenismos gab es aber schon vor der Moderne. Wahrscheinlich haben die Verfasser des Artikels nie davon gehört, dass die Bewohner des Dorfes Eleusis bei Athen bis ins 19. Jh. der Demeter huldigten (I. Kakridis: Die alten Hellenen im neugriechischen Volksglauben, München 1967). Ganz zu schweigen von anderen Dingen, die ihrer Aufmerksamkeit entgangen sind. Aber wenn das »Neuheidentum« tatsächlich ein Sammelbegriff für rekonstruierte ethnische Religionen sein soll, wie erklärt sich dann die Präsenz des Wicca-Kultes, des »Hexenglaubens« oder Thelemas im Artikel? Sind das auch antike, rekonstruierte ergo »neopagane« Religionen? Der Artikel zeugt von einer extrem schlechten Kenntnis der Materie. Die zu bemängelnden Wissenslücken über die Geschichte des Hellenismos lassen nur eine Schlussfolgerung zu: eine vorausgehende Recherche und Auseinandersetzung mit den ethnischen Hellenen hat es nicht gegeben. Das zeigt sich deutlich in der Einbindung eines Bildes in den Artikel, das einen angeblich »modernen griechischen Tempel« zeigt, der in Wahrheit ein »Tempel« der neugriechischen E(psilon)-Bewegung ist[10]. E(psilon) bezeichnet eine in den 1990er-Jahren formierte nationalistisch-mystizistische Ufo-Bewegung in Griechenland, ähnlich der amerikanischen New-Age Bewegung, die sich mit der eingeborenen hellenischen Religion im Konflikt befindet[11, 12]. Sie vereinigt in sich eine Vielzahl unterschiedlicher Elemente, die in ein zentrales soteriologisches Motiv zusammenlaufen. So verkünden Epsilonisten turnusmäßig die Errettung Griechenlands, das in ihren Katastrophenszenarien seinem Untergang entgegensieht, durch die von ihnen zu »außerirdischen Vorfahren« der Griechen oder zu »Engeln« des Christengottes degradierten Olympier. Gleichzeitig versuchen sie mittels Verschwörungstheorien den Hellenismos und seine Kollektive in Verruf zu bringen. Jedenfalls wird der »Tempel« der Epsilonisten in Thessaloniki als Tempel der Hellenisten ausgegeben, dabei besitzt der Hellenismos nicht einmal einen eigenen Tempel. Eine kurze Anfrage beim YSEE hätte dies bestätigen können. Ein Blick auf die Bilder von griechischen Tempeln hätte es aber auch getan. Griechische Tempelarchitektur sieht etwas anders aus. Jedenfalls lässt sich besagter »Tempel« weder dem korinthischen noch dem ionischen oder dorischen Stil einordnen. Epsilon (E) ist der fünfte Buchstabe des griechischen Alphabets und der erste Buchstabe der griechischen Wörter für Hellene und Hellas.

Es kann gut sein, dass hinter dieser Darstellung des Hellenismos Absicht steht. Ähnliche Aktionen wurden in jüngster Vergangenheit mehrfach von orthodoxen Fundamentalisten und Nationalisten ausgeführt. Die hatten offenbar nichts Besseres zu tun, als diverse griechische Foren zu infiltrieren, um durch Behauptungen und Falschmeldungen den Hellenismos zu diskreditieren[13]. Selbstverständlich behaupten sie auch, dass der Hellenismos eine »neopagane« Sekte sei. Aber die Verleumdungskampagnen gegen den (von »jüdischen und anderen fremden Mächten gesteuerten«) »Neo-Götzenkult«, wie sie den Hellenismos nennen, beschränken sich in aller Regel auf Griechenland und Zypern. Deshalb scheint mir der Fall Wikipedia eher der Ignoranz geschuldet zu sein, abgesehen davon werden christlich-nationalistische Kampagnen gegen den Hellenismos im deutschsprachigen Raum eher selten geführt. Aber Wikipedia ist nur ein Beispiel von vielen und sicher nicht die Ursache des Problems. Wikipedia ist vielmehr ein Symptom. Diese Tragikomödie findet auf vielen weiteren Webseiten Licht und Bühne; der Hellenismos wird als alles erdenklich Mögliche bezeichnet, nur nie als die traditionelle Religion und Lebensart der Griechen. Wir Hellenen können solche falschen Behauptungen nicht unkommentiert durchgehen lassen, denn sie behindern die Rehabilitierung unserer Tradition und zeichnen ein lächerliches Bild von der Realität, dessentwegen die Gefahr besteht, von der Weltgemeinschaft nicht ernst genommen zu werden. Keine Bewegung kann auf Unterstützung aus der Bevölkerung hoffen, wenn sie absurd oder kitschig erscheint. Deshalb die Fragen: 1. Wenn es bereits früher keinen »Paganismus« gab, wie könnte es heute einen neuen »Paganismus« geben? 2. Wie kann eine Religion, die den »Neopaganismus« ablehnt oder ihm grundlegend widerspricht, ihm nahe stehen? 3. Was verbindet den »Neopaganismus«, ein neues religiöses Phänomen, mit den ethnischen Religionen Europas? Nichts, lautet unsere Antwort.[14] Nicht nur die Weltanschauung, auch die Ziele sind andere; nichts Essentielles eint den europäischen Polytheismus mit dem »Neopaganismus«. Es liegt weder eine gemeinsame neuere Geschichte noch eine Terminologie oder ein gemeinsames Tugendsystem vor. Es besteht nicht einmal eine Verwandtschaft zwischen diesen Gruppen und den ethnischen Religionen Europas. Hellenische Organisationen schließen den Dialog mit »neuheidnischen« Gruppierungen zwar nicht aus, dafür aber die Zusammenarbeit mit ihnen. Auch Ralph Harrison (alias Ingvar), Oberhaupt der »Odinist Fellowship«, lehnte eine Zusammenarbeit mit okkultistischen und »neuheidnischen« Bewegungen ab, wegen der Gefahr, eben mit diesen Bewegungen verwechselt zu werden.[15] Der YSEE kooperiert nur mit ethnischen Religionen, vorzugsweise mit denen, die, wie er selbst, im Europäischen Kongress Ethnischer Religionen vertreten sind. Weshalb auch mit Gruppen zusammenarbeiten, die einem genauso gleichgültig oder fremd sind wie beispielsweise die Zeugen Jehovas oder Scientology? 

Ein weiterer Grund für diese Haltung ist der diametrale Widerspruch zwischen der hellenischen Weltanschauung und dem »Neuheidentum«. Man braucht doch nur hellenische mit »neuheidnischen« Foren oder Publikationen zu vergleichen, um auf die unüberbrückbaren Interessen und Bezugssysteme zu stoßen. Der Hellenismos steht dem »Neuheidentum« und dem Okkultismus genauso ablehnend gegenüber wie dem Christentum oder dem Nationalismus; wesentliche Konzepte und Vorstellungen in Okkultismus und »Neuheidentum« stammen aus der christlich-säkularen Welt oder stehen deutlich unter ihrem Einfluss.[16] Deshalb fällt es auch so vielen Okkultisten und »Neuheiden« schwer, die ethnischen Götter der alten Griechen und ihren Polytheismus zu verstehen, denn sie schauen aus einem falschen, der historischen Wirklichkeit inadäquaten Blickwinkel auf sie, weswegen sie immer bei Deutungen der Götter landen, welche zu Sackgassen führen, eben weil ihnen das nötige Verständnis und die kulturelle Innenperspektive fehlt. »Neuheidnische« Konzepte (»Annehmen der Gottform«, »Arbeiten mit Göttern«) und Begriffe (»Weicher Polytheismus«, »Rekonstruktionismus«) sind den meisten Hellenen fremd; sie haben nie davon gehört. Die US-amerikanische Hellenisten kennen z.B. den »Rekonstruktionismus«, verstehen ihn aber als eine Wiederherstellungs-Methode, nicht als eine »Ausrichtung« innerhalb des »neopaganen« Spektrums. Abgesehen davon entwickelte sich der heutige Hellenismos unabhängig vom »Neuheidentum«, lange vor dessen Entstehung. Seine Startbedingungen waren andere und die Erfahrungen der Verfolgung, des Kulturmords und die zu allen Zeiten hervorgehobene indigene-hellenische Identität prägen bis in unsere Zeit die Bewusstheit der ethnischen Hellenen. (Nicht von ungefähr heißt es auf dem Cover der digitalen Version des Memorandums des YSEE an den griechischen Staat vom Jahr 2.006: Wir sind die »Indianer« Griechenlands.[17] Viele Hellenen studierten den indianischen Widerstand und die meisten von uns fühlen sich der AIM verbunden. Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den Ureinwohnern Nordamerikas und den ethnischen Hellenen.[18])

Aber davon mal abgesehen, ist zu konstatieren, dass die Rehellenisierungsbewegung und der zeitgenössische Hellenismos älter sind, als das »Neuheidentum« und aus einer völlig anderen Welt, einer kollektivistischen, stammen. Das »Neuheidentum« hingegen ist extrem individualistisch, befolgt keine antike Orthopraxie, orientiert sich nicht am antiken Tugendsystem oder am hellenischen Ritualismus. Außerdem ist das »Neuheidentum« nicht an der Überwindung des Christentums interessiert – eine Überwindung des Christentums durch eine parachristliche Bewegung wäre ja auch wenig sinnvoll – und lässt auch keine Nähe zum antiken Wesen erkennen. Es orientiert sich nicht an die historische Wirklichkeit noch wird der Aufbau einer harmonischen Beziehung zum Ursprünglichen als wichtig erachtet. Richtig ist, was sich »gut« anfühlt, was der eigenen Kreativität förderlich ist, nicht, was historisch korrekt, möglich, wahrscheinlich oder den »väterlichen Sitten« entspricht. Das ist nicht per se schlecht, aber es ist etwas anderes, als das, was der Hellenismos vertritt. Wird diese Einstellung angesprochen und vom traditionellen Polytheismus differenziert, fühlen sich »Neuheiden« und Okkultisten gleichermaßen beleidigt. Vom Recht der Selbstdefinition ist dann die Rede oder vom Dogmatismus der »anderen«. Die eigene Inszenierung wird nicht überdenkt, was aber dringend notwendig wäre.

2. »Neo-Hellenic Polytheism«

Dieses für das »Neuheidentum« typische Charakteristikum zeigte sich aufs neue bei der Gründung einer neuen »neuheidnischen« Strömung, die sich den Namen »Neo-Hellenischer Polytheismus« (im Folgenden NHP) gab. Der »NHP« wurde vom »Neuheiden« und Okkultisten Chris Aldridge erfunden, der den hellenischen Polytheismus als »Glaube an die griechischen Götter« auslegt. Wer ausschließlich das griechische Pantheon verehrt, der sei, so Aldridge, ein hellenischer Polytheist. Dass es in der hellenischen Religion nicht um »Glauben«, aber um die Praxis »nach väterlicher Sitte« geht, scheint er nicht verstanden zu haben.

Zusammen mit seiner Frau eröffnete er »2010« den »Tempel der griechischen Götter« in North Carolina. Dort verehrte er und eine kleine Anzahl Gleichgesinnter die griechischen Götter auf »neuheidnische« Weise, praktizierte »neopagane« Rituale und bot Interessierten an, für sie die Tarot-Karten zu legen. Es bedarf nicht viel, um zu erkennen, dass der NHP nur eine von sehr vielen »neuheidnischen« Gruppierungen darstellt, die sich ägyptisch, keltisch, germanisch usw. nennen, ihre Zeremonien und Rituale indes aus dem Fundus des modernen Okkultismus entnehmen. Ein Etikettenschwindel. Mit der Tradition der Hellenen hat das freilich wenig gemein. Als diese Gruppe so weit ging, sich als Teil der hellenischen Religion zu präsentieren, nicht des »Neuheidentums«, die hellenische Religion neu definierte, nämlich aus einem »rekonstruktionistischen« (Hellenismos) und einen »lockeren« (NHP) Teil bestehend – dabei existiert so etwas gar nicht im Hellenismos, der keine Strömung, sondern die Bezeichnung für die hellenische Tradition ist – und sogar die »neuheidnische« Magie (!) zu einem zulässigen Element der hellenischen Religion erklärte, was die »neopagane« Identität dieser Gruppe unterstreicht, meldeten sich zusehends US-hellenische Polytheisten zu Wort. Daraufhin kam es zur Konfrontation mit Chris Aldridge. Der Streit wurde öffentlich im Internet ausgetragen. Die Hellenisten waren nicht bereit, den Missbrauch des Namens und der Symbole ihrer Religion einfach hinzunehmen. Im Kern ging es ihnen darum, die Verbreitung von falschen Informationen zu verhindern, die ein verzerrtes Bild vom Hellenismos skizzieren. Der Versuch dieser »Neuheiden« im Hellenismos anzudocken, wurde abgeschmettert und die vermeintliche Nähe dieser Gruppe zum Hellenentum von hellenischer Seite rigoros abgestritten. Andernfalls bestünde die Gefahr einer Verfremdung oder Verfälschung des Hellenismos durch die New-Age-Bewegung, wie wir sie bei anderen Ethnien bereits beobachten können. Im Streitgespräch zwischen Chris Aldridge und Timothy Jay Alexander, dem profiliertesten Hellenisten der USA, wurde ein klares Signal, nämlich das der Differenz zwischen beiden Seiten, an die Öffentlichkeit gesendet. Das raue Gesprächsklima zwischen diesen »Neuheiden« und den hellenischen Polytheisten der USA trug das Seinige dazu bei, die Differenz nach außen zu akzentuieren. Nachdem der Annäherungsversuch scheiterte, zog sich der »NHP« in die »neopagane Community« zurück, wo er auch eigentlich hingehört. Fronten geklärt? Weit gefehlt. Auch nach dem im Internet ausgetragenen Streitgespräch zwischen Stilian Ariston K. und Chris Aldridge, behauptete letzterer weiterhin, eine Form des hellenischen Polytheismus auszuüben.

Die Gründer des »NHP« warfen den hellenischen Polytheisten Dogmatismus, Rigidität und Intoleranz vor. Und das alles nur, weil letztere kein »Neuheidentum« in ihrer Religion wollten. Nach dieser Logik müssten die Hindus ebenfalls intolerant sein, weil sie den Islam nicht in ihre Religion integrieren. Wahrscheinlich verstanden Aldridge und seine Frau die Bedeutung der Begriffe »Hellenismos« und »Tradition« nicht oder sie waren nicht willens zu akzeptieren, dass der Hellenismos kein offenes Feld ist, wo jedermann seinen Stand aufbauen und seine Ware anbieten kann. Der Hellenismos ist eine kulturspezifische Religion und im Zentrum der griechischen Kultur Zuhause. Das »Neuheidentum« – in welcher Form auch immer – ist vieles, nur nicht hellenisch. Es gehört nicht zum Hellenismos, genauso wenig wie das Christentum oder das Judentum. Dieses befremdliche Gehabe, oft zu beobachten im »Neuheidentum«, wo der eine angeblich »intolerant« ist, weil er seine Identität nicht verfremdet und in ihr Gegenteil gekehrt sehen will, trägt im Hellenismos nicht und wird von Hellenisten nicht akzeptiert. Genau betrachtet, verhält es sich gerade umgekehrt: Es ist die »neopagane« Intoleranz und Abneigung gegen Heterogenität, die sich langsam aber sicher zu einer Gefahr für die ethnischen Religionen entwickelt; sie schlägt zu, wenn die betroffene Religion oder Tradition bereits beschädigt ist oder am Boden liegt. In gewisser Hinsicht manifestiert sich in der New-Age-Bewegung der weltanschauuliche Arm des herrschenden Kulturimperialismus, unter dem vor allem die Kulturvölker leiden.

Aldridge und seine Gattin begnügten sich nicht damit, Videos auf YouTube zu stellen, Interviews zu geben oder Publikationen zu veröffentlichen. Nein, sie gingen auch dazu über, Texte aus ihrer damaligen Webseite im Artikel der englischsprachigen Wikipedia über den Hellenismos zu setzen, vermutlich um das Bild vom hellenischen Polytheismus zu prägen und die hellenische Religion indirekt zu definieren. Später wurde der Abschnitt wieder aus dem Artikel gestrichen. Sie missachteten die Wünsche der hellenischen Polytheisten, den Namen ihrer Religion nicht zu missbrauchen und endlich die Ablehnung des »Neuheidentum« durch die hellenische Tradition zu akzeptieren. Zwar nannten sie den »Tempel der griechischen Götter«, geschmückt mit Gaia-Figuren im New-Age-Stil, eine Zeit lang weiterhin so, doch wurden sie in ihren Aussagen vorsichtiger. Es verging nicht viel Zeit, bis sie schließlich die Schließung des Tempels verkündeten, doch behaupteten sie nach wie vor, dass die ausschließliche Verehrung der griechischen Götter hellenischer Polytheismus sei. Die Art und Weise, wie dieser praktiziert wird, ist anscheinend egal. Also man kann sie auf griechische, christliche oder islamische Weise verehren, es spielt keine Rolle: es ist und bleibt hellenischer Polytheismus. Als ich Aldridge bat, mir einen wissenschaftlichen Nachweis zu bringen, wonach sein »Neuheidentum« Teil der griechischen Religion gewesen oder von den Griechen praktiziert und deshalb als Teil der griechischen Religion gehandelt werden könne, bekam ich bloß die Antwort, dass es viele Wege gab, den Hellenismos zu praktizieren. Das stimmt. Aber im Gegensatz zum »NHP« waren alle diese Wege genuin griechisch und bildeten in der Synthese die Kultweise der hellenischen Ethnie. Ob ich nun den spartanischen, arkadischen, korinthischen, delischen oder athenischen Weg nehme, alle waren sie Glieder derselben Kultur und sahen die Verehrung der griechischen Götter auf griechische Weise vor. Wie in allen ethnischen Religionen, waren auch diese vielen Wege lokale Ausprägungen einer gemeinsamen Kultur und bildeten das Selbstverständnis und die besondere Tradition der jeweiligen Polis. Das »Neuheidentum« hingegen wurde von den Griechen nicht praktiziert. Und da Griechische Religion die religiösen Anschauungen und Riten der alten Griechen meint (Enzyklopädie Britannica, Stichwort: greek religion), kann kein »Neuheidentum« der Welt dazu gezählt werden. Schon der Vergleich ist grotesk. Eigentlich ist es ganz simpel: das »Neuheidentum« stammt nicht aus Hellas, wurde nicht von den Griechen praktiziert, kommt in der Geschichte der hellenischen Ethnie nicht vor und kann daher auch nicht in der wiederhergestellten hellenischen Tradition vorkommen. Und über die Einordnung des Hellenismos in das »Neuheidentum« brauchen wir auch nicht sprechen, eben weil sie indiskutabel ist. Das Christentum gebar den Okkultismus, der Okkultismus das »Neuheidentum« und die New-Age-Bewegung. Das Christentum brachte den Terror, der Okkultismus den christlichen Obskurantismus im scheinwissenschaftlichen Gewand, das »Neuheidentum« die Verfinsterung und die New-Age-Bewegung die Ausplünderung bzw. Kommerzialisierung der ethnischen Religionen. Und noch bevor letztere sich wieder auf die Beine stellen können, werden sie von links und rechts vereinnahmt, von oben herab eingeordnet und willkürlich allerlei Strömungen zugeordnet. Wir Kulturvölker haben uns in den letzten Jahren zu viel bieten lassen.

Im Verlauf des weiteren Gesprächs erklärte Aldridge, dass mir die Götter nicht gehören würden und ich intolerant sei, denn ich würde hellenische Polytheisten, die anders praktizieren, als ich es tue, nicht als solche gelten lassen. Dass es hier um die historisch und kulturell korrekte Art der Verehrung der Götter geht, schien er nicht begreifen zu können, weil er offensichtlich immer noch am »neopaganen« Paradigma festhielt, was er übrigens gar nicht abstritt. »Meine« oder »deine« Art zu praktizieren gibt es nicht, sondern nur die Art und Weise der hellenischen Ethnie, die einzig korrekte im Hellenismos. Denn genau das ist der Hellenismos: die historisch bekannte Religion der Griechen, die eben genau diese auch sein muss, um so heißen zu dürfen. Alles andere wäre unehrlich. Der hellenische Polytheismus ist die Verehrung der griechischen Götter auf griechische Weise. Andernfalls würde die hellenisch-polytheistische Tradition nicht Hellenismos[19] heißen. Kaiser Julian verlieh der hellenischen religiösen Tradition gerade deshalb diesen Namen, weil diese sich nicht »aufs Theologische beschränkt«, vielmehr »die gesamte vom Griechentum geprägte Bildung und Kultur, auch die ethischen und staatspolitischen Vorstellungen« umfasst[20]. »Neuheidnische« Vorstellungen und Praktiken gehörten selbstverständlich nicht zur griechischen Kultur. Aldridge und seine Frau erklärten zu einem späteren Zeitpunkt, dass sie ihre Gruppe gerade deshalb »Neo-Hellenic Polytheism« nannten, weil sie zwischen sich und den »Rekonstruktionisten« differenzieren wollten. Der Hellenismos kann aber nur das sein, was die »Neuheiden« »rekonstruktionistisch« nennen.

Auf Facebook präsentierten sie ihren »Tempel« als eine »moderne religiöse Organisation des hellenischen Polytheismus«. Die Gründer des »Tempels« und des »NHP« verliehen sich selber die Titel »Priester« der griechischen Götter. Welches hellenische Kollektiv oder Kultgemeinschaft sie zu Priestern wählte, wurde nicht gesagt. Sie erklärten, dass der »Tempel … nicht rekonstruktionistisch« sei und gaben zu, dass er in die Kategorie »Neopaganismus« falle. Deshalb akzeptiere der »Tempel« »alle Arten des hellenischen Polytheismus, den rekonstruktionistischen inbegriffen, und viele Arten von Neuheiden, die an die Götter glauben«. Diese Tatsache war ein »factor in its growth«. Im »Tempel« sei die Orthopraxie nicht zwingend und jeder kann die Götter verehren, wie es ihm oder ihr beliebt[21]. Wie das Vokabular ist auch die Einstellung zum Kult »neuheidnisch«. Eine solche »wie-es-mir-passt«-Mentalität harmoniert nicht mit der hellenischen Tradition und ist Ausdruck eines Individualismus, der sich nicht dem kollekiven Wohl unterordnen will und sich um keinen patrius ritus schert. Diese Vorgehensweise, mit den Traditionen und Religionen anderer Kulturen »Fußball« zu spielen, ist einer der Gründe, weshalb die hellenische Tradition keine freundlichen Gefühle für das »Neuheidentum« hegt.

Wer in andere Traditionen eindringt, sich dort breitmacht und diese neu zu definieren gedenkt, ist selber schuld, wenn ihm dann der Wind ins Gesicht bläst. Die Re-Indigenisierung ist kein Rollenspiel. Seine Intoleranz offenbart das fehlende Verständnis des »Neuheidentums« für die ethnischen Religionen, zeigt aber auch seine Distanz zu ihrer Wirklichkeit an. Dies gilt im besonderen Maße für den sogenannten »eklektischen Neopaganismus«. Sie verkennen die Gründe und die Bedeutung einer Revivalisierung für die jeweilige indigene Kultur. Die Tatsache, dass gewisse »Neuheiden« der Öffentlichkeit auf Biegen und Brechen weismachen wollen, »hellenische Polytheisten« zu sein und darüber hinaus uneinsichtig auf den »hellenischen« Charakter ihrer Praktiken beharren, obwohl ein solcher offensichtlich nicht vorliegt, akzentuiert bloß das allgemeine Verhältnis des »Neopaganismus« zu den ethnischen Traditionen. Das wurde von Hellenen, aber auch von Okkultisten beklagt; man sei angeblich rigide und intolerant, nur weil man nicht etwas werden will, das man nicht ist und offenbar auch nicht sein möchte. Die Ursache dieser Spannungen liegt in der »neopaganen« Einstellung zu den ethnischen Religionen – und die kommt nicht von ungefähr, sondern wird in der dominierenden Kultur in den Industriestaaten beinahe mit der Muttermilch aufgesogen.

»Neuheiden« sind in der Regel über einschlägige Publikationen mit dem »Neuheidentum« in Berührung gekommen. Durch die Lektüre solcher Literatur lernen sie den »Paganismus«, seine Lebensphilosophie und die Grundzüge seines Weltbildes kennen. Mit der Zeit entsteht in ihnen ein inneres Bild vom »Paganismus« und sie eignen sich seine Einstellung an, die sie um ihre persönliche Note erweitern. Der undifferenzierte und ausgeleierte Begriff »Paganismus« umfasst in unseren Tagen sowohl die traditionellen Religionen und Weltanschauungen als auch neuere religiöse Bewegungen, die sich angeblich an ethnische Religionen orientieren. Dadurch wird der Anschein einer globalen Einheitsreligion erweckt und Weltanschauungen durcheinandergewirbelt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Allein die Tatsache, dass sowohl die ethnischen Religionen als auch die »neopaganen« Kulte als »pagan« tituliert werden, suggeriert Ähnlichkeiten, Gemeinsamkeiten und verbindende Vorstellungen, die keinen Wirklichkeitstest bestehen könnten. Dies wird spätestens beim Zusammentreffen der beiden Welten deutlich. Geht nun ein »Neuheide« von irgendeiner Spielart des »Neuheidentums« zu einer indigenen Tradition und gibt sich als ihr Mitglied aus, stellt die Gesamtheit seiner Praktiken und Anschauungen der Öffentlichkeit als dieser Tradition zugehörig vor, versucht seine Praktiken in die betreffende Tradition einzuführen, sie zu definieren, ihre Inhalte zu bestimmen und in ihrem Namen zu sprechen, so wird er auf berechtigte Ablehnung stoßen und in einen Konflikt mit den Mitgliedern der jeweiligen Tradition geraten. Denn die meisten ethnischen Traditionen, insbesondere der Hellenismos, tolerieren eine solche Einstellung nicht und sie wehren sich massiv gegen jede Art von religiösem Kolonialismus. Hier werden die Normen, Erwartungen und Imperative des »Neuheidentums« nicht akzeptiert und entschieden zurückgewiesen. Genau das ist mit dem »NHP« geschehen.

Nachtrag: Mitte 2.016 hat Chris Aldridge über ein öffentliches Netzwerk verlauten lassen, nicht mehr dem »Neopaganismus« anzuhängen und zum Hellenismos übergegangen zu sein. Mittlerweile scheint sein Tempel den Betrieb wieder aufgenommen zu haben.

3. Okkultismus und »Neuheidentum«

Diese postmoderne Eigenheit ist nicht nur im »Neuheidentum« daheim, sondern durchzieht die gesamte westliche Welt. Rainer Funk skizziert diese Selbstinszenierung mit den Worten: »Keiner hat das Recht zu sagen, was gut oder böse, richtig oder falsch, gesund oder krank, echt oder falsch, realitätsgerecht oder illusionär ist. Was zählt, ist allein die selbstbestimmte Inszenierung – dass Du Du selbst bist.«[22]

Die Auseinandersetzung mit dem »NHP« wäre überflüssig gewesen, hätten seine Anhänger sich im Voraus die Mühe gemacht, den Hellenismos und die Bedeutung der Worte Tradition oder Ethnismus zu studieren und zu ergründen. Denn die Differenz zwischen »Neuheidentum« und Hellenismos ist offensichtlich nicht nur religiöser Natur. Der Hellenismos hat eine andere neuere Geschichte, seine eigenen Vorkämpfer, Denker, Vertreter und eine eigene Mentalität, die von Marginalisierung und Kampf geprägt ist. Und wenn ich Vertreter sage, meine ich nicht nur Kelsos, Porphyrios, Sallustios, Kaiser Julian, Hypatia, Proklos, Damaskios oder Simplikios; ihr Wirken liegt etwas weiter zurück. Ich meine eher Georgios Gemistos Plethon, Thomas Taylor, Louis Menard, Percy Bysshe Shelley, James Hogg, Edward Calvert, Marios Verettas, Vlassis G. Rassias oder Timothy Jay Alexander. Das »Neuheidentum« hingegen schaut auf Aleister Crowley, Gerald B. Gardner, Doreen Valiente, Patricia Crowther, Dion Fortune, Starhawk und Scott Cunningham zurück – die alle keine Ethniker waren. Außerdem sind sie alle praktizierende Okkultisten gewesen, während kein einziger hellenischer Denker Magie praktiziert(e), schon gar nicht die abendländlische. Auch hier tun sich Unterschiede auf.

Für die große Mehrheit der »Neuheiden« gehört Magie zur Spiritualität und religiösen Praxis, während die Hellenen sie als irrational oder unethisch ablehnen. Aber jedes Verständnis »der Magie« ist kulturspezifisch. Es liegen uns ausreichend ethnographische Beschreibungen aus der Antike und aus bis heute intakt gebliebenen indigenen Religionen vor, und die daraus abgeleiteten ethnologischen Magietheorien lassen nur die Schlussfolgerung zu, dass die vermeintlichen oder tatsächlichen magischen Praktiken und Vorstellungen eines Volkes vor dem Hintergrund seiner kulturellen Innenperspektive zu verstehen sind. Bernd-Christian Otto schreibt hierzu: »Ein Verstehen einzelner historischer Rezeptionen des Magiebegriffs ist … nur ausgehend von den jeweils autorspezifischen, kulturell-diskursiven Rahmenbedingungen möglich. Moderne Lesarten oder gar implizite Vorverständnisse sind bei der Rekonstruktion der historischen Semantik(en) des Begriffs … unbedingt auszublenden« (Magie: Rezeptions- und diskursgeschichtliche Analysen von der Antike bis zur Neuzeit, S. 14, Heidelberg 2009). Magie ist nicht gleich Magie und die althergebrachten Denkschemata der eigenen Kultur können nicht pauschal auf Fremdkulturen übertragen werden. Schon allein deshalb ist die Bedeutung des vorangegangenen Zitats nicht zu unterschätzen, insbesondere für den Laien. Dass sich beispielsweise das westliche Magieverständnis nicht mit dem griechischen deckt, sollte eigentlich jedermann einleuchten, der sich auch nur oberflächlich mit diesen Fragen befasst hat. Doch in der Vergangenheit haben sowohl Okkultisten als auch »Neuheiden« wichtige Personen der hellenischen Mythologie und Geschichte als Magier oder Hexen bezeichnet, weil sie in genau denselben christozentrischen Denkschablonen verhaftet bleiben, welche die alten Christen zum Fehlschluss verleitete, wenn es nicht Strategie gewesen ist, Hexerei und Vielgötterei seien ein und dasselbe; eine scheinbar fest im »Neuheidentum« verankerte Vorstellung. Aber diesen Fehler haben Laien und frühere Forscher gleichermaßen begangen, doch während letztere aus den Fehlern ihrer Vorgänger lernen, stützen sich erstere teilweise immer noch auf antiquierte Interpretationen: »Da Magie meist relational definiert wurde, also in Relation zum (christozentrischen) Religions- oder (akademischen) Wissenschaftsbegriff, mussten nur einzelne Fallbeispiele – etwa im Kontext ethnologischer Feldforschung – gefunden werden, in denen die Akteure anders handelten, als metasprachlich festgelegt, um die theoretischen Grundannahmen in Frage zu stellen. Parallel dazu – dies ist vor allem ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer deutlicher herausgestellt worden – verzerrte allein die Existenz einer substanziell ausgerichteten Metasprache die Beobachtung, Strukturierung und Erforschung religionswissenschaftlicher Gegenstandsbereiche. Die dadurch bereits begriffsimmanente Voreingenommenheit westlicher Forscher führte in vielen Fällen zur Anpassung realer Beobachtungsdaten an die verwendeten Leittermini und Theoriemodelle, wodurch die eigene Art zu denken reproduziert und veranschaulicht, das wirkliche Verständnis des Fremden jedoch mitunter erschwert, wenn nicht ganz verstellt wurde« (Bernd-Christian Otto, S. 8).

Hellenisten haben sehr oft ihr Unbehagen und Missfallen an der Verwendung griechischer Götternamen und Mythen seitens des Okkultismus und seiner Zweige deutlich zum Ausdruck gebracht, weil sie die historisch erfassbare Wirklichkeit der Götter in Geschichte, Kult und Kunst der Hellenen, die ihre Götter schließlich am besten kannten, in ihrem Verlauf und in ihrer geschichtlichen Tragweite in einem Maße verkennen und verzerren, dass die »griechischen Götter« des »Neuheidentums« schlussendlich nur dem Namen nach griechisch sein können. Würden die »Neuheiden« zumindest explizit darauf hinweisen, dass ihre Behauptungen über das Hellenentum, seine Götter, Mythen, Mysterien etc., bloß die Interpretation des jeweiligen Autors oder die Überzeugung der jeweiligen Gruppe seien, wäre die Aufregung halb so groß. Doch dem ist nicht so. Unter dem Primat der persönlichen Neigungen über die historischen Tatsachen ist das »Neuheidentum« geradezu zu einem Synonym für Rückprojektion und Ignoranz geworden. Das hellenische Volk wehrt sich dagegen, dass seine Götternamen, Mythen und Praktiken missbraucht, ausgebeutet, kommerzialisiert und letztendlich mit andersartigen Inhalten aufgeladen werden. In dieser Hinsicht halten es die Hellenen wie das stolze Volk der Lakota und vertreten ähnliche Positionen, wie sie in der Kriegserklärung der Lakota vom 10.  Juni »1993« stehen (siehe: »Die Kriegserklärung der Lakota gegen die Ausbeuter der Lakota-Spiritualität«). Die griechischen Götter wurden auch außerhalb des Hellenentums richtig erfasst (siehe Friedrich Hölderlins »Hyperions Schicksalslied«), der geistigen Nähe zum Hellenentum wegen, grundsätzlich gilt aber, dass Hellenen nicht-hellenische und unwissenschaftliche Aussagen, Lehren und Deutungen bezüglich ihrer Religion, Mythen und Götter für irrelevant halten; sie sind für den Hellenismos bedeutungslos. »Ich erklärte schon vor zehn Jahren, dass ein nicht-Ethniker, welcher über die eingeborene hellenische Religion spricht und sie entsprechend deutet, genauso wenig ernst genommen werden kann, wie ein Mohammedaner, der über das Christentum spricht.«[23] Wie die griechischen Götter dargestellt werden, ob im Archäozentrismus, im romäischen Nationalismus, im Okkultismus, in der Esoterik oder im »Neuheidentum« steht in keinem Verhältnis zur Wirklichkeit. Wie im Christentum, wird auch hier ein Bild von den Göttern gezeichnet, das uns einen kalten Schauer und Kopfschütteln gleichzeitig bereitet. Die Götter werden zu Archetypen, Aspekten eines persönlichen Gottes, Personifikationen, Aspekten des Menschsseins, »Engeln« oder bloßen Erfindungen erklärt. Die Deutungen und Aussagen der jeweiligen Gruppe oder ihrer Vertreter variieren je nach Geschmack und Vorliebe. Allein die Diskrepanz zum Hellenentum bleibt konstant. Aber die Fremdheit zum europäischen Polytheismus erklärt sich aus der Kultur des Okkultismus und »Neuheidentums«: dem Abendland. Die abendländische Abstammung ist das verbindende Glied zwischen all diesen Aussagen, daher färbt es freilich auf das Verständnis der ethnischen Götter ab.

Paulus von Tarsus nannte die alten Götter Götter, die »in Wirklichkeit« keine seien[24], »Dämonen« und »Götzen«.[25] Der Okkultismus übernahm diese »Tradition« und degradierte über seine bekanntesten Vertreter die Götter der Ethnien, wie zuvor sein »Vater«, das Christentum. Die Okkultistin Dion Fortune, immerhin Ordensgründerin der Fraternity of the Inner Light, bezeichnete »Pluto und Hekate« als »böse Götter«[26]. Aber das reichte ihr nicht, sie degradierte auch noch alle »heidnischen Pantheons« zu »Engel[n] und Erzengel[n]« des »Allvaters«, der durch sie angeblich »die Welten« erschaffen habe[27]. Sie ordnete also Zeus & Co. Jahve unter. Dieses Paradigma machte Schule. Der Okkultist W. E. Butler, Gründer der Servants of the Light School of Occult Science, machte aus den ethnischen Gottheiten die »Söhne des Gottes, von dem in der Bibel geschrieben steht, Wesen, die in früheren Manifestationen des Universums perfektioniert wurden und daher mit der Menschheit verwandt sind wie eine Art ältere Brüder. Die Menschheit ist eine andere, weniger perfekte Emanation, die noch einen weiten Weg zu gehen hat, bis sie den gleichen Status erreichen wird […].«[28] Wir Hellenen nennen das Hybris. Eine solche Auffassung bricht mit der hellenischen Pietät, die eine Anerkennung der »Überlegenheit der Götter in Wort und Tat« vorsieht.[29]

Die synkretistische Okkultistin Dolores Ashcroft-Nowicki geht viel weiter und behauptet, dass »der einzige Unterschied« zwischen uns und den Göttern »[…] der ist, daß jene mehr Erfahrung haben, Sie jedoch über einen physischen Körper verfügen; um so schneller werden Sie in der Lage sein, sowohl mit Göttern und Gesetzen des Universums als auch durch sie zu arbeiten.«[30] Für sie kommen alle möglichen mythischen Personen oder Götter als »magische Partner« in Frage, von Osiris zu Hermes bis zu Jesus von Nazareth.[31] Dieser neue Synkretismus ist typisch für das »Neuheidentum«[32], wobei man sich dem Credo »Alle Götter sind ein Gott und alle Göttinnen eine Göttin« verbunden fühlt, der den Synkretismus zu rationalisieren scheint, indem die Götter aller ethnischen Religionen zu Aspekten oder Manifestationen der »einen großen Göttin« und »des einen großen Gottes« werden. In Wirklichkeit wurden die schier unendlichen Facetten dieser zwei Götter mit den Namen, Mythen und Attributen antiker Gottheiten geschmückt[33], deshalb handelt es sich bei dieser Variante des Okkultismus nicht um die »Verehrung« einer »Vielzahl« von Gottheiten, wie richtig bemerkt wurde, denn: »Sie alle gingen zusammen mit ihren Geschichten, Riten und Mythen in die Vorstellungswelt« des »neuen Heidentums« ein. »Einige Gläubige fühlen sich eben einfach wohler, wenn sie Göttin und Gott solche Namen und Formen geben können, anstatt sie als namenlose göttliche Wesen anzubeten.«[34] Dass diese Götter mit den Göttern der Hellenen nicht identisch sind, versteht sich eigentlich von selbst. Die Wicca-Priesterin Reed protestierte gegen diese im »Neuheidentum« dominierende Sichtweise[35], wusste aber, dass sie mit Aussagen wie »It is important to know the various deities as they are!«[36], mehr oder weniger am Rand der »neuheidnischen« Community stand. 

Tatsache ist, weder im Okkultismus noch im »Neuheidentum« gibt es ein einheitliches Bild von den antiken Göttern. Mal werden sie als »vollkommene Menschen« dargestellt, dann werden sie an anderer Stelle als Wesen definiert, die im Grunde aus den »Ängste[n], Freuden, Hoffnungen und Probleme[n]«[37] der Menschen entstanden sein sollen – und das in einem und demselben Buch! Nur in einer Sache scheint sich Nowicki über die Götter sicher gewesen zu sein. »Sie brauchen Menschen wie Sie und mich, um atmen zu können.«[38] Damit stellt sie eigentlich ihre fehlenden Kenntnisse der Materie unter Beweis, denn die Götter brauchen nichts (Sallustios, Über die Götter und den Kosmos, XV). Während einem im modernen Okkultismus Ahnungslosigkeit, Ignoranz, sogar ein gewisses Maß an Unbehagen gegenüber dem Polytheismus ins Auge sticht, schlägt einem bei Eliphas Levi, dem Erfinder des modernen Okkultismus, christliche Arroganz und Geringschätzung sondergleichen entgegen. Sätze wie »Das Heidentum hatte seine falsche Mystik, und darum hat sich das philosophische Dogma der alten Hellenen in Abgötterei verwandelt […].«[39] sind charakteristisch für seine Weltanschauung. Er bediente altgediente Unwahrheiten, um seinen eigenen Glauben auf- und die antike Religion abzuwerten.[40] Es überrascht nicht, dass auch der moderne Okkultismus wenig von den alten Göttern hält, wahrscheinlich weil er sie genauso wenig versteht wie Levi den Ethnismus. Und wie im Abendland und in der Romiosini üblich, werden auch im Okkultismus und »Neuheidentum« die Mythen mit der eigentlichen Religion verwechselt. Genau besehen können wir das den beiden Bewegungen nicht zum Vorwurf machen, denn sie haben nur die Meinungen übernommen und weiterverbreitet, die in ihrer Kultur vorherrschen. Die Mythologie war nur ein Element der Religion, machte diese aber nicht aus. »In Rom wie in Griechenland hatte die Mythologie eine zweifache Funktion. Sie bestand aus Geschichten, die den Hörer oder Leser erfreuen sollten, die die Ammen den Kindern erzählten und die den Malern und Bildhauern Themen an die Hand geben. Und sie war zugleich Teil der Religion.«[41] Verglichen mit der Gesamtbevölkerung in den Industriestaaten, wissen nur eine Handvoll Leute darüber Bescheid, darum Aussagen wie: »Nur wenige der alten Götter waren reife, ausgeglichene Persönlichkeiten.«[42] Parachristliche Bewegungen wie der Okkultismus oder der Archäozentrismus in Griechenland multiplizieren auf diese Weise alte Vorurteile und betreiben damit Gegenaufklärung zu Lasten der ethnischen Religionen.

Nicht nur von den Gottheiten wird ein desolates und unwürdiges Bild gezeichnet, auch die antiken Mythen werden ins »neopagane« Korsett gezwungen und für alle möglichen Theorien eingespannt, in der Hoffnung, diese glaubwürdig oder altehrwürdig erscheinen zu lassen. In dieser Hinsicht hat sich das »Neuheidentum« für den europäischen Polytheismus als Prokrustesbett erwiesen. Im »neuen Paganismus« werden Mythen, Mysterien und Götter des Hellenentums und anderer Kulturen – kenntnisfrei und willkürlich – durcheinander geworfen und auf eine Weise interpretiert, welche auf hellenische Ethniker befremdend wirken muss. Antike Mythen, Namen und Zeichen werden mit modernen Ideologien überlagert, zu Kronzeugen für alle möglichen Weltbilder aufgebauscht und teilweise falsch übersetzt. Es scheint, als gäbe es keine Fraktion, die nicht auf griechische Mythen rekurriert: ob christliche Kreise, Faschisten, Antisemiten, Archäozentristen, Esoteriker, Ariosophen, UFO-Theoretiker, Okkultisten und »Neopaganisten«, sie alle mischen kräftig mit, gehen mit Taschenlampe und Archäologenhut auf Entdeckungsreise, und nie graben sie etwas anderes aus, als die wahre Bedeutung der Mythen. Das Plünderfeld der Mythologie ist auf der einen Seite die Kommerzialisierung des Heiligen und auf der anderen die humanitäre Ausbeutung, Entweihung, Verspottung der Mythen und Traditionen zum Zwecke der spirituellen Selbsterkenntnis. Folgen dieses Missbrauchs sind Verfälschung, Enteignung und die »systematische Vernichtung« (Kriegserklärung der Lakota) der betreffenden Tradition. Der religiöse Arm des Kulturimperialismus macht vor nichts und niemanden Halt. Kapitalistische Normen und Produktionsweisen sind der Esoterik längst in Blut und Knochen übergegangen und durchbluten als eine Art Verhaltensweise die atomistische bürgerliche Gesellschaft und ihre religiösen Bewegungen.

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Auch die »Hexenbewegung« ist mit von der Partie. Sie schaut durch die besonderen Filter des Öko-Feminismus und der modernen Frauen-Spiritualität auf die Mythen und legt sie dementsprechend aus; sie macht einen ideologischen Gebrauch der Mythen und projiziert eigene Vorstellungen auf die mentale Landschaft der hellenischen Ethnie. Ihre Auslegungen lassen in der Regel keine Nähe zum Hellenentum erkennen und sind im Grunde Angriffe eines verklärten Matriarchats auf einen verklärten Patriarchismus.[43] Nun aber soll im Rahmen der »modernen Wiederbelebung der Hexenkunst« [!] angeblich »die Rückkehr zum echten Glauben an die alten Götter Europas« ihren Lauf nehmen.[44] »Europäische Götter« wohlgemerkt, die in einen »psychischen Dämmerzustand gesunken« seien, weil sie über viele Jahre hinweg nicht angebetet wurden. Götter mit »kleine[n] Mängel[n] und Fehler[n]«, die nur darauf warten von den »heutigen Hexen« geweckt zu werden, z.B. durch Zaubersprüche oder die »Annahme einer Gottform«, einer magischen Praxis, die die Inbesitznahme des Magiers oder der Hexe durch die angerufene Gottheit bewirken soll, deren »Persönlichkeit« dann für kurze Zeit vom Magier übernommen wird, um anschließend ein Verhalten an den Tag zu legen, welches im Nachhinein nicht »auf die Priesterin oder den Priester zurückgeführt werden kann, die bzw. der die Gottheit beherbergt hat. Diese Person ist nicht für das Verhalten der Gottheit verantwortlich.«[45] »Zwischen Göttern und Menschen ist eine scharfe Grenze gezogen; es ist hybris, Übermut, sie überschreiten zu wollen« (Martin Persson Nilsson).[46] Das zu den angeblichen Überschneidungen zwischen Hellenismos und dieser Abzweigung des Okkultismus. Kein Spagat dieser Welt kann diese Differenz überbrücken, trotzdem brutzeln europäischer Polytheismus und Okkultismus undifferenziert im gleichen Topf. Alle Völker, welche aus dem Schatten der Unterwerfung und des Kolonialismus treten, werden automatisch von einer unsichtbaren Hand dem »neopaganen« Einheitsbrei zugeführt. Die Meinung der betreffenden Ethnien dazu ist irrelevant. Das Abendland entscheidet. Im Internet jagt ein religionswissenschaftlicher Dilettantismus den anderen. Schließlich wissen auch die »Neuheiden« und »Hexen«, dass die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden Seiten diejenige ist, dass sie »keinen monotheistischen, männlichen Gott« verehren[47]. Das versteht sich für den Hellenismos von selbst, weil unsere Götter geschlechtslos sind (Porphyrios: Über die Götterbildnisse).

Eine weitere Trennlinie zwischen Hellenismos und »Neopaganismus« ist der Stellenwert der jüdischen Kabbala für letzteren. Im Okkultismus, der ohne sie gar nicht denkbar wäre, hat sie sowieso einen zentralen Stellenwert – eine seine abendländische Abstammung unterstreichende Tatsache.[48] Der Einfluss der Kabbala auf den Okkultismus ist immens. Sie durchdringt die Weltanschauung, Symbolik und Ritualistik verschiedenster Orden weltweit und nimmt in der okkultistischen Literatur eine herausragende Stellung ein. Und was für den Okkultismus gilt, besitzt in mancher Hinsicht auch für seine Nebenerscheinungen Gültigkeit. Es überrascht also nicht, wenn der Kabbala auch im »modernen Heidentum« eine große Bedeutung zugemessen wird. Für Vivianne Crowley ist die Kabbala eine »universale Sprache«, die angeblich von »Heide[n], Christ[en], Jude[n], Moslem[s] oder Anhänger[n] eines anderen Glaubens« verwendet werden, um die »Natur des Universums« zu erklären.[49] Interessant ist zudem, dass Crowley ihr »Heidentum« an einer anderen Stelle mit dem Prädikat »anti-intellektuell« verseht[50]. Im Hellenismos spielt die Kabbala natürlich keine Rolle, weder die traditionelle noch die hermetische, schließlich handelt es sich bei ihr um die Geheimlehre des Judentums. Insgesamt geht Crowley sehr freizügig mit den Bezeichnungen »Heidentum« und »Paganismus« um. Insofern ist es von Bedeutung, zu erklären und zu wiederholen: wir sind nie »Paganisten« gewesen, weder alte noch neue. Zwar wurden wir von den Feinden unserer Kultur und Lebensweise »Paganisten« und »Götzendiener« genannt, doch sind wir die ganze Zeit über nur Hellenen gewesen. Angehörige einer Kultur, eines Volkes, einer Tradition. Eine Ethnie ist keine Glaubensgemeinschaft. Wir leben im Bewusstsein, dass dieser »Begriff« eine Denunzierung ist, welche den Hellenen nie zur Selbstbezeichnung diente. Übrigens wissen das auch sehr viele »Neuheiden«.[51] Ausnahmen aus öffentlichkeitswirksamen Gründen bestätigen nur die Regel und werden in aller Regel nicht unbedingt mit offenen Armen begrüßt, vor allem, weil sowohl der Begriff selbst als auch dessen pejorative Verwendung und die damit einhergehenden Implikationen von immer mehr Hellenen als widerlich empfunden werden. Ganz anders im »Neuheidentum«.

Ein beträchtlicher Teil der »Neuheiden« erblickt im »Neuheidentum« keinen Ableger des Okkultismus, sondern sieht sich vielmehr in den Fußstapfen der »alten Heiden« treten. Bereits im Okkultismus des 19. Jahrhunderts stand der Rekurs auf antike Mysterien und Kulte hoch im Kurs. Okkulte Orden und esoterische Geheimgesellschaften verfolgten ihre Anfänge auf die griechischen Mysterienkulte und die ägyptische Priesterschaft zurück. Dieserart gelang es ihnen einerseits, sich den Mantel des Erhabenen und Altehrwürdigen überzustreifen und andererseits, aus dem Okkultismus »die westliche Mysterientradition« zu machen. So war ihnen das Interesse der Menge für eine ganze Weile gewiss. In ähnlicher Weise verfuhr der »Neopaganismus« mit seiner eigenen Herkunft. Er übernahm teilweise die albernen Erzählungen der alten Christen über die Priester und Priesterinnen im antiken Ägypten, Griechenland und Rom und vermischte sie mit dem verklärten Bild, das sich die Romantik von der Antike machte. Um eine Verbindung zwischen sich und der Antike herzustellen, sprich: das »Neuheidentum« in die Geschichte des »Heidentums« einzureihen, wurden unsere Vorfahren in die Sphäre des Okkultismus gerückt und ihre Anschauungen an den Anschauungen der Okkultisten angeglichen, z.B. durch Aussagen wie: die (Neu)Platoniker »versuchten das Konzept von Göttern und Göttinnen als separate Wesenheiten zu überwinden und zu einem einheitlichen Gottesbild zu gelangen, doch fanden sie dieses nicht in einer höchsten Personifikation, Isis, der Großen Mutter, sondern in einer abstrakten Idee des Göttlichen, das weder männlich noch weiblich war und als ›das Eine‹ bezeichnet wurde.«[52] Das Eine gab es aber schon lange vor Plotinos und ist keineswegs ein Konzept, welches der Überwindung des Polytheismus dient, der sowieso falsch definiert wird, weil es ihm nicht um die Zahl der Götter, sondern um ihr Verhältnis zum Universum geht. Das implizierte Dilemma »Das Eine (to hen) oder die Vielen (henades)« existiert nicht. Im Hellenentum gibt es kein »Entweder-oder«, sondern ein »Sowohl-als-auch-Denken«.[53] Plotinos[54] war ein Polytheist, genauso wie Aristoteles oder Xenophanes.[55] Die vielen Götter sind aus dem Einen (to hen) hervorgegangen. Dieser Prozess wird in der Literatur häufig als »Emanation« bezeichnet, aber das griechische Wort proodos bedeutet eigentlich Hervorgehen. In diesem Zusammenhang erscheinen die Götter als Henáden: »Henaden (henades): Einheiten, zu selbständigen Wesen hypostasiert, so bei PLATO (S. Ideen), PKOKLUS, der so die aus der Ureinheit emanierenden geistigen Kräfte nennt. Den Neupythagoreern gilt die henas als Princip der Dinge. Vgl. Einheit.«[56] An einer anderen Stelle, die für die hier behandelte Materie von Bedeutung ist, behauptet Crowley außerdem, dass der Ritualismus der antiken Religionen »zum Formalismus«, zu einer »Sache genau festgelegter Riten und Vorschriften«[57] erstarrte. Das ist falsch. Denn die antike Pietät bestand schon seit alters her aus der Einhaltung der Orthopraxie, den »väterlichen Sitten«. Man kann die hellenische »Frömmigkeit Ritualismus nennen«.[58] Im Ritualismus drückt sich die kulturelle Typizität und ein Stück weit auch die Erinnerungskultur des Hellenenvolkes aus. Insgesamt scheint sich das »Neuheidentum« der Grenzen seiner abendlandzentristischen Sichtweise nicht bewusst zu sein. »Neuheiden« ziehen bei ihrer Beurteilung der antiken Religion immer wieder falsche Schlüsse, weil sie durch die Filter der heutigen, ihrer eigenen Kultur auf sie schauen. Ihr Denken ist kein antikes, deshalb bleibt ihnen die anzestrale Psyche verschlossen. Es scheint sie aber nicht sonderlich zu interessieren, die kulturelle Innenperspektive des Anderen zu verstehen. »Der Eifer, mit dem man die rituellen Vorschriften peinlich genau einhielt, beweist, wie John Scheid schreibt, daß der Ritualismus ›verinnerlicht war und im spirituellen Leben eine genauso große Rolle spielte wie für einen Christen die Betrachtung eines Heilsmysteriums‹.«[59] In dieser Hinsicht geben sich der Oberste Rat der ethnischen Hellenen (YSEE) und die Labrys-Gemeinschaft größte Mühe, den Ritualismus einzuhalten. Auch Evangelos Voulgarakis, der vieles, nur kein Freund der ethnischen Hellenen ist, gibt zu: »YSEE is doing its best«[60]. Ohne Orthopraxie kein Hellenismos. Da liegt es auf der Hand, dass »auf das alte Wort ›nach der Sitte der Väter‹«[61] großer Wert gelegt wird.

Letzten Endes liegt der größte Unterschied zwischen beiden Gruppen in ihrer Herkunft und Identität, welche im Falle des Hellenismos eben auch seine Orthopraxie umfasst. Die »Hellenen« sind keine Gläubigen oder Anhänger einer Glaubensgemeinschaft, vielmehr die Angehörigen einer Kultur und Ethnie mit eigenem Wertesystem und einer eigenen Religion. Diese wurde in der Spätantike vom Christentum besiegt und verboten. Der nun christliche Staat unterdrückte die ethnischen Traditionen, Kulte und Religionen, kriminalisierte und verfolgte alle, die weiterhin an ihrer Kultur festhielten. Die traditionellen Kulte wurden 393 von Kaiser Theodosius verboten.[62] Es folgten weitere Verbote, Verfolgungen, Hinrichtungen – der Ethnozid der hellenischen Ethnie lebt im Bewusstsein der Hellenen weiter. Das alles prägt nicht nur unsere Beziehung zum (orthodoxen) Christentum, aber auch unsre Haltung zum Abendland und seinen Religionen. Deshalb sehen wir es nicht gern, wenn falsche Behauptungen aufgestellt und aus Irrtümern angenehme Konklusionen gezogen werden: von »einer abstrakten Idee des Göttlichen« zum Duotheismus und vom »Formalismus« zu kreativer Beliebigkeit. Aber die Unterschiede zwischen Hellenismos und »Neopaganismus« gehen tiefer. Der Kampf und Konflikt – der Journalist Minas Papageorgiou sprach von einem regelrechten Krieg – zwischen Christentum und Hellenismos in Neugriechenland ist im Grunde nichts weiter, als die Weiterführung und Aufwärmung des bereits in der Spätantike und im Mittelalter ausgetragenen Kampfes der beiden Kulturen und Menschentypen. Davon zeugt insbesondere das bestehende »Klima« zwischen beiden Seiten, das aus gegenseitiger Ablehnung, Geringschätzung und zum Teil auch aus Verachtung besteht. Dialoge finden eher selten statt. Da der Hellenismos wie alle anderen indigenen Traditionen eine Alternative zum Abend- und Morgenland darstellt, den Monotheismus auf den weltanschaulichen, wirtschaftlichen und politischen Ebenen des Weltgeschehens abgelöst sehen möchte, konnte sich der Konflikt nur verschärfen. Dieser ist auf einer tieferen, mehrdimensionalen Ebene gelagert, die hier nicht das Thema ist. Aber aus dieser Haltung folgt die vollständige und kompromisslose Ablehnung des Christentums und die anvisierte Entchristianisierung (Katharsis) der Persönlichkeit und Identität des hellenischen Polytheisten. Das ist das Kreuz auf unseren Rücken und die »Mautgebühren«, die wir auf dem Weg in die ungetaufte Freiheit entrichten müssen. Im »Neopaganismus« wird zwar Kritik artikuliert und eine Distanz zum Christentum gewahrt, aber keine Überwindung des Monotheismus beabsichtigt; das »Neuheidentum« kann im Gegensatz zum Hellenismos keine vor-christliche und unchristliche Alternative anbieten, weil es im christlichen Abendland gezeugt, geboren und aufgewachsen ist, seinen Stempel trägt und in seinen Konzepten badet. Das ist keine negative Bewertung meinerseits, sondern eine Feststellung.

Ich möchte das an einem Beispiel veranschaulichen: In der magischen Praxis des »Neopaganismus« ist die Übernahme verschiedener Hymnen, Gebete und Symbole anderer Religionen und Kulturen und ihre Einbauung in das »neopagane« Magiesystem eine übliche Vorgehensweise. Das betrifft nicht nur Hymnen ethnischer Religionen, sondern auch christliche Gebete. So wurde der christliche »Psalm 23« von der »Hexe« und Wicca-Priesterin Silver Ravenwolf übernommen, etwas umformuliert und anschließend in ein magisches Ritual integriert[63]. Für die Hellenen käme so etwas nie in Frage, weder die Magie noch der Rückgriff auf christliche Gebete. Denn die Vergangenheit ist nicht tot, vielmehr hat sie tiefe Spuren in der kollektiven Psyche der Hellenen hinterlassen. Der Ethnozid der Hellenen und die Vernichtung ihrer Kultur ist eine delikate Angelegenheit und die heutige Stellung der Hellenen in der neugriechischen Gesellschaft ist alles andere als dazu angetan, dieses Verbrechen zu vergessen. Vor allem weil es die gleiche Kirche war, die heute noch gegen die Hellenen wettert, ihren Ethnozid leugnet und mit ihrer Einbettung der Hellenen in ihr diffuses verschwörungstheoretisches Panorama den Hass in den triebgesteuerten Seelen der Nationalisten und Fundamentalisten schürt: die Buchhandlung des Epikureers Verettas[64] und das Haus[65] des hippokratischen Arztes Sokrates Christodoularis wurden abgefackelt, der antike Altar des Dionysos in Athen[66], Altäre des YSEE und der Labrys-Gemeinschaft in Athen und auf Rhodos demoliert. Auf einer der Außenmauern der Buchhandlung wurde das griechische Wort εξαγνισμός (»Säuberung«, »Reinigung«) in großen Buchstaben gesprayt. Solche Verbrechen akzentuierten die Kluft und die Feindschaft zwischen Hellenen und Rhomäern (den griechischsprachigen orthodoxen Christen[67]). Nicht nur die ethnische Identität, Religiosität und Kulturzugehörigkeit unterscheidet also den Hellenismos vom »Neopaganismus«, sondern auch seine Haltung zur heutigen westlichen Zivilisation und insbesondere zum Christentum. Diese Unterschiede können nicht einfach ignoriert werden. Daher muss sich Wikipedia den Vorwurf des Dilettantismus wohl oder übel gefallen lassen.

Auch im Bereich der Theologie (»Götterlehre«) und Ontologie gibt es Differenzen, die sich aus einer kulturell bedingt anderen Wahrnehmung und Auffassung ergeben. Während »Göttin und Gott« im »Neuheidentum« »allmächtig« sind, »Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Existenzen«[68], sind die griechischen Götter nicht allmächtig[69]. Sie haben das Universum nicht erschaffen[70], denn das Universum ist keine Schöpfung[71], lediglich den Kosmos reguliert und geordnet[72], weshalb sie auch θεοί (Götter), also »Ordner« genannt wurden.[73] Durch den steigenden orientalischen Einfluss, den spätantiken Mystizismus und Synkretismus, die dem Christentum »Tür und Tor« öffneten und somit dem Hellenentum das Genick brachen[74], veränderte sich im Laufe der Zeit das Bild von den Göttern, doch nach wie vor galten sie weder als allmächtig noch als Schöpfer des Universums. Interessant ist an Cunninghams theologischem Grundmuster die deutliche Divergenz zwischen griechischen Göttern und den »neopaganen«. Ganz offensichtlich sind die Götter der Griechen keine Aspekte seiner eigenen, wenn auch ihre Namen, Mythen und Symbole den Aspekten der »Göttin und des Gottes« beigemengt wurden. In einem anderen Buch behauptet der gleiche Autor, dass die antiken Götter personifizierte Naturkräfte gewesen seien[75], wodurch sie keine »allmächtigen Schöpfergötter« mehr sein können, die aber seine Götter nach eigener Aussage doch sein sollen. Abgesehen davon scheint wieder einmal das »neuheidnische« Unverständnis für die griechischen Götter durch. Diese sind eben keine Personifikationen[76], sondern unpersönliche[77] kosmische Δυνάμεις (»Mächte«)[78], τέλεια Όντα[79], vollkommene Wesen.[80] Der »neuheidnische« Synkretismus ist nicht logisch durchdacht und wird meiner Meinung nach von vielen »Neuheiden«, die dem vorhin erwähnten Credo treu geblieben sind, selber nicht ernst genommen. Dafür sprechen die vielen Ungereimtheiten. Im Gegensatz dazu war der antike Synkretismus »keine wahllose Mischung, sondern kristallisierte sich um gewisse grundlegende Ideen«[81] der damaligen polytheistischen Zeit. Erst später, als orientalische Einflüsse nicht mehr »geläutert« oder hellenisiert wurden, wirkte er sich schädlich auf die ethnische hellenische Religion aus. Wie auch immer, wer sich etwas Mühe macht den Hellenismos zu studieren und anschließend mit dem »Neuheidentum« welcher Art auch immer zu vergleichen, wird schnell feststellen, dass hellenischer Polytheismus und »Neopaganismus« sich gegenseitig ausschließen.

Timothy Jay Alexander, Autor und bekanntester Repräsentant des Hellenismos in den USA, hat sich lange mit der New-Age-Bewegung und dem »Neuheidentum« auseinandergesetzt und ist schließlich zum Schluss gelangt, dass »Okkultismus und New Age die unehelichen Kinder des Christentums« sind. Die »westliche Esoterik« basiere, so Alexander, »teilweise auf christliche Erzählungen« über die »antiken Religionen; dass die Priester und Philosophen Magier und Zauberer« gewesen sein sollen und mittels Zauberei die kosmische Ordnung zu manipulieren versuchten. Der Okkultismus beruhe auf der falschen Geschichtsschreibung des Christentums und auf seinen »abergläubischen Interpretationen der natürlichen Religionen«. Auch wenn viele »Neuheiden« und New Ager »der christlichen Lehre den Rücken gekehrt haben, halten sie weiterhin an der christlichen Weltanschauung fest« und interpretieren die natürlichen Religionen auf der Grundlage des christlichen Aberglaubens. Er betont, dass der »Neopaganismus« nicht nur vom Hellenismos kritisiert wird, sondern auch von Hindus, Buddhisten, Taoisten und anderen »Praktikern traditioneller Systeme«. Er erkennt in »diesen Bewegungen« eine potentielle Gefahr für die ethnischen Traditionen »in the form of the globalization of religion into a universalism, where practices and traditions must be stripped of their cultural perspective«. Seiner Meinung nach wurden traditionelle Praktiken deshalb verzerrt, damit sie »neopaganen« Weltanschauungen entsprechen können. Er ist jedenfalls davon überzeugt, dass Okkultismus, »Neopaganismus« und New Age bestrebt sind, »indigene und kulturspezifische Religionen« in den Boden zu »stampfen«.[82] Seine Meinung, ob überspitzt oder nicht, ist eine klare Absage am »neuen Heidentum« und kann nicht als Bekenntnis zum »Neopaganismus« ausgelegt werden, weil sich Alexander klar außerhalb davon befindet. Ist Alexander also auch ein »Neopaganist«? Wenn es nach Wikipedia ginge, ja.

Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, ob und welche Interessen auf Wikipedia durchgesetzt werden, doch meine ich, im Hintergrund mehr als bloße Ignoranz ausmachen zu können. Wir werden uns auf jeden Fall gegen jede Vereinnahmung von Okkultisten, »Neuheiden«, Nationalisten und selbsternannten… »Hellenen« wehren, auf die ich im vierten Abschnitt zu sprechen komme. Hellenen in Anführungsstrichen wohlgemerkt, welche wie die »Church of Hellenes« anonym im Internet wirken und unter falscher Flagge abscheuliche Aussagen tätigen, die ich unter der Überschrift Kitsch und Konvention zusammenfasse und die wiederum uns in die Schuhe geschoben werden, weil besagte Personen sich scheinbar zur hellenischen Kultur bekennen, in Wahrheit aber eine »Sprache« sprechen, die ganz untypisch für uns ist und keinster Beziehung zu den großen hellenischen Verbänden Griechenlands steht (YSEE, Labrys, Thyrsos). Dies gilt sowohl für einzelne Individuen, die auf YouTube ihr (nationalistisches) Unwesen treiben und insbesondere für die »Church of Hellenes«, welche sich als Werkzeug »spiritueller Kriegsführung« versteht und sich im Kampf gegen alle »anti-hellenischen Sekten« befindet. Die den »Feind nicht kritisieren, aber erschlagen«, »anti-hellensiche Überzeugungen« ausrotten will. »Die erste Frage, die wir stellen, lautet: Glaubst du an die Götter? Die Antwort wird das Schicksal des Angeklagten besiegeln. Das ist der Kern des militanten Hellenentums.« Die Taliban im hellenischen Gewand erklären weiterhin: »der hellenische Krieger muss bereit sein zu sterben und alles auszurotten«, das der »weltweiten Dominanz des Hellenentums« im Wege steht. Es sind die Götter selbst, so die »Hellenen«, die den »Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen führen«.[83] Das alles steht natürlich im krassen Kontrast zu der Behauptung: »wir bringen Liebe, Frieden und Weisheit« und widerspricht nicht nur der gesamten historischen griechischen Kultur, sondern auch der zeitlosen hellenischen Weltanschauung, denn die Götter führen keine Kriege gegen »Ungläubige« oder, besser gesagt gegen die »bösen Jungs«, das ist eine »christlich-islamische Sache«[84]. Auch dieser Gruppierung sagen wir den Kampf an. Wir werden nicht tatenlos dabei zusehen, wie sie die hellenische Zivilisation in den Strudel ihrer Fäulnis ziehen. Wahrscheinlich sind diese »Hellenen« nichts weiter als christliche Provokateure, wie es sie schon in der Vergangenheit gab, die sicherlich nicht die Flinte ins Korn warfen, nachdem sie durch eigenes Verschulden aufgeflogen waren. Früher schleusten sie sich in hellenische und andere Foren ein mit dem Ziel, Verwirrung zu stiften. Sie erstellten sogar einen Schicht-Plan, gemäß dem, mal der eine, dann der andere das gleiche Profil im gleichen Forum bedienen und im Sinne der Gruppe dort Texte verfassen und Diskussionen in Gang bringen sollte.[85] Sie versuchten es sogar im Forum des YSEE, flogen irgendwann aber auf und wieder raus. Ein Mitglied der Gruppe meldete sich gleich zwei Mal im YSEE-Forum an, nämlich als »xenofon« und »hermes«. Als er seinen Mitstreitern von seiner großen Leistung berichtete und angab, die Mitglieder des Forums verwirrt und aufgebracht zu haben, wurde er von Thomas F. Dritsas gewarnt, dass seine IP-Nummer von den Betreibern eingesehen werden könnte. Zwar könnten diese ihm nichts anhaben, würden aber verlautbaren, dass die Christen Provokateure einsetzen, »was nicht gut wäre«.[86] Wir ahnten schon davor, dass es Provokateure gab, die im Hellenenkostüm im Internet für Unruhe sorgten und ihre Aktivitäten später auf uns zurückfallen ließen, nur konnten wir nie Beweise dafür vorlegen, so offensichtlich die Propaganda an manchen Tagen auch gewesen ist. Hinter solchen Aktionen stehen nicht nur christliche Extremisten (Apologeten), sondern auch Anhänger der mystizistisch-nationalistischen »Epsilon«-Bewegung und autonome Nationalisten, die sich anfänglich als »Hellenen« oder Bewunderer der hellenischen Kultur profilieren, dann aber christliche Vorwürfe gegen uns erheben[87], aber auch Sympathisanten und Funktionäre der offen nationalsozialistischen Partei Chrysi Avgi, welche in letzter Zeit ihre eigene Ideologie abstreitet und nie faschistisch gewesen sein möchte, dafür weiterhin hellenische Symbole missbraucht und sich betont hellenisch gibt, obwohl sie Ziele verfolgt, für die wir, die wir nach der Abschaffung der Pfaffenherrschaft in Griechenland streben, nie einstehen würden, weil wir Hellenen sind. Ziele dieser Partei sind u.a. die »Wiederherstellung des Ansehens der Kirche« und die »Aktualisierung der Bildung und Ausbildung der Kleriker auf der Grundlage hellenisch-orthodoxer Prinzipien und Ideale«.[88]

Wir müssen Vorsicht walten lassen und die Quellennachweise genau überprüfen, durch die bestimmte Aussagen uns als Tatsachen offeriert werden. Das gilt für Wikipedia, aber auch für viele andere Webseiten, die den Hellenismos ins falsche Licht stellen (wollen). Auf der einen Seite ist es natürlich gut, dass gewisse Kreise ihre »Erkenntnisse« und Überzeugungen mit der Welt teilen, weil sie sich auf diese Weise selber demaskieren, auf der anderen Seite sorgen wir uns, ob nicht allzu viele Menschen dadurch in die Irre geleitet werden und sich ein falsches Bild von der hellenischen Tradition machen. Wenn wir in dieser Welt überleben und unsere Rechte einfordern wollen, müssen wir die Akzeptanz und die Achtung der Weltgemeinschaft gewinnen, ohne deren Unterstützung wir geschwächt und isoliert dastehen. Das alles sollte allen zu denken geben und zumindest zur Recherche oder Reflexion anregen, wenn schon keine Bereitschaft zur Korrektur gegeben ist, wie im Falle von Wikipedia. Für den Kenner der griechischen Religion und Philosophie steht fest, was der YSEE schon vor Jahren in aller Deutlichkeit gesagt hat: »Der Neopaganismus geht uns nichts an.«[89] Der Hellenismos ist keine »religiöse Bewegung«, kein »Glaube an Götter«, keine Bühne für narzisstische Neurotiker, gescheiterte Existenzen und Ideologien. Er war, ist und bleibt die Religion, Weltanschauung, Kultur und Identität der hellenischen Ethnie.

4. Kirche, Esoterik und neugriechische »New-Age-Bewegung«

Nun, da der Monotheismus von der Aufklärung und dem Freiheitsbewusstsein der Moderne weichgespült und ihm infolgedessen ein Großteil seiner politischen Macht in der westlichen Hemisphäre genommen wurde, hat sich unsere soziale Stellung deutlich verbessert. Dementsprechend bildeten sich seit den 1960er und in Griechenland seit dem Fall der Militärjunta (1967-1974) neue Freiräume für alle, die den Rand der Gesellschaft bevölkerten: Atheisten, Agnostiker, Buddhisten und Ethniker. Hierdurch erlangte eine große Zahl an Menschen in einer Reihe von Staaten neue Sichtbarkeit und die Sicherheit, für ihre Rechte zu streiten. Ende der 1980er Jahre sahen wir Hellenen unsere Zeit gekommen und traten an das Licht der Öffentlichkeit. Seither wurden mehrere Bücher publiziert, Interviews gegeben, Vorträge gehalten und offene Feste zelebriert. Von dieser neuen Situation haben auch die Okkultisten und Esoteriker profitiert. Heutzutage werden Buchläden mit Werken über Okkultismus und Esoterik geradezu überschwemmt. Zum Leidwesen des Hellenismos und anderer ethnischer Religionen setzt sich das Werk des Christentums in diesen Büchern nahtlos fort. Gewollt oder nicht, umnebeln Okkultisten und »Neuheiden« das Antlitz der Götter und das Wissen um die antiken Mysterien, verschleiern ihren Sinn, so dass nur Konturen übrig bleiben, die der wilden Interpretationslust ausgesetzt werden. Auch die Esoterik spielt mit den Göttern der Griechen und zwingt sie in ihr theosophisches Korsett. Dass das in Neugriechenland passiert, der Hochburg der Orthodoxie, wundert einen nicht, aber die Beispiele aus Deutschland, Großbritannien oder den USA überraschen dann doch, denn das Niveau des Publikums galt zumindest in Westeuropa als qualitativ hochwertiger. In Neugriechenland werden die Götter von Nationalisten und den neugriechischen New Agern als außerirdische »Vorfahren« der heutigen Griechen oder als »Engel des einen Gottes« (den sie El oder Elochim nennen) dem Christengott untergestellt, gerade weil sie verhindern wollen, dass sie ihm gegenübergestellt werden.

Dieser Irrsinn ist vor allem in der romäischen New-Age-Bewegung, »Archäozentrismus« oder »Archäolatrie« genannt, zu beobachten, die vom neugriechischen Verschwörungstheoretiker, Antisemiten, Christen und Erfinder der Epsilon-Theorie Ioannis Fourakis entscheidend geprägt wurde. Diese Theorie war in ihren Anfängen eine durchschaubare Angelegenheit, verselbstständigte sich aber mit der Zeit und erhielt eine eigentümliche Dynamik, als diverse Autoren sie in ihren Büchern zusammen mit pseudowissenschaftlichen, mystizistischen, rassistischen und nationalistischen Themen vermischten und über Telemarketingsendungen an den Mann brachten. Während die ursprüngliche, von Fourakis entwickelte »Epsilon-Theorie« von einer geheimen einflussreichen griechischen Gruppe »Epsilon« ausging, die angeblich im Geheimen an der Wiederbelebung der griechischen Kultur arbeite und Griechenland vor Gefahren schütze[90], änderte sich die Theorie von Autor zu Autor später dahingehend, dass »Epsilon« keine Gruppe von Menschen mehr darstellte, sondern die Götter der alten Griechen selbst, die als »Engel« oder »Außerirdische« einen Krieg gegen die… Juden und Freimaurer führen, den vielbeschworenen Feinden Griechenlands.[91] Andere Autoren wiederum identifizieren die griechischen Götter mit gefallenen Engeln, von denen es in der Bibel heißt, dass sie sich »mit den Menschentöchtern eingelassen und diese ihnen Kinder geboren hatten« (1. Mose, 6,4). Diese Theorie knüpft offensichtlich an bekannte orthodoxe und nationalistische Vorurteile und Verschwörungstheorien, die in Griechenland weit verbreitet sind und durch antisemitische Parolen kirchlicherseits forciert werden.[92] Neu war, dass Fourakis zu seinen »anti-hellenischen Kreisen« auch die vermeintliche »buddhistische Bon-Sekte« zählte, wie er die indigene Religion Tibets nannte, und Zionisten, Mormonen, Freimaurer und sogar die Buddhisten in sein Verschwöreruniversum aufnahm, wie aus der Bahn geworfene Asteroiden.[93] Für Fourakis war der verstorbene Erzbischof Griechenlands Christodoulos derjenige, der auf politischer Ebene Hellenentum und Christentum miteinander vermählte[94]. Eine seiner anderen Theorien besagte, dass die Hellenen ursprünglich aus einem anderen »Sternensystem« stammten[95]. Manchen orthodoxen Propaganda-Aktivisten wurde er mit der Zeit wohl eine Spur zu peinlich: in ihren Artikeln und Aufsätzen schufen sie die imaginäre Szene der »Archäolatrie«, auf die er dann zusammen mit anderen christlichen Autoren abgeworfen wurde.[96] Auch der Hellenismos wurde dieser imaginären Szene zugeordnet.

Fourakis verbreitete die heute bei Nationalisten und religiösen Extremisten beliebte und falsche Vorstellung, dass der Kampf der ethnischen Hellenen gegen die orthodoxe Kirche von den oben genannten »Kreisen« erwirkt wird. Ziel sei, so Fourakis, die »Spaltung der Nation«, welche den Zusammenstoß von »Hellenentum und Orthodoxie« provozieren solle.[97] In Wahrheit kämpfen die Ethniker in Griechenland gar nicht gegen den »Glauben der Orthodoxen Kirche, sondern gegen die Diktatur, die sie über das griechische Volk ausübt«.[98] Fourakis war offenbar unfähig, zwischen den Hellenen und seinen imaginären Verschwörerfiguren zu unterscheiden, wie auch seine Kirche unheilbar unfähig scheint, der Differenz zwischen ethnischen Hellenen und »Archäozentristen« Rechnung zu tragen. Das ist nicht unbedingt neu. Totalitäre Systeme tun sich nun mal mit Differenz und Andersheit schwer. Wenn nun einer zwischen Glauben und Theokratie nicht unterscheiden kann, dann sagt das mehr über den Zustand seiner Kirche aus, als über die Position anderer ihr gegenüber. Ein anderes Problem von Fourakis war sein Rassismus, der, zwar mystizistisch verklärt, letztlich nicht von seinem Antisemitismus ablenken konnte. Fourakis beschäftigten zeit seines Autorenlebens die Juden und ihr Verhältnis zu den Hellenen. Er hatte ein schlichtes Weltbild und für komplexe Themen nicht viel übrig. So sind die Juden schlecht, die Hellenen gut und der Rest planetarisches Beiwerk. Gemäß seiner Pseudo-Exobiologie sollen die Hellenen aus der Andromedagalaxie und die Juden aus dem Tartaros stammen. In Interviews stilisierte er letztere immer wieder zu den Gegnern der Hellenen[99]. Fourakis war an einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Judentum nicht interessiert, vielmehr war er von Hass getrieben und projizierte alle in seiner Gesellschaft negativ besetzten Symbole auf sie. Dabei missbrauchte er den Mythos um Apollon und die Schlange Python, die er mit dem Zionismus und den Juden in Verbindung brachte (»Die (Vor)Zeichen von Delphi und der zionistische Python«, Athen: Talos 1989). Vlassis G. Rassias hat in seinem Buch Über die väterlichen Götter den Mythos wieder ins rechte Licht gerückt und den Python rehabilitiert, indem er klar stellte: »Python ist der legitime Erbe des delphischen Orakles von Themis gewesen« und der Mythos selbst nicht das Ergebnis einer dualistischen oder moralisierenden Welterfahrung (S. 158-159, Athen 2002). Doch dieser Einwand ging an Fourakis vorbei. Er hat sowohl den Buchtitel als auch die entsprechenden Passagen im Buch beibehalten, schließlich blieb seine Meinung von den Juden ebenfalls unverändert: »Sie sind keine Ethnie, sondern waren und sind eine politisch-religiöse Räuberbande«.[100] In seinem Kampf für Gegenaufklärung und gegen die Juden waren ihm anscheinend alle Mittel recht. Abgesehen von seiner Misanthropie und Verharmlosung des monotheistischen Terrors, reproduzierte er gezielt nationalistische und christliche Propaganda: er behauptete nämlich, die Hellenen hätten vor allen anderen zum »einen Gott« gefunden, seien die eigentlichen Gründer der monotheistischen Religion gewesen und die »Indo-Europäische Rasse« bloß eine »anti-hellenische und jüdisch-zionistische Erfindung« [101]. Aber Fourakis ging viel weiter: er versuchte sich als Prophet eines neuen Zeitalters. Nachdem er hier und da den Weltuntergang beschworen, verkündete der Prophet, dass die zu »Außerirdischen« verkrüppelten griechischen Götter bald auf der Erde landen und eine goldene Ära des Menschengechlechts einleiten würden, trotz zahlreicher Versuche der »anderen« Seite, dies zu verhindern.[102] Das neue Zeitalter stünde kurz bevor. Dann würde alles besser werden.

Seine Anhänger, die sich als kritisch denkende Menschen verstehen, blieben seiner »Bewegung« auch nach seinem Tod (»2010«) treu, obwohl er sich in seinem letzten öffentlichen Vortrag am 24. September des selben Jahres vor laufenden Kameras als Betrüger outete, ohne dem ein Wort der Entschuldigung für seine jahrelangen Betrügereien hinzuzufügen! Kaum brachte er sein Outing hinter sich, wetterte er wieder gegen die ethnischen Hellenen und ließ sich zur infamen Behauptung herab, dass die Gründer aller hellenischen Organisationen… Freimaurer seien, ein Gerücht, welches lange Zeit vor Fourakis von Nationalisten/Fundamentalisten in die Welt gesetzt worden war. Allerdings sagte Fourakis auch, dass ihm vor Jahren ein großer Geldbetrag übergeben wurde, wohl wegen geleisteter Dienste. 100.000,00 sollen es gewesen sein, doch nannte er weder die Person, die ihm das Geld gab, noch in welcher Währung gezahlt wurde. Jedenfalls sei ihm versichert worden, dass ihm dieser Betrag zustand, es seien schließlich »seine 10 Prozent« gewesen.[103] Kaltgelassen von seinen letzten Worten, verkündeten die Epsilon-Anhänger die Einreise der außerirdischen »Götter« für Ende Dezember »2012«. Nach der Silvesternacht ließ die »Bewegung« nichts mehr von sich hören. Man darf wohl davon ausgehen, dass ihr Götter-Raumschiff auf dem Weg zur Erde mit dem der Reptiloiden kollidiert ist. Diese Blamage führte aber keineswegs ihr Ende herbei, bedeutet nicht, dass ihre Ideen nicht mehr im Umlauf sind. Im Gegenteil. Sie wurden lediglich modifiziert, werden auf Blogs und sozialen Netzwerken verbreitet, die wiederum bevorzugt zur Desinformation genutzt werden. Die gezielte Platzierung von Falschmeldungen in sozialen Netzwerken und ihre Verbreitung mit Hilfe anderer kommunikativer Mittel haben sich im Kampf gegen die hellenische Tradition vielfach bewährt, nicht von ungefähr zählen solche Aktionen zu den Hauptbetätigungsfeldern von religiösen Fanatikern und autonomen Nationalisten. Propaganda und Verleumdung heißen die wichtigsten Waffen des Antihellenismus. Davon lassen sich die Hellenen weder beeindrucken noch einschüchtern oder gar entmutigen. Ganz im Gegenteil.

Viele Thesen von Fourakis sind eigentlich nicht seine eigenen, sondern wurden von seiner Religion erfunden, werden von frommen christlichen Fundamentalisten weiterhin im Web verbreitet, gehören zu den »Zehn Geboten« der griechischsprachigen Nationalisten. So bleiben die Orphiker weiterhin Monotheisten, haben an den einen Gott »geglaubt«[104]. So manch ein Fanatiker scheint noch schwer an der Idee zu knabbern, dass der Unterschied zwischen Poly- und Monotheismus nicht die Anzahl der Götter, sondern ihre Beziehung zum Universum ist.[105] Ich würde ihnen ja gern die Lektüre der orphischen Hymnen ans Herz legen, aber ich weiß, dass das vergebliche Mühe wäre; die Abwehrmechanismen ihres Ichs sind mit Weihwasser versiegelt und lassen keinen noch so schmalen Lichtstreifen durch, der ihr Weltbild durcheinander bringen könnte. Aber vielleicht ist das gar nicht so inkonsequent. Denn wenn sie schon an die Heiligenviten und Wundergeschichten der orthodoxen Kirche glauben, dann können sie genauso gut auch Fourakis und seinen Geschichten Glauben schenken. Denn fünf Jahre nach seinem Tod wird Fourakis von extremistischen christlichen Zeitungen wie die berüchtigte Eleftheri Ora gefeiert, die Hand in Hand mit der Apostolischen Diakonie der Kirche Griechenlands die Neuauflage seines Buches »Die (Vor)Zeichen von Delphi und der zionistische Python«, Bücher von Konstantinos Plevris und die Protokolle der Weisen von Zion vertreibt (XYZ Contagion, von Kleon I., 27. Dezember 2015). Aber das überrascht eigentlich niemanden mehr. Denn wenn sogar der Erzbischof von Athen und der orthodoxen Kirche von Griechenland Hieronymos II. seine Kirche verfolgt und gegen sie eine Verschwörung »unter den Direktiven des neuen Zeitalters und der neuen Weltordnung« laufen sieht, zeigt das nur allzu deutlich, dass die Orthodoxie der tief in ihr nistenden reaktionären Aufklärungsfeindlichkeit treu ergeben bleibt (Lefteris Savvides, News247 Online: Gesellschaft, 04.10.2016).

Nach seinem Tod meldeten sich sofort Stimmen zu Wort, wir Hellenen hätten ihn zum Schweigen gebracht, denn er hätte uns ja angeblich bloß gestellt. Wenn diese Leute auch nur einen Funken Vernunft in sich hätten, würden sie den Worten eines Mannes, der sich als Betrüger zu erkennen gab, kein Gewicht beimessen, nur weil er ihr Weltbild bestätigt, und nicht im Ernst davon ausgehen, dass wir oder unsere vermeintlichen Geldgeber ihn damit beauftragt hätten, uns zu verunglimpfen und aus unseren Göttern Aliens zu machen. Wir hatten nicht genug Geld für die Weiterführung des hellenischen Magazins »Diipetes« oder den Bau eines Tempels in der Tasche, dafür aber einen Christen beauftragt, uns und unsere Tradition durch die Gosse zu ziehen, um ihn dann wieder loszuwerden? Hier zeigt sich, dass mit der Vernunft, auch das Urteilsvermögen der Verschwörungsjunkies zum Teufel fährt. In ihrem Bestreben den Hellenismos anrüchig erscheinen zu lassen und die hellenische Geschichte und Kultur in Verruf zu bringen, geben sich gewisse Leute der Lächerlichkeit preis und merken das nicht einmal. So heißt es beispielsweise in einem Online-Artikel: »Der bekannte Autor und Leithammel des Dodekatheismus [!] Ioannis Fourakis … packt, offenbar von Reue geplagt, gegen jeden und alles aus und scheut auch nicht davor zurück, nicht nur die Clique, der er viele Jahre gedient hat, aber auch sich selbst einen Betrüger zu nennen«. Das Outing des Fourakis wird nachträglich idealisiert, um seinen vermeintlichen Enthüllungen einen spektakulären Zug zu verleihen, er selbst heroisiert, damit er weiterhin als Argument gegen den Hellenismos einen Wert besitzt. Das Outing disqualifiziert ihn nicht etwa, nein, er wird dadurch glaubwürdiger denn je. Dabei war es Fourakis, der 2006 auf seinem Forum Fourakis-Kea geschrieben hat, dem YSEE bereits im Juni 2005 den Krieg erklärt zu haben, also fünf Jahre vor seinem letzten öffentlichen Auftritt.

Alte Verleumdungsgeschichten neu aufgewärmt, werden immer wieder auch von Vertretern der orthodoxen Kirche vorgetragen, so beispielsweise vom Metropolit Seraphim von Piräus, der freilich auch gegen die Juden wetterte und während eines Auftritts beim griechischen Privatsender Mega-Channel sogar die Behauptung aufstellte, dass Hitler im Auftrag des Zionismus handelte, um »die Juden zur Ausreise aus Europa zu treiben und mit dem Staat Israel ein neues Imperium zu gründen«.[106] Rabbi David Rosen hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass der »Antisemitismus innerhalb« der orthodoxen Kirche weiterhin aktiv ist[107], leider gehört in manchen jüdischen Kreisen der Antihellenismus auch nicht unbedingt zur Vergangenheit [108]. Nun aber hat der gleiche Metropolit die Hellenen ins Auge gefasst. Er nennt uns »die Neopaganisten«, verunglimpft den antiken Polytheismus, macht den heutigen zum »Neopaganismus«, den er von der New-Age-Bewegung und »neuen Weltordnung« erfunden haben lassen will, um in Zusammenarbeit mit dem Islam das Christentum zu bekämpfen. Die Ethniker in Griechenland stellen sich, so Seraphim, »mit aller Kraft« in den Dienst des »internationalen Zionismus«, den wir vermeintlich vorgeben zu bekämpfen, in Wirklichkeit aber an der Verwirklichung seines Planes zur »Errichtung der Diktatur der globalen luziferischen Religion« arbeiten – und das ganze Theater nur, weil ein Abgeordneter der Goldenen Morgenröte behauptete, er fühle sich mehr Grieche, als Christ und auf die Frage hin, wie er die griechische Religion sieht, antwortete: »ich respektiere sie«. Und wenn der heilige Metropolit schon beim Thema ist, muss er noch unbedingt hinzufügen, dass die Zerschlagung demokratischer Institutionen, die Schließung philosophischer Schulen, die Verfolgung von Philosophen und das Abfackeln von Bibliotheken durch die alten Christen nur unserer Einbildung entspringen und wir außerdem von ausländischen Geldgebern, den »bekannten Bankern« finanziert werden [109]. Das muss wohl der Grund sein, weshalb wir uns bis heute keinen Tempelbau leisten konnten. Orthodoxe Logik! Auf einmal scheint der Metropolit ein Problem mit den Nazis zu haben, wo er doch früher anderer Meinung gewesen ist, gelegentlich mit ihnen gemeinsame Sache machte, wie Evgenia Fotiou uns in Erinnerung ruft, und sich von ihnen sogar beschenken ließ.[110] Dass er sich jetzt gegen die Goldene Morgenröte ausspricht und ihr eine »pagane« Ideologie unterstellt, hat sicher nichts mit der steigenden Antipathie der Bevölkerung gegen die Nazis zu tun. Nein, Opportunismus liegt diesem heiligen Mann von Piräus sicher genauso fern, wie das Christentum vom Schamgefühl.

Die sogenannte »Archäolatrie«, von der Bezeichnung der Archäothreskoi (Altgläubige) zu trennen, allen voran Epsilon, blies mehr oder weniger ins gleiche Horn. Während Journalisten, Blogger und Kirchenmänner den Leuten zunächst weismachten, dass Epsilon zur Szene der »Antike-Verehrer« gehöre, war später von einer Zersplitterung der »Szene« die Rede, ließen sich ja die Unterschiede und ersten Konflikte zwischen ethnischen Hellenen und Archäozentristen nicht mehr kaschieren. Fourakis unternahm den Versuch im Hellenismos Fuß zu fassen, wurde aber nicht nur daran gehindert, sondern auch noch von den Ethnikern mit Spott überzogen und des Betrugs bezichtigt. Er hatte nun keinen Grund mehr den »Sympathisanten« zu spielen und konnte endlich offen gegen uns zu Felde ziehen, wobei ihm die Naivität der Fundamentalisten zugute kam, den Worten eines Menschen zu trauen, welcher sich selber einen Betrüger nannte. Dabei hätte sein Eingeständnis sie stutzig machen sollen. Aber von Menschen, die die Herkunft der Griechen von den Sternen aus einer antiken Inschrift herauslesen, eine der zahllosen Betrügereien der Archäozentristen, dürfen wir kein höheres Niveau erwarten (Spyros Avgerinopoulos, in: ellinikahoaxes: Verschwörungstheorien, vom 17.04.»2016«). Dass Fourakis nie ein Ethniker war, ist eigentlich offensichtlich. Nicht weil er Christ oder ein Rassist war, nein, vielmehr wegen der Inhalte seiner Schriften und Interviews. Ufo-Kult und mystizistischer Nationalismus gab es im Hellenentum nun mal nicht. Außerdem sind seine Theorien völlig abwegig und stehen im Widerspruch zur streng-historisch-polytheistischen Tradition der Hellenen. Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass der Hellenismos eine humanistische Religion ist. Die Götter der Hellenen bekämpfen weder die Juden noch hassen sie andere Völker. »Die Götter sind […] ohne einen Hauch des Bösen«.[111] Wenn wir Menschen eine solche Hybris zu vermeiden suchen, kommt sie für die Götter erst recht nicht in Frage. »Hybris ist Überhebung in Wort und Tat«[112] und zeichnet den Hellenen nicht aus. Weder möchte dieser weltweit dominieren (»Church of Hellenes«) noch betrachtet er andere Völker als minderwertig (Nationalismus).

Wie bereits zu Beginn angemerkt, werden die Götter der Griechen nicht nur in Griechenland oder in Großbritannien, aber auch in Deutschland zu »Kindern« und »Engeln« »Gottes« degradiert. Der unheilvolle Geist der Esoterik erobert den europäischen Büchermarkt. Er macht weder vor den fernöstlichen Lehren noch vor den ethnischen Religionen Europas Halt. Doch wenn Esoteriker behaupten, dass beispielsweise Apollon[113] und Hermes[114] »Engelwesen« seien, bekunden sie nicht nur ihre Unkenntnis der Materie, sondern vermitteln überdies, wie es um den Zustand der Esoterik bestellt ist. Der Schaden den der Hellenismos durch die Esoterik und das »Neuheidentum« erlitten hat, ist nicht gering, aber auch nicht allzu groß. Auch Epsilon hat nicht wenige Menschen hinters Licht geführt. Zumindest in Griechenland traf Epislon auf unseren massiven Widerstand. Der YSEE wies schon vor vielen Jahren auf den »messianischen« Charakter dieser Gruppe hin. Über ihre messianischen Botschaften urteilte der YSEE, dass sie auf die Kultivierung von Passivität abzielen. Die Epsilon-Legende sei dazu da, Menschen in den »Schlaf« zu wiegen und verrückt zu machen.[115] Rassias nannte die Epsilon-Theorie ein »Märchen«, das »uns nicht beschäftigen sollte«, denn nach 10, 20 oder noch mehr Jahren wird sich niemand mehr an die Erfinder dieser Theorie erinnern, die unsere Götter »finstere Mondwesen« schimpfen.[116] Für ihn besteht kein Grund, Menschen, die daran glauben wollen, davon abzuhalten. Unsere Aufgabe ist es den Hellenismos korrekt darzustellen und Zerrbilder aufzulösen, nicht andere von etwas abzuhalten oder schlimmer noch, sie zu bekehren. Die Epsilon-Anhänger haben das Recht auf freie Meinungsäußerung und wir die Pflicht, unsere Kultur zu verteidigen.

5. Schlusswort

Wir haben nun einen Blick auf das Christentum, den Okkultismus, das »Neuheidentum«, den Archäozentrismus und auf die Esoterik geworfen und ihr Verhältnis zum Hellenismos untersucht. Ich denke, dass die Unterschiede gut herausgearbeitet wurden. Ein Streifzug durch hellenische und »neopagane« Foren, Bücher und Artikel wird jedermann den Beweis liefern, dass meine Angaben richtig sind. Wie könnte es auch anders sein? Die Differenzen sind unübersehbar. Der »Neopaganismus« hält den Individualismus hoch, der Hellenismos das Kollektiv. Der »Neopaganismus« hat keine antiken Wurzeln und orientiert sich nicht an die Antike. Wir aber orientieren uns ans archaische, allen vor an aber ans klassische Athen, knüpfen an die Spätantike und insbesondere an das Mittelalter an. Und die Polytheisten des Mittelalters waren sicherlich keine »Neuheiden«. Plethon und sein polytheistischer Zirkel haben »die Wiedergeburt des Hellenentums ernsthaft versucht«[117]. Aus diesem Grund wird der zeitgenössische Hellenismos auf Plethon zurückgeführt. Rassias nannte ihn »unseren Ur-Großvater«. Doch er war nicht der einzige Polytheist vor der Moderne. Michael Marullus war auch einer und hinterließ uns seine zahlreichen Hymnen an die Götter. Viele Stratioten scheinen Polytheisten gewesen zu sein. Dem Historiker Konstantinos Sathas zufolge existierte ein attischer Geheimbund, der fest entschlossen an der »Wiederbelebung der hellenischen Bildung, eingeborenen Identität und der väterlichen Sitten« arbeitete. Leider erfüllte sich die Vision der »Attischen Gesellschaft« nicht. Verführt von den Verheißungen eines materiellen Wohlstands, sollen manche ihrer Mitglieder vom Weg abgekommen sein und auf diese Weise zum Zerfall der Gesellschaft entscheidend beigetragen haben. Hätte es mehr Hellenen wie Plethon und Marullus gegeben, wäre der Bund vielleicht erfolgreich gewesen.[118] Wir werden es nie mit Sicherheit wissen.

Der Hellenismos ist jedenfalls keine »neopagane« Religion, weil er ein anderer Typ von Religion und viel älter ist, als der »Neopaganismus«. In ihm geht es nicht um Spiritualität, Kreativität oder um Magie. Der »Neopaganismus« ist nun mal ein modernes Phänomen, das im Widerspruch zu eben den Traditionen steht, als deren neue Verkörperung er sich ausgibt. Seine Ritualstruktur bezeugt seine Abstammung. Und ob er sich in dieser Form keltisch nennt und in der anderen ägyptisch, die Struktur und Mentalität bleibt die gleiche, ähnelt zu sehr dem Okkultismus und Wicca-Kult. Am deutlichsten fällt die anti-aufklärerische Note ins Auge, die ihn vom Hellenismos und anderen Traditionen trennt. In ihm verfestigen sich Meinungen und Anschauungen zu den Göttern, Religionen und Mysterienkulten diverser Ethnien, die in keinem adäquaten Verhältnis zur historischen Wirklichkeit stehen. Das Problem ist nicht, dass »Neuheiden« an das glauben, an das sie glauben, sondern dass sie ihre Ansichten nicht auch als solche kenntlich machen. Solange dies nicht geschieht, muss das »Neuheidentum« mit unserem Widerstand rechnen. Die unabsichtliche Skurrilisierung unserer Mythen, die Verdrehung bzw. Verzerrung der Geschichte (z.B. die Stellung der Frauen im Hellenentum) und die Verwendung der Götter als »Batterien« oder »Werkzeuge« für magische Zwecke ist des Hellenentums unwürdig und erschwert seine Rehabilitierung. Das hat das hellenische Volk nicht verdient. Vor allem stört die Zwangsverpackung der Götter in ein Denkparadigma, das jeglicher Pietät oder Achtung entbehrt. Wenn aber ein lächerliches Bild von ihnen und ihrem Kult nach außen gezeichnet wird, schadet es uns, weil es auf uns zurückfällt. Die Absurdisierung des Polytheismus durch seine Einbeziehung ins »Neuheidentum« schadet den Hellenen, weil sie dann mit diesem assoziiert werden. Die Menschen unterscheiden nun mal nicht zwischen wikipediagemachten und echten »Neuheiden«, und weil wir mit der aller »Gewalt der Arroganz« ins gleiche Boot verfrachtet wurden, bekommen wir die Reaktionen der Leute am »eigenen Leib« zu spüren. Klar, wir können später erklären, dass das nicht unsere Götter sind und wir damit nichts zu tun haben, aber wenn etwas erst ein mal im Bewusstsein der Menge eingegangen ist, kann es nur schwer korrigiert werden. Das können wir zur Zeit in Griechenland beobachten, wo die Propaganda zwar viel länger läuft, aber dennoch veranschaulicht, wohin solche Entwicklungen führen können. Zwar haben die meisten »Neuheiden« sicherlich keine bösen Absichten, doch ändert dies nichts am Endergebnis. Ehrlich gesagt zweifle ich daran, dass, wenn der Hellenismos genauso stark wäre wie z.B. der Hinduismus oder Buddhismus und ebenfalls den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts genießen würde, man das gleiche Verhalten gegenüber uns und unserer Religion an den Tag legen würde, wie es zur Zeit der Fall ist. Nun haben wir diese Stärke noch nicht und können deshalb z.B. gegen Wikipedia nicht rechtlich vorgehen. Doch die Zeit arbeitet für uns.

Es gibt aber auch einen weiteren, oben schon genannten Grund, weshalb der Hellenismos nicht »neopagan« sein kann: die Hellenen sind keine »Anhänger« einer Religion, sie sind Mitglieder einer Ethnie, in der es auch Atheisten und Agnostiker gibt, auch wenn diese eine kleine Minderheit bilden. Das wurde nie beachtet. Ein andere Frage, die unbeantwortet bleibt, ist die Frage nach den Kriterien, nach denen entschieden wird, welche Religion »neopagan« zu nennen ist. Der Vorgang der Einstufung ist intransparent. Stichhaltige Gründe werden ebenfalls nicht angegeben. Wir jedenfalls haben uns nicht von Christentum und Romiosini losgesagt, um beim »Neuheidentum« zu landen. Unser Ziel war das Hellenentum. Wir reinigten und befreiten uns vom christlichen Denken, von Motiven, vom Gedankengut und seinen Werten. Das war keine Selbstverständlichkeit. Durch diese Katharsis mussten wir alles auf den Kopf stellen, was wir als selbstverständlich erachteten; fast alles, was uns die neugriechische Gesellschaft, unser christliches Elternhaus und die Schule beibrachte, unser Selbstverständnis über Bord werfen, um den Pfad zum Hellenentum tatsächlich gehen zu können. Dieser Weg war steinig. Alles, von dem wir meinten, dass es zu uns gehöre, die »griechische« Identität ausmache und zur griechischen Kultur gehöre, weil die Schule und der Staat es uns so beibrachte, wurde angezweifelt und letztlich fallen gelassen. Sich davon zu lösen, selbst mit Hilfe antiker Literatur, ist schwer. Wir »fochten einen Kampf aus, um uns zu befreien. Manches fühlte sich bei seiner Entfernung aus unserem Bewusstsein an, als würde uns das »Herz zerspringen. Doch es musste sein, denn die Gedanken in unseren Köpfen waren nicht unsere eigenen, sondern wurden uns eingepflanzt«. Erst danach konnten wir als »freie Menschen entscheiden, wie wir von nun an über uns, den Kosmos, die Natur und die Menschen« denken würden.[119] Es ging nie (allein) darum, anstatt Jesus Zeus zu verehren, sondern ein anderes Wertesystem zu verinnerlichen und dadurch letztendlich andere Menschen zu werden. Das hellenische Denken üben bis es zu unserem eigenen wird. Es sich aneignen, verinnerlichen, die Welt aus hellenischen Augen betrachten, ohne sich vor der heutigen Zeit und ihren Herausforderungen zu verschließen, wie es die monotheistischen Religionen tun, weil sie an ein antikes Schriftgut gebunden sind.

Wir sind keine antiken Griechen, sondern Menschen der heutigen Zeit. Unsere Seelen indes haben einer anderen Kultur und einem anderen Wertesystem die Treue geschworen. Und diese andere Kultur kennt ein anderes Verhalten, Denken und Verstehen, das wir der heutigen Gesellschaft vorziehen. Wenn alles Christliche aus der Psyche nicht entfernt wird, wenn keine Entchristianisierung der Persönlichkeit stattfindet, wird jedes Bekenntnis zum Hellenentum nichts weiter, als bloßes Lippenbekenntnis bleiben. Erst wenn wir das Christentum, Abend- und Morgenland und die Romiosini aus unserem Bewusstsein entfernen, schaffen wir Raum für Neues. Und dieses Neue ist in unserem Fall das Hellenentum. Seine Wiederbelebung ist tatsächlich möglich, denn wir sprechen und schreiben Hellenisch. Schrift und Sprache der Hellenen beherbergen auch den Schlüssel zu ihrer Weltanschauung. Die große Mehrheit der ethnischen Hellenen lebt im Land der Hellenen, wo ihre Geschichte ein Stück weit immer noch lebendig, beinahe greifbar ist: Monumente erinnern an unsere Geschichte und Orte erzählen von den alten Mythen. Wir atmen und erleben das besondere Klima, die einzigartige Flora und Fauna Griechenlands, schwimmen in seinen Gewässern und schauen nachts zu den gleichen Sternen, die unseren Ahnen ein großes Rätsel waren und in Erstaunen versetzten. Am Wichtigsten ist wohl die Sprache in Zusammenhang mit den Sitten und Mythen. Erst durch sie können viele Konzepte hinter den Begriffen überhaupt verstanden werden, die sich nicht leicht ins Deutsche oder Englische übersetzen lassen. Durch sie gelangen wir in die Nähe der Alten. Nicht nur wegen des Einhaltens der Orthopraxie, sondern auch aus diesem Grund wird der Kult in Altgriechisch abgehalten. (Das Blut, das den Nationalisten so wichtig ist, spielt bei uns keine Rolle, deshalb interessieren uns solche Debatten nicht. Wer meint, wir könnten keine Hellenen sein, weil wir keine direkten Nachfahren von Perikles sind, der hat nicht verstanden, dass Blut nur biologisches Benzin, aber kein Übermittler von Tugenden oder ein Träger einer Identität ist. Und er hat nicht verstanden, dass es nicht darum geht, antike Griechen zu sein, sondern hellenische Menschen. Und wer kann schon behaupten, dass die Götter Griechen sind? Blut hat mit Ethos, Arete und Paideia nicht das Geringste zu tun. Wenn die Nationalisten auf die Bedeutung des »reinen« Blutes beharren, beweisen sie nur, dass sie die Kultur der Griechen nicht kennen, geschweige ihr angehören. Im Gegensatz zu ihnen geht es uns ethnischen Hellenen um die Weltanschauung und das Wertesystem der Hellenen, nicht um Körperflüssigkeiten.)

Der Hellenismos ist allen Behauptungen zum Trotz ein Ethnismus, der den Fortschritt, der ihn immer charakterisierte, nie von der Besinnung auf die Geschichte und genuine ethnische Identität abkoppelte. Diese Geschichte und Identität ist es, die ihn definiert und zu dem macht, was er ist. Deshalb werden wir uns weiterhin für seine Verteidigung, Rehabilitierung und Fortsetzung einsetzen und unser Bestes geben, damit die Menschen ihn als das kennenlernen und akzeptieren, was er wirklich ist, wissend, dass die zukünftigen Generationen das vollbringen werden, was wir begonnen haben. Wir schulden es den Gefallenen, auf das ihr Schweiß und Blut nicht vergeblich geflossen ist und wir schulden es den Ungeborenen, auf dass ihr Weg leichter wird, als unser eigener es war.

Stilian Ariston

 


Nachweise:

1. Douglas Groothuis: Was tun gegen New Age? Aufruf zum Widerstand. S. 17, 1. Auflage, Verlag Schulte & Gerth, Asslar 1989.

2. Neuheidentum, in: Duden Online (zuletzt abgerufen am 30.3.»2013«)

3. Um Missverständnisse zu vermeiden: »Hexe« und »Hexenbewegung« werden in dieser Bewegung positiv besetzt; sie sind Selbstbezeichnungen, keine Beleidigungen meinerseits. Die »Hexe« wird von diesen Gruppen und ihnen nahestehenden Individuen als Heilerin oder als Priesterin einer »großen Göttin« idealisiert und mit einer spezifischen religiösen Gesinnung in Verbindung gebracht.

4. Bedeutet etwa »Wesen, Kultur der Hellenen«. Hellenentum, in: Duden Online (zuletzt abgerufen am 30.3.»2013«)

5. Neopaganismus, in: Wikipedia (zuletzt abgerufen am 30.3.»2013«)

6. Timothy Jay Alexander im Interview mit dem hellenischen Magazin »Ideon Antron«, Ausgabe Nr. 2, S. 40-45, Herausgeber: Thyrsos, griechisch.

7. Marion Giebel: Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter. S. 8, Patmos, Düsseldorf 2006.

8. »Der Duotheismus ist innerhalb des Wicca auf die Arbeiten Dion Fortunes zurückzuführen […]. Dion Fortune war keine Hexe, sondern eine Anhängerin der westlich-okkultistischen Tradition, die deutliche kabbalistische Einflüsse aufweist.«

Janet Farrar, Gavin Bone: Progressive Witchcraft: Neue Ideen für den Hexenkult. S. 48, 1. Auflage, Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel 2005.

9. Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums Band 1, Die Frühzeit: Von den Ursprüngen im Alten Testament bis zum Tod des hl. Augustinus (430). S. 184, 6. Aufl., Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006.

10. Jannis Papajohanu: Psomiadis bei der Einweihung des Tempels der zwölf Götter, vom 17. August »2010«, in: Press(.)gr (Politik). URL: http://press-gr.blogspot.de/2010/08/blog-post_613.html (zuletzt abgerufen am 4.4.»2013«), griechisch.

11. YSEE: Welche Haltung habt ihr gegenüber den Theorien zur »Gruppe E(psilon)«?, in: YSEE (Häufig gestellte Fragen), URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=faq#9 (zuletzt abgerufen am 4.4.»2013«), griechisch.

12. Vlassis G. Rassias: Über die Tatsache, dass das Wort »Betrüger«, den Buchstaben E(psilon) enthält, in: Rassias (Artikel, News, Veranstaltungen). URL: http://rassias.gr/9008.html (zuletzt abgerufen am 29. Januar »2011«), griechisch.

13.FalseFaith: Die tragisch-komischen Taktiken der Apologeten von OODE, in: FalseFaith: Wissen macht frei (Januar »2009«). URL: http://falsefaith.blogspot.com/2009/01/blog-post_15.html (zuletzt abgerufen am 24.02.»2011«). Beitrag vom Donnerstag, den 15.01.»2009«. Ursprüngliche Quelle: http://ethnikoi.org/metallinosboys.htm, griechisch.

14. YSEE: Are you Pagans?, in: YSEE (Frequently asked questions about the Ethnic Hellenic religion and tradition: Theological and Cosmological matters), URL: http://www.ysee.gr/index-eng.php?type=english&f=faq#24 (zuletzt abgerufen am 4.4.»2013«), englisch.

15. Ingvar: Odinism And The Occult, in: Odinism Today, Ausgabe Nr. 17, Frühling »1995«.

16. Janet Farrar, Gavin Bone: Progressive Witchcraft: Neue Ideen für den Hexenkult. S. 50, 1. Auflage, Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel 2005.

17. Echte Hellenen, das bedeutet dem Ethos und der Weltanschauung, nicht nur dem Namen nach (bloß weil man sich so fühlt), Hellenen sein.

18. Ethnisches Hellenentum: die Kultur, Identität und das Wesen der antiken Griechen und polytheistischen Griechen (→ ethnischen Hellenen) der nach-christlichen Zeit. Das »Hellenentum« ist die deutsche Übersetzung für das griechische Wort »Hellenismos«.

19. »Ελληνισμός: of the Greeks, Hellenism […]. II. use of a pure Greek style and idiom […].«, Henry George Liddell, Robert Scott: A Greek-English Lexicon. S. 536, 9. Auflage, Oxford University Press, New York 1996.

20. Marion Giebel: Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter. S. 8, Patmos, Düsseldorf 2006.

21. Temple of the Greek Gods: Info, in: Temple of the Greek Gods (Facebook: Beschreibung). URL: https://www.facebook.com/templeofthegreekgods/info (zuletzt abgerufen am 4.5.»2013«).

22. Rainer Funk (Hg.): Einleitung: Das Leben selbst ist eine Kunst, in: Erich Fromm: Die Antwort der Liebe: Die Kunst des richtigen Lebens. S. 9, 2. Auflage, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2003.

23. Vlassis G. Rassias: Barbarische (Miss)Interpretationen der eingeborenen hellenischen Religion, in: Rassias (Artikel, Interviews, Veranstaltungen). URL: http://www.rassias.gr/1022.html (zuletzt abgerufen am 5.5.»2013«), griechisch. Zitat aus seiner von ihm gehaltenen Rede in der Veranstaltung »Das Wiederaufleben der antiken griechischen Religion«, die am 1.6.»2002« in der »Halle des Logos« in Athen statt fand.

24. Galater 4,8-11:8

25. 1. Korinther 10,20-21

26. Dion Fortune: Selbstverteidigung mit PSI: Sicherheit und Schutz durch geistige Kraft. S. 107, 7. Auflage, Ansata Verlag, München 2004.

27. ebd., S. 145

28. Dolores Ashcroft-Nowicki: Magische Rituale: Ein praktischer Lehrgang. S. 74, 5. Auflage, Hermann Bauer, Freiburg 2000.

29. Paul Veyne: Die griechisch-römische Religion: Kult, Frömmigkeit und Moral. S. 18-19, Reclam Verlag, Stuttgart 2008.

30. Dolores Ashcroft-Nowicki: a.a.O., S. 74

31. Dolores Ashcroft-Nowicki: ebd., S. 107

32. Starhawk: Der Hexenkult als Ur-Religion der großen Göttin: Magische Übungen, Rituale und Anrufungen. S. 134-135, 2. Auflage, Hermann Bauer Verlag, Freiburg 1985.

33. Vivianne Crowley: Phoenix aus der Flamme: Heidnische Spiritualität in der westlichen Welt. S. 111, Deutsche Erstausgabe, Edition Ananael, Bad Ischl 1995.

34. Scott Cunningham: Wicca: Einführung in die Spiritualität und Praxis der neuen Hexenkunst. S. 24, 1. Auflage, Ullstein Verlag, Berlin 2005.

35. Ellen Cannon Reed: The Heart of Wicca: Wise Words from a Crone on the Path. S. 71, Samuel Weiser, Inc., York Beach 2000.

36. Reed, a.a.O, ebd.

37. Nowicki: a.a.O., S. 132

38. Nowicki: a.a.O., S. 329

39. Eliphas Levi: Transzendentale Magie: Dogma und Ritual. S. 45, 2. Auflage der Neuausgabe, Ansata-Verlag, München 2002.

40. Levi: a.a.O., S. 27

41. Veyne: a.a.O., S. 27

42. James H. Brennan: Experimentelle Magie: Einführung und Praxis. S. 125, Sphinx Vlg., Basel 1985.

43. Phyllis Curott: Spirituelle Magie: Die hohe Kunst der Heiler und Hexen. S. 261-262, 2. Auflage, Heyne Verlag, München 2005.

44. Janet Farrar, Gavin Bone: Progressive Witchcraft: Neue Ideen für den Hexenkult. S. 80, 1. Auflage, Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel 2005.

45. Farrar, Bone: a.a.O., S. 80, 82, 189 und 195

46. Martin P. Nilsson: Griechischer Glaube. S. 27, A. Francke Verlag, Bern 1950.

47. Vivianne Crowley: Phoenix aus der Flamme: Heidnische Spiritualität in der westlichen Welt. S. 17, Deutsche Erstausgabe, Edition Ananael, Bad Ischl 1995.

48. James H. Brennan: Experimentelle Magie: Einführung und Praxis. S. 78, Sphinx Vlg., Basel 1985.

49. Vivianne Crowley: Wicca: Die alte Religion im neuen Zeitalter. S. 41-42, 3. Aufl., Edition Ananael, Bad Ischl 2004.

50. Vivianne Crowley: Phoenix aus der Flamme: Heidnische Spiritualität in der westlichen Welt. S. 24, Deutsche Erstausgabe, Edition Ananael, Bad Ischl 1995.

51. Crowley: Phoenix aus der Flamme: Heidnische Spiritualität in der westlichen Welt. S. 17

52. Crowley: Wicca: Die alte Religion im neuen Zeitalter. S. 26

53. Jörg Dittmer: Merkmale der Griechischen Religion, S. 2, in: Chairete (Griechisch: Sonstiges: 1. Allgemeines). URL: http://www.chairete.de/Beitrag/Griechisch/merkmale_der_griech._religi.pdf (zuletzt abgerufen am 17.6.»2011«).

54. Veyne: a.a.O., S. 163

55. Stilian Ariston: Der Philosoph im Auftrag Apollons – Sokrates war ein Polytheist, vom 26.3.»2013«, in: Stilian Ariston Blog (Philosophie). URL: http://stilian-ariston.blogspot.de/2013/03/der-philosoph-im-auftrag-apollons.html (zuletzt abgerufen am 6.5.»2013«).

56. Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. S. 435-436, Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1904.

57. Crowley: a.a.O., S. 29

58. Nilsson: a.a.O., S. 59

59. Veyne: a.a.O., S. 37. Quelle des Zitats: J. Scheid: Religion romaine et spiritualité, in: Archiv für Religionsgeschichte 5, S. 197-209, bes. 204, 2003.

60. Voulgarakis: Mary, Athena and Guanyin: What the Church, the Demos and the Sangha can teach us about religious pluralism and doctrinal conformity to socio-cultural standards, in: Bei Dawei, Derrick M. Nault, Evangelos Voulgarakis: Experiencing Globalization: Religion in Contemporary Contexts (Key Issues in Modern Sociology). S. 94, Anthem Press, London/New York 2013.

61. Nilsson: a.a.O., S. 13

62. Walter Burkert: Greek Religion, S. 7, Blackwell Publishing Ltd./Harvard University Press, Malden/Oxford 1985.

63. Silver Ravenwolf: Das Zauberbuch der Freien Hexe: Übung & Meisterschaft. S. 244-245, 1. Auflage, Ullstein Verlag, Berlin 2004.

64. YSEE: Moderne »Liebesgeschichten«, in: YSEE (Liebesgeschichten). URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=love&lid=l4 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«), griechisch.

65. Promitheia: Sokrates Christodoularis beistehen, in: Promitheia (Archiv). URL: http://promitheia.wordpress.com/2010/06/03/socrates/ (zuletzt abgerufen am 02.5. »2011«). Artikel vom 03.6.»2010«, griechisch.

66. YSEE: a.a.O.

67. Harald Heppner (Hg.): Hauptstädte zwischen Save, Bosporus und Dnjepr: GeschichteFunktionnationale Symbolkraft. S. 86-87, Böhlau-Verlag, Wien; Köln; Weimar 1998.

68. Scott Cunningham: Wicca: Einführung in die Spiritualität und Praxis der neuen Hexenkunst. S. 25, 1. Auflage, Ullstein Verlag, Berlin 2005.

69. Veyne: a.a.O., S. 16

70. ebd.

71. Salustios, Vl. G. Rassias (Übers. u. Hg.): Peri Theon kai Kosmou (Über die Götter und den Kosmos), S. 39, Anichti Poli, Athen 2002 (griechisch).

72. Salustios: a.a.O., S. 36

73. 14. Herodot, A. Horneffer (Übers.): Historien. S. 132, 4. Auflage, Kröner Verlag, Stuttgart 1971.

74. Diese Prozesse werden bei Nilsson: Griechischer Glaube, gut, wenn auch m.M.n. nicht ganz wertneutral, geschildert.

75. Scott Cunningham: Handbuch der Natur- und Elementarmagie Teil 1.S. 25, 1. Aufl., Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel 2004.

76. Walter F. Otto: Theophania: Der Geist der altgriechischen Religion. S. 76, Rowohlt, Hamburg 1956.

77. ebd.

78. Salustios: a.a.O., S. 21

79. Vlassis G. Rassias: Thyrathen: Das Philosophie-Lexikon. S. 91, 1. Auflage, Anichti Poli, Athen 2006 (griechisch).

80. Wesen, in: Duden Online (zuletzt abgerufen am 4.4.»2013«). Wesen: aus dem Althochdeutschen wesan = Sein. Hat etwa die gleiche Bedeutung wie das griechische Όντα.

81. Nilsson: a.a.O., S. 109

82. Timothy Jay Alexander: Interview in »Ideon Antron«, veröffentlicht am 13. Januar »2011«, in: Hellenismos (Artikel, Kategorie: Hellenismos). URL: http://hellenismos.us/b/2011/01/interview-in-ideon-antron/ (zuletzt abgerufen am 15.4.»2011«). Quelle: Online-Zeitschrift »Ideon Antron« der hellenisch-polytheistischen Kultgemeinschaft Thyrsos.

83. The Church of Hellenes: Who we are, in: Hellenic Religion (Englische Startseite). URL: http://www.hellenicreligion.gr/doc_en/who-en.htm (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013).

84. YSEE: Wojciech Jan Rudny interviews a constitutional member of the Supreme Council of the Ethnikoi Hellenes, in: YSEE (Articles). URL: http://www.ysee.gr/index-eng.php?type=english&f=rozmowa_en(zuletzt abgerufen am 7.5.»2013).

85. FalseFaith: Die tragisch-komischen Taktiken der Apologeten von OODE, in: FalseFaith: Wissen macht frei (Januar »2009«). URL: http://falsefaith.blogspot.com/2009/01/blog-post_15.html (zuletzt abgerufen am 24.2.»2011«). Beitrag vom Donnerstag, den 15. Januar »2009«. Quelle: http://ethnikoi.org/metallinosboys.htm. Originalsprache: Griechisch.

86. FalseFaith: Wer steuert die »Apologeten«?, in: FalseFaith: Wissen macht frei (Januar 2009). URL: http://falsefaith.blogspot.com/2009/01/blog-post_09.html (zuletzt abgerufen am 24.2.»2011«). Beitrag vom Freitag, den 09. Januar »2009«. Quelle: http://ethnikoi.org/metallinosboys.htm. Originalsprache: Originalsprache: Griechisch.

87. Vlassis Rassias: Lieber Jannaki… Ein offener Brief an den Herausgeber des »Apollonischen Lichtes«, in: Rassias (Artikel, News, Veranstaltungen). URL: http://www.rassias.gr/1015.html (zuletzt abgerufen am 12. März »2011«), griechisch.

88. Diipetes: Antwort auf das Schreiben der Organisation »Chrysi Avgi«, in: Diipetes.YSEE (Ausgewählte Themen). URL: http://diipetes.ysee.gr/html/dx_30.html (zuletzt abgerufen am 14.5.»2012«). Originalsprache: Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen wurden von mir ins Deutsche übersetzt).

89. YSEE: Seid ihr »Paganisten«?, in: YSEE (Häufige Fragen). URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=faq#24 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch.

90. Ioannis Fourakis: Fourakis im Interview mit Pantelis Giannoulakis, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=71:-strange–2&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch, Quelle: Strange, Ausgabe Nr. 17, November »1999«.

91. ebd.

92. Apostolos Lakasas: Church of Greece split over role of neofascist Golden Dawn party, vom 08. November »2012«, in: Ekathimerini (News). URL: www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite1_1_08/11/2012_469127(zuletzt abgerufen am 29. November »2012«).

93. Fourakis: a.a.O.

94. Ioannis Fourakis: Pyr-ätherisches Interview, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=70:-strange—1&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch.

95. Ioannis Fourakis: Interview mit dem Magazin Strange, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=72:-strange–1&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch, Quelle: Strange, Ausgabe Nr. 1, Juni 1998.

96. Stelios Fanos: Die Organisation »Epsilon« und die Entwürdigung Griechenlands und seiner Geschichte, in: oodegr (Neuheiden: Themen). URL: http://www.oodegr.com/neopaganismos/syxrono_xali/E1.htm (zuletzt abgerufen am 13. April »2011«). Auszug aus dem Buch von Stelios Fanos: Handbuch der Bücher über das antike Griechenland, Band 2. S. 584-599, Kinisi Ideon Verlag, Athen 2005, ISBN: 960-90612-3-0, Sprache: Griechisch. Quelle des Artikels: Griechisches Magazin »Ardin«, Ausgabe Nr. 52, S. 27-33, Januar-März »2005«, griechisch.

97. Ioannis Fourakis: Pyr-ätherisches Interview, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=70:-strange—1&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch.

98. Ariadna Matamoros Fernàndez: Griechischer Religions-Salat, vom 10. Juli »2007«, in: Cafebabel (Gesellschaft). URL: http://www.cafebabel.de/article/21476/griechischer-religions-salat.html (zuletzt abgerufen am 01. Mai »2011«). Übersetzt von Jan Ehlert.

99. Ioannis Fourakis: Pyr-ätherisches Interview, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=63:2010-01-30-13-00-25&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch, Quelle: Apollonio Fos.

100. Ioannis Fourakis: Die Juden: (Ver)Fälscher der griechischen Geschichte, in: Fourakis (Bücher). Stand: 09. August »2011«. URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=59:2010-01-30-12-19-08&catid=35:2010-01-30-03-22-28&Itemid=29 (zuletzt abgerufen am 09. August »2011«). Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

101. Ioannis Fourakis: Der erste Konflikt zwischen Griechen und Juden, in: Fourakis (Bücher). Stand: 09. August »2011«. URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=51:2010-01-30-11-56-50&catid=35:2010-01-30-03-22-28&Itemid=29 (zuletzt abgerufen am 09. August »2011«). Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

102. Ioannis Fourakis interviewed von Pantelis Giannoulakis: Die Rückkehr der Götter, der Antichrist, die Hyperchthonischen, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=73:—-61&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 09. August »2011«). Quelle: Das Interview wurde in der 61. Ausgabe (April »1997«) der griechischen Zeitschrift »Trito Mati« veröffentlicht. Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

103. grekos1940: Der Betrug und die Lügen der Neuheiden!, in: YouTube. Stand: 09. August 2011. URL: http://www.youtube.com/watch?v=OfrH6jPZnE8 (zuletzt abgerufen am 09. August 2011). Ioannis Fourakis‘ letzte Rede vom 24. September 2010 in Griechenland. Ioannis Fourakis ist der Erfinder der »Epsilon«-Theorie. Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

104. balanthsberoia: Orphische Theologie: Der Monotheismus der Hellenen, in: YouTube (Upload: 2.12.»2011«). URL: http://www.youtube.com/watch?v=nT4Nk-hJrsc (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch.

105. Stilian Ariton: Über die wirklichen Unterschiede zwischen Polytheismus und Monotheismus, vom 29.3.»2013«, (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«).

106. A. Papapostolou: A Greek Bishop Blames Jews for Greece’s Problems, vom 23.12.»2010«, in: Greece.Greek.Reporter: News. URL: http://greece.greekreporter.com/2010/12/23/a-greek-bishop-blames-jews-for-greece%E2%80%99s-problems/ (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«).

107. National Journal: Hoher Kirchenführer prangert im Fernsehen ›jüdischen Weltverschwörungsplan‹ an, vom 1.1.»2011«, in: National Journal (Globalismus 2011). URL: http://globalfire.tv/nj/11de/globalismus/metropolit_juedische_weltverschwoerung.htm (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«).

108. Israswiss: Der Geist der Hellenen, in: israswiss (Community: Themen: D). URL: http://www.israswiss.net/shalom/lechaim/brennpunkt/53882196d2116c51b.html (zuletzt abgerufen am 29. April »2011«).

109. Metropolit Seraphim von Piräus: Die Politiker der Chrysi Avgi sind Neopaganisten, vom 23.4.»2013«, in: Enikos (Gesellschaft). URL: http://www.enikos.gr/society/139382,Serafeim:Einai_neopaganistes_sthn_Xrysh_.html (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch (Titel wurde ins Deutsche übersetzt).

110. Euromedianews: Greek-Orthodox Church blessed Greek nationalists, vom 27. Juni »2012«, in: Euromedianews (Juni »2012«) . URL: http://euromedianews.wordpress.com/2012/06/27/greek-orthodox-church-blessed-greek-nationalists/ (zuletzt abgerufen am 28. November »2012«).

111. Paul Veyne: a.a.O, S. 89

112. Martin P. Nilsson: a.a.O., S. 63

113. Jeanne Ruland: Das große Buch der Engel: Namen, Geschichte(n) und Rituale. S. 260, 6. Auflage, Schirner Verlag, Darmstadt 2006.

114. Ruland: a.a.O., S. 291

115. YSEE: Welche Haltung habt ihr gegenüber den Theorien zur »Gruppe E(psilon)«?, in: YSEE (Häufige Fragen). URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=faq#9 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«), griechisch.

116. Vlassis G. Rassias: Über die Tatsache, dass das Wort »Betrüger«, den Buchstaben E(psilon) enthält, in: Rassias (Artikel, News, Veranstaltungen). URL: http://rassias.gr/9008.html (zuletzt abgerufen am 29. Januar »2011«). Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

117. Pavlos Tzermias: Neugriechische Geschichte: Eine Einführung. S. 34, 3. überarb. u. erw. Aufl., Francke Verlag, Tübingen 1999.

118. Stephanos Mytilinäos: Der geheime »Attische Bund« der Griechen (Mittelalter – Renaissance), in: Logos Hellenikos: Geschichte, Philosophie, Orthos Logos (Stratioti). URL: http://logosellin.blogspot.de/2013/04/blog-post_5.html (zuletzt abgerufen am 5.4.»2013«). Originalquelle: griechisches Magazin DAVLOS, Ausgabe Nr. 272-273, August-September »2004«. Hauptquelle des Davlos-Artikels: Konstantinos Sathas: Mittelalterliche Bibliothek, Band 7, Venedig 1894, griechisch.

119. Kl. Ioannides und Vl. Rassias (Gäste): Tolmo (Fernsehsendung), 17.2.»2006«, Nikosia: Sigma Channel.

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