Hellenismos und Neopaganismus

1. Einleitung

2. »Neo-Hellenic Polytheism«

3. Okkultismus und »Neuheidentum«

4. Kirche, Esoterik und neugriechische »New-Age-Bewegung«

5. Schlusswort

Pan und Psyche (24)

Stilian Ariston, 22.05.»2013«. Erweitert am: 10.12.»2019«

1. Einleitung

Der folgende Artikel entstand als Antwort auf die im Internet häufig aufgestellte Behauptung, der Hellenismos sei eine »neopagane Bewegung«. Das Anliegen des Artikels verlangt deshalb nach einer kritischen Auseinandersetzung mit dem »Neopaganismus«, der im Artikel dem Hellenismos gegenübergestellt wird, um a) einen Vergleich zu ermöglichen und b) die Divergenzen zu bestimmen, die die im Raum stehende Behauptung widerlegen sollen. Anhand einiger Beispiele werden die fundamentalen Unterschiede, welche den diametralen Widerspruch zwischen Hellenismos und »Neopaganismus« ausmachen, weiter akzentuiert. Die Annahme, beim Hellenismos handele es sich um eine »neopagane religiöse Bewegung«, beruht auf einem grundlegenden und teilweise bis heute verbreiteten Missverständnis, das mir immer öfter begegnete und mir irgendwann die Idee aufkommen ließ, die Verschiedenheit des Hellenismos vom »Neopaganismus« schriftlich festzuhalten. Den entscheidenden Anlass zu diesem Schritt gab mir schließlich die lexikalische Datenbank Wikipedia, auf der der Hellenismos als »neuheidnische« Religion dargestellt wird. Da sich die Wikipedia als Enzyklopädie bezeichnet und von vielen deshalb als solche verstanden wird, bestand und besteht die Gefahr einer fehlerhaften Definition des Hellenismos, die aufgrund der angeblichen enzyklopädischen Neutralität keinen Anlass für Zweifel bieten sollte. Die Artikel in Wikipedia werden gemeinhin als vertrauenswürdig und zitierfähig eingeschätzt, Wikipedia selbst als unabhängig bewertet. Schon der Begriff der Enzyklopädie wird mit gesicherten Tatsachen, verifiziertem Wissen, mit Wissenschaft assoziiert. Es ist also nur natürlich, dass jemand die Informationen in Wikipedia für korrekt hält und ihnen vertraut. Genau das ist das Problem. Wikipedia ist nicht irgend eine Webseite, die kostenlos Informationen zur Verfügung stellt, sondern eine Datenbank, die sich als Enzyklopädie präsentiert und damit quasi Anspruch auf zuverlässige Informationen erhebt. Durch diesen Wahrheitsanspruch und die hohen Aufrufzahlen hat Wikipedia Macht und Deutungshoheit erlangt, die großen Schaden anrichten kann. Denn sie kann großen Einfluss auf die Wahrnehmung einer Sache nehmen. Im Falle des Hellenismos bedeutet dies, dass eine Vorstellung gefestigt und verbreitet wird, die falsch ist und doch die Haltung der Außenwelt zum Hellenismos beeinflussen könnte, weil sie über seine Wahrnehmung bestimmt. Das heißt: wird der Hellenismos als »neopagan« wahrgenommen, wird er auch so behandelt. Für die ethnischen Hellenen kann das nur vom Nachteil sein. So entstand die Notwendigkeit einer Erwiderung, einer Gegendarstellung, einem Gegengewicht zur Darstellung des Hellenismos durch außenstehende Dritte. Das Ergebnis ist eine mehrere Seiten umfassende Auseinandersetzung sowohl mit Wikipedia als auch mit dem »Neopaganismus«, um herauszufinden, wie es um den Wahrheitsgehalt der oben angesprochenen Prämisse steht.

Das Thema »Neopaganismus« beschäftigt den Hellenismos eigentlich nicht und betrifft ihn nur insofern, als er von außen damit in Verbindung gebracht wird. Vorweg sei angemerkt, dass der »Neopaganismus« im Text in Anführungsstrichen gesetzt wird, weil es einen alten »Paganismus« nie gegeben hat. Der Begriff ist eine Erfindung der antiken Christen und diente diesen zur Abwertung der traditionellen Götterkulte. Wenn es aber keinen alten »Paganismus« gab, kann es auch keinen neuen geben. Hinzu kommt, dass der Begriff mit Vorurteilen belegt ist und das Verständnis der ethnischen Religionen erschwert, weil er wie ein Filter wirkt, durch den das beobachtete Objekt verzerrt wird. Außerdem lässt er eine inhaltliche Nähe zwischen den ethnischen Religionen und dem sogenannten »Neopaganismus« vermuten und täuscht so über den Charakter des letzteren hinweg. Dadurch erweist er sich als unbrauchbar und irreführend. Der Leser sei auch daraufhin hingewiesen, dass bestimmte Punkte mehrmals wiederholt werden, zum einen, weil sie sehr wichtig für das Verständnis der behandelten Materie sind. Zum anderen deshalb, weil sie bisher allzu oft vernachlässigt wurden. Zunächst werden wir uns den »Neopaganismus« anschauen und dann einen Blick auf den Hellenismos werfen. Anschließend folgt die Analyse der Unterschiede des Hellenismos zum »Neopaganismus«, welche die These, der Hellenismos sei »neopagane Bewegung«, widerlegen soll.

Doch was ist der »Neopaganismus« eigentlich? Der »Neopaganismus« (auch »Neuheidentum«) ist eine neue religiöse Bewegung, welche aus dem Okkultismus hervorgegangen ist. Der Okkultismus wiederum ist ein Sammelbegriff für die magischen Vorstellungen und Praktiken des Abendlandes. Der »Neopaganismus« ist ein synkretistisches Glaubensgebäude, das sich hauptsächlich mit den ethnischen Religionen, Göttern, Mysterien und Mythen, wie sie von Okkultisten und »Neuheiden« verstanden werden, beschäftigt und sie in sein System und seine dem Okkultismus entnommene rituelle Grundstruktur mit einbezieht. Zwischen dem »Neopaganismus« und der New-Age-Bewegung gibt es viele Gemeinsamkeiten (z.B. Synkretismus, Berufung auf antike Traditionen, uneinheitliche Weltanschauung), insbesondere im Hinblick auf die Struktur und Mentalität ihrer Anhänger, immerhin stammen beide aus der gleichen Quelle. Die New-Age-Bewegung »ist ein Sammelbegriff, der sich auf eine Vielzahl von Personen, Organisationen, Veranstaltungen, Praktiken und Gedanken bezieht. Soziologisch ausgedrückt, handelt es sich nicht um eine zentral organisierte Bewegung mit einer Person als Führer. Obwohl sie … religiöse Splittergruppen … einschließt, ist sie nicht auf irgendeine davon eingegrenzt.«[1] Diese einleitende Definition der New-Age-Bewegung, die übrigens von einem christlichen Autoren stammt, ließe sich genauso gut auf den »Neopaganismus« anwenden, der wie die New-Age-Bewegung ständig im Wandel begriffen ist. Auch der »Neopaganismus« umfasst eine große Anzahl von Strömungen, Bewegungen, Organisationen und Personen mit unterschiedlichen Meinungen und religiösen Überzeugungen, die sich teilweise voneinander unterscheiden bzw. abgrenzen. So existieren zwischen dem angelsächsischen und kontinentaleuropäischen »Neopaganismus« etwa deutliche Unterschiede in der Mentalität, die zum Großteil kulturell begründet sind. Der Duden definiert den »Neopaganismus« als die »Gesamtheit verschiedener Strömungen moderner nichtchristlicher Religiosität«.[2] Dem »Neopaganismus« werden mehrere dutzend neue religiöse Bewegungen zugeordnet, wie z.B. die »neue Hexenbewegung«[3], die sich ihrerseits aus dem Wicca-Kult abgespalten hat, aber auch wiederhergestellte kulturspezifische Religionen und Traditionen wie die ägyptische (Kemetismus), germanische (Asatru) und römische (Religio Romana), weshalb diese dann auch mit dem Etikett »neopagan« versehen werden, obwohl sie zu einer anderen Kategorie von Religion und zu einer anderen Kultur gehören. Aber später mehr dazu.

Auch der Hellenismos, die eingeborene Religion des Hellenentums,[4] wird beispielsweise im Artikel über den »Neopaganismus« auf Wikipedia in die aufgestellte Liste »neopaganer« Glaubensgruppen mit aufgenommen und auf diese Weise zu einer »neuheidnischen« Religion deklariert.[5] Dabei ist er keine »neue Religiosität«, sondern existiert vielmehr bereits seit frühester Zeit. Der Hellenismos ist die Kulturtradition der hellenischen Ethnie, also nichts Neues. Im Wikipedia-Artikel jedoch steht er zusammen mit anderen revitalisierten ethnischen Religionen in einer Liste mit diversen Bewegungen und Gruppen, deren Terminologien, Konzepte und Theologien Produkte einer komplett anderen Kultur sind, nämlich des Abendlandes. Es sind Gruppen, die dem Hellenentum fremd und deren Ansichten unvereinbar mit seinen Prinzipien sind (z.B. der Eusebeia). Auf der einen Seite ethnische Religionen und auf der anderen »Hexenglauben«, Wicca-Kult, Göttinnenspiritualität, Gaia-Religion, die »Church of all worlds«: »Neopaganismus«. Sogar »okkultistische Strömungen« [sic!] wie Aleister Crowleys »Thelema, der Luziferianismus, Temple of Set«, die Gnosis, Kabbala und sogar die Hermetik finden im gleichen Wikipedia-Eintrag eine explizite Erwähnung. Obendrein ist von »Überschneidungen« zwischen diesen okkultistischen Strömungen und manchen »neopaganen« Gruppen die Rede, wodurch bei den Lesern der Eindruck entstehen könnte, der Hellenismos würde in irgendeiner Form Beziehungen zu diesen Gruppen unterhalten, was aber nicht der Fall ist. Ganz im Gegenteil befürworten hellenische Kollektive den Kampf gegen die Ausbeutung und Kommerzialisierung indigener Traditionen wie zum Beispiel die der Lakota durch die New-Age-Bewegung. Folgerichtig lehnen sie das »Neuheidentum«, die New-Age-Bewegung und den Okkultismus, »Erzeugnisse« des christlich-esoterischen Monotheismus, ab.[6]

Ebenso wird auf Wikipedia zwischen Hellenismos und dem »Neopaganismus« in Griechenland überhaupt nicht differenziert, wie uns das Bild vom sogenannten »Tempel der Hellenisten in Thessaloniki« in den Wikipedia-Einträgen »Neopaganismus« und »Hellenismos (Religion)« vor Augen führt. Und das wohlgemerkt, obwohl auf der Diskussionsseite zu den Einträgen mehrmals darauf hingewiesen wurde, dass besagter »Tempel« nicht hellenisch ist und von Anhängern des »Archäozentrismus« gebaut wurde. Entsprechende Weblinks wurden zum Abruf bereitgestellt. Selbst der christliche Theologe und Religionswissenschaftler Vasilios Makrides, der sicher nicht zu den Freunden der ethnischen Hellenen gehört und zwischen ihnen und den griechischen »Neuheiden« offenbar nicht unterscheiden möchte, weiß zwischen Hellenen und »Hellenozentristen«, wie die Archäozentristen auch heißen, zu trennen (Vasilios N. Makrides: Hellenic Temples and Christian Churches, S. 269, New York/London 2009). Das will den Wikipedia-Autoren anscheinend nicht gelingen.

Der Hellenismos wird auf Wikipedia mit Gruppen in Verbindung gebracht, die ihm genauso fremd sind wie beispielsweise der Islam oder das Mormonentum. Das Einzige, das die ethnische hellenische Religion mit den »neuheidnischenen« Bewegungen zu verbinden scheint, ist ihr vermeintlich »heidnischer« Charakter, will heißen: sie alle sind nicht christlich. (Wie sie alle auch nicht islamisch, nicht buddhistisch, nicht hinduistisch und nicht jüdisch sind.) Diese Deutung und Klassifizierung unterschiedlichster Kulturen und Traditionen ist ganz offensichtlich von einem christozentristischen Vorverständnis geprägt und kann auf Grund der gegebenen Willkür keinen Anspruch auf Gültigkeit erheben. Die ermittelte Haltung und Beziehung der jeweiligen animistischen Religion zum Christentum liefert kaum brauchbare Daten für ihre Klassifizierung oder Identität. Eine nicht-christliche Identität oder Verneinung des Christentums sagt bloß aus, was eine bestimmte Religion nicht ist. Aus der nicht-christlichen Identität einer Religion lassen sich keine essentiellen Gemeinsamkeiten zwischen ihr und anderen nicht-christlichen Religionen konstruieren, die obendrein auch noch eine gemeinsame Religionskategorie bilden sollen. Das gilt in besonderer Weise für den Hellenismos, der nicht nur Kult und Pietät ist, sondern auch die hellenische Bildungstradition (Padeia), die Identität und das identitätsstiftende Ethos der hellenischen Ethnie mit einschließt.[7] Die Religion ist nur ein Element der hellenischen Identität, die nicht auf dieses eine Element reduziert ist. Den Hellenen geht es bekanntermaßen nicht allein um die traditionelle Götterverehrung, sondern um die Rückkehr zu ihrer eigenen Identität, die eben auch diese Religion umfasst – inwiefern hierin ein »Neuheidentum« ausfindig gemacht werden kann, entzieht sich unserer Kenntnis.

Aber diese Klassifizierung betrifft nicht nur den Hellenismos, sondern auch andere ethnische Religionen wie die Romuva und Dievturi. Darauf wurde weiter oben bereits hingewiesen. Auch in diesen Fällen wird die Kontinuität in der Sprache, in den Sitten und Bräuchen einfach übergangen. Wenn Menschen, die zu ihrer genuinen Kultur zurückkehren, automatisch zu »Neuheiden« werden, nicht etwa Angehörige einer Ethnie, sondern Anhänger einer neuen religiösen Bewegung sein sollen, was sagt das dann über die Lakota aus? Sind das auch »Neuheiden«? Denn gemäß Wikipedia landen Völker oder Gruppen, welche sich auf die eingeborene Kultur ihrer Heimat besinnen, automatisch im »Neopaganismus«. Aber diese fehlende Einsicht in die Relativität der eurozentristischen Sichtweisen gewährt uns wiederum einen tiefen Einblick in den religionswissenschaftlichen Dilettantismus hinter der Maske der Wertneutralität, die Wikipedia für sich in Anspruch nimmt. Es ist zumindest bedenklich, wenn eine Datenbank, die sich als Enzyklopädie versteht, keinen einzigen Nachweis vorlegt, der die These oder Ansicht stützen würde, dass eine Religion wie der Hellenismos der Kategorie »Neuheidentum« zugeführt werden müsste. Einen solchen Nachweis kann es wahrscheinlich gar nicht geben. Allerdings kann das nur dann einleuchten, wenn die Geschichte des Hellenismos und die Kontinuität der hellenischen Sprache zur Kenntnis genommen wurde. Kein einziger wissenschaftlicher Beleg wird angeführt, der die Aufnahme des Hellenismos in die Liste mit den »neuheidnischen Bewegungen« rechtfertigen oder zumindest plausibel erscheinen lassen würde. Weshalb sind die ethnischen Hellenen denn »Neuheiden« und nicht etwa Neohinduisten oder Neu-Mormonen? Weshalb soll der Hellenismos zu dieser und nicht zu einer anderen Bewegung gezählt werden? Ich hätte gern die dahinterstehende Logik erklärt bekommen, aber leider war niemand auf Wikipedia bereit, mir vernünftige Antworten auf diese Fragen zu geben. Abgesehen davon zeugt der Artikel von einer außerordentlichen Geschmacklosigkeit und Ignoranz gegenüber der hellenischen Geschichte. Vor dem Hintergrund des kulturellen Völkermordes des Byzantinischen Reiches und seiner Kirche an den Hellenen, kann die Bezeichnung des Hellenismos als »neopagane« Religion im glücklichsten Fall als fehlende Sensibilität aufgefasst werden, wenn nicht als eine Verhöhnung der Opfer, wie sie aktuell von kirchlichen Kreisen betrieben wird, die etwa Juvenalios einen »neuen Götzendiener« und »Neopaganisten« schimpfen. Schließlich ist der »Paganismus« eine von den alten Christen eingeführte Bezeichnung für die traditionellen Kulte, die damit gedemütigt und in die Gosse gezogen werden sollen. Nicht zu vergessen, dass die Kirche in Griechenland die Hellenen weiterhin als »Neuheiden«, »Götzendiener« und »Teufelsanbeter« denunziert. Eine derartige Bezeichnung der ethnischen Hellenen gleicht der »Bezeichnung« der Afro-Amerikaner als »Neger«, der Juden als »Judensäue« oder der Lakota als »Wilde«. Es ist an der Zeit, dass die Verfasser der Wikipedia-Einträge und die Herausgeber der echten Enzyklopädien über die Herkunft, den Sinn und die Wirkung solcher Begriffe, die wie selbstverständlich benutzt werden, nachdenken und über ihren Inhalt reflektieren. Aber das erinnert uns eigentlich nur daran, dass Wikipedia keine neutrale Quelle ist. Das wird schon zu Beginn des Artikels klar. Aber, dass die entfremdenden und aus einer anderen kulturellen Perspektive herrührenden Begriffe »Neopaganismus und Neuheidentum … vom Hellenismus und einigen altheidnisch-germanischen und neokeltischen Gruppen … als pejorative Fremdbezeichnungen völlig abgelehnt« werden, scheint letztlich auch auf Wikipedia zur Kenntnis genommen worden zu sein. Weiter heißt es: »Als Eigenbezeichnung favorisieren diese, wie auch Teile der Wicca-Bewegung, den Begriff ›Alte Religion‹ oder ›Naturreligion‹«. Diese Aussage ist wiederum falsch. Es wird wohl seine Gründe haben, dass auch diese Aussage von keinem Nachweis begleitet wird.

Schon der Ausgangspunkt ist falsch oder im besten Fall unglücklich gewählt. Der Hellenismos ist keine »religiöse Bewegung«, sondern die Kultur und Lebensweise der Hellenen, ihre Identität. Der zeitgenössische Hellenismos verdankt seine heutige Existenz zwar der Rehellenisierungsbewegung, jedoch stellt er selbst keine Bewegung dar. Die Rehellenisierungsbewegung selbst wird zu den europäischen Revitalisierungsbewegungen gezählt und unterscheidet sich als solche fundamental vom »Neopaganismus« (Evgenia Fotiou, »We are the Indians of Greece«: Indigeneity and Religious Revitalization in modern Greece, CrossCurrents, Juni 2014, S. 219). Die Hauptträger und Repräsentanten des Hellenismos sind der Oberste Rat der ethnischen Hellenen (YSEE) und die Kultgemeinschaft LABRYS. Beim YSEE handelt es sich im Kern um eine nativistische Bewegung. Eine nativistische Bewegung ist jedes »bewusste, organisierte Bestreben von Mitgliedern einer Gesellschaft, ausgewählte Aspekte ihrer Kultur zu revitalisieren oder weiterzuführen« (Ralph Linton: Nativistic Movements, in: American Anthropologist, Band 45, Nr. 2, S. 230, 1943). Diese »Bewegung« wurde von Kaiser Julians Restaurationspolitik angestoßen und von Plethon fortgesetzt. Zwar stellt die Rehellenisierung keine ungebrochene Bewegung dar, zumindest lässt sich das Gegenteil aufgrund fehlender Verbindungslinien schwer nachweisen, sondern vielmehr einen polydimensionalen organisierten Handlungsstrang, der nur ein einziges Ziel kennt: die Wiederherstellung der hellenischen Kultur und Lebensweise. Der Aufsatz der Anthropologin Dr. Evgenia Fotiou ist diesbezüglich von erhellender Bedeutung.

Der Hellenismos wurde von Menschen wiederhergestellt, die sich auf den Weg zu ihrer eigenen Kultur und zu ihrem »väterlichen Ethos« machten. Zur eigentlichen Kultur Griechenlands. Das alles steht in keiner signifikanten Relation zum »Neuheidentum« oder zum Okkultismus (»moderne nicht-christliche Religiosität«), welche keine traditionellen Religionen, sondern eher Sammelbegriffe für religiöse Gruppen, Praktiken und Anschauungen des Okzidents darstellen. »Neuheiden« und Okkultisten sind weder Ethniker noch kümmert sie die Restauration von indigenen Religionen. Zudem ist ihre Nähe zum jüdisch-christlichen Monotheismus evident, selbst wenn dies gelegentlich verleugnet wird. Doch kommt diese Verleugnung nicht von ungefähr. »Die Verleugnung gehört zur Industriegesellschaft«, stellt der deutsche Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer in seinem Buch Die Angst vor Nähe fest (S. 142, Reinbek bei Hamburg 1985). Beide sind Geschöpfe der christlichen Welt. Aber die hellenische Kultur ist eine Alternative zum Christentum, zum Abendland, seinen religiösen Splittergruppen oder parachristlichen Bewegungen. Gerade weil er eine Alternative zum Christentum, seinen Werten, Prinzipien und seiner Kultur insgesamt ist, kann der Hellenismos nicht allen Ernstes mit Gruppen assoziiert werden, die zum Abendland gehören, andere Ziele verfolgen und Theologien anhängen, die von Okkultisten entworfen wurden (etwa den Duotheismus[8]). Bereits an diesem Punkt stoßen wir auf Dissonanzen, die erhebliche Zweifel an der Klassifizierung des Hellenismos aufkommen lassen müssten. Zweifel, die eine tiefergehende Recherche der behandelten Materie anregen. Doch trotz fehlender Belege besteht Wikipedia weiterhin auf die These: Der Hellenismos ist ein »Neuheidentum«. Schauen wir uns also die angeblichen (»zentralen«) Ziele des »Neuheidentums« genauer an.

Die Ziele des »Neuheidentum« (Quelle: Wikipedia)

Die Ziele des »Neuheidentums« sind gemäß Wikipedia folgende: 1. Schutz der Umwelt, 2. »Erleben der Kräfte der Natur, die sich in Gestalt der Göttinnen und Götter anrufen lassen«, 3. »besondere Bedeutung des weiblichen Prinzips«, 4. »Abwendungen von einer Priesterreligion, Betonung des direkten Glaubenserlebnisses und dezentrale Organisationsform«, 5. »kein dogmatisches Glaubensbekenntnis, stattdessen individualisiertes Erleben von Gläubigkeit und Vielfalt gleichberechtigter Kulte«, 6. »möglichst naturnahe Lebensweise in einer hoch technisierten« Welt, 7. Kritik an monotheistischen Religionen wie dem Christentum, 8. »weltweite Verbreitung neuheidnischer Kulte als Glaube an viele Gottheiten, in Europa Bezug auf germanisches, keltisches, wendisches Neuheidentum, in Amerika auch Bezug auf indianische Stammesreligionen«, 9. »Betonung der Freiheit des Einzelnen«.

Wikipedia stützt sich hier auf zwei Quellen, die beide nichts über den Hellenismos aussagen: 1.) die private Webseite eines gewissen Eric S. Raymond: Neopaganism-FAQ und 2.) Kathrin Fischer: Das Wiccatum: Volkskundliche Nachforschungen zu heidnischen Hexen im deutschsprachigen Raum, Würzburg 2007. Raymond stützt sich wiederum auf Veröffentlichungen von Margot Adler, Starhawk, Robert Shea und Robert Anton Wilson, Joseph Campbell und Isaac Bonewits, die in der »amerikanischen neuheidnischen Szene« hohes Ansehen genießen, aber für den Hellenismos irrelevant sind, zumal sie den meisten ethnischen Hellenen unbekannt sein dürften. Aber aus hellenischer Sichtweise dürften auch die Ziele des »Neuheidentums« für den Hellenismos irrelevant sein, zumindest sind sie für ihn nicht charakteristisch.

1. Der Schutz der Umwelt ist den ethnischen Hellenen wie allen anderen verantwortungsbewussten Menschen ein wichtiges Anliegen, nicht nur aus Respektgründen gegen die Oreaden und Dryaden, sondern auch wegen unserer Verantwortung gegenüber unserer Heimat und den zukünftigen Generationen, die es sicher nicht verdienen, toxische Müllberge zu erben. Aber das ist kein ausschließlich »neuheidnisches« oder hellenisches Anliegen, sondern eher ein Gebot der Vernunft, dem auch Christen, Muslime und Juden folgen 2. Das würde nur dann auf den Hellenismos zutreffen, wenn seine Götter personal gedachte Naturkräfte wären. Wer die raue Natur erleben will, der braucht keinen Hellenismos; mit einem Skiurlaub, Bergsteigen oder Surfen wäre ihm am besten gedient. 3. Ein solches »Prinzip« interessiert nicht. Unsere Götter sind geschlechtslos und die aus der Zeit gefallene Frage nach der Gleichstellung von Frau und Mann wird mit der Aussage beantwortet, dass sie vorliegt, unabhängig davon, ob Gesellschaften sie anerkennen oder bestreiten. 4. Der Hellenismos war nie eine Priesterreligion, dennoch ist er organisiert. Im Mittelpunkt steht nicht der »Glaube«, sondern die Opferriten. 5. Das Hellenentum ist kollektivistisch strukturiert. Das bedeutet, dass die Gemeinschaft an erster Stelle steht und dem Individuum übergeordnet ist 6. Kommt darauf an, was man unter »natürlich« versteht. Wir definieren als natürlich, was von Natur aus gegeben war und vom Monotheismus zerstört wurde (»Ethnozid«): dass jedes Volk seine eigene Identität hat (»Ethnismus«) und eine seinen ureigenen Sitten entsprechende Lebensweise pflegt. Davon kann heute keine Rede sein, zumindest nicht in Europa. Diese natürliche Vielfalt der Ethnosphäre muss wiederhergestellt werden. Natürlich ist, dass die Völker ihrem genuinen Ethos folgen, nicht einer Identität, die ihnen aufgezwungen wurde. 7. Man versucht den kulturellen, politischen und religiösen Monotheismus zu überwinden, nicht zu kritisieren. Es würde den Völkern zum Vorteil gereichen, wenn sie erfahren, wie ihre Ahnen christianisiert wurden und dass die Christianisierung in vielen Fällen eigentlich nichts weiter war als eine kulturelle Massenvernichtung; durch die Rehabilitierung ihrer genuinen Traditionen sollen sie in die Lage versetzt werden, zu ihren ureigenen Kulturen zurückzukehren, falls dies möglich und erwünscht ist. 8. Wird auf keinen Fall beabsichtigt. Wünschenswert wäre eine Rückkehr der Völker zu sich selbst und zu ihren eigenen Kulturen, Wertesystemen und Religionen, nicht zu neuen religiösen Bewegungen. Der Bezug auf die hellenische oder indianische Tradition ist zwar evident, wird aber weder von Hellenen noch von den amerikanischen Ureinwohnern begrüßt, ganz im Gegenteil. Die Hellenen sehen es wie die Lakota-Indianer: Symbole, Götter und Mythen ihres Volkes sollen nicht verzerrt, kommerzialisiert, der Lächerlichkeit preisgegeben und mit widersinnigen Inhalten besetzt werden. 9. Das Gemeinschaftswesen wird betont. Freiheit kann nur dann existieren, wenn die Gedanken in unseren Köpfen tatsächlich unsere eigenen sind, der Geist nicht vom Eroberer »indoktriniert« wurde.

Ziele hellenischer Kollektive

Aus den obigen Kommentaren zu den Zielen des »Neuheidentums« wird ersichtlich, dass den Hellenismos andere Fragen bewegen. Daher hat er auch andere Ziele: Verständnis für alle anderen ethnischen Kulturen. Gesellschaftliche Anerkennung des hellenischen Ethnozids. Anerkennung des Hellenismos als Körperschaft des öffentlichen Rechts in Griechenland. Bau eines hellenischen Tempels, öffentlicher Altäre und Heiligtümer. Bau einer polytheistischen Bibliothek. Gründung einer hellenischen Schule in Athen. Förderung des griechischen Theaters. Unterweisung in Altgriechisch. (Vlassis G. Rassias über die Anerkennung der hellenischen Religion und Tradition, am 05. April »2014«; siehe auch: Ziele des Hellenismos.) Wie wir an den Zielsetzungen des Hellenismos erkennen können, sind die erheblichen Unterschiede zwischen Hellenismos und »Neuheidentum« nicht von der Hand zu weisen, denn dafür sind sie zu offensichtlich. Als sich mehrere hellenische Kollektive zum YSEE zusammenschlossen, geschah dies nicht der Förderung oder Betonung des »weiblichen Prinzips« oder der Naturverbundenheit wegen. Die Gründe waren der Schutz der eingeborenen hellenischen Tradition, die Rückkehr zur eigenen Kultur und die Verteidigung des Hellenentums vor seinen Gegnern. Das sind Ziele, für die viele Hellenen in Griechenland große Risiken eingegangen sind.

Es stellt sich also die berechtigte Frage, wie eine Tradition wie der Hellenismos »neuheidnisch« sein kann, wenn er sich vom »Neuheidentum« unterscheidet? Das »Neuheidentum« ist keine ethnische Religion, hat keine indigene Identität oder antike Wurzeln. Das »Neuheidentum« ist keine Alternative zum Abendland oder zur Romiosini und nicht an der Restauration der Ethnosphäre interessiert. Das »Neuheidentum« ist nicht im Europäischen Kongress der ethnischen Religion (ECER) vertreten und seine Verbände widmen sich gänzlich anderen Zielen. Das »Neuheidentum« speist sich aus dem Okkultismus, der New-Age- und New-Thought-Bewegung, deren Pioniere alles Christen gewesen sind (Cornelius Agrippa von Nettesheim, William Wynn Westcott, Samuel Liddell MacGregor Mathers, William Robert Woodman, Doreen Fortune und viele andere mehr). Wo soll es da Überschneidungen geben? Als ich auf Wikipedia auf diese Fakten aufmerksam machte, wurde ich darüber unterrichtet, dass alle antiken Religionen, die in der heutigen Zeit rekonstruiert wurden, »neuheidnisch« seien. Wie kann es aber ein neues (noch dazu romantisch verklärtes) »Heidentum« geben, wenn es kein altes »Heidentum« gegeben, jedes vermeintliche »Heidentum« nur in den Köpfen der Monotheisten existiert hat? Weiß man denn nicht, dass der »Paganismus« eine Erfindung der Monotheisten? Das vergleichsweise neutralere »Heidentum« entstammt der gleichen Quelle und beschränkt sich übrigens nicht auf die Religion. »Der sehr komplexe, sowohl den religiösen Kult wie die Intelligenz umfassende Begriff ›Heidentum‹ […] entstammt der Theologie, geht auf spätjüdisch-neutestamentliche Zeit zurück.«[9] Folglich kann es sich beim »Neuheidentum« nur um eine andere religiöse Strömung handeln, eben um eine neue, keine antike. Den Hellenismos gab es aber schon vor der Moderne. Wahrscheinlich haben die Verfasser des Eintrages nie davon gehört, dass die Bewohner des Dorfes Eleusis bei Athen bis ins 19. Jh. der Demeter huldigten (I. Kakridis: Die alten Hellenen im neugriechischen Volksglauben, München 1967). Ganz zu schweigen von anderen Dingen, die ihrer Aufmerksamkeit entgangen sind. Aber wenn das »Neuheidentum« tatsächlich ein Sammelbegriff für rekonstruierte ethnische Religionen sein soll, wie erklärt sich dann die Präsenz des Wicca-Kultes, des »Hexenglaubens« oder Thelemas im Artikel? Sind das auch antike, rekonstruierte ergo »neopagane« Religionen? Der Artikel zeugt von einer extrem schlechten Kenntnis der Materie. Die zu bemängelnden Wissenslücken über die Geschichte des Hellenismos lassen nur eine Schlussfolgerung zu: eine vorausgehende Recherche und Auseinandersetzung mit den ethnischen Hellenen hat es nicht gegeben. Das zeigt sich deutlich in der Einbindung eines Bildes in den Artikel, das einen angeblich »modernen griechischen Tempel« zeigt, der in Wahrheit ein »Tempel« der neugriechischen E(psilon)-Bewegung ist.[10] Epsilon ist der fünfte Buchstabe des griechischen Alphabets und der erste Buchstabe der griechischen Wörter für Hellene und Hellas. Die E(psilon)-Gruppe ist eine in den 1990er-Jahren formierte nationalistisch-mystizistische Bewegung in Griechenland, die sich mit der eingeborenen hellenischen Religion im Konflikt befindet.[11][12] Sie vereinigt in sich eine Vielzahl unterschiedlicher Elemente, die in ein zentrales soteriologisches Motiv münden. Der »Tempel« der Epsilonisten in Thessaloniki wird also als Tempel der Hellenisten ausgegeben, obwohl der Hellenismos noch keinen eigenen Tempel besitzt. Eine kurze Anfrage beim YSEE hätte dies bestätigen können. Ein Blick auf die Bilder von griechischen Tempeln hätte es aber auch getan. Griechische Tempelarchitektur sieht etwas anders aus. Jedenfalls lässt sich besagter »Tempel« weder dem korinthischen noch dem ionischen oder dorischen Stil einordnen.

Hinter dieser Darstellung des Hellenismos könnte Absicht stecken. Ich möchte keine Vorwürfe oder Beschuldigungen erheben, aber in jüngster Vergangenheit wurden ähnliche Aktionen von orthodoxen Fundamentalisten und Nationalisten ausgeführt. Die hatten offenbar nichts Besseres zu tun, als diverse griechische Foren zu infiltrieren, um durch Behauptungen und Falschmeldungen den Hellenismos zu diskreditieren und in die Nähe der E(psilon) zu rücken.[13] Selbstverständlich behaupten auch sie, dass der Hellenismos eine »neopagane« Religion oder Sekte sei. Aber die Verleumdungskampagnen gegen den (von »jüdischen und anderen fremden Mächten gesteuerten«) »neuen Götzenkult«, wie sie den Hellenismos nennen, beschränken sich in aller Regel auf Griechenland und Zypern. Deshalb scheint mir der Fall Wikipedia eher der Ignoranz ihrer Autoren geschuldet zu sein, trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack zurück. Gute, saubere Recherche sieht jedenfalls anders aus. Indes ist Wikipedia ist nur ein Beispiel von vielen und sicher nicht die Ursache des Problems. Wikipedia ist vielmehr ein Symptom. Diese Tragikomödie findet auf vielen weiteren Webseiten eine Plattform. Im Internet jagt ein religionswissenschaftlicher Dilettantismus den anderen. Der Hellenismos wird als alles Mögliche bezeichnet, die hellenischen Polytheisten werden mal in diese, mal in jene Ecke gestellt, auch auf Web- oder Nachrichtenseiten, die durchaus neutral sind. In einem Artikel über die hellenischen Polytheisten heißt es etwa: »Manche sind griechische Nationalisten, andere New Age Traditionalisten« (Why Does This Religion Worship Forgotten Gods?, in: WorldReligionNews vom 22.10.2017). So wird Wirklichkeit konstruiert. Was ist hier passiert? Wahrscheinlich wurde die allgemeine Außenperspektive übernommen. Wir wollen Journalisten nicht in ihre Arbeit reinreden oder erklären, wie sie ihren Job zu machen haben. Aber wir erwarten schon eine saubere Arbeit und gute Recherche. Denn Artikel haben Auswirkungen. Wir Hellenen können solche falschen Behauptungen nicht unkommentiert lassen, denn sie behindern die Rehabilitierung unserer Tradition. Sie zeichnen ein lächerliches Bild von der Realität, dessentwegen die Gefahr besteht, von der Weltgemeinschaft nicht ernst genommen zu werden. Jedoch kann keine Bewegung auf Unterstützung aus der Bevölkerung hoffen, wenn sie absurd erscheint. Deshalb die Fragen, die von den Autoren solcher Berichte oder Einträge beantwortet werden sollten: 1. Wenn es bereits früher keinen »Paganismus« gab, wie kann es dann heute einen neuen »Paganismus« geben? 2. Wie kann eine Religion, die den »Neopaganismus« ablehnt oder ihm grundlegend widerspricht, ihm nahe stehen, sogar zu ihm gehören? Ich würde mir wünschen, die betroffenen Verfasser würden über diese Fragen nachdenken. Es wäre auch für sie ein Gewinn, wenn sie den Wert oder die Aussagefähigkeit solcher Begriffe hinterfragen würden.

Was verbindet eigentlich den »Neopaganismus«, ein neues religiöses Phänomen, mit den ethnischen Religionen Europas? Nichts, lautet unsere Antwort.[14] Nicht nur die Ziele, auch die Weltanschauung ist eine andere; nichts Essentielles eint den europäischen Polytheismus mit dem »Neopaganismus«. Es liegt weder eine gemeinsame neuere Geschichte noch eine Terminologie oder ein gemeinsames Wertesystem vor. Es besteht nicht einmal eine Verwandtschaft zwischen diesen Gruppen und den ethnischen Religionen Europas. So lehnte Ralph Harrison (alias Ingvar), Oberhaupt der »Odinist Fellowship«, eine Zusammenarbeit mit okkultistischen und »neuheidnischen« Bewegungen ab, wegen der Gefahr, eben mit diesen Bewegungen verwechselt zu werden.[15] Hellenische Organisationen schließen den Dialog mit »neuheidnischen« Gruppierungen zwar nicht aus, dafür aber die Zusammenarbeit mit ihnen. Der YSEE kooperiert nur mit ethnischen Religionen, vorzugsweise mit denen, die wie er selbst im Europäischen Kongress Ethnischer Religionen vertreten sind. Weshalb auch mit Gruppen zusammenarbeiten, die einem genauso fremd sind wie beispielsweise die Zeugen Jehovas oder die Mormonen? Eine Zusammenarbeit ergäbe nur dann einen Sinn, wenn das Anliegen beider Seiten das gleiche wäre. Aber nicht nur die Ziele unterscheiden sich. Auch ihre konkreten Probleme sind andere. Negative Erfahrungen mit »neuheidnischen« Gruppen spielen sicherlich auch eine Rolle. Kurz: Es gibt schlicht keinen Grund für eine Zusammenarbeit.

Ein weiterer Grund für diese Haltung ist der diametrale Widerspruch zwischen der hellenischen Weltanschauung und dem »Neuheidentum«. Man braucht nur hellenische mit »neuheidnischen« Foren oder Publikationen zu vergleichen, um auf die unüberbrückbaren Interessen und Bezugssysteme zu stoßen. Außerdem steht der Hellenismos dem »Neuheidentum« und dem Okkultismus eher ablehnend oder kritisch gegenüber. Nicht zu vergessen, dass wesentliche Konzepte und Vorstellungen in Okkultismus und »Neuheidentum« aus der christlich-säkularen Welt stammen oder deutlich unter ihrem Einfluss stehen.[16] Deshalb fällt es so vielen Okkultisten und »Neuheiden« schwer, die ethnischen Götter der Griechen und ihren Polytheismus zu verstehen, denn sie schauen aus einem falschen, der historischen Wirklichkeit inadäquaten Blickwinkel auf sie, weswegen sie immer bei Deutungen landen, welche zu Sackgassen führen, eben weil ihnen das nötige Verständnis und die kulturelle Innenperspektive fehlt. »Neuheidnische« Konzepte (»Annehmen der Gottform«, »Arbeiten mit Göttern«) und Begriffe (»Weicher Polytheismus«, »Rekonstruktionismus«) sind den meisten Hellenen fremd; sie haben nie davon gehört. Die US-amerikanische Hellenisten kennen z.B. den »Rekonstruktionismus«, verstehen ihn aber als eine Wiederherstellungs-Methode, nicht als eine »Ausrichtung« innerhalb des »neopaganen« Spektrums. Abgesehen davon entwickelte sich der heutige Hellenismos unabhängig vom »Neuheidentum«, lange vor dessen Entstehung. Seine Startbedingungen waren andere und die Erfahrungen der Verfolgung, des Kulturmords und die zu allen Zeiten hervorgehobene indigene-hellenische Identität prägen bis in unsere Zeit die Bewusstheit der ethnischen Hellenen. (Nicht von ungefähr heißt es auf dem Cover der digitalen Version des Memorandums des YSEE an den griechischen Staat: Wir sind die »Indianer« Griechenlands.[17] Viele Hellenen studierten den indianischen Widerstand und fühlen sich der AIM verbunden. Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den Ureinwohnern Nordamerikas und den ethnischen Hellenen.[18])

Die Rehellenisierungsbewegung und der zeitgenössische Hellenismos sind nicht nur älter als das »Neuheidentum«, was einer Identifikation bereits widerspricht, sondern entstammen auch einer völlig anderen Welt, einer kollektivistischen. Das »Neuheidentum« hingegen ist extrem individualistisch, befolgt keine ethnische Orthopraxie, orientiert sich nicht am antiken Tugendsystem oder am hellenischen Ritualismus. Außerdem ist das »Neuheidentum« nicht an der Überwindung des kulturellen, politischen und religiösen Monotheismus interessiert (eine Überwindung des Monotheismus durch eine parachristliche Bewegung wäre sinnlos) und lässt auch keine Nähe zum antiken Wesen erkennen. Es orientiert sich nicht an die historische Wirklichkeit noch wird der Aufbau einer harmonischen Beziehung zum Ursprünglichen als wichtig erachtet. Richtig ist, was sich »gut« anfühlt, die eigene Kreativität anspricht, nicht, was historisch korrekt, möglich, wahrscheinlich oder den »väterlichen Sitten« entspricht. Das ist nicht per se schlecht, aber es ist etwas anderes als das, was der Hellenismos vertritt. Wird diese Mentalität angesprochen und vom traditionellen Polytheismus differenziert, fühlen sich manche »Neuheiden« und Okkultisten gleichermaßen vor den Kopf gestoßen. Vom Recht der Selbstdefinition ist dann die Rede oder vom Dogmatismus der »anderen«. Die eigene Inszenierung wird nicht überdenkt, was aber dringend notwendig wäre.

2. »Neo-Hellenic Polytheism«

Dieses für das »Neuheidentum« typische Charakteristikum zeigte sich aufs Neue bei der Gründung einer neuen »neuheidnischen« Strömung, die sich den Namen »Neo-Hellenischer Polytheismus« (im Folgenden NHP) gab. Der »NHP« wurde vom amerikanischen »Neuheiden« und Okkultisten Chris Aldridge erfunden, der den hellenischen Polytheismus als »Glaube an die griechischen Götter« auslegt. Wer ausschließlich das griechische Pantheon verehrt, der sei, so Aldridge, ein hellenischer Polytheist. Dass es in der hellenischen Religion nicht um »Glauben«, aber um die Praxis »nach väterlicher Sitte« geht, schien er nicht verstanden zu haben.

Zusammen mit seiner Frau eröffnete er 2010 den »Temple Of The Greek Gods« in North Carolina. Dort verehrte er und eine kleine Anzahl Gleichgesinnter die griechischen Götter auf »neuheidnische« Weise, praktizierte »neopagane« Rituale und bot Interessierten an, für sie die Tarot-Karten zu legen. Es bedarf nicht viel, um zu erkennen, dass der NHP nur eine von sehr vielen »neuheidnischen« Gruppierungen darstellt, die sich ägyptisch, keltisch, germanisch usw. nennen, ihre Zeremonien und Ritualstrukturen aber aus dem Fundus des Okkultismus entnehmen. Ein Etikettenschwindel. Mit der Tradition der Hellenen hat das freilich wenig gemein. Als diese Gruppe so weit ging, sich als Teil der hellenischen Religion zu präsentieren (nicht des »Neuheidentums«), die hellenische Religion neu definierte, nämlich aus einem »rekonstruktionistischen« (Hellenismos) und einen »lockeren« (NHP) Teil bestehend (dabei ist der Hellenismos keine Strömung, sondern die Bezeichnung für die hellenische Tradition) und sogar die »neuheidnische« Magie (!) zu einem zulässigen Element der hellenischen Religion erklärte, was die »neopagane« Identität dieser Gruppe nochmals unterstreicht, ist sie auf den massiven Widerspruch der sich allmählich zu Wort meldenden US-hellenischen Polytheisten gestoßen. Der Streit wurde öffentlich im Internet, im Forum des amerikanischen Hellenisten Timothy Jay Alexander ausgetragen. Die Hellenisten in den USA waren nicht bereit, den Missbrauch oder Verfälschung ihrer Religion durch außenstehende Dritte einfach hinzunehmen. Im Kern ging es ihnen darum, die Verbreitung von falschen Informationen zu verhindern oder besser gesagt Behauptungen anzufechten, die ein verzerrtes Bild vom Hellenismos skizzieren.

Der Versuch dieser »Neuheiden« im Hellenismos anzudocken, wurde abgeschmettert und die vermeintliche Nähe dieser Gruppe zum Hellenentum von hellenischer Seite rigoros abgestritten. Andernfalls bestünde die Gefahr einer Verfremdung oder Verfälschung des Hellenismos durch die New-Age-Bewegung, wie wir sie bei anderen Ethnien bereits beobachten können. Im Streitgespräch zwischen Chris Aldridge und Timothy Jay Alexander, dem profiliertesten Hellenisten der USA, wurde ein klares Signal, nämlich das der Differenz zwischen beiden Seiten, an die Öffentlichkeit gesendet. Das raue Gesprächsklima zwischen diesen »Neuheiden« und den hellenischen Polytheisten der USA trug das Seinige dazu bei, die Differenz nach außen zu akzentuieren. Nachdem der Annäherungsversuch scheiterte, zog sich der »NHP« in die »neopagane Community« zurück, wo er auch eigentlich hingehört. Fronten geklärt? Weit gefehlt. Auch nach dem im Internet ausgetragenen Streitgespräch zwischen mir und Chris Aldridge (Conversation between Polytheist and Neopagan), behauptete Letzterer weiterhin, eine Form des hellenischen Polytheismus zu praktizieren.

Die Gründer des »NHP« warfen den hellenischen Polytheisten Dogmatismus, Rigidität und Intoleranz vor. Und das alles nur, weil die Hellenisten kein »Neuheidentum« in ihrer Religion wollten. Nach dieser Logik müssten die Hindus ebenfalls intolerant sein, weil sie den Islam nicht in ihre Religion integrieren. Wahrscheinlich verstanden Aldridge und seine Frau die Bedeutung der Begriffe »Hellenismos« und »Tradition« nicht oder sie waren nicht willens zu akzeptieren, dass der Hellenismos kein offenes Feld ist, wo jedermann seinen Stand aufbauen und seine Ware anbieten kann. Die hellenische Religion ist eine kulturspezifische Religion und im Zentrum der griechischen Kultur zuhause. Das »Neuheidentum« – in welcher Form auch immer – ist vieles, nur nicht hellenisch. Es gehört nicht zum Hellenismos, genauso wenig wie das Christentum oder das Judentum. Dieses befremdliche Gehabe, oft zu beobachten im »Neuheidentum«, wo der eine angeblich »intolerant« ist, weil er seine Identität nicht verfremdet und in ihr Gegenteil gekehrt sehen will, trägt im Hellenismos nicht und wird von Hellenisten nicht akzeptiert. Genau betrachtet, verhält es sich gerade umgekehrt: Es ist die »neopagane« Intoleranz und Abneigung gegen Heterogenität, die sich langsam aber sicher zu einer Gefahr für die ethnischen Religionen entwickelt; sie schlägt zu, wenn die betroffene Tradition bereits beschädigt ist oder am Boden liegt, schlachtet sie aus, zieht ihr das Fell ab und streift es sich selbst über. In gewisser Hinsicht manifestiert sich in der New-Age-Bewegung der weltanschauuliche Arm des herrschenden Kulturimperialismus, unter dem vor allem die Kulturvölker leiden.

Aldridge und seine Gattin begnügten sich nicht damit, Videos auf YouTube zu laden, Interviews zu geben oder Publikationen zu veröffentlichen. Nein, sie gingen auch dazu über, Texte aus ihrer damaligen Webseite im Artikel der englischsprachigen Wikipedia über den Hellenismos einzufügen, vermutlich um das Bild vom hellenischen Polytheismus zu prägen und die hellenische Religion indirekt zu definieren. Später wurde der Abschnitt wieder aus dem Artikel gestrichen. Sie missachteten die Wünsche der hellenischen Polytheisten, den Namen ihrer Religion nicht zu missbrauchen und die Ablehnung des »Neuheidentum« durch die hellenische Tradition endlich zu akzeptieren. Zwar nannten sie den »Tempel der griechischen Götter«, geschmückt mit Gaia-Figuren im New-Age-Stil, eine Zeit lang weiterhin so, doch wurden sie in ihren Aussagen vorsichtiger. Es verging nicht viel Zeit, bis sie schließlich die Schließung des Tempels verkündeten, doch behaupteten sie nach wie vor, dass die ausschließliche Verehrung der griechischen Götter hellenischer Polytheismus sei. Die Art und Weise, wie dieser praktiziert wird, ist anscheinend egal. Man kann die Götter also auf griechische, christliche oder islamische Weise verehren, es spielt keine Rolle: es ist und bleibt hellenischer Polytheismus. Als ich Aldridge bat, mir einen wissenschaftlichen Nachweis zu bringen, wonach sein »Neuheidentum« Teil der griechischen Religion gewesen oder von den Griechen praktiziert wurde und deshalb als Teil der griechischen Religion betrachtet werden kann, bekam ich bloß die Antwort, dass es viele Wege gab, den Hellenismos zu praktizieren. Das stimmt. Aber im Gegensatz zum »NHP« waren alle diese Wege genuin griechisch und bildeten in ihrer Synthese die Kultweise der hellenischen Ethnie. Ob ich nun den spartanischen, arkadischen, korinthischen, delischen oder athenischen Weg nehme, alle waren sie Glieder derselben Kultur und sahen die Verehrung der griechischen Götter auf griechische Weise vor. Wie in allen ethnischen Religionen waren auch diese vielen Wege lokale Ausprägungen einer gemeinsamen Kultur und bildeten das Selbstverständnis und die besondere Tradition der jeweiligen Polis. Das »Neuheidentum« hingegen wurde nicht von den Griechen praktiziert. Und da der Begriff Griechische Religion die religiösen Anschauungen und Riten der alten Griechen meint (Enzyklopädie Britannica, Stichwort: greek religion), kann kein »Neuheidentum« der Welt dazu gezählt werden. Schon der Vergleich ist grotesk. Eigentlich ist es ganz simpel: das »Neuheidentum« stammt nicht aus Hellas, wurde nicht von den Griechen praktiziert, kommt in der Geschichte der hellenischen Ethnie nicht vor und kann daher auch nicht in der wiederhergestellten hellenischen Tradition vorkommen. Und über die Einordnung des Hellenismos in die »neuheidnischen Bewegungen« brauchen wir auch nicht sprechen, eben weil sie indiskutabel ist. Das Christentum brachte den Terror, der Okkultismus den christlichen Obskurantismus im scheinwissenschaftlichen Gewand, das »Neuheidentum« die Verfinsterung und die New-Age-Bewegung die Ausplünderung bzw. Kommerzialisierung der ethnischen Religionen. Und noch bevor letztere sich wieder auf die Beine stellen können, werden sie von links und rechts vereinnahmt und willkürlich von oben herab allerlei Bewegungen zugeordnet.

Im Verlauf des weiteren Gesprächs erklärte Aldridge, dass mir die Götter nicht gehören würden und ich intolerant sei, denn ich würde hellenische Polytheisten, die anders praktizieren, als ich es tue, nicht als solche gelten lassen. Dass es hier um die historisch und kulturell korrekte Art der Verehrung der Götter geht, schien er nicht begreifen zu können, weil er offensichtlich immer noch am »neopaganen« Paradigma festhielt, was er übrigens gar nicht abstritt. »Meine« oder »deine« Art zu praktizieren gibt es nicht, sondern nur die Art und Weise der hellenischen Ethnie zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Orten, schließlich war die hellenische Religion keine statische Größe. Der Hellenismos ist die historisch bekannte Religion der Griechen, die eben genau diese auch sein muss, um so heißen zu dürfen. Alles andere wäre unehrlich. Der hellenische Polytheismus ist die Verehrung der griechischen Götter auf griechische Weise. Andernfalls würde die hellenisch-polytheistische Tradition nicht Hellenismos[19] heißen. Kaiser Julian verlieh der hellenischen Tradition gerade deshalb diesen Namen, weil diese sich nicht »aufs Theologische beschränkt«, sondern vielmehr »die gesamte vom Griechentum geprägte Bildung und Kultur, auch die ethischen und staatspolitischen Vorstellungen« umfasst[20]. »Neuheidnische« Vorstellungen und Praktiken gehörten selbstverständlich nicht zur griechischen Kultur. Aldridge und seine Frau erklärten zu einem späteren Zeitpunkt, dass sie ihre Gruppe gerade deshalb »Neo-Hellenic Polytheism« nannten, weil sie zwischen sich und den »Rekonstruktionisten« differenzieren wollten. Der Hellenismos kann aber nur das sein, was die »Neuheiden« »rekonstruktionistisch« nennen.

Auf Facebook präsentierten sie ihren »Tempel« als eine »moderne religiöse Organisation des hellenischen Polytheismus«. Die Gründer des »Tempels« und des »NHP« verliehen sich selber die Titel »Priester der griechischen Götter«. Welches hellenische Kollektiv oder welche Kultgemeinschaft sie zu Priestern gewählt hat, wurde nicht gesagt. Sie erklärten, dass der »Tempel … nicht rekonstruktionistisch« sei und gaben zu, dass er in die Kategorie »Neopaganismus« falle. Deshalb akzeptiere der »Tempel« »alle Arten des hellenischen Polytheismus, den rekonstruktionistischen inbegriffen, und viele Arten von Neuheiden, die an die Götter glauben«. Diese Tatsache war ein »factor in its growth«. Im »Tempel« sei die Orthopraxie nicht zwingend und jeder kann die Götter verehren, wie es ihm oder ihr beliebt[21]. Wie das Vokabular ist auch die Einstellung zum Kult »neuheidnisch«. Diese sehr eigenwillige Mentalität lässt sich nicht mit der hellenischen Tradition vereinbaren und ist Ausdruck eines Individualismus, der sich nicht dem kollekiven Wohl unterordnen will und sich um keinen patrius ritus schert. Die schlechte Angewohnheit, mit den Traditionen anderer Kulturen »Fußball« zu spielen, ist einer der Gründe, weshalb die hellenische Tradition keine freundlichen Gefühle für das »Neuheidentum« hegt.

Wer in andere Traditionen eindringt, sich dort breitmacht und diese neu zu definieren versucht, ist selber schuld, wenn ihm dann der Wind ins Gesicht bläst. Die Re-Indigenisierung ist kein Rollenspiel. Die Intoleranz des »Neuheidentums« offenbart sein fehlendes Verständnis für die ethnischen Religionen und ihre Bedürfnisse, zeigt aber auch die Distanz zu ihrer Wirklichkeit an. Dies gilt im besonderen Maße für den sogenannten »eklektischen Neopaganismus«. Sie verkennen die Gründe und die Bedeutung einer Revitalisierung für die jeweilige Kultur. Die Tatsache, dass gewisse »Neuheiden« der Öffentlichkeit auf Biegen und Brechen weismachen wollen, »hellenische Polytheisten« zu sein und darüber hinaus uneinsichtig auf den »hellenischen« Charakter ihrer Praktiken beharren, obwohl ein solcher offensichtlich nicht vorliegt, akzentuiert das problematische Verhältnis des »Neopaganismus« zu den ethnischen Traditionen. Das wurde von Hellenen, aber auch von Okkultisten beklagt; man sei angeblich rigide und intolerant, nur weil man nicht etwas werden will, das man nicht ist und offenbar auch nicht sein möchte. Die Ursache dieser Spannungen liegt in der »neopaganen« Einstellung zu den ethnischen Religionen – und die kommt nicht von ungefähr, sondern wird in der dominierenden Kultur in den Industriestaaten beinahe mit der Muttermilch aufgesogen.

Die »Neuheiden« kommen in aller Regel über einschlägige Literatur zum »Neuheidentum«. Durch die Lektüre solcher Literatur lernen sie den »Paganismus«, seine Lebensphilosophie und sein Weltbild kennen. Mit der Zeit entsteht in ihnen ein inneres Bild vom »Paganismus« und sie eignen sich seine Einstellung an, die sie um ihre eigene persönliche Note erweitern. So weit, so gut. Das Problem fängt da an, wo diese Einstellung auch auf andere Bereiche übergreift. Der undifferenzierte und ausgeleierte Begriff »Paganismus« umfasst in unseren Tagen sowohl die traditionellen Religionen und Weltanschauungen als auch neuere religiöse Bewegungen, die sich angeblich an ethnische Religionen orientieren. Dadurch wird der Anschein einer globalen Einheitsreligion geweckt und Weltanschauungen durcheinandergewirbelt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Allein die Tatsache, dass sowohl die ethnischen Religionen als auch die »neopaganen« Bewegungen als »pagan« tituliert werden, suggeriert Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten, die keinen Wirklichkeitstest bestehen könnten. Dies wird spätestens beim Zusammentreffen der beiden Welten deutlich. Stellen wir uns einmal folgendes vor: ein »Neuheide« geht zu irgendeiner indigenen Tradition und gibt sich als ihr Mitglied aus, stellt die Gesamtheit seiner Praktiken und Anschauungen der Öffentlichkeit als Praktiken und Anschauungen dieser Tradition vor, versucht seine Praktiken in die betreffende Tradition einzuführen, sie zu definieren, ihre Inhalte zu bestimmen und in ihrem Namen zu sprechen, so wird er sicher auf massiven Widerstand stoßen und in einen ernsten Konflikt mit den Mitgliedern der dieser Tradition geraten. Denn die meisten ethnischen Traditionen, insbesondere der Hellenismos, tolerieren eine solche Einstellung nicht und sie wehren sich massiv gegen jede Art von religiösem Kolonialismus. Aus der Sicht eines »Neuheiden« mag dies als intolerant oder übertrieben gewertet werden. Aus der Perspektive der jeweiligen Ethnie handelt es sich dabei um Selbstschutz. Die verschiedenen Perspektiven sind das Resultat einer unterschiedlichen Sozialisation, kulturspezifischen Disposition und unterschiedlicher Erfahrungen. Das muss im Kontakt mit dem Anderen immer berücksichtigt werden, denn ansonsten besteht die Gefahr, dass wir uns gegenüber den Bedürfnissen oder Erfahrungen der anderen ignorant verhalten und dadurch in einen unnötigen Konflikt geraten. Selbstverständlich verhalten sich nicht alle »Neuheiden« gleich. Dennoch ist dieses Verhalten nicht untypisch für das »Neuheidentum«, insbesondere in den USA.

Wir Hellenen haben auch entsprechende Erfahrungen machen dürfen. Das hat zur Folge, dass einige Hellenen über ihre Tradition nicht öffentlich sprechen wollen. Sie sind zu der Meinung gekommen, dass wir uns bedeckt halten und nicht allzu viele Informationen mit der Öffentlichkeit teilen sollten, um keine Angriffsflächen zu bieten. Andere Hellenen wollen gar nicht mit außenstehenden Personen über ihre Tradition sprechen, weder öffentlich noch im privaten Gespräch. Die Erfahrung mit Antihellenismus aus der »pagan community« hat sie in dieser Entscheidung nur bestärkt. Negative Erfahrungen mit Rassisten und Neofaschisten in den sozialen Medien haben zusätzlich zu dieser Haltung beigetragen. Der Versuch der Inbesitznahme und Instrumentalisierung der griechischen und römischen Kultur durch solche Gruppen ist ein Problem, das hellenische Kollektive mindestens seit 1996 beschäftigt und sicher auch in Zukunft weiter beschäftigen wird, denn solche Vereinnahmungsversuche sind immer häufiger zu beobachten (siehe hierzu Jen Pinkowski: Hate Groups Love Ancient Greece and Rome. Scholars Are Pushing Back, in: Undark, zuletzt abgerufen am 02.06.»2019«). Die Reaktion dieser Hellenen, sich aus öffentlichen Debatten über den Hellenismos herauszuhalten, ist auf der einen Seite verständlich, auf der anderen Seite etwas problematisch, denn wenn nicht wir über den Hellenismos sprechen, werden andere für uns sprechen. Wenn wir dieser Entwicklung nicht jetzt Grenzen setzen, wird sie in Zukunft gefährlichere Formen annehmen. Natürlich bin ich nicht dafür, sensible Informationen aus dem Innenleben der hellenischen Gemeinschaft in der Öffentlichkeit breitzutreten. Darum geht es nicht. Mit unseren Artikeln, Beiträgen und Kommentaren schärfen wir das Profil des Hellenismos und versorgen Hellenisten in aller Welt mit Informationen, die sie für die Ausübung des Kultes oder für ein gutes Verständnis unserer Tradition benötigen, insbesondere wenn sie neu im Hellenismos sind. Außerdem zeigen wir Präsenz, beziehen Stellung, setzen klare Grenzen und verhindern auf diese Weise die Enteignung unserer Tradition. Es gibt meiner Einschätzung nach keinen anderen Weg; wir müssen lernen, Eindringlinge, wie sie ein Hellene richtig nannte, konsequent in ihre Schranken zu weisen und ihnen unmissverständlich klarmachen, dass ihnen der Hellenismos nicht wehrlos ausgeliefert und zur Ausbeutung freigegeben ist. Es muss für alle klar sein: Hier werden die Normen, Erwartungen und Imperative des »Neuheidentums« oder moderner Ideologien nicht akzeptiert und entschieden zurückgewiesen. Genau diese Botschaft wurde im Streigespräch mit Chris Aldridge ausgesendet. Der Disput mit den Vertretern des »NHP« ist für die Auseinandersetzung mit dem »Neuheidentum« von entscheidender Bedeutung gewesen. Er demonstriert zum einen die Haltung des Hellenismos und zum anderen die Differenz zwischen den revitalisierten ethnischen Religionen und den »neuheidnischen« Bewegungen. Dieser unüberbrückbare Gegensatz zwischen ihnen kommt sicher nicht von ungefähr, sondern liegt im Fundament der ethnischen Religionen begründet: Der Bezug auf das anzestrale Ethos.

Nachtrag: Mitte »2016« hat Chris Aldridge über ein öffentliches Netzwerk verlauten lassen, nicht mehr dem »Neopaganismus« anzugehören und zum Hellenismos gefunden zu haben. Mittlerweile scheint sein Tempel den Betrieb wieder aufgenommen zu haben, diesmal in Illinois.

3. Okkultismus und »Neuheidentum«

Dieser Bezug fehlt im »Neuheidentum«. Deswegen orientiert er sich nicht an der Tradition, sondern lässt sich von seinen Gefühlen leiten. Zwei seiner wesentlichen Eigenschaften, die zu Reibungen mit der Außenwelt führen, ist seine Selbstinszenierung und der Vorrang des Subjektiven vor dem Objektiven oder der Person vor der Tradition. Diese postmoderne Eigenheit ist nicht nur im »Neuheidentum« zu finden, sondern durchzieht die gesamte westliche Welt. Rainer Funk skizziert diese Selbstinszenierung mit den Worten: »Keiner hat das Recht zu sagen, was gut oder böse, richtig oder falsch, gesund oder krank, echt oder falsch, realitätsgerecht oder illusionär ist. Was zählt, ist allein die selbstbestimmte Inszenierung – dass Du Du selbst bist.«[22] Meiner Ansicht nach ist diese Form der Selbstbestimmung eine intrinsische Eigenschaft des postmodernen Individualismus und seiner Spiritualität.

Die Auseinandersetzung mit dem »NHP« wäre überflüssig gewesen, wenn seine Anhänger sich im Voraus die Mühe gemacht hätten, den Hellenismos und die Bedeutung der Begriffe Tradition oder Ethnismus zu studieren und zu verstehen. Die Differenz zwischen »Neuheidentum« und Hellenismos ist offensichtlich nicht nur religiöser Natur. Der Hellenismos hat eine andere neuere Geschichte, seine eigenen Repräsentanten, Vordenker und eine eigene Mentalität, die von Marginalisierung und Kampf geprägt ist, weshalb sie umso deutlicher hervorgehoben wird. Wenn ich Vordenker sage, meine ich nicht nur Kaiser Julian, Hypatia, Proklos, Damaskios oder Simplikios; ihr Wirken liegt etwas weiter zurück. Ich meine eher Georgios Gemistos Plethon, Michael Marullus, Thomas Taylor, Louis Menard, Dimitris Liantinis und Cornelius Castoriadis, in gewisser Hinsicht auch Percy Bysshe Shelley, James Hogg und Edward Calvert. Das »Neuheidentum« hingegen schaut auf Aleister Crowley, Gerald B. Gardner, Doreen Valiente, Patricia Crowther, Dion Fortune und Scott Cunningham zurück – die alle keine Ethniker waren. Außerdem sind sie alle praktizierende Okkultisten gewesen, während kein einziger Wegbereiter oder Vorreiter des Hellenismos Magie praktiziert(e), schon gar nicht die abendländische. Auch hierin unterscheidet sich der Hellenismos vom »Neuheidentum«. Leider wird dieser Punkt häufig vernachlässigt.

Für die große Mehrheit der »Neuheiden« gehört Magie zu ihrer Spiritualität und religiösen Praxis, zumal sich viele als Hexen verstehen, während die Hellenen, sofern sie überhaupt davon Notiz nehmen oder danach gefragt werden, sie als irrational oder unethisch ablehnen. Nicht nur die Bewertung der Magie ist eine andere, sondern selbst die Vorstellung davon, was Magie überhaupt ist. Jedes Verständnis »der Magie« ist kulturspezifisch. Uns liegt ausreichend ethnographisches Material aus der Antike und aus bis heute intakt gebliebenen indigenen Kulturen vor, um einen Vergleich anstellen zu können. Die daraus abgeleiteten ethnologischen Magietheorien lassen nur die Schlussfolgerung zu, dass die vermeintlichen oder tatsächlich magischen Praktiken und Vorstellungen eines Volkes vor dem Hintergrund seiner kulturellen Innenperspektive zu verstehen sind. Bernd-Christian Otto schreibt hierzu: »Ein Verstehen einzelner historischer Rezeptionen des Magiebegriffs ist … nur ausgehend von den jeweils autorspezifischen, kulturell-diskursiven Rahmenbedingungen möglich. Moderne Lesarten oder gar implizite Vorverständnisse sind bei der Rekonstruktion der historischen Semantik(en) des Begriffs … unbedingt auszublenden« (Magie: Rezeptions- und diskursgeschichtliche Analysen von der Antike bis zur Neuzeit, S. 14, Heidelberg 2009). Magie ist nicht gleich Magie. Die althergebrachten Denkschemata der eigenen Kultur können nicht pauschal auf Fremdkulturen übertragen werden. Schon allein deshalb ist die Bedeutung des vorangegangenen Zitats nicht zu unterschätzen, insbesondere für den Laien. Dass sich beispielsweise das westliche Magieverständnis nicht mit dem griechischen deckt, sollte eigentlich jedermann einleuchten, der sich mit diesen Fragen etwas genauer beschäftigt. Leider ist es so, dass vielen Menschen die Relativität ihrer eigenen Kultur gar nicht bewusst ist. Wir sehen die Welt und gehen davon aus, die anderen würden sie so sehen, wie wir sie sehen. In der Vergangenheit haben sowohl Okkultisten als auch »Neuheiden« aus dem angloamerikanischen Raum prominente Gestalten der griechischen Mythologie und Geschichte als Magier oder Hexen bezeichnet, weil sie in genau denselben christozentrischen Denkschablonen verhaftet bleiben, welche die alten Christen zum Fehlschluss verleitete (wenn es keine Strategie war), Hexerei und Vielgötterei seien ein und dasselbe; eine scheinbar fest im »Neuheidentum« verankerte Vorstellung, die alte Vorurteile perpetuiert. Diesen Fehler haben Laien und frühere Forscher gleichermaßen begangen. Während letztere aber aus den Fehlern ihrer Vorgänger lernen, stützen sich erstere teilweise immer noch auf antiquierte Interpretationen. Nicht nur die Vorstellungen über Magie erscheinen in diesem Zusammenhang als problematisch, der Begriff selbst ist ein Einfallstor für Projektionen: »Da Magie meist relational definiert wurde, also in Relation zum (christozentrischen) Religions- oder (akademischen) Wissenschaftsbegriff, mussten nur einzelne Fallbeispiele – etwa im Kontext ethnologischer Feldforschung – gefunden werden, in denen die Akteure anders handelten, als metasprachlich festgelegt, um die theoretischen Grundannahmen in Frage zu stellen. Parallel dazu […] verzerrte allein die Existenz einer substanziell ausgerichteten Metasprache die Beobachtung, Strukturierung und Erforschung religionswissenschaftlicher Gegenstandsbereiche. Die dadurch bereits begriffsimmanente Voreingenommenheit westlicher Forscher führte in vielen Fällen zur Anpassung realer Beobachtungsdaten an die verwendeten Leittermini und Theoriemodelle, wodurch die eigene Art zu denken reproduziert und veranschaulicht, das wirkliche Verständnis des Fremden jedoch mitunter erschwert, wenn nicht ganz verstellt wurde« (Bernd-Christian Otto, ebd., S. 8).

Im Internet drücken Hellenisten oft ihr Unbehagen über den rituellen Gebrauch griechischer Götternamen und Mythen von Seiten des Okkultismus und »Neuheidentums« aus. Die wesentliche Frage, die in diesem Zusammenhang entsteht, lautet: Wie gehen wir damit um? Dazu wurde in den letzten Jahren viel gesagt. Noch wichtiger scheint mir hier die Beantwortung der Gegenseite: Warum stört ihr euch daran? Viele Hellenisten stören sich deshalb daran, weil durch solche Praktiken die Wirklichkeit der Götter in der historisch erfassbaren Geschichte, Religion und Kunst der Hellenen, die ihre Götter schließlich am besten kannten, in einem Maße verkannt und verzerrt wird, dass diese »griechischen Götter« schlussendlich nur dem Namen nach griechisch sind. Würden beispielsweise die Autoren entsprechender Werke zumindest explizit darauf hinweisen, dass ihre Aussagen über das Hellenentum, seine Götter, Mythen, Mysterien etc., bloß die Interpretationen des jeweiligen Autors oder die Vorstellung seiner Glaubensgemeinschaft darstellen, wäre die Aufregung halb so groß. Doch ist dem nicht so. Unter dem Primat der persönlichen Neigungen über die historischen Tatsachen ist das »Neuheidentum« geradezu zu einem Synonym für Rückprojektion und Ignoranz geworden. Auf der anderen Seite besteht die reale Gefahr, mit diesen Gruppen verwechselt zu werden, was wiederum zu der Auffassung verleitet, der Hellenismos sei eine »neuheidnische Bewegung«. Das schadet hellenischen Interessen. Deshalb wehrt sich das hellenische Volk dagegen, dass seine Götternamen, Mythen und Praktiken missbraucht, kommerzialisiert und letztendlich mit andersartigen Inhalten aufgeladen werden. In dieser Hinsicht halten es die Hellenen wie das stolze Volk der Lakota und vertreten ähnliche Positionen, wie sie in der Kriegserklärung der Lakota vom 10.  Juni »1993« formuliert wurden (siehe: »Die Kriegserklärung der Lakota gegen die Ausbeuter der Lakota-Spiritualität«).

Die griechischen Götter wurden auch außerhalb des Hellenentums richtig erfasst (siehe Friedrich Hölderlins »Hyperions Schicksalslied«), der geistigen Nähe zum Hellenentum wegen, grundsätzlich gilt aber, dass Hellenen nicht-hellenische und unwissenschaftliche Aussagen, Lehren und Deutungen bezüglich ihrer Mythen und Götter für irrelevant halten; sie sind für den Hellenismos bedeutungslos. »Ich erklärte bereits vor zehn Jahren, dass ein Nicht-Ethniker, der über die ethnische hellenische Religion spricht und sie entsprechend deutet, genauso wenig ernst genommen werden kann, wie ein Mohammedaner, der über das Christentum spricht.«[23] Die Darstellung der griechischen Götter, ob im Archäozentrismus, im romäischen Nationalismus, im Okkultismus, in der Esoterik oder im »Neuheidentum«, steht in keinem Verhältnis zur Wirklichkeit, d.h. ihrer Wahrnehmung in der Geschichte. Die Götter werden zu Archetypen, Aspekten eines persönlichen Gottes, Personifikationen, Aspekten des Menschseins, Engeln oder zu bloßen Erfindungen erklärt. Die Deutungen und Aussagen der jeweiligen Gemeinschaften oder ihrer Vertreter variieren je nach Gusto. Allein die Diskrepanz zum Hellenentum bleibt konstant. Aber das betrifft nicht allein die Götter der Griechen. Diese Fremdheit zum europäischen Polytheismus erklärt sich meiner Einsicht nach aus der Kultur des Okkultismus und »Neuheidentums«: dem Abendland. Das Abendland ist das verbindende Glied zwischen all diesen Gemeinschaften, daher färbt es auf ihr Verständnis der ethnischen Götter ab. Das Fundament des Abendlandes ist das Christentum (deshalb auch der Begriff »jüdisch-christliches Abendland«, wobei ich persönlich der Meinung bin, dass dieser Begriff vor dem Hintergrund der geistigen Enteignung der Juden durch die frühen Christen und die Jahrhunderte andauernden Judenverfolgung von einer bemerkenswerten Schamlosigkeit zeugt.) Die extrem negative Einstellung des Christentums zu den ethnischen Religionen und ihren Göttern hat deutliche Spuren im Denken der Menschen hinterlassen, was nur natürlich ist, da die andere Perspektive fehlt. Nun hat diese Einstellung in den letzten zweihundert Jahren mancherlei Modifikationen erfahren und dadurch neuen Wertungen Vorschub geleistet, die von einem christlichen Ausgangspunkt vorgenommen worden sind. Allerdings ändert das nichts an der genuin christlichen Auffassung von den ethnischen Göttern, die in den parachristlichen Bewegungen weiter besteht und nur unzureichend kritisch reflektiert wird. So erklärt es sich, weshalb sich der Okkultismus diesbezüglich auf einer ähnlichen Bahn bewegt wie das Christentum, aus dem er hervorgegangen ist. An ein paar Beispielen will ich das verdeutlichen. 

Paulus von Tarsus, der Gründer des Christentums, nannte die ethnischen Götter Götter, die »in Wirklichkeit« keine seien,[24] »Dämonen« und »Götzen«.[25] Der Okkultismus übernahm diese »Tradition« und degradierte wie zuvor sein »Vater«, das Christentum, die Götter der Ethnien. So bezeichnete etwa die Okkultistin Dion Fortune, immerhin Ordensgründerin der Fraternity of the Inner Light, »Pluto und Hekate« als »böse Götter«.[26] Gleichzeitig degradierte sie alle »heidnischen Pantheons« zu »Engel[n] und Erzengel[n]« des »Allvaters«, der durch sie »die Welten« erschaffen haben soll.[27] Sie ordnete also Zeus & Co. der Jahve-Religion unter. Nun sind diese Götter, mit Ausnahme der missverstandenen Unterweltgötter Pluton und Hekate, augenscheinig keine sinistren Gestalten mehr, dafür aber weiterhin keine richtigen Götter, sondern bloß Diener und Geschöpfe eines Allvaters. Dieses Paradigma machte Schule. Der Okkultist W. E. Butler, Gründer der Servants of the Light School of Occult Science, machte aus den ethnischen Gottheiten die »Söhne des Gottes, von dem in der Bibel geschrieben steht, Wesen, die in früheren Manifestationen des Universums perfektioniert wurden und daher mit der Menschheit verwandt sind wie eine Art ältere Brüder. Die Menschheit ist eine andere, weniger perfekte Emanation, die noch einen weiten Weg zu gehen hat, bis sie den gleichen Status erreichen wird […].«[28] Aus hellenischer Sicht ist das Hybris. Eine solche Auffassung bricht mit der hellenischen Pietät, die eine Anerkennung der »Überlegenheit der Götter in Wort und Tat« vorsieht.[29]

Die synkretistische Okkultistin Dolores Ashcroft-Nowicki geht viel weiter und behauptet, dass »der einzige Unterschied« zwischen uns und den Göttern »[…] der ist, daß jene mehr Erfahrung haben, Sie jedoch über einen physischen Körper verfügen; um so schneller werden Sie in der Lage sein, sowohl mit Göttern und Gesetzen des Universums als auch durch sie zu arbeiten.«[30] »Arbeiten«, nicht »anbeten« oder »ehren«. Die »Arbeit mit Göttern« ist ein typisches Idiom des Okkultismus und »Neuheidentums«, für okkultistisch-»neopagane« Weltanschauungen geradezu kennzeichnend. Für Ashcroft-Nowicki kommen alle möglichen mythischen Personen oder Götter als »magische Partner« in Frage, von Osiris zu Hermes bis zu Jeschua ben Josef.[31] Dieser neue Synkretismus ist typisch für das »Neuheidentum«,[32] wobei man dem Credo folgt: »Alle Götter sind ein Gott und alle Göttinnen eine Göttin«. Dieses Credo scheint auf den ersten Blick den »neuheidnischen« Synkretismus zu rationalisieren, indem die Götter aller ethnischen Religionen zu Aspekten oder Manifestationen der »einen großen Göttin« und »des einen großen Gottes« umgedeutet werden. In Wirklichkeit wurden die schier unendlichen Facetten dieser zwei Götter mit den Namen, Mythen und Attributen antiker Gottheiten geschmückt,[33] deshalb handelt es sich bei dieser Variante des Okkultismus nicht um die »Verehrung« einer »Vielzahl« von Gottheiten, wie richtig bemerkt wurde, denn: »Sie alle gingen zusammen mit ihren Geschichten, Riten und Mythen in die Vorstellungswelt« des »neuen Heidentums« ein. »Einige Gläubige fühlen sich eben einfach wohler, wenn sie Göttin und Gott solche Namen und Formen geben können, anstatt sie als namenlose göttliche Wesen anzubeten.«[34] Dass diese Götter mit den Göttern der Hellenen nicht identisch sind, versteht sich eigentlich von selbst. Die Wicca-Priesterin Reed protestierte gegen diese im »Neuheidentum« dominierende Sichtweise,[35] wusste aber, dass sie mit Aussagen wie: »It is important to know the various deities as they are«, mehr oder weniger am Rande der »neuheidnischen« Community stand.[36]

Tatsache ist, dass es weder im Okkultismus noch im »Neuheidentum« ein einheitliches Bild von den ethnischen Göttern gibt. Mal werden sie als »vollkommene Menschen« dargestellt, dann werden sie an anderer Stelle als Wesen definiert, die im Grunde aus den »Ängste[n], Freuden, Hoffnungen und Probleme[n]« der Menschen entstanden sein sollen – und das in einem und demselben Buch.[37] Nur in einer Sache scheint sich Nowicki über die Götter sicher gewesen zu sein. »Sie brauchen Menschen wie Sie und mich, um atmen zu können.«[38] Dieser Satz bezeugt eigentlich ihre fehlenden Kenntnisse der Materie, denn die Götter brauchen nichts (Sallustios, Über die Götter und den Kosmos, XV). Genau das zeichnet eine Gottheit im Hellenismos aus. Während einem im modernen Okkultismus Ahnungslosigkeit, Ignoranz, sogar ein gewisses Maß an Unbehagen gegenüber dem Polytheismus ins Auge sticht, schlägt einem bei Eliphas Levi, dem Vordenker des modernen Okkultismus, christliche Arroganz und Geringschätzung sondergleichen entgegen. Sätze wie: »Das Heidentum hatte seine falsche Mystik, und darum hat sich das philosophische Dogma der alten Hellenen in Abgötterei verwandelt […]« sind für seine Weltanschauung charakteristisch.[39] Er bediente altgediente Unwahrheiten, um seinen eigenen Glauben auf- und die hellenische Religion abzuwerten.[40] Es überrascht daher nicht, dass auch der moderne Okkultismus wenig von den ethnischen Göttern hält, wahrscheinlich versteht er sie genauso wenig wie Levi die ethnischen Religionen verstand. Der gleichen Leichtfertigkeit begegnen wir bei der Interpretation der Mythen.

Wie im Westen und in der Romiosini üblich, werden im Okkultismus und »Neuheidentum« die Mythen der Griechen mit der eigentlichen Religion verwechselt. Genau besehen können wir das den beiden Bewegungen nicht zum Vorwurf machen, denn sie haben nur die Auffassung übernommen und verbreitet, die in der abendländischen Kultur seit Jahrhunderten vorherrscht und als allgemeingültig anerkannt wird. Doch die Mythologie war nur ein Element der Religion, machte diese aber nicht aus. »In Rom wie in Griechenland hatte die Mythologie eine zweifache Funktion. Sie bestand aus Geschichten, die den Hörer oder Leser erfreuen sollten, die die Ammen den Kindern erzählten und die den Malern und Bildhauern Themen an die Hand geben. Und sie war zugleich Teil der Religion.«[41] Verglichen mit der Gesamtbevölkerung der Industriestaaten wissen nur wenig Menschen darüber Bescheid. Die große Mehrheit der Menschen verwechselt heute noch den Mythos mit dem Kultus, auch die Kirchen unterscheiden nicht zwischen den Göttern und ihren Mythen. Das Ergebnis ist ein mythologischer Analphabetismus, der in Äußerungen wie der folgenden seinen Ausdruck findet: »Nur wenige der alten Götter waren reife, ausgeglichene Persönlichkeiten.«[42] Parachristliche Bewegungen wie der Okkultismus oder der Archäozentrismus (Archäolatrie) in Griechenland multiplizieren auf diese Weise alte Vorurteile und betreiben damit Gegenaufklärung zu Lasten der ethnischen Religionen.

Nicht nur von den Gottheiten wird ein desolates Bild gezeichnet, auch die Mythen werden ins »neopagane« Korsett gezwungen und für alle möglichen Theorien eingespannt, in der Hoffnung, diese glaubwürdig oder altehrwürdig erscheinen zu lassen. In dieser Hinsicht hat sich das »Neuheidentum« für den europäischen Polytheismus als Prokrustesbett erwiesen. Im »neuen Paganismus« werden Mythen, Mysterien und Götter des Hellenentums und anderer Kulturen willkürlich durcheinander geworfen und auf eine Weise interpretiert, welche zumindest auf Hellenen befremdend wirken muss. Mythen, Götternamen und Symbole werden mit modernen Ideologien überlagert, zu Kronzeugen für alle möglichen Weltbilder aufgebauscht und Begriffe teilweise falsch übersetzt. Insbesondere in Griechenland hat sich eine Paraphilologie oder Pseudophilologie etabliert, die mittlerweile erschreckende Ausmaße angenommen hat. Es scheint, als gäbe es keine Fraktion, die nicht auf griechische Mythen rekurriert: ob christliche Kreise, Faschisten, Antisemiten, Archäozentristen, Esoteriker, Ariosophen, UFO-Theoretiker, Okkultisten und »Neopaganisten«, sie alle mischen kräftig mit, gehen mit Taschenlampe und Archäologenhut auf Entdeckungsreise, und nie graben sie etwas anderes aus, als die wahre Bedeutung der Mythen. Das Plünderfeld der Mythologie ist auf der einen Seite die Kommerzialisierung des Heiligen und auf der anderen die humanitäre Ausbeutung, Entweihung, Verspottung der Mythen und Traditionen zum Zwecke der spirituellen Selbsterkenntnis. Folgen dieses Missbrauchs sind Verfälschung, Enteignung und die »systematische Vernichtung« (Kriegserklärung der Lakota) der betreffenden Tradition. Der religiöse Arm des Kulturimperialismus macht vor nichts und niemandem Halt. Kapitalistische Normen und Produktionsweisen sind der Esoterik längst in Blut und Knochen übergegangen und durchbluten als eine Art Verhaltensweise die atomistische bürgerliche Gesellschaft und ihre religiösen Bewegungen.

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Jede dieser Gruppen interpretiert die Mythen entsprechend ihrer Ideologie, Vorurteile und Weltbilder. Das gilt auch für die »Hexenbewegung«. Diese nimmt die Mythen durch die besonderen Filter des Öko-Feminismus und der Frauenspiritualität wahr und legt sie dementsprechend aus; sie macht einen eindeutig ideologischen Gebrauch der Mythen und projiziert eigene Vorstellungen auf die mentale Landschaft der hellenischen Ethnie. Ihre Auslegungen lassen in der Regel keine Nähe zum Hellenentum erkennen und sind im Grunde Angriffe eines verklärten Matriarchats auf ein verachtetes Patriarchat.[43] (Und damit ein neuer Dualismus.) Nun soll aber im Rahmen der »modernen Wiederbelebung der Hexenkunst [!] … die Rückkehr zum echten Glauben an die alten Götter Europas« ihren Lauf nehmen.[44] »Europäische Götter« wohlgemerkt, die in einen »psychischen Dämmerzustand gesunken« seien, weil sie über viele Jahre hinweg nicht angebetet wurden. Götter mit »kleine[n] Mängel[n] und Fehler[n]«, die nur darauf warten, von den »heutigen Hexen« geweckt zu werden, z.B. durch Zaubersprüche oder die »Annahme einer Gottform«, einer magischen Praxis, die die Inbesitznahme des Magiers oder der Hexe durch die angerufene Gottheit bewirken soll, deren »Persönlichkeit« dann für kurze Zeit vom Magier übernommen wird, um anschließend ein Verhalten an den Tag zu legen, welches im Nachhinein nicht »auf die Priesterin oder den Priester zurückgeführt werden kann, die bzw. der die Gottheit beherbergt hat. Diese Person ist nicht für das Verhalten der Gottheit verantwortlich.«[45] »Zwischen Göttern und Menschen ist eine scharfe Grenze gezogen; es ist hybris, Übermut, sie überschreiten zu wollen« (Martin Persson Nilsson).[46] Das zu den angeblichen Überschneidungen zwischen Hellenismos und dieser Abzweigung des Okkultismus. Kein Spagat dieser Welt kann diese Differenz überbrücken, trotzdem werden europäischer Polytheismus und Okkultismus undifferenziert in einen Topf geworfen. Schon das allein ist unseriös. Alle Völker, welche aus dem Schatten der Unterwerfung und des Kolonialismus treten, werden automatisch von einer unsichtbaren Hand dem »neopaganen« Einheitsbrei zugeführt. Die Meinung der betreffenden Ethnien dazu ist irrelevant. Das Abendland entscheidet. Dabei wissen sogar die »Neuheiden« und »Hexen«, dass die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden Seiten diejenige ist, dass sie »keinen monotheistischen, männlichen Gott« verehren.[47] Das versteht sich für den Hellenismos von selbst, weil seine Götter geschlechtslos sind (Porphyrios: Über die Götterbildnisse).

Ein weiterer Unterschied zwischen Hellenismos und »Neopaganismus« ist der Stellenwert der jüdischen Kabbala für den letzteren. Im Okkultismus, der ohne sie gar nicht denkbar wäre, hat sie sowieso einen zentralen Stellenwert – eine seine abendländische Abstammung unterstreichende Tatsache.[48] Der Einfluss der Kabbala auf den Okkultismus ist immens. Sie durchdringt die Weltanschauung, Symbolik und Ritualistik verschiedenster Orden weltweit und nimmt in der okkultistischen Literatur eine herausragende Stellung ein. Und was für den Okkultismus gilt, besitzt in mancher Hinsicht auch für seine Nebenerscheinungen Gültigkeit. Es überrascht also nicht, wenn der Kabbala auch im »modernen Heidentum« eine große Bedeutung zugemessen wird. Für Vivianne Crowley ist die Kabbala eine »universale Sprache«, die angeblich von »Heide[n], Christ[en], Jude[n], Moslem[s] oder Anhänger[n] eines anderen Glaubens« verwendet wird, um die »Natur des Universums« zu erklären.[49] Interessant ist zudem, dass Crowley ihr »Heidentum« an einer anderen Stelle mit dem Prädikat »anti-intellektuell« versieht.[50] Im Hellenismos spielt die Kabbala natürlich keine Rolle, weder die traditionelle noch die hermetische, schließlich handelt es sich bei ihr um die Geheimlehre des Judentums. Insgesamt geht Crowley, aber nicht nur sie, sehr freizügig mit den Bezeichnungen »Heidentum« und »Paganismus« um. Insofern müssen wir wiederholt betonen: Die Ethnien sind nie »Paganisten« gewesen, weder alte noch neue. Zwar wurden beispielsweise die Hellenen von ihren Feinden als »Götzendiener«, »Teufelsanbeter« und eben auch als »Paganisten« beschimpft, doch nichtsdestotrotz sind sie die ganze Zeit über nur Hellenen gewesen. Mitglieder einer Ethnie, Kultur und Tradition. Der »Paganismus« gehörte zu keiner Zeit zum Selbstverständnis der Hellenen. Das wissen übrigens auch viele prominente Vertreter des »Neuheidentums«.[51] Aus diesen und anderen Gründen kann der »Paganismus« den Hellenen nicht als Selbstbezeichnung dienen. Das Adjektiv »pagan« (oder »heidnisch«) wird ebenfalls gemieden. Ausnahmen aus öffentlichkeitswirksamen Gründen bestätigen nur die Regel und werden in aller Regel nicht unbedingt mit offenen Armen begrüßt, weil sowohl der Begriff selbst als auch dessen pejorative Verwendung und die damit einhergehenden Implikationen von immer mehr ethnischen Hellenen und Hellenisten als unangebracht, widerlich oder unwürdig erachtet werden. Ganz anders im »Neuheidentum«. Tatsächlich kann der Hellenismos nur in dem Sinn »pagan« sein, wie Pierre Chuvin den Paganismus definiert: nämlich als die »Religion der Heimat im engsten Sinne des Wortes« (P. Chuvin, A Chronicle of the Last Pagans, S. 9, Cambridge, MA /London: Harvard University Press, 1990).

Aber es ist nicht allein die Bewertung des Begriffs »Paganismus«, die den Hellenismos vom »Neopaganismus« unterscheidet. Der »Neopaganismus« selbst wird von den Hellenen anders wahrgenommen. Ein beträchtlicher Teil der »Neuheiden« erblickt im »Neuheidentum« keinen Ableger des Okkultismus, sondern sieht sich vielmehr in die Fußstapfen der »alten Heiden« treten, deshalb apostrophieren sie den »Neopaganismus« als »den Alten Weg«. Bereits im Okkultismus des 19. Jahrhunderts stand der Rekurs auf antike Mysterien und Kulte hoch im Kurs. Okkulte Orden und esoterische Geheimgesellschaften verfolgten ihre Anfänge auf die griechischen Mysterienkulte und die ägyptische Priesterschaft zurück. Dieserart gelang es ihnen einerseits, sich den Mantel des Erhabenen überzustreifen und andererseits, aus dem Okkultismus »die westliche Mysterientradition« zu machen. So war ihnen das Interesse der Menge für eine ganze Weile gewiss. In ähnlicher Weise verfuhr der »Neopaganismus« mit seiner eigenen Herkunft. Er übernahm teilweise die albernen Erzählungen der alten Christen über die Priester und Priesterinnen im antiken Ägypten, Griechenland und Rom und vermischte sie mit dem verklärten Bild, das sich die Romantik von der Antike machte. Um eine Verbindung zwischen sich und der Antike herzustellen, sprich das »Neuheidentum« in die Geschichte des »Heidentums« einzureihen, wurden die alten Hellenen in die Sphäre des Okkultismus gerückt und ihre Anschauungen den Anschauungen der Okkultisten angeglichen, indem zum Beispiel gesagt wird, dass die Platoniker der Spätantike den Versuch unternommen hätten, »das Konzept von Göttern und Göttinnen als separate Wesenheiten zu überwinden und zu einem einheitlichen Gottesbild zu gelangen, doch fanden sie dieses nicht in einer höchsten Personifikation, Isis, der Großen Mutter, sondern in einer abstrakten Idee des Göttlichen, das weder männlich noch weiblich war und als ›das Eine‹ bezeichnet wurde.«[52] Das »Eine« gab es aber schon lange vor Plotinos und ist keineswegs ein Konzept, welches der Überwindung des Polytheismus dienen sollte, der sowieso falsch definiert wird, weil es ihm nicht um die Zahl der Götter, sondern um ihr Verhältnis zum Universum geht. Das implizierte Dilemma »Das Eine (to hen) oder die Vielen (henades)« existiert nicht. Im Hellenentum gibt es kein »Entweder-oder«, sondern ein »Sowohl-als-auch-Denken«.[53] Plotinos war ein Polytheist,[54] genauso wie Aristoteles oder Xenophanes.[55] Die vielen Götter sind aus dem Einen (to hen) hervorgegangen. Dieser Prozess wird in der Literatur häufig als »Emanation« bezeichnet, jedoch bedeutet das griechische Wort próhodos (πρόοδος), das gewöhnlich mit Emanation wiedergegeben wird, eigentlich Hervorgang (Dictionary of spiritual terms, Stichwort: Proodos). In diesem Zusammenhang erscheinen die Götter als Henáden: »Henaden (henades): Einheiten, zu selbständigen Wesen hypostasiert, so bei PLATO (S. Ideen), PKOKLUS, der so die aus der Ureinheit emanierenden geistigen Kräfte nennt. Den Neupythagoreern gilt die henas als Princip der Dinge. Vgl. Einheit.«[56] An einer anderen Stelle, die für die hier behandelte Materie von Bedeutung ist, behauptet Crowley außerdem, dass der Ritualismus der antiken Religionen »zum Formalismus«, zu einer »Sache genau festgelegter Riten und Vorschriften« erstarrte.[57] Das ist falsch. Denn die antike Pietät bestand schon seit alters her aus der Einhaltung der Orthopraxie, den »väterlichen Sitten«. Man kann die hellenische »Frömmigkeit Ritualismus nennen«.[58] Im Ritualismus drückt sich die kulturelle Typizität und ein Stück weit auch die Erinnerungskultur einer Ethnie aus. »Der Eifer, mit dem man die rituellen Vorschriften peinlich genau einhielt, beweist, wie John Scheid schreibt, daß der Ritualismus ›verinnerlicht war und im spirituellen Leben eine genauso große Rolle spielte wie für einen Christen die Betrachtung eines Heilsmysteriums‹.«[59] In dieser Hinsicht geben sich der Oberste Rat der ethnischen Hellenen (YSEE) und die Labrys-Gemeinschaft größte Mühe, die väterlichen Riten einzuhalten, ohne jedoch eine undefinierte Vergangenheit mechanisch reproduzieren zu wollen, zumal der Hellenismos eine lebendige Tradition (paradosis) ist. Auch Evangelos Voulgarakis, der vieles, aber kein Freund der ethnischen Hellenen ist, gibt zu: »YSEE is doing its best«.[60] Ohne Orthopraxie kein Hellenismos. Da liegt es auf der Hand, dass »auf das alte Wort ›nach der Sitte der Väter‹« großer Wert gelegt wird.[61] Insgesamt scheint sich das »Neuheidentum« seiner Grenzen oder der Grenzen seiner abendlandzentristischen Sichtweise nicht bewusst zu sein. Viele »Neuheiden« ziehen bei ihrer Beurteilung der antiken Religionen immer wieder falsche Schlüsse, weil sie sie durch die Filter ihrer eigenen Kultur sehen, wie wir ja alle die Welt durch die Filter unserer eigenen Kultur wahrnehmen. Ihr Denken ist nicht hellenisch, ihnen das Verständnis für die hellenische Tradition, deshalb bleibt ihnen die anzestrale Psyche verschlossen.

Der Hauptunterschied zwischen beiden Gruppen ist in ihrer Herkunft, Selbstwahrnehmung und Identität zu suchen, welche im Falle des Hellenismos eben auch seine Orthopraxie umfasst. Die Hellenen sind keine Anhänger einer Glaubensgemeinschaft, sondern Mitglieder einer Kultur und Ethnie mit eigenem Wertesystem und einer eigenen Religion. Diese wurde in der Spätantike vom Christentum verboten und ausgemerzt. Der nun christliche Staat unterdrückte die ethnischen Religionen und die Mysterienkulte, kriminalisierte und verfolgte alle, die weiterhin an ihrer Kultur, den Sitten ihrer Vorfahren festhielten und den Göttern opferten. Die traditionellen Kulte wurden im Jahr 393 von Kaiser Theodosius I. verboten.[62] Es folgten weitere Verbote, Verfolgungen, Zwangstaufen, Hinrichtungen, Massaker. Das Christentum setzte sich durch und mit ihm setzte sich seine Vorstellung von den ethnischen Religionen durch. Diese Vorstellung ist tief im Bewusstsein jener Menschen verankert, die in einer christlichen Kultur aufgewachsen sind. Das alles prägt nicht nur die Beziehung der Hellenen zum orthodoxen Christentum, sondern auch unsere Haltung zu den christlichen Gesellschaften, mögen einige davon auch säkularisiert sein. Der Grund für unsere Vorsicht ist der, dass das Christentum seinen Abdruck im Denken der Menschen hinterlassen hat. Vor diesem Einfluss sind nicht einmal die Wissenschaftler gefeit, zumal die Wissenschaft ebenfalls christlich imprägniert ist oder zumindest aus einem bestimmten Blickwinkel betrieben wird. Forschung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern wird von Menschen mit Leben erfüllt, die eine Biografie, einen kulturellen, religiösen, weltanschaulichen und politischen Hintergrund haben. Das gilt auch für Wikipedia, d.h. für diejenigen, die dort Einträge erstellen oder bearbeiten. Das will natürlich nicht heißen, dass alle Wissenschaftler die Welt auf der Grundlage ihres jeweiligen Vorverständnisses interpretieren, das wäre albern, aber viele Wissenschaftler vermitteln uns den Eindruck, die Relativität und Grenzen ihrer eigenen kulturell bedingten Perspektive oder Wahrnehmung nicht zu kennen. Zahlreiche Wissenschaftler, die über den antiken oder heutigen Hellenismos schreiben, stammen aus christlichen Gesellschaften und sind christlich erzogen worden. Diese Faktoren beeinflussen die Bewertung oder Deutung des antiken Griechenland oder die Schlussfolgerungen über den heutigen Hellenismos, besonders dann, wenn die Wissenschaftler, seien es Althistoriker oder Soziologen, sich der Bedingtheit ihres eigenen Blickwinkels nicht bewusst sind und sich nicht auf das ihnen Fremde einlassen können. Am Ende einer solchen Forschung wartet nicht das Verstehen, sondern die Reproduktion der eigenen Sichtweise und die Bestätigung von Vorannahmen durch eine begriffliche Einhegung der erforschten Materie, die den Ansprüchen einer kritischen, aber auch selbstkritischen und ergebnisoffenen Forschung nicht genügen kann. Dennoch können solche Forschungen dazu beitragen, das Bild von der erforschten Religion, Tradition oder Gruppe zu zementieren. Selbstverständlich gibt es ebenso viele Wissenschaftler, die selbstkritisch arbeiten, ihre Methodik sorgfältig überprüfen und die einen interdisziplinären Ansatz verfolgen. In den letzten zwanzig Jahren wurden bedeutende Werke über die hellenische Kultur und Religion veröffentlicht. Es besteht ein gesteigertes akademisches Interesse an der hellenischen Religion. Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist insgesamt reifer, selbstkritischer geworden. Es wurden aber auch Arbeiten publiziert, die überholte Stereotype reproduzieren und deren Aussagen auf angreifbaren Interpretationen beruhen. Nichtsdestotrotz können diese Arbeiten das öffentliche Bild vom Hellenismos prägen. Gleiches gilt auch für Online-Artikel aus scheinbar oder tatsächlich neutralen Quellen. Deshalb sehen die Hellenen es nicht gern, wenn irgendwelche Behauptungen aufgestellt und aus irrigen Annahmen bequeme Schlussfolgerungen abgeleitet werden, die möglicherweise Konsequenzen für den Hellenismos haben könnten. Das ist der Grund, weshalb die Kritik der ethnischen Hellenen manchmal so harsch ausfällt. Wir möchten nicht als Teil einer Bewegung behandelt werden, die nicht zu uns gehört. Der »Neopaganismus« gehört nun mal nicht zur hellenischen Kultur. Der Hellenismos ist nicht nur Religion; er bietet eine andere Lebensweise, ein anderes Wertesystem und damit defacto einen anderen Menschentyp an. Das macht ihn zu einer Alternative zum Monotheismus und besonders zum Christentum.

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In der Heimat des Hellenismos führt dieses Angebot einer Alternative zu Spannungen mit der Amtskirche, weil beide die hellenische Identität für sich in Anspruch nehmen, wobei die Hellenen darunter etwas völlig anderes verstehen. Der Konflikt – der Journalist Minas Papageorgiou sprach von einem Krieg – zwischen Christentum und Hellenismos in Neugriechenland ist im Grunde nichts weiter als die Weiterführung und Aufwärmung des bereits in der Spätantike und im Mittelalter ausgetragenen Kampfes der beiden Weltanschauungen und Menschentypen unter anderen Bedingungen. Davon zeugt insbesondere das bestehende »Klima« zwischen beiden Seiten, das aus gegenseitiger Ablehnung, Geringschätzung, teilweise auch aus Verachtung besteht. Dialoge finden eher selten statt, Wortgefechte dafür umso häufiger. Da der Hellenismos wie alle anderen indigenen Traditionen eine Alternative zum Abend- und Morgenland darstellt, den Monotheismus auf den weltanschaulichen, wirtschaftlichen und politischen Ebenen des Weltgeschehens abgelöst sehen möchte, konnte sich der Konflikt nur verschärfen. Dieser ist auf einer tieferen, mehrdimensionalen Ebene gelagert, die hier nicht das Thema ist. Aber aus dieser Haltung folgt die vollständige und kompromisslose Ablehnung des Christentums und die anvisierte Entchristianisierung (Katharsis) der Persönlichkeit des ethnischen Hellenen, die Raum für eine neue Identität schafft. Das ist das Kreuz auf unseren Rücken und die »Mautgebühren«, die wir auf dem Weg in die ungetaufte Freiheit entrichten müssen. Im »Neopaganismus« wird zwar Kritik artikuliert und eine Distanz zum Christentum gewahrt, aber keine Überwindung des Monotheismus beabsichtigt, zumindest lässt sich ein solches Motiv nicht ausmachen; das »Neuheidentum« kann im Gegensatz zum Hellenismos keine vor- und unchristliche Alternative anbieten, weil es selbst zum Abendland gehört, seinen Stempel trägt und in seinen Konzepten badet. Das ist keine negative Bewertung meinerseits, sondern eine Feststellung. Diese Aspekte wurden im wissenschaftlichen Diskurs bislang nur minimal berücksichtigt, die kulturelle Komponente überhaupt wenig beachtet. Die bisherige Blickrichtung scheint festgefahren, einseitig auf das Religiöse ausgerichtet. Ob das der Grund ist, weshalb der Hellenismos von manchen als eine religiöse Bewegung wahrgenommen wird, bleibt unklar. Jedenfalls ist die kulturelle Alterität und Innenperspektive bisher kaum ins Gewicht gefallen, obwohl sie von entscheidender Bedeutung für das Verständnis des Hellenismos und seiner Haltung zum Christentum ist, die sich von der Haltung des »Neopaganismus« zum Christentum unterscheidet.

Ich möchte das an einem konkreten Beispiel veranschaulichen: In der magischen Praxis des »Neopaganismus« ist die Übernahme von Hymnen und Gebeten aus anderen Religionen und Kulturen und ihr Einbau in das »neopagane« Magiesystem eine übliche Vorgehensweise. Das betrifft nicht nur Hymnen ethnischer Religionen, sondern auch christliche Gebete. So wurde der christliche Psalm 23 (»Hirtenpsalm«) beispielsweise von der Wicca-Priesterin Silver Ravenwolf übernommen, etwas umformuliert und anschließend in ein magisches Ritual integriert.[63] Für Hellenen käme so etwas nie in Frage, weder die Magie noch der Rückgriff auf christliche Gebete. Ein solcher Akt wäre vor dem Hintergrund der Hellenenverfolgungen und dem heutigen Umgang damit grotesk. Denn die Vergangenheit ist nicht tot, sondern mit der Gegenwart verbunden; die Tradition verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart und die Gegenwart mit der Zukunft, die Vorfahren mit den Nachfahren, das Land mit seinen Menschen. Aus dieser Verbindung entspringt unsere Identität und aus ihr schöpfen wir Leben. Das Christentum wird aufgrund seines Antihellenismus, seiner Geschichte und Selbstdarstellung, vor allem aber wegen der Verunglimpfung seiner Opfer als »Götzendiener« von sehr vielen Hellenen entschieden abgelehnt. Aus diesem und anderen Gründen ist die Übernahme christlicher Gebete im Hellenismos undenkbar. Der vom Establishment ignorierte oder verschwiegene Ethnozid an den Hellenen ist eine Wunde, die schmerzt. Viele haben erst im späten Alter davon erfahren. Sie mussten sich eingestehen, dass alles, was ihnen in der Schule beigebracht wurde, eine Lüge ist. Der Umgang der Kirche mit dem Thema hat die Haltung der Hellenen zum Christentum und Byzanz nachhaltig geprägt, vor allem weil hinter den kaiserlichen Edikten die gleiche Kirche stand, die heute noch gegen die ethnischen Hellenen wettert, ihren Ethnozid leugnet und mit der Einbettung der Hellenen in ihr diffuses verschwörungstheoretisches Panorama den Hass in den triebgesteuerten Seelen der Nationalisten und Fundamentalisten schürt: Die Buchhandlung des Epikureers Marios Verettas[64] wurde von unbekannten Tätern abgefackelt, ein hellenisches Paar in seiner kleinen Buchhandlung zusammengeschlagen,[65] der antike Altar des Dionysos in Athen,[66] Altäre des YSEE und der Labrys-Gemeinschaft in Athen und auf Rhodos demoliert. Auf einer Außenmauer von Verettas’ Buchhandlung wurde in großen Buchstaben das griechische Wort εξαγνισμός (»Säuberung«, »Reinigung«) gesprayt. Diese Verbrechen haben zu einer tiefen Abneigung und verhärteten Fronten zwischen Hellenen und vielen Rhomäern geführt (den griechischsprachigen orthodoxen Christen[67]), die die hellenische Forderung nach einer Trennung von Staat und Kirche als einen Affront gegen ihre Identität interpretieren. Nicht nur die Religiosität und Kulturzugehörigkeit unterscheidet also den Hellenismos vom »Neopaganismus«, sondern auch seine ethnische Identität und seine Haltung zum Christentum und seinen Kulturen. Diese Unterschiede können nicht ignoriert werden, ohne dass es zu Verzerrungen kommt. Natürlich muss bei einem Vergleich zwischen Hellenismos und »Neopaganismus« das Religiöse im Vordergrund stehen, denn der »Neopaganismus« ist eine religiöse Bewegung. Doch die oben genannten Punkte müssen ebenfalls Beachtung finden, sonst können sich die Beobachter kein vollständiges Bild vom Hellenismos machen. Das gesagt, können wir einen genaueren Blick auf die Religion und die entsprechenden Unterschiede zwischen den beiden Systemen werfen, wobei die Religion nicht von der Kultur getrennt werden kann, denn die bestehenden Differenzen im Bereich der Theologie (»Götterlehre«) und Ontologie ergeben sich aus einer kulturell bedingt anderen Wahrnehmung.

Das »Neuheidentum« kennt keine einheitliche Theologie. Vielmehr gibt es verschiedene Gottesbilder, die nebeneinander existieren. Jedoch lassen sich Konzepte ausmachen, die das religiöse Denken dieser Bewegung dominieren und die auf eine breite Zustimmung stoßen. So wird das Göttliche häufig aus zwei Polen bestehend verstanden, einem männlichen und einem weiblichen Pol, als Göttin und Gott. Dieses Konzept wird Duotheismus genannt. Für manche »Neuheiden« sind Göttin und Gott transzendente Wesen, für andere immanente Energien, die in der Welt und im Menschen wirken. Die Götter der ethnischen Religionen, die im »Neuheidentum« recht häufig vorkommen, werden hauptsächlich als Aspekte dieser zwei Götter betrachtet oder aber als psychologische Konzepte, Symbole für psychische Phänomene oder als bloße Metaphern. Die Götter des Hellenismos werden also als Aspekte der einen Göttin und des einen Gottes gesehen, doch die Vorstellung vom Göttlichen unterscheidet sich deutlich vom hellenischen Götterverständnis. Während »Göttin und Gott« im »Neuheidentum« »allmächtig« sind, »Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Existenzen« (S. Cunningham), sind die griechischen Götter nicht allmächtig.[68][69] Sie haben das Universum nicht erschaffen, denn das Universum ist keine Schöpfung, sondern lediglich den Kosmos reguliert und geordnet, weshalb sie auch θεοί (theoi, Götter), also »Ordner« genannt wurden.[70][71][72][73] Durch den steigenden, ungefilterten orientalischen Einfluss, den spätantiken Mystizismus und Synkretismus, die dem Christentum »Tür und Tor« öffneten und somit dem Hellenentum, bildlich gesprochen, das Genick brachen,[74] veränderte sich im Laufe der Zeit das Bild von den Göttern, gewiss, doch nach wie vor galten sie weder als allmächtig noch als die Schöpfer des Universums. Interessant ist an Cunninghams theologischem Grundmuster die deutliche Divergenz zwischen den griechischen und den »neuheidnischen« Göttern bezüglich ihrer Macht und Möglichkeiten. Ganz offensichtlich sind die Götter der Griechen keine Aspekte seiner eignen, obschon ihre Namen, Mythen und Symbole den Aspekten der »Göttin und des Gottes« beigemengt wurden. In einem anderen Buch behauptet der gleiche Autor, dass die antiken Götter personifizierte Naturkräfte gewesen seien,[75] wodurch sie aber keine »allmächtigen Schöpfergötter« mehr sein können, die seine Götter nach eigener Aussage aber sein sollen. Abgesehen davon scheint an diesem Punkt wieder einmal das Unverständnis für die griechischen Götter durch, das sich wie ein roter Faden durch das »Neuheidentum« und den Okkultismus zieht. Diese sind eben keine Personifikationen,[76] sondern unpersönliche kosmische Mächte (Δυνάμεις, Dynámeis), vollkommene Wesen (τέλεια Όντα).[77][78][79][80] Allerdings hat dieses Götterverständnis keinen leichten Stand im »Neuheidentum«, ist diesem eher fremd und wird darüber hinaus von Vorstellungen überlagert, die der »neuheidnische« Synkretismus mit sich bringt. Letzterer ist nicht logisch durchdacht und wird meiner Einsicht nach von vielen »Neuheiden«, die dem vorhin skizzierten duotheistischen Credo treu geblieben sind, selber nicht ernst genommen. Dafür sprechen zumindest die vielen Ungereimtheiten. Im Gegensatz dazu war der antike Synkretismus »keine wahllose Mischung, sondern kristallisierte sich um gewisse grundlegende Ideen« der damaligen polytheistischen Zeit.[81] Erst später, als orientalische Einflüsse nicht mehr hellenisiert wurden, wirkte er sich schädlich auf die ethnische hellenische Religion aus. Wie dem auch sei, wer den Hellenismos zu studieren beginnt und anschließend mit dem »Neuheidentum« (welcher Art auch immer) vergleicht, wird schnell feststellen: hellenische Tradition und »Neopaganismus« schließen sich aus, weil sie auf verschiedenen Voraussetzungen beruhen.

Timothy Jay Alexander, Autor und bekanntester Repräsentant des Hellenismos in den USA, hat sich lange mit der New-Age-Bewegung und dem »Neuheidentum« auseinandergesetzt und ist schließlich zum Schluss gelangt, dass »Okkultismus und die New Age-Bewegung die unehelichen Kinder des Christentums« sind. Die »westliche Esoterik« basiere, so Alexander, »teilweise auf christliche Geschichten« über die »antiken Religionen; dass die Priester und Philosophen Magier und Zauberer« gewesen seien, die mittels Zauberei die kosmische Ordnung zu manipulieren versucht hätten. Der Okkultismus beruhe auf der falschen Geschichtsschreibung des Christentums und auf seinen »abergläubischen Interpretationen der natürlichen Religionen«. Auch wenn viele »Neuheiden« und New Ager »der christlichen Lehre den Rücken gekehrt haben, halten sie weiterhin an der christlichen Weltanschauung fest« und interpretieren die natürlichen Religionen auf der Grundlage des christlichen Aberglaubens. Er betont, dass der »Neopaganismus« nicht nur vom Hellenismos kritisiert wird, sondern auch von Hindus, Buddhisten, Taoisten und anderen »Praktikern traditioneller Systeme«. Schlussendlich erkennt Alexander im »Neopaganismus« eine potentielle Gefahr für die ethnischen Traditionen (»in the form of the globalization of religion into a universalism, where practices and traditions must be stripped of their cultural perspective«). Seiner Meinung nach verzerrt der »Neopaganismus« die traditionellen Praktiken andrer Religionen, damit sie zu seiner Weltanschauung passen. Alexander ist überzeugt davon, dass Okkultismus, »Neopaganismus« und die New-Age-Bewegung bestrebt sind, »indigene und kulturspezifische Religionen« in den Boden zu »stampfen«.[82] Seine Meinung zum »Neopaganismus«, ob der Leser sich ihr nun anschließen mag oder nicht, ist eine klare Absage am »neuen Heidentum« und kann nicht als Bekenntnis zum »Neopaganismus« ausgelegt werden, weil sich Alexander klar außerhalb davon befindet. Ist Alexander also auch ein »Neopaganist«? Wenn es nach Wikipedia ginge, ja. Er selbst weiß aber, dass er ein Hellenist ist. Und das ist vor dem Hintergrund seiner schriftstellerischen Tätigkeit das Einzige, das wirklich zählt.

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Niemand hat das Recht über uns zu entscheiden, von außen festzulegen oder in unserem Namen zu sprechen. Auch Wikipedia nicht. Wir bestimmen über unsere kollektive Zugehörigkeit, definieren uns selbst über unsere Tradition. Die kolonialistische Attitüde,  welche die »griechische Antike« zur Wiege der »westlichen Zivilisation«, die lebendige hellenische Tradition zu einer »neuheidnischen Bewegung« erklärt, lehnen wir entschieden ab. Damit das klar ist. Deshalb wird jede ideologische Belehrung oder Vereinnahmung durch politische oder religiöse Gruppierungen auf unseren Widerstand stoßen. Mehrere nationalistische und rassistische Gruppierungen durften bereits die Erfahrung machen, dass die Aneignung oder der Missbrauch audiovisueller Inhalte, die z.B. dem YSEE gehören, äußerst unangenehme Reaktionen nach sich zieht. Diese Erklärung fast gewisse »Hellenen« oder Kreise, die zwischen der hellenischen Kultur und einer bestimmten neuzeitlichen Ideologie nicht unterscheiden wollen, ebenfalls ins Auge. Die Bezeichnung »Hellenen« habe ich an dieser Stelle bewusst in Anführungszeichen gesetzt, weil ich mich auf die Archäozentristen oder Hellenozentristen, wie sie sich selbst nennen, beziehe, zumindest auf diejenigen unter ihnen, die dem Anschein nach mehr zum Hellenismos als zum Christentum tendieren, wobei der Geist, der aus ihren Texten spricht, eher Richtung völkischem »Neuheidentum« und Ariosophie gehen.

Das sind zum einen Personen, die zwischen der romäischen und hellenischen Kultur festsitzen und zum anderen Gruppen wie die »Church of Hellenes«, die unter der Anonymität des Internets (und so manches Mal auch unter falscher Flagge) wirken und äußerst bedenkliche, ja zivilisationsfeindliche Positionen vertreten, die sich unter der Überschrift Kitsch und Konvention zusammenfassen lassen. Es sind Positionen, die jenseits der nativistischen Bewegung der Hellenen liegen, aber trotzdem oft den ethnischen Hellenen angelastet werden, weil die Urheber dieser Positionen sich zur hellenischen Kultur bekennen, sich als ihr zugehörig inszenzieren, was natürlich nichts zu bedeuten hat, da sich ganz Griechenland zur hellenischen Kultur bekennt, zumindest auf dem Papier. Dem unbedarften Auge muss es allerdings so vorkommen, als würden diese Gruppen tatsächlich zum Hellenismos gehören, denn ihm entgeht, dass sie einen »Sprachstil« und ein Selbstverständnis pflegen, das ganz untypisch ist für den Hellenismos und in keiner Beziehung zu den großen hellenischen Verbänden Griechenlands steht (YSEE, Labrys). Die »Church of Hellenes« ist wohl das bekannteste Beispiel für eine solche Gruppierung, auch wenn sie für die Gesamtheit der archäozentrischen Gruppierungen sicher nicht repräsentativ ist, da sie mit ihrem vermeintlichen Rekurs auf die griechische Antike und ihrem antichristlichen Profil eine Ausnahmeerscheinung im archäozentrischen Spektrum darstellt. Sie versteht sich als ein Werkzeug »spiritueller Kriegsführung« und sieht sich im Kampf gegen alle »anti-hellenischen Sekten«. Sie will den »Feind nicht kritisieren, aber erschlagen«, »anti-hellensiche Überzeugungen« ausrotten. »Die erste Frage, die wir stellen, lautet: Glaubst du an die Götter? Die Antwort wird das Schicksal des Angeklagten besiegeln. Das ist der Kern des militanten Hellenentums.« Die Taliban im hellenischen Gewand erklären weiterhin: »der hellenische Krieger muss bereit sein zu sterben und alles auszurotten«, was der »weltweiten Dominanz des Hellenentums« im Wege stehe. Es sind die Götter selbst, behauptet die »Church of Hellenes«, die den »Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen führen«.[83] Das alles steht natürlich im krassen Kontrast zu der Behauptung: »wir bringen Liebe, Frieden und Weisheit«, und widerspricht nicht nur der griechischen Mentalität und allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die uns zu den alten Griechen vorliegen, sondern auch der hellenischen Weltanschauung, denn die Götter führen keine Kriege gegen »Ungläubige«: Das ist eine »christlich-islamische Sache«.[84] Offenbar haben die Mitglieder dieser Gruppe nie ein wissenschaftliches Buch über die hellenische Religion gelesen. Das muss wohl am mangelnden Interesse an der hellenischen Tradition liegen. Einen Mangel an entsprechender Literatur gibt es jedenfalls nicht: Walter Friedrich Otto wurde bereits 1991, Carl Kerenyi 1992, Walter Burkert 1993 und Paul Veyne 1993 ins Griechische übersetzt. 1997 folgte Martin P. Nilsson, 2004 Louise Bruit Zaidman/Pauline Schmitt Pantel. Folglich gibt es keine Ausrede, um »nicht zu wissen«. Zu dieser Ahnungslosigkeit passt jedenfalls, dass es auf ihrer Webseite in der Kategorie Rituale nur 7 Artikel gibt, in der Kategorie Religion etwa 25 Artikel, die tatsächlich die Religion zum Thema haben, während es in den Kategorien Politik und Aktuelles weit über 150 Artikel zum Christentum und zu anderen politischen Themen gibt. Unter der äußerst bezeichnenden Kategorie »Dogmatische Prinzipien« (Δογματικές Αρχές) finden wir einen Artikel mit dem ebenfalls sehr bezeichnenden Titel »Ewige göttliche Dogmen«, in dem es unter anderem heißt: »Die Götter haben durch die Hierophanten die schreckliche Folter der Zweifel, der Anzweiflung der göttlichen Erkenntnis abgeschafft. Die Götter übergaben den Menschen ihre ewigen Dogmen. Es gibt keine Vergebung für Unwissenheit und für die Anzweiflung der ewigen göttlichen Dogmen.« Das erinnert an Moses und seine zehn Gebote. Wie jeder belesene Mensch weiß, hat dieses christliche »Neuheidentum« wenig mit der hellenischen Kultur, aber dafür umso mehr mit einer verzerrten Wahrnehmung der Antike gemein, die ihrerseits auf einer unentschuldbaren Ignoranz beruht, welche äußerst verstörende Blüten trägt. Zudem ist es ziemlich interessant, dass diese Gruppe sich eine »Kirche« (Church) nennt – Freud lässt grüßen. Das hat insofern seine Richtigkeit, als ihre Sprache, ihr ganzer Habitus mehr den orthodoxen Fanatikern ähnelt als einem Sokrates oder Epikur. Es ist daher nur verständlich, dass hellenische Kollektive einen Bogen um besagte »Kirche« machen, die ein tristes Schattendasein in den Weiten des Internets führt. So hat sich beispielsweise der Oberste Rat der ethnischen Hellenen (YSEE) öffentlich von der »Church of Hellenes« distanziert (Pressemitteilung Nr. 137 vom 20.02.2003). Die Pressemitteilung war unter anderem eine Reaktion auf den Versuch kirchlicher Kreise, den YSEE mit der »Church of Hellenes« in Verbindung zu bringen.

Im griechischsprachigen Internet gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Gruppen, in denen die Grenzen zwischen Ideologie, Religion und Verschwörungstheorien aufgeweicht oder bereits aufgehoben sind. Zu diesen Kreisen gehören parakirchliche Netzwerke und christliche Provokateure, die bewusst Propaganda gegen den Hellenismos betreiben. Sie selbst sprechen nicht von Propaganda oder Täuschung, sondern umschreiben ihre Tätigkeit mit den Worten »Verteidigung gegen die Angriffe der Paganisten«. Eine dieser Gruppen, vielleicht die wichtigste von allen, nämlich die »Orientierung durch Orthodoxe Dogmatische Erläuterungen« (OODE), war im Jahr 2008 durch eigenes Verschulden aufgeflogen. Ziel dieser Gruppe, die immer noch aktiv ist, war die Stiftung von Verwirrung und Unruhe in den sozialen Medien. Ihre Mitglieder organisierten sich über das Internet, besprachen ihre Pläne und nächsten Schritte in einem eigenen, geheimen Forum, wo auch Beiträge über die Arbeitsverteilung und Strategie der Gruppe publiziert wurden. Sie schleusten sich in Online-Foren ein, um ihre Propaganda zu verbreiten. Dabei gingen sie sogar soweit, einen Schichtplan zu erstellen, bei dem mal der eine, mal der andere sich mit dem gleichen Account in das jeweilige Forum einloggen sollte, um dort eine Diskussion im Sinne ihrer Agenda anzuregen oder um eine bestehende Diskussion mittels einer Vielzahl von Beiträgen in eine bestimmte Richtung zu lenken.[85] Sie versuchten es sogar im Forum des YSEE, sind irgendwann aber auf- und wieder rausgeflogen. Ein Mitglied der Gruppe meldete sich gleich zwei Mal im YSEE-Forum an, nämlich unter den Namen »xenofon« und »hermes«. Als er seinen Mitstreitern von seiner Leistung berichtete und angab, die Mitglieder des Forums verwirrt zu haben, wurde er von Thomas F. Dritsas gewarnt, dass seine IP-Nummer von den Betreibern eingesehen werden könnte. Zwar könnten diese ihm nichts anhaben, aber sie würden erzählen, dass die Christen Provokateure einsetzen, »was nicht gut wäre«.[86] Nachdem sie schließlich aufgeflogen waren, monierte die OODE die »Invasion in die GESCHLOSSENE und PRIVATE« Online-Gruppe, beklagte die »geheime Beobachtung ihrer Aktivitäten«, sprach von einer Verfälschung der ursprünglichen Gruppenbeiträge, inszenierte sich sogar als Opfer, das unter dem Eindruck der vielen Angriffe sich gezwungen sah, eine solche Gruppe ins Leben zu rufen. Kein Wort der Entschuldigung, kein Zeichen der Reue. Doch alle Ausreden nützten nichts und die Gruppe hatte ihren Ruf weg. Die Hellenen hatten freilich seit geraumer Zeit erkannt, dass Provokateure gegen den Hellenismos arbeiteten, aber es fehlten die Beweise. Bereits davor hatte es (dilettantisch ausgeführte) Aktionen unter falscher Flagge gegeben, die allerdings schnell durchschaut und deshalb ohne großen Erfolg blieben. Aber das hatte keineswegs zur Folge, dass die Propaganda gegen den Hellenismos eingestellt worden wäre. Noch heute können wir beobachten, vielleicht mehr denn je, wie sie manchmal verdeckt, manchmal unverhohlen im Internet gegen die hellenische Tradition agitieren. Hinter solchen Aktionen stehen nicht nur christliche Fanatiker oder Apologeten, wie sie sich nennen, sondern auch Anhänger des Archäozentrismus und autonome Nationalisten, die Kontakt zu den Ethnikern suchen, sich diesen gegenüber zunächst als Hellenenfreunde oder Bewunderer der hellenischen Kultur ausgeben, um dann, nachdem ihre durchsichtigen Versuche abgewehrt wurden, die bekannten Vorwürfe aus der Mottenkiste der Orthodoxie gegen hellenische Kollektive zu erheben.[87] Unter diesen Personen befinden sich auch Sympathisanten und Mitglieder der offen nationalsozialistischen Partei Chrysi Avgi (dt. Goldene Morgenröte), die in letzter Zeit ihre gut dokumentierte Bewunderung für Adolf Hitler und Benito Mussolini abstreitet, nie faschistisch gewesen sein will, aber dafür weiterhin hellenische Symbole wie den Lorbeerkranz und das Gammadion missbraucht und die Antike ideologisch instrumentalisiert, obwohl sie Ziele verfolgt, für die wir, die wir nach der Abschaffung der Theokratie in Griechenland streben, nie einstehen würden, weil wir Hellenen sind. Einige dieser Ziele der Partei sind die »Wiederherstellung des Ansehens der Kirche« und die »Aktualisierung der Bildung und Ausbildung der Kleriker auf der Grundlage hellenisch-orthodoxer Prinzipien und Ideale«.[88]

Es gab und gibt viele Versuche, den Hellenismos zu diskreditieren. Deshalb ist Vorsicht geboten. Die Quellenangaben der Artikel müssen sorgfältig überprüft werden, insbesondere wenn bestimmte Aussagen als Tatsachen offeriert werden oder die Artikel von Menschen geschrieben wurden, die dem Hellenismos fern stehen oder nicht neutral gesinnt sind. Das gilt für Wikipedia wie für viele andere Webseiten, die entweder mangels besseren Wissens oder absichtlich den Hellenismos in ein falsches Licht stellen. Auf der einen Seite ist es gut, dass gewisse Kreise oder Einzelpersonen ihre »Erkenntnisse« und Überzeugungen mit der Welt teilen, weil sie sich auf diese Weise selber demaskieren, auf der anderen Seite sorgen wir uns, ob nicht allzu viele Menschen dadurch manipuliert werden und sich ein falsches Bild von der hellenischen Tradition machen. Das ist insofern problematisch, weil ein durch Manipulation erzeugtes Klima eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Rehellenisierung erschwert und der Rehabilitierung des Hellenismos zusätzlich Steine in den Weg legt. Wenn wir aber in dieser Welt überleben, unsere kollektive Würde und Rechte wahren wollen, müssen wir die Akzeptanz und Achtung der Weltgemeinschaft gewinnen, ohne deren Unterstützung wir geschwächt und isoliert dastehen würden. Das alles sollte zumindest zur Hinterfragung oder Reflexion anhalten, wenn schon keine Bereitschaft zur Korrektur gegeben ist, wie im Falle von Wikipedia. Für den Kenner der griechischen Religion und Philosophie steht jedenfalls fest, was der YSEE schon vor Jahren in aller Deutlichkeit erklärt hat: »Der ›Neopaganismus‹ geht uns nichts an.«[89] Wie mittlerweile klar geworden sein dürfte, ist der Hellenismos keine »religiöse Bewegung«, kein »Glaube an Götter«, keine Ideologie und schon gar kein Rädchen in einer fremden Mühle. Er war, ist und bleibt die Kultur und Identität der hellenischen Ethnie.

4. Kirche, Esoterik und neugriechische »New-Age-Bewegung«

In der heutigen Zeit, wo der Monotheismus von der Aufklärung und dem Freiheitsbewusstsein der Moderne weichgespült und ihm infolgedessen ein Großteil seiner politischen Macht in der westlichen Hemisphäre genommen wurde, hat sich unsere soziale Stellung, der soziale Stand aller Menschen, die keine Christen sind, deutlich verbessert. In vielen Ländern wurde die Trennung von Kirche und Staat eingeführt, das Rechtssystem und öffentliche Schulwesen weitgehend säkularisiert, Antidiskriminierungsgesetze erlassen und damit ein wichtiges Zeichen gesetzt. Dementsprechend bildeten sich seit den 1960er und in Griechenland seit dem Fall der Militärjunta (1967-1974) neue Freiräume für alle, die bis dahin den Rand der Gesellschaft bevölkerten: Atheisten, Agnostiker, Buddhisten, Ethniker und andere Gruppen. Dadurch erlangte eine große Zahl an Menschen in einer Reihe von Staaten neue Sichtbarkeit und Sicherheit sowie den Mut, ihre Rechte geltend zu machen. Ende der 1980er Jahre sahen die Hellenen ihre Zeit gekommen und traten an das Licht der Öffentlichkeit, und das in einem Land, das die Trennung von Kirche und Staat noch nicht vollzogen, der Staat nicht säkularisiert und die Kirche äußerst einflussreich ist. Die Theokratie in Griechenland ist noch nicht überwunden. Dementsprechend sahen auch die ersten Reaktionen auf die Rehellenisierungsbewegung aus. Trotzdem hat die noch junge Bewegung sich nicht unterkriegen lassen und ihre Ziele gegen alle Widerstände weiter verfolgt. Seither wurden mehrere Bücher und Artikel publiziert, Dokumentationen gedreht, Interviews gegeben, Vorträge gehalten und viele offene Feste organisiert. Nach knapp 30 Jahren war es dann soweit: 2017 wurde der Hellenismos unter dem Namen »Hellenische ethnische Religion« vom Staat anerkannt, wobei diese Entscheidung vor allem dem YSEE zugutekommt, der die Bezeichnung »Hellenische ethnische Religion« geprägt hat.

Von der neuen Freiheit in den westlichen Gesellschaften haben auch die Okkultisten und Esoteriker profitiert. Heutzutage werden Buchläden mit Werken über Okkultismus und Esoterik geradezu überschwemmt. Zum Leidwesen des Hellenismos und anderer ethnischer Religionen setzt sich das Werk des Christentums, seine Interpretation der ethnischen Religionen in vielen dieser Bücher fort. Okkultismus und »Neuheidentum« wickeln die ethnischen Götter in widersprüchliche, teilweise marketingorientierte Konzepte ein, mystifizieren die Mysterienkulte, überladen die Mythen mit immer neuen, vermeintlich wahren, geheimen, nur Eingeweihten bekannten Bedeutungen und erschweren auf diese Weise das Verständnis der europäischen ethnischen Religionen. Auch die Esoterik hat die Götter der Griechen für sich entdeckt und zwingt sie in ihr theosophisches Korsett. Das Ergebnis ist ein unglaublicher Wirrwarr. Dass das in Neugriechenland passiert, der Hochburg der Orthodoxie, wundert einen nicht, aber die Beispiele aus Deutschland, Großbritannien oder den USA überraschen dann doch. In Neugriechenland werden die Götter von Nationalisten und Archäozentristen als außerirdische »Vorfahren« der heutigen Griechen oder als »Engel des einen Gottes« (den sie El oder Elochim nennen) dem Christengott untergestellt, gerade weil sie verhindern wollen, dass sie ihm gegenübergestellt werden. Dieses Phänomen ist vor allem im »Archäozentrismus« (oder »Hellenozentrismus«) stark verbreitet. Der Archäozentrismus ist gewissermaßen das romäische Pendant zur New-Age-Bewegung, ein Mix aus Christentum, griechischer Mythologie, Pseudowissenschaft, Verschwörungstheorien und Ariosophie. Er ist keine Bewegung im eigentlichen Sinn, sondern ein heterogenes Weltbild, das vom Verschwörungstheoretiker, Antisemiten, Christen und Erfinder der Epsilon-Theorie Ioannis Fourakis entscheidend mitgeprägt wurde. Die sogenannte Epsilon-Theorie, auch Epsilonismus genannt, war in ihren Anfängen eine durchschaubare Angelegenheit, verselbstständigte sich aber mit der Zeit und erhielt eine eigentümliche Dynamik. Diverse Autoren behandelten die Themen des Archäozentrismus unter einem nationalistischen Blickwinkel, vermischten die Glorifizierung der griechischen Antike mit mystizistischen Elementen, völkischer Ideologie und konservativen Themen. Ihre Bücher brachten sie über Telemarketingsendungen an den Mann. Die »Epsilon-Theorie« ist neben einem nationalistisch aufgeladenen Euhemerismus das Erkennungszeichen des Archäozentrismus, seine bekannteste Theorie.

Während die ursprüngliche, von Fourakis entwickelte »Epsilon-Theorie« von einer geheimen einflussreichen griechischen Gruppe »Epsilon« ausging, die angeblich im Geheimen an der Wiederbelebung der griechischen Kultur arbeite und Griechenland vor Gefahren schütze,[90] änderte sich die Theorie von Autor zu Autor später dahingehend, dass »Epsilon« keine Gruppe von Menschen mehr darstellte, sondern die Götter der alten Griechen selbst, die als »Engel« oder »Außerirdische« einen Krieg gegen Juden und Freimaurer führen, die vielbeschworenen Feinde Griechenlands.[91] Andere Autoren wiederum identifizieren die griechischen Götter mit gefallenen Engeln, von denen es in der Bibel heißt, dass sie sich »mit den Menschentöchtern eingelassen und diese ihnen Kinder geboren hatten« (1. Mose, 6,4). Diese Theorie knüpft offenkundig an bekannte orthodoxe und nationalistische Vorurteile und Verschwörungstheorien an, die in Griechenland weit verbreitet sind und durch antisemitische Parolen kirchlicherseits forciert werden.[92] Neu war, dass Fourakis zu seinen »anti-hellenischen Kreisen« auch die vermeintliche »buddhistische Bon-Sekte« zählte, wie er die indigene Religion Tibets nannte, und Zionisten, Mormonen, Freimaurer und sogar die Buddhisten in sein Verschwöreruniversum aufnahm, wie aus der Bahn geworfene Asteroiden.[93] Für Fourakis war der verstorbene Erzbischof Griechenlands Christodoulos derjenige, der auf politischer Ebene Hellenentum und Christentum miteinander vermählte.[94] Eine seiner anderen Theorien besagte, dass die Hellenen ursprünglich aus einem anderen Sternensystem stammten.[95] Manchen orthodoxen Apologeten wurde er mit der Zeit wohl eine Spur zu peinlich, zumindest sahen sie die Notwendigkeit gekommen, sich von Fourakis zu distanzieren: In ihren Artikeln und Aufsätzen prägten sie den Begriff der »Archäolatrie« (»Antikenkult«) neu, schufen daraus eine imaginäre parareligiöse Szene, auf die er dann zusammen mit anderen christlichen Autoren seines Schlags abgeworfen wurde.[96] Auch der Hellenismos wurde der »Archäolatrie«, die mittlerweile synonym zu Archäozentrismus verstanden wird, zugeordnet.

Fourakis verbreitete die bei Nationalisten und Fundamentalisten heute so beliebte wie falsche Vorstellung, dass der Kampf der ethnischen Hellenen gegen die orthodoxe Kirche von den oben genannten »Kreisen«, den Juden, Freimaurern, Zionisten erwirkt wird. Ziel sei, so Fourakis, die »Spaltung der Nation«, welche den Zusammenstoß von »Hellenentum und Orthodoxie« provozieren solle.[97] In Wahrheit kämpfen die Ethniker in Griechenland gar nicht gegen den »Glauben der Orthodoxen Kirche, sondern gegen die Diktatur, die sie über das griechische Volk ausübt«.[98] Fourakis war offenbar unfähig, zwischen den ethnischen Hellenen und seinen imaginären Verschwörerfiguren zu unterscheiden, wie auch seine Kirche unheilbar unfähig scheint, der Differenz zwischen ethnischen Hellenen und »Archäozentristen« Rechnung zu tragen. Aber das ist nichts Neues. Totalitäre Systeme tun sich nun mal schwer mit Differenzierung und Andersheit. Wenn einer zwischen Glauben und Theokratie nicht unterscheiden kann, dann sagt das mehr über den Zustand seiner Kirche aus, als über die Position anderer ihr gegenüber. Ein weit größeres Problem war Fourakis‘ Rassismus, der, obschon mystisch verklärt, letztlich nicht von seinem Antisemitismus ablenken konnte. Fourakis beschäftigten zeit seines Autorenlebens die Juden und ihr Verhältnis zu den Hellenen. Er hatte ein schlichtes Weltbild und für komplexe Themen wenig übrig. So sind die Juden schlecht, die Hellenen gut und der Rest planetarisches Beiwerk. Gemäß seiner Pseudo-Exobiologie sollen die Hellenen aus der Andromedagalaxie und die Juden aus dem Tartaros stammen. In Interviews stilisierte er Letztere immer wieder zum Gegner der Griechen.[99] Fourakis war an einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Judentum nicht interessiert, vielmehr war er von Hass getrieben, projizierte die psychische Realität seiner Umgebung auf die Juden. Sein Antisemitismus steigerte sich schließlich zur Manie. In seinem Kampf gegen die Juden missbrauchte er sogar den Mythos um Apollon und die Schlange Python, die er in seinem Buch »Die (Vor)Zeichen von Delphi und der zionistische Python« (Athen 1989) mit dem Zionismus in Verbindung brachte (für viele griechischsprachige Nationalisten und Fundamentalisten der Inbegriff des Bösen). Vlassis G. Rassias hat in seinem Buch »Über die väterlichen Götter« (Athen 1992) den Mythos wieder ins rechte Licht gerückt und den Python rehabilitiert, indem er klarstellte: »Python ist der legitime Erbe des delphischen Orakles von Themis gewesen« und kein Symbol des Bösen, der Mythos selbst nicht das Ergebnis einer dualistischen Welterfahrung (S. 158-159). Doch dieser Einwand ging an Fourakis vorbei. Er hat sowohl den Buchtitel als auch die entsprechenden Passagen im Buch beibehalten, schließlich blieb seine Meinung von den Juden ebenfalls unverändert: »Sie sind keine Ethnie, sondern waren und sind eine politisch-religiöse Räuberbande«.[100] In seinem Kampf für Gegenaufklärung und gegen die Juden waren ihm anscheinend alle Mittel recht.

Abgesehen von seiner Hetze und Verharmlosung des monotheistischen Terrors, reproduzierte er gezielt nationalistische und christliche Propaganda. Er behauptete, die Hellenen hätten vor allen anderen zum »einen Gott« gefunden, seien die eigentlichen Gründer der monotheistischen Religion gewesen. Die »Indo-Europäische Rasse« hingegen war ihm eine »antihellenische und jüdisch-zionistische Erfindung«.[101] Aber Fourakis ging viel weiter: Er versuchte sich nämlich als Prophet eines neuen Zeitalters. Nachdem er hier und da den Weltuntergang beschworen, verkündete der Prophet, dass die zu »Außerirdischen« verkrüppelten griechischen Götter bald auf der Erde landen und eine goldene Ära des Menschengechlechts einleiten würden, trotz zahlreicher Versuche der »anderen« Seite, dies zu verhindern.[102] Das neue Zeitalter stünde kurz bevor. Dann würde alles besser werden. Seine Anhänger, die sich als kritisch denkende Menschen verstehen, blieben seiner »Bewegung« auch nach seinem Tod (»2010«) treu, obwohl er in seinem letzten öffentlichen Vortrag am 24. September desselben Jahres vor laufender Kamera sich selbst einen Betrüger nannte. Ohne ein Wort der Entschuldigung. Kaum nannte er sich einen Betrüger, wetterte er schon gegen die ethnischen Hellenen und ließ sich zur infamen Behauptung herab, dass die Gründer aller hellenischen Organisationen Freimaurer seien, ein Gerücht, welches lange Zeit vor Fourakis von Nationalisten und Fundamentalisten verbreitet wurde. Allerdings sagte Fourakis auch, dass ihm vor Jahren ein großer Geldbetrag übergeben wurde, wohl wegen geleisteter Dienste. 100.000,00 sollen es gewesen sein, doch nannte er weder die Person, die ihm das Geld gab, noch in welcher Währung gezahlt wurde. Jedenfalls sei ihm versichert worden, dass ihm dieser Betrag zustand, es seien schließlich »seine 10 Prozent« gewesen.[103] Von seinen letzten Worten kaltgelassen, verkündeten die Epsilon-Anhänger die Einreise der außerirdischen »Götter« für Ende Dezember »2012«. Nach der Silvesternacht ließ die »Bewegung« lange nichts mehr von sich hören. Man darf wohl davon ausgehen, dass ihr Götter-Raumschiff auf dem Weg zur Erde mit dem der »Reptiloiden« kollidiert ist. Doch leitete diese Blamage keineswegs ihr Ende ein, bedeutet nicht, dass ihre Ideen nicht mehr im Umlauf sind. Im Gegenteil. Sie wurden lediglich modifiziert, werden auf Blogs und sozialen Netzwerken verbreitet, die wiederum bevorzugt zur Desinformation, Hoffnungsmache genutzt werden. Die gezielte Platzierung von Falschmeldungen in sozialen Netzwerken und ihre Verbreitung mit Hilfe anderer kommunikativer Mittel haben sich (nicht nur) im Kampf gegen den Hellenismos vielfach bewährt, nicht von ungefähr zählen solche Aktionen zu den Hauptbetätigungsfeldern von religiösen Fanatikern und autonomen Nationalisten. Propaganda und Verleumdung heißen die wichtigsten Waffen des Antihellenismus.

Viele Thesen Fourakis‘ sind eigentlich nicht seine eigenen, sondern von seiner Kirche erfunden, werden von frommen christlichen Fundamentalisten weiterhin im Web verbreitet, gehören zu den »Zehn Geboten« der griechischsprachigen Nationalisten. So bleiben die Orphiker weiterhin Monotheisten, haben an den einen Gott »geglaubt«, ebenso die antiken Philosophen.[104] So manch ein Fanatiker scheint noch schwer an der Idee zu knabbern, dass der Unterschied zwischen Poly- und Monotheismus nicht die Anzahl der Götter, sondern ihre Beziehung zum Universum ist.[105] Ich würde ihnen ja gern die Lektüre der orphischen Hymnen ans Herz legen, jedoch weiß ich, dass das vergebliche Mühe wäre; die Abwehrmechanismen ihres Ichs sind mit Weihwasser versiegelt und lassen keinen noch so schmalen Lichtstreifen durch, der ihr Weltbild durcheinander bringen könnte. Aber vielleicht ist das gar nicht so inkonsequent. Denn wenn sie schon an die Heiligenviten und Wundergeschichten der orthodoxen Kirche glauben, dann können sie genauso gut auch Fourakis und seinen Geschichten Glauben schenken. Fünf Jahre nach seinem Tod wird Fourakis von extremistischen christlichen Zeitungen wie die berüchtigte Eleftheri Ora gefeiert, die Hand in Hand mit der Apostolischen Diakonie der Kirche Griechenlands die Neuauflage seines Buches »Die (Vor)Zeichen von Delphi und der zionistische Python«, Bücher von Konstantinos Plevris und die Protokolle der Weisen von Zion vertreibt (XYZ Contagion, 27. Dezember 2015). Aber das überrascht eigentlich niemanden mehr. Denn wenn sogar der Erzbischof von Athen und der orthodoxen Kirche von Griechenland Hieronymos II. seine Kirche verfolgt und gegen sie eine Verschwörung »unter den Direktiven des neuen Zeitalters und der neuen Weltordnung« laufen sieht, zeigt das nur allzu deutlich, dass die Orthodoxie der tief in ihr nistenden reaktionären Aufklärungsfeindlichkeit treu ergeben bleibt (Lefteris Savvides, News247 Online, 04.10.2016).

Nach Fourakis‘ Tod, um wieder zum Thema zu kommen, meldeten sich sofort Stimmen zu Wort, die Hellenen hätten ihn zum Schweigen gebracht, schließlich habe er sie bloßgestellt. Wenn diese Leute auch nur einen Funken Vernunft in sich hätten, würden sie den Worten eines Mannes, der sich als Betrüger zu erkennen gab, kein Gewicht beimessen, nur weil er ihr Weltbild bestätigt, würden nicht ernsthaft glauben, dass die Hellenen (oder ihre vermeintlichen Geldgeber) ihn damit beauftragt hätten, sie zu verunglimpfen und aus ihren Göttern Aliens zu machen. Für die Weiterführung des hellenischen Magazins »Diipetes« oder den Bau eines Tempels hatten sie nicht genug Geld in der Tasche, dafür aber einen Christen beauftragt, sie selber und ihre Tradition durch die Gosse zu ziehen, um ihn dann wieder loszuwerden? Hier zeigt sich, dass mit der Vernunft auch das Urteilsvermögen der Verschwörungsjunkies zum Teufel fährt. In ihrem Bestreben den Hellenismos anrüchig erscheinen zu lassen und in Verruf zu bringen, geben sich gewisse Leute der Lächerlichkeit preis und merken es nicht einmal. So heißt es beispielsweise in einem Online-Artikel: »Der bekannte Autor und Leithammel des Dodekatheismus [!] Ioannis Fourakis … packt, offenbar von Reue geplagt, gegen alle und alles aus und scheut auch nicht davor zurück, nicht nur die Clique, der er viele Jahre gedient hat, aber auch sich selbst einen Betrüger zu nennen«. Das Outing des Fourakis wird nachträglich idealisiert, um seinen vermeintlichen Enthüllungen einen spektakulären Zug zu verleihen, er selbst heroisiert, damit er weiterhin als Argument gegen den Hellenismos einen Wert besitzt. Das Outing disqualifiziert ihn nicht etwa, nein, er wird dadurch glaubwürdiger denn je. Dabei war es Fourakis, der 2006 auf seinem Forum Fourakis-Kea geschrieben hat, dem YSEE bereits im Juni 2005 den Krieg erklärt zu haben, also fünf Jahre vor seinem letzten öffentlichen Auftritt (»Mein Krieg gegen den YSEE«, zuletzt abgerufen am 06.11.2019).

Alte Verleumdungsgeschichten werden von Nationalisten und Vertretern der orthodoxen Kirche immer wieder neu aufgewärmt, so beispielsweise vom Metropolit Seraphim von Piräus, der freilich auch gegen die Juden ins Feld zieht, während eines Auftritts beim griechischen Privatsender Mega-Channel sogar die Behauptung aufstellte, dass Hitler im Auftrag des Zionismus gehandelt habe, um »die Juden zur Ausreise aus Europa zu treiben und mit dem Staat Israel ein neues Imperium zu gründen«.[106] Doch Metropolit Seraphim steht mit solchen Äußerungen nicht allein da. Ähnliche und andere Äußerungen wurden von Laien und Mönchen gleichermaßen getätigt. Der Antijudaismus begleitet das Christentum von seinen Anfängen bis heute und ist in Griechenland besonders stark verbreitet. Eine Studie der amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) vom Jahr 2014 kommt zu dem Ergebnis, dass »nicht in Ländern wie Polen, Ungarn oder die Ukraine die meisten antisemitische Vorurteile, Ressentiments und Stereotypen unter der Bevölkerung verbreitet sind, sondern mit 69 Prozent in Griechenland«. Besonders ausgeprägt ist der Antisemitismus bei Personen, »die eine sehr starke Anbindung an die griechisch-orthodoxe Kirche haben« (Deutsche Welle, Antisemitismus in Griechenland, 16.09.2017). Die Makedonien-Universität von Thessaloniki und die University of Oxford sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Ein Jahr später erreichte Griechenland Antisemitismuswerte von 67 % (ADL, Greece 2015). Rabbi David Rosen hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass der »Antisemitismus innerhalb« der orthodoxen Kirche weiterhin aktiv ist, leider ist der Antihellenismus in manchen jüdischen Kreisen auch nicht unbedingt inaktiv.[107][108] Nun hatte aber der gleiche Metropolit die Hellenen ins Auge gefasst. Er nennt sie »die Neopaganisten«, verunglimpft den antiken Polytheismus, macht den heutigen zum »Neopaganismus«, den die New-Age-Bewegung und »neue Weltordnung« erfunden habe, um in Zusammenarbeit mit dem Islam das Christentum zu bekämpfen. Die Ethniker in Griechenland stellen sich, so Seraphim, »mit aller Kraft« in den Dienst des »internationalen Zionismus«, den sie zu bekämpfen vorgeben, in Wirklichkeit aber an der Verwirklichung seines Planes zur »Errichtung der Diktatur der globalen luziferischen Religion« arbeiten – und das ganze Theater nur, weil ein Abgeordneter der Goldenen Morgenröte behauptete, er fühle sich mehr Grieche als Christ, und auf die Frage hin, wie er die griechische Religion sieht, antwortete: »ich respektiere sie«. Und wenn der heilige Metropolit schon beim Thema ist, muss er noch unbedingt hinzufügen, dass die Zerschlagung demokratischer Institutionen, die Schließung philosophischer Schulen, die Verfolgung der Philosophen und das Abfackeln von Bibliotheken durch die alten Christen nur Hirngespinste seien und die Hellenen von ausländischen Geldgebern, den »bekannten Bankern« finanziert werden.[109] Das muss wohl der Grund sein, weshalb sie sich bis heute den Bau eines Tempels nicht leisten können. Orthodoxe Logik! Auf einmal scheint der Metropolit auch ein Problem mit den Nazis der Goldenen Morgenröte zu haben, wo er doch früher anderer Meinung war, gelegentlich mit ihnen gemeinsame Sache machte, wie Evgenia Fotiou uns in Erinnerung ruft, und sich von ihnen sogar beschenken ließ.[110] Dass er sich jetzt gegen die Goldene Morgenröte stellt und ihr eine »pagane« Ideologie unterstellt, hat sicher nichts mit der steigenden Antipathie der Bevölkerung gegen die Nazis zu tun. Nein, Opportunismus liegt diesem heiligen Mann von Piräus sicher genauso fern wie das Christentum dem Schamgefühl.

Während Journalisten, Blogger und Kirchenmänner den Leuten zunächst weismachen wollten, dass ethnische Hellenen, Epsilonisten und Mitglieder der Goldenen Morgenröte zur gleichen Szene gehören, sie undifferenziert von den »Archäolátres« (»Antike-Verehrer«) sprachen, war später von einer Zersplitterung der »Szene« die Rede, ließen sich ja die Unterschiede und ersten Konflikte zwischen ethnischen Hellenen und Archäozentristen nicht mehr kaschieren. Fourakis unternahm den Versuch im Hellenismos Fuß zu fassen, wurde aber nicht nur daran gehindert, sondern auch noch von den Ethnikern mit Spott überzogen und indirekt des Betrugs bezichtigt. Narzisstisch gekränkt wie er war, hatte er keinen Grund mehr den »Sympathisanten« zu spielen und konnte endlich offen gegen den Hellenismos zu Felde ziehen, wobei ihm die Naivität der Fundamentalisten zugute kam, den Worten eines Mannes zu trauen, welcher sich selbst einen Betrüger nannte. Dabei hätte sein Eingeständnis sie stutzig machen sollen. Aber von Menschen, die die Herkunft der Griechen von den Sternen aus einer antiken Inschrift herauslesen, eine der zahllosen Betrügereien der Archäozentristen, dürfen wir nichts anderes erwarten (Spyros Avgerinopoulos, in: ellinikahoaxes: Verschwörungstheorien, vom 17.04.2016). Dass Fourakis nie ein Ethniker war, ist eigentlich offensichtlich. Nicht weil er Christ oder ein Rassist war, nein, vielmehr wegen der Inhalte seiner Schriften und Interviews. Ufo-Kult und mystizistischer Nationalismus gab es im Hellenentum nun mal nicht. Außerdem sind seine Theorien völlig abwegig und stehen im Widerspruch zur streng-historisch-polytheistischen Tradition der Hellenen, zum gesunden Menschenverstand sowieso. Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass der Hellenismos eine humanistische Religion ist. Die Götter der Hellenen bekämpfen weder die Juden noch hassen sie die Menschen oder Völker, die sie nicht verehren. Sie verlangen nicht nach weltweiter Verehrung, unbedingten Gehorsam, Ausschließlichkeit. Die Anmaßung hinter solchen Forderungen ist ihnen fremd. »Die Götter sind mit allen Tugenden begabt und ohne einen Hauch des Bösen« (Kleanthes).[111] Wenn die Menschen eine solche Hybris zu vermeiden suchen, kommt sie für die Götter erst recht nicht in Frage. »Hybris ist Überhebung in Wort und Tat« und kein Kennzeichen des Hellenismos.[112] Weder möchte dieser weltweit dominieren (»Church of Hellenes«) noch betrachtet er andere Völker als minderwertig (Nationalismus). Er ist ein gleichwertiges Steinchen im großen Mosaik der Ethnosphäre.

Wie bereits angemerkt, werden die Götter der Griechen nicht nur in Griechenland oder in Großbritannien, aber auch in Deutschland zu »Kindern« und »Engeln« »Gottes« degradiert. Der unheilvolle Geist der Esoterik erobert den europäischen Büchermarkt. Er macht weder vor den fernöstlichen Lehren noch vor den ethnischen Religionen Europas Halt. Wenn Esoteriker behaupten, dass beispielsweise Apollon und Hermes »Engelwesen«, Boten des biblischen Gottes seien, bekunden sie nicht nur ihre Unkenntnis der Materie, sondern vermitteln überdies, wie es um den Zustand der Esoterik bestellt ist.[113][114] Der Schaden, den der Hellenismos durch die Esoterik und das »Neuheidentum« erlitten hat, ist nicht gering, aber auch nicht allzu groß. Damit das so bleibt und einige ernste Missverständnisse korrigiert werden, müssen Grenzen gesetzt und signalisiert werden: Bis hierhin und nicht weiter. Epsilon hat nicht wenige Menschen hinters Licht geführt, doch hat sich der Hellenismos davon nicht beeindrucken lassen, seine Grenzen scharf akzentuiert und schließlich die staatliche Anerkennung erlangt. Zumindest in Griechenland traf Epislon auf unseren massiven Widerstand. Der YSEE wies schon vor vielen Jahren auf den »messianischen« Charakter dieser Theorie hin. Über ihre messianische Botschaft urteilte er, dass sie auf die Kultivierung von Passivität hinausläuft. Die Epsilon-Legende sei dazu da, Menschen zu betäuben und verrückt zu machen.[115] Rassias nannte die Epsilon-Theorie ein »Märchen«, das »uns nicht beschäftigen sollte«, denn nach 10, 20 oder mehr Jahren wird sich niemand mehr an die Erfinder dieser Theorie erinnern, die unsere Götter »finstere Mondwesen« schimpfen.[116] Für ihn besteht kein Grund, Menschen, die daran glauben wollen, davon abzuhalten. Unsere Aufgabe ist es den Hellenismos korrekt darzustellen und Zerrbilder aufzulösen, nicht andere von etwas abzuhalten oder schlimmer noch, sie zu bekehren. Die Epsilon-Anhänger haben das Recht auf freie Meinungsäußerung und wir die Pflicht, unsere Kultur zu verteidigen.

5. Schlusswort

Wir haben nun einen Blick auf das Christentum, den Okkultismus, das »Neuheidentum«, den Archäozentrismus und auf die Esoterik geworfen und ihr Verhältnis zum Hellenismos untersucht. Ich denke, dass die Unterschiede gut herausgearbeitet wurden. Ein Streifzug durch hellenische und »neopagane« Foren, Bücher und Artikel wird jedermann den Beweis liefern, dass meine Angaben richtig sind. Wie könnte es auch anders sein? Die Differenzen sind unübersehbar. Der »Neopaganismus« hält den Individualismus hoch, der Hellenismos das Kollektiv. Der »Neopaganismus« hat keine antiken Wurzeln und orientiert sich nicht an die ethnischen Kulturen. Wir aber orientieren uns ans archaische, vor allem ans klassische Athen, knüpfen an die Spätantike, das Mittelalter an. Und die Hellenen des Mittelalters waren sicherlich keine »Neuheiden«, nicht am Individualismus, Ökofeminismus oder am weiblichen Prinzip interessiert. Sie hatten andere Ziele. Plethon und sein polytheistischer Zirkel haben »die Wiedergeburt des Hellenentums ernsthaft versucht«.[117] Aus diesem Grund wird der zeitgenössische Hellenismos auf Plethon zurückgeführt. Rassias nannte ihn »unseren Ur-Großvater«. Doch er war nicht der einzige Polytheist vor der Moderne. Michael Marullus war auch einer und hinterließ uns seine zahlreichen Hymnen an die Götter. Sein Großvater und Vater waren auch Hellenen. Viele Stratioten scheinen Polytheisten gewesen zu sein. Dem Historiker und Literaturforscher Konstantinos Sathas (1842-1914) zufolge existierte ein attischer Geheimbund, der fest entschlossen an der »Wiederbelebung der hellenischen Bildung, eingeborenen Identität und der väterlichen Sitten« arbeitete. Leider erfüllte sich die Vision der »Attischen Gesellschaft« nicht. Verführt von den Verheißungen eines materiellen Wohlstands, sollen manche ihrer Mitglieder vom Weg abgekommen sein und auf diese Weise zum Zerfall der Gesellschaft entscheidend beigetragen haben. Hätte es mehr Hellenen wie Plethon und Marullus gegeben, wäre die Attische Gesellschaft vielleicht erfolgreich gewesen.[118] Wir werden es nie mit Sicherheit wissen.

Der Hellenismos kann also schon deshalb keine »neopagane« Religion sein, weil er eine andere Geschichte hat und entscheidend älter ist als der »Neopaganismus«. Ihm geht es nicht um Kreativität oder Magie. Der »Neopaganismus« ist nun mal ein modernes Phänomen, das im Widerspruch zu eben den Traditionen steht, als deren neue Verkörperung er sich ausgibt. Seine Ritualstruktur bezeugt seine Abstammung. Und ob er sich in dieser Form keltisch nennt und in der anderen ägyptisch, die Struktur und Mentalität bleibt die gleiche, ähnelt zu sehr dem Okkultismus und Wicca-Kult. Am deutlichsten fällt die anti-aufklärerische Note ins Auge, die ihn vom Hellenismos und anderen Traditionen trennt. In ihm haben sich Meinungen und Anschauungen zu den Göttern, Religionen und Mysterien diverser Ethnien verfestigt, die in keinem adäquaten Verhältnis zur historischen Wirklichkeit stehen. Das Problem ist nicht, dass »neuheidnische« Autoren an das glauben, an das sie glauben, sondern dass sie ihre Ansichten nicht auch als solche kenntlich machen. Solange das nicht passiert, muss das »Neuheidentum« mit unserem Widerstand rechnen. Die unabsichtliche Skurrilisierung unserer Mythen, die Verzerrung der Geschichte (z.B. die Stellung der Frauen im Hellenentum) und die Verwendung der Götter als »Batterien« oder »Werkzeuge« für magische Zwecke ist des Hellenentums unwürdig und erschwert seine Rehabilitierung. Das hat das hellenische Volk nicht verdient. Vor allem stört die Zwangsverpackung der Götter in ein Denkparadigma, das jeglicher Pietät oder Achtung entbehrt. Wenn aber ein lächerliches Bild von ihnen und ihrem Kult nach außen gezeichnet wird, schadet dem Hellenismos, weil daraus falsche Rückschlüsse gezogen werden. Die allermeisten »Neuheiden« haben keine schlechten Absichten, sicher, doch ändert das nichts am Endergebnis.

Die Absurdisierung des Polytheismus durch seine Einbeziehung ins »Neuheidentum« schadet wiederum den ethnischen Hellenen, weil sie dann mit diesem assoziiert werden. Die Menschen unterscheiden nun mal nicht zwischen wikipediagemachten und echten »Neuheiden«, und weil wir mit aller »Gewalt der Arroganz« der gleichen Kategorie zugeführt werden, sehen wir uns mit Vorurteilen oder Fragen konfrontiert, die eigentlich nicht uns gelten. Klar, wir können später erklären, dass das nicht unsere Götter sind und wir damit nichts zu tun haben, aber wenn etwas erst einmal ins Bewusstsein der Menge eingegangen ist, kann es nur schwer korrigiert werden. Das können wir zur Zeit in Griechenland beobachten, wo die Propaganda zwar viel länger läuft, gerade deshalb aber demonstriert, wohin solche Entwicklungen führen können. Ehrlich gesagt, zweifle ich daran, dass, wenn der Hellenismos genauso präsent, organisatorisch genauso stark wäre wie z.B. der Hinduismus oder Buddhismus, die Behandlung erfahren würde, die er momentan erdulden muss. Nun haben wir diese Stärke noch nicht und können deshalb gegen Wikipedia nicht rechtlich vorgehen. Doch die Zeit arbeitet für uns.

Es gibt aber auch einen weiteren, oben schon genannten Grund, weshalb der Hellenismos nicht »neopagan« sein kann: Die Hellenen sind keine »Anhänger« einer Religion, sie sind Mitglieder einer Ethnie, in der es auch Atheisten und Agnostiker gibt, auch wenn diese eine kleine Minderheit bilden. Das wurde nie beachtet. Ein andere Frage, die unbeantwortet bleibt, ist die Frage nach den Kriterien, nach denen entschieden wird, welche Religion »neopagan« zu nennen ist. Der Vorgang der Einstufung ist intransparent. Wir jedenfalls haben uns nicht von Christentum und Romiosini losgesagt, um im »Neuheidentum« zu landen. Unser Ziel war das Hellenentum. Wir brachen mit der christlichen Lehre, der Romiosini und befreiten uns vom christlichen Denken, seinen Motiven und Werten. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das heutige Griechenland ist ein durch und durch christliches Land. Die Kirche durchdringt alle Bereiche des menschlichen Lebens, beeinflusst die Art, wie Menschen denken, kommunizieren und zusammenleben. Überall Kirchen, in fast jeder Ecke eine Kapelle, in öffentlichen Gebäuden Ikonen von Heiligen, die den Hellenismos bekämpften, Tempel zerstörten, Ethniker verfolgten, Hass und Zwietracht schürten und die zu achten, gar als Vorbilder zu sehen uns gelehrt wurde.

Durch diese Katharsis mussten wir alles auf den Kopf stellen, was wir zeit unseres Lebens als gegeben hinnahmen; vieles, was uns die neugriechische Gesellschaft, unser christliches Elternhaus und die Schule fürs Leben mitgab, unser Selbstverständnis über Bord werfen, um den Pfad zum Hellenentum tatsächlich gehen zu können. Dieser Weg war steinig. Alles, von dem wir meinten, dass es zu uns gehöre, zu »Griechen« mache, weil Schule, Staat und Kirche es uns so beibrachten, wurde angezweifelt, teilweise revidiert oder ganz fallen gelassen. Sich davon zu lösen, selbst mit Hilfe antiker Literatur, ist schwer. Wir »fochten einen Kampf aus, um uns zu befreien. Manches fühlte sich bei seiner Entfernung aus unserem Bewusstsein an, als würde uns das Herz zerspringen. Doch es musste sein, denn die Gedanken in unseren Köpfen waren nicht unsere eigenen, sondern wurden uns eingepflanzt«. Erst danach konnten wir als »freie Menschen entscheiden, wie wir von nun an über uns, den Kosmos, die Natur und die Menschen« denken würden.[119] Es ging nie (allein) darum, anstatt Jesus Zeus zu verehren, sondern ein anderes Wertesystem zu verinnerlichen und dadurch letztendlich andere Menschen zu werden. Das hellenische Denken üben, bis es zu unserem eigenen wird. Es sich aneignen, verinnerlichen, die Welt aus hellenischen Augen betrachten, ohne sich vor der heutigen Zeit und ihren Herausforderungen zu verschließen, wie es die monotheistischen Religionen tun, weil sie an ein antikes Schriftgut gebunden sind.

Wir sind keine antiken Griechen, sondern Menschen der heutigen Zeit. Das ist uns wohl bewusst. Unsere Seelen indes haben einer anderen Kultur und einem anderen Wertesystem die Treue geschworen. Und diese andere Kultur kennt ein anderes Verhalten, Denken und Verstehen, das wir der heutigen Gesellschaft vorziehen. Wenn alles Christliche aus der Psyche nicht entfernt wird, wenn keine Entchristianisierung der Persönlichkeit stattfindet, wird jedes Bekenntnis zum Hellenentum nichts weiter als ein bloßes Lippenbekenntnis bleiben. Erst wenn wir das Christentum, das Abendland und die Romiosini aus unserem Bewusstsein entfernen, schaffen wir Raum für Neues, in unserem Fall für das Hellenentum. Seine Wiederbelebung ist tatsächlich möglich, denn wir sprechen und schreiben Hellenisch, trotz aller Veränderungen durch die Zeit. Schrift und Sprache der Hellenen beherbergen auch den Schlüssel zu ihrer Weltanschauung. Die große Mehrheit der ethnischen Hellenen lebt im Land der Hellenen, wo ihre Geschichte ein Stück weit immer noch lebendig, beinahe greifbar ist: Monumente erinnern an unsere Geschichte und Orte erzählen von den alten Mythen. Wir atmen und erleben das besondere Klima, die einzigartige Flora und Fauna Griechenlands, schwimmen in seinen Gewässern und schauen nachts zu den gleichen Sternen, die unseren Ahnen ein großes Rätsel waren. Am wichtigsten ist die Sprache in Zusammenhang mit den Sitten und Mythen. Hier liegt das Fundament für die Revitalisierung des Hellenentums. Erst durch die Sprache können viele Konzepte hinter den Begriffen überhaupt verstanden werden, die sich nicht leicht in andere Sprachen übersetzen lassen. Durch sie gelangen wir in die Nähe der Alten. Nicht nur wegen des Einhaltens der Orthopraxie, sondern auch aus diesem Grund wird der Kult in Altgriechisch abgehalten, wenn auch nicht immer und auch nicht von allen. Wer meint, wir könnten keine Hellenen sein, weil wir keine direkten Nachfahren von Perikles sind, der hat nicht verstanden, dass Blut kein Übermittler von Tugenden oder ein Träger einer Identität ist. Und er hat nicht verstanden, dass es nicht darum geht, antike Griechen zu sein, sondern hellenische Menschen. Und wer kann schon behaupten, dass die Götter Griechen sind? Blut hat mit Ethos, Arete und Paideia nicht das Geringste zu tun. Im Hellenismos geht es um die Weltanschauung und das Wertesystem der Hellenen, nicht um Körperflüssigkeiten.

Der Hellenismos ist allen Behauptungen zum Trotz ein Ethnismus, der den Fortschritt, der ihn immer charakterisierte, nie von der Besinnung auf die Geschichte und genuine ethnische Identität abkoppelte. Diese Geschichte und Identität ist es, die ihn definiert und zu dem macht, was er ist. Deshalb werden wir uns weiterhin für seine Verteidigung, Rehabilitierung und Fortsetzung einsetzen und unser Bestes geben, damit die Menschen ihn als das kennenlernen und akzeptieren, was er wirklich ist, wissend, dass die zukünftigen Generationen das vollbringen werden, was wir begonnen haben. Wir schulden es den Gefallenen, auf das ihr Schweiß und Blut nicht vergeblich geflossen ist und wir schulden es den Ungeborenen, auf dass ihr Weg leichter sein wird als es unser eigener Weg war.

 


Nachweise:

1. Douglas Groothuis: Was tun gegen New Age? Aufruf zum Widerstand. S. 17, 1. Auflage, Verlag Schulte & Gerth, Asslar 1989.

2. Neuheidentum, in: Duden Online (zuletzt abgerufen am 30.3.»2013«)

3. Um Missverständnisse zu vermeiden: »Hexe« und »Hexenbewegung« werden in dieser Bewegung positiv besetzt; sie sind Selbstbezeichnungen, keine Beleidigungen meinerseits. Die »Hexe« wird von diesen Gruppen und ihnen nahestehenden Individuen als Heilerin oder als Priesterin einer »großen Göttin« idealisiert und mit einer spezifischen religiösen Gesinnung in Verbindung gebracht.

4. Bedeutet etwa »Wesen, Kultur der Hellenen«. Hellenentum, in: Duden Online (zuletzt abgerufen am 30.3.»2013«)

5. Neopaganismus, in: Wikipedia (zuletzt abgerufen am 30.3.»2013«)

6. Timothy Jay Alexander im Interview mit dem hellenischen Magazin »Ideon Antron«, Ausgabe Nr. 2, S. 40-45, Herausgeber: Thyrsos, griechisch.

7. Marion Giebel: Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter. S. 8, Patmos, Düsseldorf 2006.

8. »Der Duotheismus ist innerhalb des Wicca auf die Arbeiten Dion Fortunes zurückzuführen […]. Dion Fortune war keine Hexe, sondern eine Anhängerin der westlich-okkultistischen Tradition, die deutliche kabbalistische Einflüsse aufweist.«

Janet Farrar, Gavin Bone: Progressive Witchcraft: Neue Ideen für den Hexenkult. S. 48, 1. Auflage, Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel 2005.

9. Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums Band 1, Die Frühzeit: Von den Ursprüngen im Alten Testament bis zum Tod des hl. Augustinus (430). S. 184, 6. Aufl., Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006.

10. Jannis Papajohanu: Psomiadis bei der Einweihung des Tempels der zwölf Götter, vom 17. August »2010«, in: Press(.)gr (Politik). URL: http://press-gr.blogspot.de/2010/08/blog-post_613.html (zuletzt abgerufen am 4.4.»2013«), griechisch.

11. YSEE: Welche Haltung habt ihr gegenüber den Theorien zur »Gruppe E(psilon)«?, in: YSEE (Häufig gestellte Fragen), URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=faq#9 (zuletzt abgerufen am 4.4.»2013«), griechisch.

12. Vlassis G. Rassias: Über die Tatsache, dass das Wort »Betrüger«, den Buchstaben E(psilon) enthält, in: Rassias (Artikel, News, Veranstaltungen). URL: http://rassias.gr/9008.html (zuletzt abgerufen am 29. Januar »2011«), griechisch.

13.FalseFaith: Die tragisch-komischen Taktiken der Apologeten von OODE, in: FalseFaith: Wissen macht frei (Januar »2009«). URL: http://falsefaith.blogspot.com/2009/01/blog-post_15.html (zuletzt abgerufen am 24.02.»2011«). Beitrag vom Donnerstag, den 15.01.»2009«. Ursprüngliche Quelle: http://ethnikoi.org/metallinosboys.htm, griechisch.

14. YSEE: Are you Pagans?, in: YSEE (Frequently asked questions about the Ethnic Hellenic religion and tradition: Theological and Cosmological matters), URL: http://www.ysee.gr/index-eng.php?type=english&f=faq#24 (zuletzt abgerufen am 4.4.»2013«), englisch.

15. Ingvar: Odinism And The Occult, in: Odinism Today, Ausgabe Nr. 17, Frühling »1995«.

16. Janet Farrar, Gavin Bone: Progressive Witchcraft: Neue Ideen für den Hexenkult. S. 50, 1. Auflage, Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel 2005.

17. Echte Hellenen, das bedeutet dem Ethos und der Weltanschauung, nicht nur dem Namen nach (bloß weil man sich so fühlt), Hellenen sein.

18. Ethnisches Hellenentum: die Kultur, Identität und das Wesen der antiken Griechen und polytheistischen Griechen (→ ethnischen Hellenen) der nach-christlichen Zeit. Das »Hellenentum« ist die deutsche Übersetzung für das griechische Wort »Hellenismos«.

19. »Ελληνισμός: of the Greeks, Hellenism […]. II. use of a pure Greek style and idiom […].«, Henry George Liddell, Robert Scott: A Greek-English Lexicon. S. 536, 9. Auflage, Oxford University Press, New York 1996.

20. Marion Giebel: Kaiser Julian Apostata: Die Wiederkehr der alten Götter. S. 8, Patmos, Düsseldorf 2006.

21. Temple of the Greek Gods: Info, in: Temple of the Greek Gods (Facebook: Beschreibung). URL: https://www.facebook.com/templeofthegreekgods/info (zuletzt abgerufen am 4.5.»2013«).

22. Rainer Funk (Hg.): Einleitung: Das Leben selbst ist eine Kunst, in: Erich Fromm: Die Antwort der Liebe: Die Kunst des richtigen Lebens. S. 9, 2. Auflage, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2003.

23. Vlassis G. Rassias: Barbarische (Miss)Interpretationen der eingeborenen hellenischen Religion, in: Rassias (Artikel, Interviews, Veranstaltungen). URL: http://www.rassias.gr/1022.html (zuletzt abgerufen am 5.5.»2013«), griechisch. Zitat aus seiner von ihm gehaltenen Rede in der Veranstaltung »Das Wiederaufleben der antiken griechischen Religion«, die am 1.6.»2002« in der »Halle des Logos« in Athen statt fand.

24. Galater 4,8-11:8

25. 1. Korinther 10,20-21

26. Dion Fortune: Selbstverteidigung mit PSI: Sicherheit und Schutz durch geistige Kraft. S. 107, 7. Auflage, Ansata Verlag, München 2004.

27. ebd., S. 145

28. Dolores Ashcroft-Nowicki: Magische Rituale: Ein praktischer Lehrgang. S. 74, 5. Auflage, Hermann Bauer, Freiburg 2000.

29. Paul Veyne: Die griechisch-römische Religion: Kult, Frömmigkeit und Moral. S. 18-19, Reclam Verlag, Stuttgart 2008.

30. Dolores Ashcroft-Nowicki: a.a.O., S. 74

31. Dolores Ashcroft-Nowicki: ebd., S. 107

32. Starhawk: Der Hexenkult als Ur-Religion der großen Göttin: Magische Übungen, Rituale und Anrufungen. S. 134-135, 2. Auflage, Hermann Bauer Verlag, Freiburg 1985.

33. Vivianne Crowley: Phoenix aus der Flamme: Heidnische Spiritualität in der westlichen Welt. S. 111, Deutsche Erstausgabe, Edition Ananael, Bad Ischl 1995.

34. Scott Cunningham: Wicca: Einführung in die Spiritualität und Praxis der neuen Hexenkunst. S. 24, 1. Auflage, Ullstein Verlag, Berlin 2005.

35. Ellen Cannon Reed: The Heart of Wicca: Wise Words from a Crone on the Path. S. 71, Samuel Weiser, Inc., York Beach 2000.

36. Reed, a.a.O, ebd.

37. Nowicki: a.a.O., S. 132

38. Nowicki: a.a.O., S. 329

39. Eliphas Levi: Transzendentale Magie: Dogma und Ritual. S. 45, 2. Auflage der Neuausgabe, Ansata-Verlag, München 2002.

40. Levi: a.a.O., S. 27

41. Veyne: a.a.O., S. 27

42. James H. Brennan: Experimentelle Magie: Einführung und Praxis. S. 125, Sphinx Vlg., Basel 1985.

43. Phyllis Curott: Spirituelle Magie: Die hohe Kunst der Heiler und Hexen. S. 261-262, 2. Auflage, Heyne Verlag, München 2005.

44. Janet Farrar, Gavin Bone: Progressive Witchcraft: Neue Ideen für den Hexenkult. S. 80, 1. Auflage, Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel 2005.

45. Farrar, Bone: a.a.O., S. 80, 82, 189 und 195

46. Martin P. Nilsson: Griechischer Glaube. S. 27, A. Francke Verlag, Bern 1950.

47. Vivianne Crowley: Phoenix aus der Flamme: Heidnische Spiritualität in der westlichen Welt. S. 17, Deutsche Erstausgabe, Edition Ananael, Bad Ischl 1995.

48. James H. Brennan: Experimentelle Magie: Einführung und Praxis. S. 78, Sphinx Vlg., Basel 1985.

49. Vivianne Crowley: Wicca: Die alte Religion im neuen Zeitalter. S. 41-42, 3. Aufl., Edition Ananael, Bad Ischl 2004.

50. Vivianne Crowley: Phoenix aus der Flamme: Heidnische Spiritualität in der westlichen Welt. S. 24, Deutsche Erstausgabe, Edition Ananael, Bad Ischl 1995.

51. Crowley: Phoenix aus der Flamme: Heidnische Spiritualität in der westlichen Welt. S. 17

52. Crowley: Wicca: Die alte Religion im neuen Zeitalter. S. 26

53. Jörg Dittmer: Merkmale der Griechischen Religion, S. 2, in: Chairete (Griechisch: Sonstiges: 1. Allgemeines). URL: http://www.chairete.de/Beitrag/Griechisch/merkmale_der_griech._religi.pdf (zuletzt abgerufen am 17.6.»2011«).

54. Veyne: a.a.O., S. 163

55. Stilian Ariston: Der Philosoph im Auftrag Apollons – Sokrates war ein Polytheist, vom 26.3.»2013«, in: Stilian Ariston Blog (Philosophie). URL: http://stilian-ariston.blogspot.de/2013/03/der-philosoph-im-auftrag-apollons.html (zuletzt abgerufen am 6.5.»2013«).

56. Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. S. 435-436, Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1904.

57. Crowley: a.a.O., S. 29

58. Nilsson: a.a.O., S. 59

59. Veyne: a.a.O., S. 37. Quelle des Zitats: J. Scheid: Religion romaine et spiritualité, in: Archiv für Religionsgeschichte 5, S. 197-209, bes. 204, 2003.

60. Voulgarakis: Mary, Athena and Guanyin: What the Church, the Demos and the Sangha can teach us about religious pluralism and doctrinal conformity to socio-cultural standards, in: Bei Dawei, Derrick M. Nault, Evangelos Voulgarakis: Experiencing Globalization: Religion in Contemporary Contexts (Key Issues in Modern Sociology). S. 94, Anthem Press, London/New York 2013.

61. Nilsson: a.a.O., S. 13

62. Walter Burkert: Greek Religion, S. 7, Blackwell Publishing Ltd./Harvard University Press, Malden/Oxford 1985.

63. Silver Ravenwolf: Das Zauberbuch der Freien Hexe: Übung & Meisterschaft. S. 244-245, 1. Auflage, Ullstein Verlag, Berlin 2004.

64. YSEE: Moderne »Liebesgeschichten«, in: YSEE (Liebesgeschichten). URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=love&lid=l4 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«), griechisch.

65. YSEE: Ξυλοδαρμός γνωστού ζευγαριού στον αρχαιολατρικό χώρο, in: YSEE (Pressemitteilungen). URL: https://ysee.gr/211.html (zuletzt abgerufen am 21.09.»2019«). Pressemitteilung Nr. 211 vom 04.12.»2008«.

66. YSEE: Moderne »Liebesgeschichten«, in: YSEE (Liebesgeschichten). URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=love&lid=l4 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«), griechisch.

67. Harald Heppner (Hg.): Hauptstädte zwischen Save, Bosporus und Dnjepr: GeschichteFunktionnationale Symbolkraft. S. 86-87, Böhlau-Verlag, Wien; Köln; Weimar 1998.

68. Scott Cunningham: Wicca: Einführung in die Spiritualität und Praxis der neuen Hexenkunst. S. 25, 1. Auflage, Ullstein Verlag, Berlin 2005.

69. Veyne: a.a.O., S. 16

70. ebd.

71. Salustios, Vl. G. Rassias (Übers. u. Hg.): Peri Theon kai Kosmou (Über die Götter und den Kosmos), S. 39, Anichti Poli, Athen 2002 (griechisch).

72. Salustios: a.a.O., S. 36

73. 14. Herodot, A. Horneffer (Übers.): Historien. S. 132, 4. Auflage, Kröner Verlag, Stuttgart 1971.

74. Diese Prozesse werden bei Nilsson: Griechischer Glaube, gut, wenn auch m.M.n. nicht ganz wertneutral, geschildert.

75. Scott Cunningham: Handbuch der Natur- und Elementarmagie Teil 1.S. 25, 1. Aufl., Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel 2004.

76. Walter F. Otto: Theophania: Der Geist der altgriechischen Religion. S. 76, Rowohlt, Hamburg 1956.

77. ebd.

78. Salustios: a.a.O., S. 21

79. Vlassis G. Rassias: Thyrathen: Das Philosophie-Lexikon. S. 91, 1. Auflage, Anichti Poli, Athen 2006 (griechisch).

80. Wesen, in: Duden Online (zuletzt abgerufen am 4.4.»2013«). Wesen: aus dem Althochdeutschen wesan = Sein. Hat etwa die gleiche Bedeutung wie das griechische Όντα.

81. Nilsson: a.a.O., S. 109

82. Timothy Jay Alexander: Interview in »Ideon Antron«, veröffentlicht am 13. Januar »2011«, in: Hellenismos (Artikel, Kategorie: Hellenismos). URL: http://hellenismos.us/b/2011/01/interview-in-ideon-antron/ (zuletzt abgerufen am 15.4.»2011«). Quelle: Online-Zeitschrift »Ideon Antron« der hellenisch-polytheistischen Kultgemeinschaft Thyrsos.

83. The Church of Hellenes: Who we are, in: Hellenic Religion (Englische Startseite). URL: http://www.hellenicreligion.gr/doc_en/who-en.htm (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013).

84. YSEE: Wojciech Jan Rudny interviews a constitutional member of the Supreme Council of the Ethnikoi Hellenes, in: YSEE (Articles). URL: http://www.ysee.gr/index-eng.php?type=english&f=rozmowa_en(zuletzt abgerufen am 7.5.»2013).

85. FalseFaith: Die tragisch-komischen Taktiken der Apologeten von OODE, in: FalseFaith: Wissen macht frei (Januar »2009«). URL: http://falsefaith.blogspot.com/2009/01/blog-post_15.html (zuletzt abgerufen am 24.2.»2011«). Beitrag vom Donnerstag, den 15. Januar »2009«. Quelle: http://ethnikoi.org/metallinosboys.htm. Originalsprache: Griechisch.

86. FalseFaith: Wer steuert die »Apologeten«?, in: FalseFaith: Wissen macht frei (Januar 2009). URL: http://falsefaith.blogspot.com/2009/01/blog-post_09.html (zuletzt abgerufen am 24.2.»2011«). Beitrag vom Freitag, den 09. Januar »2009«. Quelle: http://ethnikoi.org/metallinosboys.htm. Originalsprache: Originalsprache: Griechisch.

87. Vlassis Rassias: Lieber Jannaki… Ein offener Brief an den Herausgeber des »Apollonischen Lichtes«, in: Rassias (Artikel, News, Veranstaltungen). URL: http://www.rassias.gr/1015.html (zuletzt abgerufen am 12. März »2011«), griechisch.

88. Diipetes: Antwort auf das Schreiben der Organisation »Chrysi Avgi«, in: Diipetes.YSEE (Ausgewählte Themen). URL: http://diipetes.ysee.gr/html/dx_30.html (zuletzt abgerufen am 14.5.»2012«). Originalsprache: Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen wurden von mir ins Deutsche übersetzt).

89. YSEE: Seid ihr »Paganisten«?, in: YSEE (Häufige Fragen). URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=faq#24 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch.

90. Ioannis Fourakis: Fourakis im Interview mit Pantelis Giannoulakis, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=71:-strange–2&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch, Quelle: Strange, Ausgabe Nr. 17, November »1999«.

91. ebd.

92. Apostolos Lakasas: Church of Greece split over role of neofascist Golden Dawn party, vom 08. November »2012«, in: Ekathimerini (News). URL: www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite1_1_08/11/2012_469127(zuletzt abgerufen am 29. November »2012«).

93. Fourakis: a.a.O.

94. Ioannis Fourakis: Pyr-ätherisches Interview, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=70:-strange—1&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch.

95. Ioannis Fourakis: Interview mit dem Magazin Strange, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=72:-strange–1&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch, Quelle: Strange, Ausgabe Nr. 1, Juni 1998.

96. Stelios Fanos: Die Organisation »Epsilon« und die Entwürdigung Griechenlands und seiner Geschichte, in: oodegr (Neuheiden: Themen). URL: http://www.oodegr.com/neopaganismos/syxrono_xali/E1.htm (zuletzt abgerufen am 13. April »2011«). Auszug aus dem Buch von Stelios Fanos: Handbuch der Bücher über das antike Griechenland, Band 2. S. 584-599, Kinisi Ideon Verlag, Athen 2005, ISBN: 960-90612-3-0, Sprache: Griechisch. Quelle des Artikels: Griechisches Magazin »Ardin«, Ausgabe Nr. 52, S. 27-33, Januar-März »2005«, griechisch.

97. Ioannis Fourakis: Pyr-ätherisches Interview, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=70:-strange—1&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch.

98. Ariadna Matamoros Fernàndez: Griechischer Religions-Salat, vom 10. Juli »2007«, in: Cafebabel (Gesellschaft). URL: http://www.cafebabel.de/article/21476/griechischer-religions-salat.html (zuletzt abgerufen am 01. Mai »2011«). Übersetzt von Jan Ehlert.

99. Ioannis Fourakis: Pyr-ätherisches Interview, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=63:2010-01-30-13-00-25&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch, Quelle: Apollonio Fos.

100. Ioannis Fourakis: Die Juden: (Ver)Fälscher der griechischen Geschichte, in: Fourakis (Bücher). Stand: 09. August »2011«. URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=59:2010-01-30-12-19-08&catid=35:2010-01-30-03-22-28&Itemid=29 (zuletzt abgerufen am 09. August »2011«). Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

101. Ioannis Fourakis: Der erste Konflikt zwischen Griechen und Juden, in: Fourakis (Bücher). Stand: 09. August »2011«. URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=51:2010-01-30-11-56-50&catid=35:2010-01-30-03-22-28&Itemid=29 (zuletzt abgerufen am 09. August »2011«). Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

102. Ioannis Fourakis interviewed von Pantelis Giannoulakis: Die Rückkehr der Götter, der Antichrist, die Hyperchthonischen, in: Fourakis (Interviews). URL: http://www.fourakis.gr/index.php?option=com_content&view=article&id=73:—-61&catid=36:2010-01-30-03-22-39&Itemid=18 (zuletzt abgerufen am 09. August »2011«). Quelle: Das Interview wurde in der 61. Ausgabe (April »1997«) der griechischen Zeitschrift »Trito Mati« veröffentlicht. Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

103. grekos1940: Der Betrug und die Lügen der Neuheiden!, in: YouTube. Stand: 09. August 2011. URL: http://www.youtube.com/watch?v=OfrH6jPZnE8 (zuletzt abgerufen am 09. August 2011). Ioannis Fourakis‘ letzte Rede vom 24. September 2010 in Griechenland. Ioannis Fourakis ist der Erfinder der »Epsilon«-Theorie. Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

104. balanthsberoia: Orphische Theologie: Der Monotheismus der Hellenen, in: YouTube (Upload: 2.12.»2011«). URL: http://www.youtube.com/watch?v=nT4Nk-hJrsc (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch.

105. Stilian Ariton: Über die wirklichen Unterschiede zwischen Polytheismus und Monotheismus, vom 29.3.»2013«, (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«).

106. A. Papapostolou: A Greek Bishop Blames Jews for Greece’s Problems, vom 23.12.»2010«, in: Greece.Greek.Reporter: News. URL: http://greece.greekreporter.com/2010/12/23/a-greek-bishop-blames-jews-for-greece%E2%80%99s-problems/ (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«).

107. National Journal: Hoher Kirchenführer prangert im Fernsehen ›jüdischen Weltverschwörungsplan‹ an, vom 1.1.»2011«, in: National Journal (Globalismus 2011). URL: http://globalfire.tv/nj/11de/globalismus/metropolit_juedische_weltverschwoerung.htm (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«).

108. Israswiss: Der Geist der Hellenen, in: israswiss (Community: Themen: D). URL: http://www.israswiss.net/shalom/lechaim/brennpunkt/53882196d2116c51b.html (zuletzt abgerufen am 29. April »2011«).

109. Metropolit Seraphim von Piräus: Die Politiker der Chrysi Avgi sind Neopaganisten, vom 23.4.»2013«, in: Enikos (Gesellschaft). URL: http://www.enikos.gr/society/139382,Serafeim:Einai_neopaganistes_sthn_Xrysh_.html (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013), griechisch (Titel wurde ins Deutsche übersetzt).

110. Euromedianews: Greek-Orthodox Church blessed Greek nationalists, vom 27. Juni »2012«, in: Euromedianews (Juni »2012«) . URL: http://euromedianews.wordpress.com/2012/06/27/greek-orthodox-church-blessed-greek-nationalists/ (zuletzt abgerufen am 28. November »2012«).

111. Zitiert nach Paul Veyne: a.a.O, S. 89

112. Martin P. Nilsson: a.a.O., S. 63

113. Jeanne Ruland: Das große Buch der Engel: Namen, Geschichte(n) und Rituale. S. 260, 6. Auflage, Schirner Verlag, Darmstadt 2006.

114. Ruland: a.a.O., S. 291

115. YSEE: Welche Haltung habt ihr gegenüber den Theorien zur »Gruppe E(psilon)«?, in: YSEE (Häufige Fragen). URL: http://www.ysee.gr/index.php?type=d&f=faq#9 (zuletzt abgerufen am 7.5.»2013«), griechisch.

116. Vlassis G. Rassias: Über die Tatsache, dass das Wort »Betrüger«, den Buchstaben E(psilon) enthält, in: Rassias (Artikel, News, Veranstaltungen). URL: http://rassias.gr/9008.html (zuletzt abgerufen am 29. Januar »2011«). Griechisch (Titel und ausgesuchte Textstellen ins Deutsche übersetzt).

117. Pavlos Tzermias: Neugriechische Geschichte: Eine Einführung. S. 34, 3. überarb. u. erw. Aufl., Francke Verlag, Tübingen 1999.

118. Stephanos Mytilinäos: Der geheime »Attische Bund« der Griechen (Mittelalter – Renaissance), in: Logos Hellenikos: Geschichte, Philosophie, Orthos Logos (Stratioti). URL: http://logosellin.blogspot.de/2013/04/blog-post_5.html (zuletzt abgerufen am 5.4.»2013«). Originalquelle: griechisches Magazin DAVLOS, Ausgabe Nr. 272-273, August-September »2004«. Hauptquelle des Davlos-Artikels: Konstantinos Sathas: Mittelalterliche Bibliothek, Band 7, Venedig 1894, griechisch.

119. Kl. Ioannides und Vl. Rassias (Gäste): Tolmo (Fernsehsendung), 17.02.»2006«, Nikosia: Sigma Channel.

Hellenismos und Neopaganismus (als PDF Datei)